Die WASt-Auskunft – Teil 2 – Erinnerungen vs. Faktenlage

Eine Anleitung für die erfolgreiche Recherche zur Kriegsgeschichte eines Familienangehörigen.

Wer einen Familienangehörigen hat, der als Soldat seinen Anteil am Zweiten Weltkrieg hatte, der steht oft vor der Frage, welche Rolle spielte mein Angehöriger damals? Wer nicht zu Lebenszeiten das Glück gehabt hat, vom Betreffenden Antworten auf folgende Fragen zu erhalten, wird sich heute mit großer Ungewissheit rumschlagen:

Wo ist er gewesen?

Was hat er erlebt?

Was hat er durchgemacht?

Ich möchte versuchen, Licht ins Dunkel zu bringen und einige Wege einer erfolgreichen Recherche aufzuzeigen. Denn in den meisten Fällen kann man wenigstens zu den grundlegenden Fragen, die benötigte Antwort beisteuern.

Hierfür werde ich zunächst den Werdegang meines Vaters ein wenig beleuchten. 

Mein Vater Anton Schäfer 1926-2013

Mein Vater wurde am 17.3.1926 im hessischen Obertiefenbach geboren, wo er bis 1943 der familiären Landwirtschaft nachgegangen ist. Er hatte drei Brüder, von denen zwei ebenfalls Soldat wurden und in den Krieg zogen – Hermann diente seit Ende 1940 in der Wehrmacht, Georg seit 1942. Der Zweite Weltkrieg führte den Bruder Hermann zunächst an die Westfront, dann über Finnland an die Ostfront. Georg wurde 1942 zur Wehrmacht einberufen, war im Sommer 1943 im Mittelabschnitt der Ostfront eingesetzt. Etwa zur gleichen Zeit, zu der der Bruder Georg an der Front eintraf, wurde auch mein Vater im vierten Kriegsjahr zum Dienst an der Waffe einberufen. Als letzter zog er in die Ferne, kam auch als letzter wieder Heim, und zwar im Sommer 1947. Einige Stationen seines Krieges waren:

          * Grundausbildung in München

          * Verlegung nach Nordfrankreich zu

          * der Neuaufstellung einer Panzergrenadier-Division.

          * Alliierte Landung in der Normandie im Juni 1944

          * Kampfhandlungen gegen diese Landungsoperation, bis er am 18.08.1944 in alliierte Gefangenschaft gerät, die ihn für die Dauer von fast drei Jahre in die USA  führen wird.

Obwohl er den Großteil seines Lebens NIE über die eigenen Kriegserlebnisse sprechen wollte, machte er trotzdem kein Geheimnis daraus, das er Soldat gewesen und 1944 in der Normandie in alliierte Kriegsgefangenschaft geraten war. Das war fast sämtliches Wissen, an dem er die eigene Familie und auch Außenstehende über viele Jahrzehnte hinweg teilhaben ließ. Natürlich haben wir oft versucht ihn zu befragen, auszuhorchen; aber erzählt hat er trotzdem kaum. Ließ man keine Wahl und drängte ihn dazu, konnte das seine Laune für den Rest des Tages verderben. Allerdings ließ er uns manchmal für einen kurzen Moment teilhaben an einer schrecklichen Erinnerung. In knappen Worten zusammengefasst, die dann begann mit:

“Du willst was wissen vom Krieg? Das hier war der Krieg! … wir lagen in einem kleinen Dorf, mit den Panzern (Sturmgeschütze sind gemeint) zur Sicherung. Die Leute standen um uns herum, dabei war eine junge Frau, die ein Kind auf dem Arm trug, als wir abfuhren, bettelte sie, wir sollten die Kleine mitnehmen. Das ging aber nicht! Nach ein paar Kilometer sahen wir wie das Dorf durch einen Luftangriff zerstört wurde.

Am Nachmittag wurde Vaters Einheit ein Gegenangriff befohlen, wozu sie erneut das Dorf passieren mussten. Durch eine rauchende Trümmerwüste rollten ihre Fahrzeuge, bis sie die kurz zuvor verlassene Kreuzung erreichten, die es zu sichern galt. Der Bereich war durch die Bomben verheerend getroffen. Fast alle waren tot, die junge Frau fürchterlich entstellt und die kleine Tochter im Alter von vielleicht 5 Jahren, weinte und zerrte am Körper der Mutter, wollte das sie aufsteht. 

Das dürfte so ziemlich die einzige Erinnerung sein, welche mein Vater auf Drängen und Drängeln über viele Jahre, wenn überhaupt, erzählt hatte. Durch ein Kriegstagebuch seiner Division erfuhr ich genauen Ort, Zeitpunkt, Namen und viele andere Details: Tatsächlich hatte die Panzerjägerabteilung (zuvor Sturmgeschütz-Abteilung 17) meines Vaters am frühen Morgen des 30. Juni 1944 eine Sperrstellung zwischen Nay und Carentan bezogen. Alliierte Panzer- und Infanterie wurde aus Richtung Baupte erwartet. Alles war in heller Aufregung, zahlreiche Zivilisten hielten sich um die Sturmgeschütze herum auf. Während Stellungen für die Begleitinfanterie angelegt wurden, versuchte man die Zivilisten zu vertreiben. Wenige Minuten nach 9.00 Uhr ging dann ein Funkspruch ein, wonach sofort sämtliche deutsche Truppen den Ort verlassen mussten. Ein alliiertes Bombergeschwader war unterwegs und durch das Abhören des gegnerischen Funkverkehrs auf ihrem Weg entdeckt worden. Die Einwohner wurden informiert, die Einheit zog ab, so schnell es ging. Unmittelbar nachdem der Stellungswechsel vollzogen war, ging das Dorf in einem Bombenhagel alliierter Flugzeuge unter. Am Nachmittag wurde den Panzerjägern ein Gegenangriff befohlen, wo sie erneut durch das Dorf fahren mussten, Auch die Mutter und das Kind, ein Mädchen von 5 Jahren, fanden in dem Bericht des Kriegstagebuches Erwähnung…

Bombenteppich auf eine kleine französische Ortschaft in der Normandie. Foto: ohne Sign., Air-Corps, US-AF, NARA

Ich habe meinen Vater oft zu seinen Erinnerungen und dessen Erlebnissen befragt, aber Antworten erhielt ich erst nachdem ich 1999 mein erstes Buch veröffentlich hatte. Mein Vater hatte erkannt, das ich mich ernsthaft mit der Geschichte des Zweiten Weltkrieges auseinandersetzte. In den 14 nachfolgenden Jahren habe ich viele lange Gespräche mit ihm geführt. Habe diverse Kriegstagebücher (die amtlichen noch erhaltenen Aufzeichnungen des Truppenverbandes) besorgt und gemeinsam mit ihm zusammen durchgearbeitet. Wie “unternahmen” sehr viele Ausflüge in seine Geschichte der Jahre 1943 bis 1947, wobei er mich an seinen Erinnerungen teilhaben ließ. 54 Jahre Jahre nach dem er in alliierte Gefangenschaft geraten war. 55 Jahre nach dem Kriegsende. Mein Vater hatte endlich angefangen, seine eigenen Kriegserlebnisse zu verarbeiten, Fronterlebnisse eines 17 Jährigen, eine Zeit, die grausamer nicht sein konnte. Von meiner Mutter erfuhr ich: “Plötzlich werden die Alpträume weniger, Nächte ruhiger!”

Manch einer wird jetzt vielleicht denken: 14 Jahre? Da kann eine große Menge erzählt werden! Die Antwort lautet: all die Gespräche habe nur einen Bruchteil seiner Erinnerungen hervorgebracht.

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Zitate von damals 17-Jährigen Soldaten

„…ehe dich umschaust, biste Soldat!“ A.S.

„Am Anfang war das doch nur ein Abenteuer!“ A.S.

„Das Leben war zwar manchmal anstrengend, hat aber doch irgendwie auch viel Spaß gemacht, man trug Verantwortung, kam raus in die Ferne!“

„Und plötzlich warst du „WER“, hattest Aufgaben zu erfüllen und bekamst tolles Gerät anvertraut!“

„Auf einmal war alles anders, Du hattest zwar strenge Regeln und Pflichten, aber es war eine Herausforderung, der man sich stellte!“

„Nach einem Luftangriff halfen wir einem französischen Landwirt dabei, dessen Kuh wieder einzufangen. Aber die Kuh stand mitten in einem von uns angelegten Minenfeld! Passiert ist zum Glück nichts!“ A.S.

„Es war zwar Krieg, Altgediente berichteten darüber, was oft die spannendsten Geschichten waren. Aber trotzdem war der Krieg kein Teil von uns, außer Luftangriffen spürte man nichts davon.“ A.S.

„Nachdem wir an diesem Tag die ersten Schiffe draußen auf der See sahen, musste ich grinsen, ja sogar lachen. Es war irgendwie Spaßig, zu wissen, dass es nun endlich losgehen würde!“

Bild2 - ein blutjunger Soldat der Waffen-SS, vermutlich Angehöriger der 12. SS.Div. "Hitlerjugend"

Bild2 – ein blutjunger Soldat der Waffen-SS, vermutlich Angehöriger der 12. SS.Div. “Hitlerjugend”

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Aus den Erzählungen meines Vaters war bekannt:

  • Das er Eingezogen im Frühjahr 1943 zur Grundausbildung nach München einrücken musst. Bereits nach kurzer Zeit erfolgte ein Apell, bei dem ein Offizier herausfinden wollte, wer unter den Rekruten dazu in der Lage war, eine landwirtschaftliche Maschine zu bedienen.
    Als Landwirt war meinem Vater natürlich das Traktorfahren nicht fremd, was dazu führte, dass er gemeinsam mit einigen anderen jungen Burschen vortrat. Er und diese Kameraden wurden zu Panzerfahrern ausgebildet.
  • Nach Beendigung der Grundausbildung wurde über Verdun an die französische Normandieküste verlegt. Der Transport wurde in Verdun unterbrochen, wo ein Manöver durchgeführt wurde. Danach ging es weiter nach Nordfrankreich, wo sich die 17. SS-Panzergrenadier Division in der Aufstellung befand.
  • Nach einigen Monaten der Verbandsausbildung kam es zur feierlichen Verleihung des Ärmelbandes „Götz von Berlichingen“ – dem Namensgeber der Division. Im März feierte mein Vater seinen 17. Geburtstag. Drei Monate später sollte die „Angelegenheit zu bitterbösen Ernst“ werden.

Als die Landungsschiffe sich der französischen Küste näherten, sprach ein Kamerad meines Vaters: “Anton, lass die Amis mal kommen, die hauen wir aufs Meer zurück!” Es folgten dann die schweren Kämpfe gegen amerikanische und britische Verbände. Einige der nächsten Stationen waren die blutigen Schlachten bei St.Mere-Eglise, Carentan, St. Ló, Caen. Während er die meiste Zeit “sicher” im Sturmgeschütz (Fahrender Sarg, wie er das Ding immer nannte) der Panzerjägerabteilung verbracht hatte und an die Brennpunkte der Front verschoben wurde, war das Fahrzeug in der ersten Augustwoche durch Sherman-Treffer in die Kette ausgeschaltet worden. Mehrere Versuche, die Kette zu reparieren, mussten unter feindlichem Beschuss eingestellt und das Sturmgeschütz aufgegeben werden. Da die Panzerjägerabteilung nahezu zerschlagen war, wurde er fortan als Grenadier eingesetzt.

Auszug aus einer Meldung vom 11.7.1944 an die Division. Während dessen wurde die 1. Kp. mit 2 Sturmgeschützen im Rahmen des 6. Fallschirm-Jäger-Regt. eingesetzt.

Trotzdem gelang es meinen Vater mehr oder weniger unbeschadet, aus 5. Kesselschlachten herausgekommen, geriet allerdings schließlich in den “(Hexen)-Kessel” von Falaise, wo er am 18. August 1944 verwundet in alliierte Gefangenschaft geraten ist. Nachdem er sich am frühen Morgen bereits einige Granatsplitter eingefangen hatte, kam es Nachmittags zu einer direkten Kampfhandlung, an dem amerikanische, britische und deutsche Soldaten beteiligt waren. Nach einem heftigen Schusswechsel war alles vorbei. Zahlreiche Soldaten beider Seiten waren gefallen oder verwundet. Mein Vater wurde während dieser Schießerei ebenfalls verwundet und geriet in Gefangenschaft, die ihn zunächst nach England und im Anschluss in die Vereinigten Staaten führte, aus welcher er 1947 entlassen wurde.

In Gefangenschaft geratene junge Soldaten der 12. SS-Pz.Div.. Foto Signal Corps, US-Army, NARA, Washington

74 Tage ununterbrochener Gefechte

74 Tagen ununterbrochener Kampfhandlungen, während derer er drei Mal verwundet worden ist. Mitte Juni 1944 beherrschten die Alliierten den Raum Carentan mit lebhaftem Artl.Störungsfeuer und zogen Panzer für einen Angriff bei Periers zusammen. Zur gleichen Zeit sollte sich Vaters Abteilung in Bereitstellung begeben für einen selbst angesetzten Gegenstoß. Carentan wurde zu einem international bekannten Schauplatz einer ganzen Abfolge schwerster Kampfhandlungen zwischen der Wehrmacht und den Amerikanern, der 101. US-Luftlandedivision. Auf deutscher Seite war das Fallschirmjägerregiment 6  und die 17. SS-Panzergrenadier-Division „Götz von Berlichingen“ hier eingesetzt. Die Schlacht um Carentan dauerte vom 8. bis zum 15. Juni 1944.

Nach schwersten Gefechten nutzte mein Vater am frühen Abend die Gelegenheit für einen Toilettengang. Er war gerade hinter einer dichten Hecke  verschwunden, als ihn etwas mit unheilvoller, schwerer Wucht am Stahlhelm traf. Umgeworfen und durch die Wucht des Aufpralls benommen, griff er nach seinem Helm und taumelte umher bis ihn seine Kameraden endlich zurück auf und in das Sturmgeschütz brachten. Er hatte sich eine stark blutende Kopfwunde im Bereich der rechten Schläfe zugezogen. Es wurde ein Verband angelegt, einige Tage danach war die Gelegenheit, einem Feldarzt die Verletzung vorzustellen. Mit den Worten “Das ist nichts! Nur ein Kratzer, damit können Sie weiter kämpfen!”, wurde ein neuer Verband angelegt und er kehrte zu seinen wartenden Kameraden zurück. Der Krieg hatte ihn wieder und die Kampfhandlungen sollten wenigstens für ihn noch bis zum 18. August 1944 andauern, bis erste Zeit zum Nachdenken kam. Fortan herrschte die große Angst vor der Ungewissheit, wie es weiter gehen und wo der weitere Lebensweg hinführen wird.

„…Leben! Ja, Leben tue ich noch! Aber die meisten meiner Kameraden, Freunde!, sind gefallen, verstümmelt, spurlos verschwunden…“

Erst viele Jahre nach Kriegsende erfuhr mein Vater im Krankenhaus in Kirchen, das er ein Souvenir besonderer Art besaß. Er hatte ein Kaliber.30-Geschoss im Schädel, verkapselt gleich hinter der Schläfe. Der behandelnde Arzt kam zu Vater und fragte vollkommen überrascht: “Herr Schäfer, waren Sie im Krieg!” Was mein Vater natürlich mit “Ja” beantwortete. Der Arzt informierte darauf hin meinen Vater: “Sie haben ein Projektil im Kopf!”


Die Erinnerungen


Für diese beiden Soldaten ist es endlich vorbei! Physisch und Psychisch am Ende.

Erzählungen

Aktenlage der WASt

  • Eingezogen im Frühjahr 1943 nach München. Dort kurze Grundausbildung und anschließende Ausbildung zum Panzerfahrer.
  • Die Musterung erfolgte am 28. Juni 1943 durch Wehrbezirkskommando Wetzlar. Während der Untersuchung wurden die Schilddrüse und schlechter Zustand der Zähne bemängelt. Dann Eingezogen zum Wehrdienst im November 1943. Zuvor musste das Gebiss „auf die Reihe gebracht“ werden. Dazu waren fünf Zähne zu ziehen.
  • über Verdun in die Normandie zur Aufstellung der 17. SS-Panzergrenadier-Div. abkommandiert, dort Verbandsausbildung mit anschließender Verleihung des Ärmelbandes „Götz von Berlichingen“
  • Mitte Februar 1944 Verlegung nach Verdun; dabei kurzer Aufenthalt mit Ausbildung auf dem „Truppenübungsplatz Verdun“.
  • Verlegung nach Thours in Westfrankreich. Zugang zur 17. SS-Panzergrenadier Division, die sich in zur Verbandausbildung befinden. Am 10. März 1944 feierliche Verleihung des Ärmelbandes.
  • Im März feierte mein Vater seinen 17. Geburtstag. Drei Monate später erfolgte die alliierte Landung an der Normandieküste. Es folgten schwere Kämpfe. Nach der fünften Kesselschlacht geriet er im Kessel von Falaise in alliierte Gefangenschaft, die ihn zunächst nach England und im Anschluss in die Vereinigten Staaten führten, aus welcher er erst 1947 entlassen wurde.
  • Ab März Ausbildung zum Panzerfahrer, zu dieser Zeit begeht er seinen 17. Geburtstag. Im Juni 1944 kommt es zu der alliierte Landung in der Normandie.
  • Hiernach folgt die Zeit der Kampfhandlungen bis zum 18. August 1944, dann nach Verwundung in Gefangenschaft.
Kampf um Cherbourg und der Fallschirmjäger in St. Mere-Eglise  Nachweislich war die Division nicht an den Kämpfen um Cherbourg oder St. Mere-Eglise beteiligt.

Wie kommt es zu diesen Unklarheiten?

Man muss besonders in Rechnung stellen, dass die eigene Erinnerung nachhaltig eintrübt. Jeder Mensch neigt dazu, erlebte Erinnerung und erfahrene Erinnerungen in seine eigene Historie zu übernehmen. Je öfters das geschieht und je länger der Zeitraum zurückliegt, um so mehr kann es sein, dass die eigenen Erinnerungen unter Umständen deutlich verfälscht werden.

Das geschieht durch Verdrängen der eigenen Vergangenheit, dem Lesen von Büchern zum Thema, Anschauen von z.B. Kriegsfilmen oder Dokumentationen.

Mein Vater war z.B. davon überzeugt, das er selbst an den schweren Kämpfen um Cherbourg teilgenommen habe und er war der festen Auffassung, den amerikanischen Fallschirmjäger am Kirchturm in St. Mere-Eglise persönlich hängen gesehen zu haben. Über die Vorgänge z.B. in der Nähe von Cherbourg schilderte er wiederholt eine Szene eines Vorbeimarsches deutscher Soldaten an einem See, in dem sich zwei Amerikaner durch Untertauchen versteckten. Zum anderen erzählte er, wie er mit eigenen Augen gesehen habe, wie der amerikanische Fallschirmjäger in St. Mere-Eglise am Glockenturm hing. Manch einem wird jetzt vielleicht ein Licht aufgehen: Cherbourg, die Amerikaner im See? Der Fallschirmjäger am Kirchturm?, beides sind Szenen aus dem Spielfilm “Der längste Tag” von 1962.

Diese Aufnahmen vermischt mit der eigenen Erinnerung können so real abgespeichert werden, das der Betroffene denkt, persönlich das Berichtete durchlebt zu haben. Dazu muss man eine falsche Erinnerung nur oft genug wiederholen, bis sie zum eigenen Teil der eigenen Geschichte wird. Während Vaters Erinnerungen im vorgaukelten, selbst in St. Mere-Eglise gewesen zu sein, lässt sich jedoch belegen, dass die Division zu dieser Zeit noch nicht einmal in Alarm befohlen worden war. Die Fallschirmjäger der amerikanischen 82. US-Div. waren am frühen Morgen des 6. Juni 1944 abgesprungen. Die (Teil-)Einheit von meinem Vater war allerdings etwas mehr als 50 Kilometer entfernt und bestaunte die sich am Horizon abzeichnenden Schiffe der Seearmada. Die eigentliche Division selbst befand sich nur knapp 275 Kilometer südlich, war zwar mit einem kleinen Teil dicht an der Küste in einem Manöver, aber die Masse musste erst heranrollen und kam über Laval – Fougéres – Avranches – Villedieu – Torigny in den Raum Balleroy. Die “Götz von Berlichingen” war nie in St. Mere Eglise, sie trennte noch wenigstens 75 Kilometer vom ersten Einsatzort in Balleroy.


Was begünstigt dieses ?

  1. Nach der Heimkehr aus der Gefangenschaft war keine Zeit um die extremen Erfahrungen verarbeiten zu können. Das Leben musste weitergehen, die Arbeit musste wieder aufgenommen werden. Noch 1947 mussten die Schäden des Krieges im eigenen Land beseitigt werden. Bei vielen ehemaligen Soldaten setzte so die Zeit des Verdrängens und des Vergessens ein.

  2. Zahlreich haben die damaligen Soldaten erst viele Jahre, oft Jahrzehnte, nach Kriegsende überhaupt erst damit begonnen, sich selbst mit der eigenen Geschichte zu befassen, weil deren Kinder wissen wollten, welche Rolle man im Krieg eingenommen hatte oder wegen Rentenansprüchen. Zu jener Zeit konnte die eigene Erinnerung allerdings bereits schon nachhaltig verändert haben und musste nicht mehr 100 % den Tatsachen entsprechen.


Das Wehrstammbuch und und Kriegstagebücher

Im Falle meines Vaters hatten wir das Glück, einen Großteil seiner Kriegsgeschichte anhand des Wehrstammbuches nachzuvollziehen. Dieses Wehrstammbuch wurde infolge der Anfrage bei der WASt zur Verfügung gestellt und im Anschluss ausgewertet.

Im Wehrstammbuch findet man in der Regel die umfangreichsten Informationen zur Laufbahn eines Soldaten. Hier wurden Kommandierungen, Versetzungen, Lehrgänge, Beförderungen etc. eingetragen.

Anhand dieser Unterlagen konnten die Erinnerungen meines Vaters konnten in langwieriger und mühevoller Kleinarbeit mit amtlichen Aufzeichnungen in Form von deutschen und amerikanischen Kriegstagebüchern, Auskünften der ehemaligen Wehrmachtsauskunftsstelle (WASt), veröffentlichten Divisionsgeschichten und Informationen von Wilburn Penny, ehemals 3. US. Panzerdivision und Captain, US-Army, Willard Denise aus Florida abgeglichen werden.

Obwohl die Fronterlebnisse “nur” 74 Tage betrugen, konnten insgesamt etwa rund 1750 Seiten Aktenmaterial zu den Einsätzen seiner Division gesichtet werden.  Erst dadurch war es möglich die Geschehnisse tatsächlich nachzuverfolgen und immer wieder die persönlichen Erinnerungen meines Vater in den Vordergrund zu rufen.


 


Wenn Sie Unterstützung bei der Recherche zum Werdegang Ihres Angehörigen benötigen, wenden Sie sich bitte mit den Ihnen vorliegenden Informationen an mich und wir schauen, ob und wie weit ich Ihnen helfen kann. In kürze werde ich hierzu ein Formular bereitstellen, mit dem Sie sämtliche Informationen übermitteln können. Bis dahin bitte ich, mir die Anfrage via Email an info@das-kriegsende.de zuzusenden.


 

 

Die WASt-Anfrage und Auskunft – Teil 1

Die WASt, kurz für Wehrmachtsauskunftstelle, Suchdienst des deutschen Roten Kreuzes und die Kriegsgräberfürsorge sind die Dienststellen, die sich auch heute noch tagtäglich mit dem Schicksal zahlreicher ehemaliger Wehrmachtsangehörigen beschäftigen. In diesem Artikel möchte ich die Arbeit der ehemaligen Wehrmachtauskunftsstelle vorstellen und dabei Aufzeigen, wie man einen Antrag stellt und worauf man achten sollte.

Wer oder was ist die WASt

Was muss man wissen und wie stellt man den Antrag

Wann erhalte ich Antwort?

Was kostet mich das?

Wie sieht die Antwort aus?

Nach der Auskunft

Was ist ein Kriegstagebuch?

Wer oder was ist die WASt?

Die Deutsche Dienststelle erteilt Auskünfte darüber, wo ein deutscher oder verbündeter Soldat während seiner Dienstzeit zum Einsatz gekommen ist. Zeiten während der Gefangenschaft zählen ebenfalls zur Dienstzeit. Zur Auswertung erfolgt der Zugriff auf mehr als 18 Millionen Karteikarten, die den militärischen Lebenslauf der Soldaten dokumentieren.

Die Aktenbestände der Wehrmachtsauskunftstelle in Berlin. Foto von der offiziellen Seite der Deutschen Dienststelle:

Die Aktenbestände der Wehrmachtsauskunftstelle in Berlin. Foto von der offiziellen Seite der Deutschen Dienststelle.

Dazu greifen die Mitarbeiter auf 75.000 laufende Meter Regallänge Archivgut zu. Hier findet sich die zentrale Personenkartei mit ca. 18 Mio. Karteikarten zu Angehörigen der ehemaligen deutschen Wehrmacht und anderer militärischer (W-SS etc.) und militärähnlicher Verbände (z.B. Volkssturm oder Reichsarbeitsdienst). Darüber hinaus besitzt die Dienststelle:

5 Mio. Wehrstammbücher

150 Mio. Verlustmeldungen der Einheiten und Sanitätsformationen, darin enthalten etwa 10 Millionen personenbezogener Einzelmeldungen

100 Mio. namentliche Veränderungsmeldungen von Heer und Luftwaffe in den Erkennungsmarkenverzeichnissen

15 Mio. Meldungen über deutsche Kriegsgefangene

1,6 Mio. Marinepersonalakten

4,5 Mio. Gräberkarteikarten.

Aufgrund dieser Unterlagen ist die WASt in der Lage, die ihr aus einer Reihe von gesetzlichen Vorschriften auf dem Gebiet des Personenstandswesen sowie aus den zahlreichen Kriegsfolgegesetzen übertragenen vielseitigen Aufgaben zu erfüllen.

Im Herbst 2005 übernahm die WASt ca. 4.000.000 Wehrstammbücher aus den Beständen des Bundesarchivs Aachen Kornelimünster, ehemals Zentrale Nachweisstelle. In den Jahren 2009/2010 wurden etwa 10.000.000 personenbezogenen Einzelunterlagen der Jahrgänge 1900 bis 1928 aus dem Bestand des Krankenbuchlagers Berlin übernommen.

Die benötigten Anträge finden Sie gleich hier:
Benutzerantrag            und             Antrag personenbezogene Recherche

Wenn Sie einen Antrag stellen zwecks Erforschung des Werdegang ihres Vorfahrens, bitte fragen Sie unbedingt nach kopierfähigen Unterlagen, da anderenfalls in der Regel nur ein tabellarischer Lebenslauf erstellt wird. Platz dafür haben Sie auf Seite 3 des Antrages im Feld “weitere Angaben”. Die Kopien können zahlreiche hochwertvolle Informationen enthalten, und wenn man ein wenig Glück hat, auch weitere Dokumente, mit denen man so gar nicht gerechnet hat, wie die drei folgenden Beispiele aufzeigen.

1. Beispiel
Angehöriger der Wehrmacht, Gefreiter
1. Anfrage wurde in den 1990er Jahren gestellt: durch die Dienststelle wurde ein 2-seitiges Antwortschreiben mit tabellarischen Lebenslauf erstellt
2. Anfrage wurde im Jahr 2015 gestellt: Als Reaktion erhielt man 54 Seiten Materialien, darunter das gesamte Wehrstammbuch, 1 Foto, diverse versch. Dokumente
2. Beispiel
Oberleutnant der Wehrmacht 
1. Wurde die erste Anfrage 2008 mit 4 Seiten tabellarischer Lebenslauf beantwortet
2. Anfrage erfolgte 2012: Als Antwort erhielt man die Erstschrift eines Soldbuchs, dazu mehr als 100 Kopien, zudem vier verschiedene Fotografien
3. Beispiel
Wachtmeister der Luftwaffen-Flak-Truppe,
1. Anfrage mit 2 Seiten tabellarischer Lebenslauf
2. Anfrage: 17 Seiten verschiedener Dokumente, darunter Teile des Gesundheitsbuches
Die oben genannten Beispiele zeigen den Lauf der Dinge. Im ersten Fall haben die Informationssuchenden lediglich die knappen Mitteilungen erhalten. Nachdem Jahre später angeregt, erneut eine Anfrage mit besonderem Bezug speziell wegen der Kopien zu stellen, sind deutlich mehr Informationen zusammengekommen.

Der Umfang der evtl. vorhandenen Materialien ist grundsätzlich unterschiedlich, es kann sein, das viel vorhanden ist, es kann aber auch sein, das eben NICHTS oder nur wenige Dokumente vorhanden sind. 
Der Kostenumfang für eine Anfrage unterliegt der Gebührenordnung des Bundesarchives, sind auf deren Seite hinterlegt und können über diesen Link abgerufen werden. In der Regel werden 15,35 Euro die halbe Stunde & 50 Cent / Kopie anfallen. Erfahrungen haben gezeigt, dass die Gebühren selten 50 Euro überschreiten. Vergessen Sie nicht am Ende der Seite 3 im Feld für das Kostenlimit ihre finanzielle Obergrenze einzutragen.

Was muss ich wissen bevor ich eine Anfrage stelle?

Sie müssen wenigstens Name und Geburtsdatum der Person kennen, zu welcher Sie Informationen suchen. Alle Angaben darüber hinaus, gestalten die Nachforschungen für Sie und den Sachbearbeiter der Deutschen Dienststelle insgesamt deutlich einfacher. Wenn Ihnen Truppenzugehörigkeiten (belegbar) bekannt sind, teilen Sie diese mit.

Okay, Name und Datum kenne ich.
Wie  wie geht es dann jetzt weiter?

Ganz einfach. Sie stellen einen Antrag für die Nachforschungen.. Hierbei gilt es allerdings zu beachten, dass seit Januar 2019 die WASt als eine eigenständige Abteilung dem Bundesarchiv zugeordnet wurde. Das bedeutet, dass Sie einen

  • Benutzerantrag ausfüllen und diesen eigenhändig unterschreiben müssen.
  • Darüber hinaus müssen Sie einen Auftrag für eine personenbezogene Recherche zu Unterlagen des Bundesarchivs über Militärangehörige stellen.
  • Vergessen Sie nicht die Kopie des Personalausweises anzufügen.

Wann erhalte ich Antwort?

Was kostet mich das?

Die Wartezeiten sind derzeit nicht überschaubar, die Kosten hingegen meist schon und belaufen sich in der Regel selten auf mehr als 25 bis 35 Euro. Natürlich kann es in Einzelfällen auch teurer werden. Mir persönlich ist nur ein Fall bekannt, der im wahrsten Sinne des Wortes richtig Teuer wurde und gerade so die 200 Euro-Grenze geknackt hat. Hier war der Gesuchte allerdings ein hoher Offizier im Dienstgrad eines Oberstleutnants, dessen Werdegang bis zum Beginn des Ersten Weltkrieges zurückreichte und der erst 1949 aus russischer Gefangenschaft heimkehrte.

Seit Übergang in das Bundesarchiv wird je angefangene halbe Stunde der Auswertung mit 15.34 Euro berechnet.

Auf dem Antrag können Sie eine Obergrenze angeben, zu welcher Sie bereit sind die Kosten für die Auswertung zu übernehmen. Machen Sie unbedingt Gebrauch davon. Obwohl ich kaum einen Fall kenne, wo die Kosten deutlich über 35 Euro hinaus gingen, rate ich eine Summe von 75 bis 100 Euro einzutragen.

Da die Deutsche Dienststelle seit Jahresbeginn nicht mehr als eine Amtsstelle eingestuft ist, sondern jetzt dem Bundesarchiv eingegliedert wurde, haben sich einige Änderungen, damit aber Vereinfachungen, aber auch Erschwernisse ergeben.

Konnte man bis Jahresende den Nachforschungsantrag gleich Online stellen, ist es nun notwendig (dem deutschen Archivgesetzt konform), einen Benutzerantrag zu stellen, der mit eigenhändiger Unterschrift versehen ist. Das war auch schon der Nachteil.

Ein großer Vorteil besteht darin, dass zum Teil restriktive Einschränkungen wegfallen und darüber hinaus es angestrebt wird, die Bearbeitungszeiten signifikant einzukürzen!

Wie sieht die Antwort aus?

Hier möchte ich wieder zwei Beispiele anbringen, denn nicht in jedem Fall einer Personensuche sind die Unterlagen in gewünschten Maße vorhanden. Dann bleibt den Mitarbeitern des Bundesarchives nichts anderes übrig als anhand der Personenkartei die zugehörige Truppe zu identifizieren und mittels Erkennungsmarken-Verzeichnis und anderer amtlichen Überlieferungen zu verfolgen, wann unser Mann wo im Einsatz gewesen ist.


Beispiel 1 – Mein in Frankreich in Gefangenschaft geratener Großvater mütterlicherseits 

Ein tabellarischer Werdegang mit den zugehörigen Einheiten und Einsatzräumen wurde erstellt. Anhand dieser Daten kann man nun eine weiterführende Recherche erstellen. Die erzielbaren Ergebnisse werde ich an weiteren Beispielen in einem anderen Beitrag vorstellen.


Beispiel 2 – Das Schicksal des in Ostpreußen vermissten Soldaten Peter Stilck

In diesem Fall ist zunächst ebenfalls eine kurze Beschreibung des Werdeganges erfolgt, anschließend konnten die Mitarbeiter noch Kopien von 16 Seiten vorliegender Personalpapiere anfertigen, darunter ein Foto und ein handschriftlicher Lebenslauf des Soldaten.

Fall Peter Stilck - Auskunft in Form eines tabellarischen Lebenslauf.

Fall Peter Stilck – Auskunft in Form eines tabellarischen Lebenslauf.

Fall Peter Stilck - Wehrstammbuch, handschriftlicher Lebenslauf, Fotografie, diverse Einlagen der Division und Regimenter, Antrag auf Verleihung des Infanteriesturmabzeichen.-

Fall Peter Stilck – Wehrstammbuch, handschriftlicher Lebenslauf, Fotografie, diverse Einlagen der Division und Regimenter, Antrag auf Verleihung des Infanteriesturmabzeichen.-

Auszug aus dem Wehrstammbuch mit eingetragenen Gefechten.

Auszug aus dem Wehrstammbuch mit eingetragenen Gefechten.


Anhand dieser Daten lässt sich im Anschluss der Werdegang eines Soldaten anhand amtlicher Kriegstagebücher nachvollziehen. Eine militärhistorische Biographie kann erstellt und die Einsätze des Soldaten könnten oft bis ins kleinste Detail nachvollzogen werden.


Nach der Auskunft

Wenn Sie Unterstützung bei der Recherche zum Werdegang Ihres Angehörigen benötigen, wenden Sie sich bitte mit den Ihnen vorliegenden Informationen an mich und wir schauen, ob und wie weit ich Ihnen helfen kann. In kürze werde ich hierzu ein Formular bereitstellen, mit dem Sie sämtliche Informationen übermitteln können. Bis dahin bitte ich, mir die Anfrage via Email an info@das-kriegsende.de zuzusenden.

Wenn Sie mir die Daten und die für sie wichtigen Zeiträume vorlegen, erstelle ich einen Kostenvoranschlag zu Ihrer (besonderen) Fragestellung. Sollte Ihnen mein Angebot zusagen, werde ich tätig und erstelle entweder eine militärhistorische Biographie oder eine militärhistorische Zusammenfassung rund um wichtige Begebenheiten oder Daten. 


Eine Recherche kann auch oft ohne diese Auskunftsdaten erfolgen. Sollte Ihnen ein Wehrpass, Soldbuch, Feldpostbriefe, Fotos oder andere Dokumente vorliegen, so ist es auch in diesen Fällen oftmals möglich, punktorientierte Lösungen und Ergebnisse zu erzielen.

In den Personalpapieren wie Wehrpass bzw. Soldbuch sind die meisten benötigten Daten bereits erfasst und bedürfen nur noch einer Auswertung.

Ein Feldpostbrief beinhält in der Regel nicht nur persönliche Mitteilungen der Person, sondern lässt es zu, dass man über Datum und die Feldpostnummer die zugehörige Einheit ermitteln kann.

Auch eine Fotografie kann ein Lösungsansatz sein. Portraitaufnahmen zeigen oftmals Nummernauflagen auf den Schulterklappen. Mittels dieser Nummer lässt sich nicht selten die Truppenzugehörigkeit eingrenzen. Ganz besondere Fälle stellten Fotografien dar, auf denen neben taktischen Zeichen auch Divisions- oder Regimentszugehörigkeiten festgehalten sein können.

Ich erinnere mich im letztgenannten Zusammenhang gerne an das Vermisstenschicksal eines “1943 im Mittelabschnitt in Gefangenschaft geratenen Pionier-Leutnants”. Außer einem Foto des betreffenden war nichts vorhanden und man wusste auch nichts näheres außer dem Namen und “das er Offizier war und in Russland in Gefangenschaft geraten ist”. Das Foto ließ einen Offizier erkennen, wie er vor seinem Fahrzeug posierte, augenscheinlich ein Leutnant. Der Kübelwagen war mit Beschriftungen an der Fahrertüre versehen, die sich allerdings nicht  via Lupe oder Handy ordentlich vergrößern ließen. Aufgelegt auf einen hochwertigen Scanner lüftete das Fotos schließlich doch sein Geheimnis: Zu lesen war plötzlich: “Stab Pi.Btl 229”. Das Bataillon war der 197. Infanteriedivision unterstellt und nach einigen Tagen eingehender Recherche war ich dazu in der Lage, innerhalb eines Kriegstagebuches eine namentliche Erwähnung des Leutnants zu finden und darüber hinaus, auch die Umstände, unter denen er bereits 1942 beim Übergang über die Ugra (auf halben Wege zwischen Jelna und Wjasma) vermisst wurde.

Eine namentliche Erwähnung eines Gesuchten innerhalb eines Kriegstagebuches zu finden, stellt natürlich ein besonderes Highlight dar und kommt höchst selten vor. Meist handelt es sich dabei um Offiziere, eher noch mit höheren Dienstgraden und Dienststellungen.


Was ist ein Kriegstagebuch?

Deckblatt eines Kriegstagebuch der 3. Pz.Armee mit Inhaltsangabe

Die während des Zweiten Weltkrieges geführten Kriegstagebücher (KTB) umfassten mit ihren Anlagen das wesentliche Schriftgut der betreffenden Kommandobehörde und ihrer Stäbe, dabei halten sie die Ereignisse teilweise bis ins Detail fest. Der Führung des KTBs wurde per Bestimmung durch das OKH verfügt und folgte strickten Regeln, wonach festgehalten war, wie die Eintragungen in welchem Maße zu erfolgen hatten. KTBs umfassen in der Regel mehrere 100 bis 1000 Seiten für einen oftmals kurzen Zeitabschnitt. 

Dabei setzt sich das Kriegstagebuch aus mehreren Bänden zusammen, wobei ein Band meist ein Jahresquartal umfasst. Neben der Truppenzusammenstellung finden sich ausführliche Darstellung der Ereignisse in Bericht- oder Notizform, Tätigkeits- und Lageberichten und dazu die entsprechenden Anlagen wie Lagekarten. Darüber hinaus sind Berichte über besondere Vorkommnisse, Gefechts- oder Erfahrungsberichte, Kriegsranglisten, Verlustlisten, Rundbriefe usw. im Kriegstagebuch enthalten.

Bekämpfung von Stabbrandbomben 1.7 Kilo

Die Bekämpfung von engl. Stabbrandbomben 1,7 kg jeder Ausführung ist (durch Oberspritzen mit Wasser oder Abdecken mit Sand) wie bisher ohne Verzug, jedoch grundsätzlich aus der Deckung heraus, d. h. hinter Mauern, Pfeilern, Schornsteinen, Maschinen und dgl. vorzunehmen, weil durch die heftige Detonation des Sprengkopfes die Stahlsplitter auch Holz und Eisenschutzschilde sowie Sandsäcke durchschlagen. Die Bekämpfung aus einer geeigneten Deckung heraus ist in den meisten Fällen möglich, zumal der Löschstrahl der Luftschutzhandspritze mindestens 7 m Reichweite hat.

Stabbrandbombe Link zum durchsuchbaren PDF

Stalingrad – erste Todesfälle durch Erschöpfung

Am 21.12.1942 notiert die 6. Armee in ihrem Kriegstagebuch eine laufende Abnahme der Kampfkraft der in Front eingesetzten Truppen durch Verluste, Frostschäden und Entkräftung.
 
Die blutigen Verluste für den 19.12.1942 werden mit 957 Personen beziffert.
An diesem Tage bildete lediglich die Westfront der Armee einen Schwerpunkt der Kampfhandlungen. Bei der 44. ID hatten in der Nacht bei Marinowka 17 feindliche Panzer die HKL durchbrochen und waren bis zu 5 Kilometer tief vorgestoßen. Während dessen blieben die anderen Frontabschnitte relativ ruhig, wo sich nur kleinere Kampfhandlungen ereigneten und sich die Abschnitte unter Artillerie- und Mörserfeuer befanden.
2 erste Todesfälle durch Entkräftung
 
In der Lagebeurteilung der Heeresgruppe Don hält Generalfeldmarschall von Manstein fest:
Verpflegung im Kessel nur noch bis 22.12. vorhanden. Bereits starke Entkräftung der Soldaten (seit 14 Tagen nur 200 Gramm Brot). Masse der Pferde durch Entkräftung bereits ausgefallen bzw. verzehrt.

Die Truppe stürzte sich auf Brot. Bildquelle Bundesarchiv, BArch, RL30/4

Quellen
Kriegstagebuch der Heeresgruppe Don – T311-R271
Kriegstagebuch der 6. Armee

Das Bau.Pi.Btl. 434 während der Ardennenoffensive

Dies ist der Versuch einige Stationen des Kriegsdienstes des aus Weitefeld stammenden Reinhold Weinbrenner zu rekonstruieren. Weinbrenner war der erste Soldat, der aus Weitefeld zum Kriegsdienst eingezogen worden war. Obgleich er sich gerade erst von einem Beinbruch erholt hatte und der Landwirtschaft tätig war, musste er im Dezember 1940 in die Wehrmacht einrücken. Schuld hieran waren “persönliche Unpässlichkeiten mit dem Weitefelder Ortsgruppenleiter” der NSDAP, welcher sich persönlich dafür einsetzte, das Weinbrenner in den Krieg musste.

Reinhold Weinbrenner wurde im Winter 1940 zum Wehrdienst eingezogen in der 3. Kp. des B.E.B 12 (Bau.Ersatz.Bataillon) in Worms (Wehrkreis XII) in der Kemmelkaserne zum Pionier ausgebildet. Nach der Grundausbildung erfolgte Ende Januar 1941 die Versetzung in die 2. Kompanie des Fest.Bau.Btl. 157 (Festungs-Bau-Bataillon), das in Bordeaux in Frankreich eingesetzt war. Im März verlegte das Bataillon zunächst in den Raum um Metz, dann nach Colmar – Breisach, wo das Bataillon für Ausbesserung der Infrastruktur und das Instandsetzung von Brücken eingesetzt wurde.

Rheinhold Weinbrenner, geboren am 14.12.1903

Reinhold Weinbrenner, geboren am 14.12.1903

Sommer 41            Im Sommer erfolgte eine Umgliederung, wobei die 1. Kompanie zur 4. Minensuch-Kompanie z.b.V. wurde, während die 1. neu aufgestellt werden sollte. Ende August wurde das Bataillon in den Osten in den Raum Krakau verlegt.

Im April 1942     wurde das Btl. zum Fest.Bau.Btl.6, wobei das Bataillon weiter im rückwärtigen Bereich im Großraum Krakau – Ternopil eingesetzt wurde.

Am 1.7.1942       wurde Reinhold Weinbrenner vom Pionier zum Oberpionier befördert. Im Winter 1942 erkrankte er, weshalb er nach Warschau in Lazarett kam, wo eine Erkrankung des Herzens und Gelenkrheuma diagnostiziert wurden.

Hintere Reihe, vierter von Links. Januar 1943 - Rheinhold Weinbrenner im Reserve-Lazarett V in Warschau.

Hintere Reihe, vierter von Links. Januar 1943 – Reinhold Weinbrenner im Reserve-Lazarett V in Warschau.

Im März 1943      kam er zurück nach Worms und wurde der Genesenden-Kp des Bau-Ersatz-Btl. 12 unterstellt.  Am 1.7.1943 wird erfolgte die Beförderung zum Gefreiten befördert, wonach er zum Bau-Bataillon 434 an der Westfront in Marsch gesetzt wurde. An der Westfront blieb er bis in den Januar 1945, als er in Belgien in Gefangenschaft geriet.

Das Bau.Btl. 434 wurde ab dem 24.7.1943 im Wehrkreis II in Schlawe mit 4. Kompanien unter Verwendung von Teilen von Bau.Ers.Btl. 12 aus Worms, von Bau.Ers.Btl. 17 aus Engerau und der 1. Straßenbau-Kp. des Bau-Pionier-Ers.u.Ausb.Btl 2 aus Schlawe aufgestellt und setzte sich zusammen aus:

          Stab         4 Bau-Kompanien         1 Baukolonne

Die Mannschaften und Unteroffiziere mit insgesamt 970 Mann und 87 Unteroffizieren wurden durch die Wehrkreis-Kommandos III, IV, VIII, XII und XVII zugeführt und nach der Aufstellung im Westen eingesetzt. Bereits am 19. August 1943 erfolgte die Umbenennung in Bau-Pionier-Bataillon 434.

Mit dem Bau.Pi.Btl. 434 im Westen.

Mit dem Bau.Pi.Btl. 434 im Westen.

Am 1.4.1944 wurde Reinhold Weinbrenner zum Obergefreiten befördert. Leider lassen sich die genauen Unterstellungsverhältnisse und Einsatzräume des Btls. für den Zeitraum von Sommer 1943 bis Winter 1944 kaum nachverfolgen, allerdings kann man anhand einiger gefallener Bataillonsangehöriger die Einsatzräume zum Teil identifizieren:

Alfred Müller, gefallen am 13.01.1944 in Brüssel als Angehöriger der 4./Bau.Pi.Btl. 434

Josef Beranek, gefallen am 27.1.1944 in Brüssel als Angehöriger der 4./Bau.Pi.Btl. 434

Ludwig Blochberger, gef. am 20.04.1944 in Bergueneuse (45 Km westl. von Lens) 4./Bau.Pi.Btl. 434

Stefan Bünten, gef. am 19.05.1944  in Hesdin (65 Km westl. von Lens), 4./Bau.Pi.Btl. 434

Johann Wartner, gef. am 29.08.1944 in St. Omer, 35 Km südöstl. von Calais als Angehöriger der Bau.Pi.Kolonne 434

Erhard Kröger, gef. am 21.10.1944 in Heijen/NL, 15 Km westl. von Goch als Angehöriger der 2./Bau.Pi.Btl. 434

Emil Orfert, gef. am 11.11.1944 bei Kevelaer an der Straße in Richtung Geldern, Angehöriger des Stab/Bau.Pi.Btl. 434

Datum                                Unterstellung                        Einsatzraum

01.1944                              Heerestruppe                        Brüssel

04./05.1944                                                                      Lens / Frankreich

08.1944                                                                             Calais

                                            Heeresgruppe B

11/1944                             1. Fallschirm-Armee               Großraum Goch

Im November befand sich der Btl.Gef.Std. in Kervenheim.

Die 1. Fallschirmarmee wurde im April 1944 in Nancy in Frankreich als Ausbildungsstab aus dem Generalkommando des Fliegerkorps XI aufgestellt und ab dem 4. September als reguläre Feld- und Heerestruppe eingesetzt. Nach der alliierten Landung in der Normandie erfolgte die Unterstellung unter OKW-Befehl, wobei allerdings weiterhin Ausbildungstätigkeit fortgeführt wurde. Teilnahme an Gefechten erfolgten erst nach dem Durchbruch der Alliierten in Frankreich ab dem 4. September 1944 am Albert-Kanal in Belgien im Verband der Heeresgruppe B. Durch die Operation “Market Garden” wurde die Armee zur Maas und zur Waal ins östliche Holland zurückgedrängt.

Im Frühjahr 1944 waren fast sämtliche Bau-Stäbe dem Befehlshaber Nordwest unterstellt worden[1]. Dabei mussten die Bau-Btln. zusammen mit Festungs-Pionierstäben Munitionslager und dazugehörige Zufahrten zum Einlagern von Minen, Spreng- und Zündmitteln herstellen. Das Bau.Pio.Btl. 434 wurde unter Major Leipold dazu nach Lens in Frankreich verlegt. Quartier wurde durch die H.U.V. Laons bereitgestellt: „Es wird zur strengen Pflicht gemacht, bei Anforderungen strengen Maßstab anzulegen, damit die geringen Vorräte zur Deckung des plötzlichen Bedarfs ausreichen.“

Nach der alliierten Landung in der Normandie wurde im Sommer 1944 den immer noch in der Region eingesetzten Bau.Btln. und Bau.Pionier.Btln. der nachhaltige Ausbau von Geländeverstärkungen befohlen, das in erster Linie das Anlegen von Panzersperren vorsah mit:

      • der Verstärkung natürlicher Hindernisse
      • durch künstliche Sperren, einschl. Minen
      • durch Anlage feldmäßiger Kampfanlagen
      • Kanäle und Flussübergänge, die HKL bilden,
        unter starkem Einsatz von T- und S-Minen sichern
      • Vollkommener Tiefenausbau der Stellungen

Zudem das weitere Vorbereiten von:

      • Gefechts- und Ausweich-Gefechtsständen
      • Depot und Lagerstätten
      • Schein-Mun.Depot und Scheinlager
      • Erkundung und Ausbau von splitterfesten Unterkünften
      • Festlegen von Heeresverbandsplätzen

Ab August 1944 erfolgten zudem Einweisungen für den Kampfeinsatz nicht gewohnte Bau-Einheiten und andere rückwärtigen Dienste, vor allem aber für bisher nicht an Kämpfen im Westen beteiligten Verbände unter besonderer Berücksichtigung der feindlichen Luftherrschaft:

      1. Verhalten und Kampf in der HKL und beim Einsatz von Reserven
      2. Verwendung der Artillerie und schweren Infanterie-Waffen
      3. Verwendung der panzerbrechenden Waffen
      4. Vorgehen gegen feindl. Stellungen
      5. Einsatz von Nebelmitteln
      6. Abwehr eines feindl. Angriffs
      7. Verschieben von Truppen, Nachschub und Verwundetenversorgung.

Das Bataillon war bis zum 21.11.1944 im Raum Goch-Weeze eingesetzt, um Kriegsschäden zu beseitigen und Sanierungsarbeiten durchzuführen, darüber hinaus war die Verstärkung und der Ausbau der Panzerabwehr am Westwall und der Maasstellung, befohlen worden. Überdies mussten besonders die Zufahrten der Kriegsfähren über die Maas bei Afferden Instand gehalten werden, da diese Wege immer wieder zum Ziel von Luftangriffen wurden.

Infolge der Planungen für die bevorstehende Ardennenoffensive wurde das Bataillon Im Dezember in die Eifel verlegt. Ab dem 16.12.1944 war das Bataillon dem LXVI. Armeekorps (5. Pz.Armee) unterstellt, der Btl.Gef.Std. wurde in Rommersheim, 4. Km. südöstl. Prüm, eingerichtet.

Der Weg des Bataillons während der Ardennenoffensive

Der Weg des Bataillons während der Ardennenoffensive

Mit Beginn der Kampfhandlungen in den Ardennen erfolgte ein erster Einsatz des Bataillons. Aus dem Unterkunftsraum in Rommersheim ging das Bataillon in die Bereitstellung im Mehlenbachtal bei Prüm, um hinter der Front die Wege freizumachen. Ein erster Einsatz dürften Brückenbauarbeiten bei Steinebrück sein. Hiernach folgte das Bataillon den Vormarschwegen der 18.- und 62. Volksgrenadier Division, was zur kompanieweisen Trennung führte. Von Sankt Vith wurde die 2. Kompanie nach Vielsalm verlegt, wo ab die Kompanie ab dem 28.12.1944 mit Brückenreparaturen beschäftigt war.

Bis Weihnachten war das Bataillon im Großraum Sankt Vith im Einsatz zum Räumen von Minen und freimachen der Vormarschwege. Ab dem 27.12.1944 erfolgte verstärkt der Einsatz als Pi.Btl.

Am 30.12. wurden der Btl.Stab, die 1. und 4. Kompanie, zusammen ca. 300 Mann, der 18. VGD auf Zusammenarbeit unterstellt. Die 18. VGD war nach den verlustreichen Kämpfen selbst nur noch knapp 3500 Mann stark und hatte bereits die Masse der eigenen Pioniere verbüßen müssen.

Am 03.01.1945 wurde das Bataillon als infanteristischer Kampfverband durch die 18. vereinnahmt, was gewissermaßen zum Ende des Bataillons als Pioniereinheit führte. Innerhalb der „Kampfgruppe Kuhr“, benannt nach Hptm. Kuhr, Kdr. des Pi.Btl. 1818 der 18. VGD., wurden die Reste der divisionseigenen Pioniere gemeinsam mit den zusammengefassten Resten des Baubataillons in der Front eingesetzt.

Die Tagesmeldung der Heeresgruppe B für den Zeitraum vom 2. bis 7. Januar 1945 lassen die Heftigkeit der Kampfhandlungen dieser Tage erahnen:

„… Bei Neufchateau konnte der Feind nach Norden gering Boden gewinnen, östlich davon brachten eigene Gegenangriffe am Vortag verloren gegangene Ortschaften wieder in eigenen Besitz, während es dem Gegner im Bereich des I.SS-Pz.Korps gelungen war, unter ständigem Artl.Feuer und Tieffliegereinsatz die Front bei Bastogne weiter zurückzudrücken und Michamps einzunehmen. Durch eigenen Gegenangriff wurde in erbitterten Kämpfen unter Abschuss von 28 Feindpanzern Michamps zurückgewonnen.”

Am 3. Januar griff der Amerikaner mit starken Kräften und zahlreichen Panzern im Bereich des LXVI. AK und dem II.SS-Pz.Korps auf breiter Front an und erzielte Einbrüche von teils bis 3. Km Tiefe, die in schweren Kämpfen abgeriegelt werden konnten. Abschnitts-Schwerpunkte waren die Ortschaften Basse-Bodeux, Vaux-Chavanne und Grandmenil. Gegenangriffe einer gepanzerten Kampfgruppe sind am Abend angelaufen.

Die am 5. Januar bei Beffe nach Süden geführten Feindangriffe konnten in harten, beiderseits verlustreichen Kämpfen abgewiesen werden. Im Abschnitt der 116. PD. griff der Feind auf breiter Front an. Trotz mehrerer Gegenstöße und zähen Widerstandes wurde die eigene Truppe gering nach Süden zurückgedrückt.

Der 6. Januar stand ganz im Zeichen der amerikanischen Überlegenheit. Schwere Feindangriffe gegen den Abschnitt der 9. SS-PD zwangen zur Zurücknahme der eigenen HKL bis hart westl. Monaville. Gegen stärkeren Feindwiderstand konnte eine Kampfgruppe der 12. SS-PD- Hitlerjugend bis 1 km nördlich Bizory vordringen, jedoch blieben sämtliche Angriffe östlich davon in Folge starken Flankenfeuers und im heftigen Artl.- und PaK-Feuer liegen. Der zwischen Stavelot und Marche und mit besonders starken Kräften entlang der Naht zwischen 62. und 18. VGD vorgehende Feind erzwang mehrere tiefe Einbrüche bei Abrefontaine, Lierneux, Malempre und Dorchamps. In erbitterten Kämpfen konnten die Einbruchsstellen aufgefangen und notdürftig abgeriegelt werden. Gegen in Aisomont (südl. Stavelot) eingedrungenen Feind hat 18. VGD unter Zusammenfassung letzter Reserven einen Gegenangriff aufgenommen, zuvor konnte eine starke feindl. Bereitstellung durch eigene Artl. zerschlagen werden. Trotzdem drängte der Feind die eigenen Kräfte am linken Flügel weiter nach Süden zurück und konnte in der Linie 1 km südlich Arbrefontaine -S Lierneux -Baraque-de-Fraiture -2 km S Odeigne aufgefangen werden.

Auch am 7. Januar setzte der Feind im Bereich der 6. Pz.Armee mit voller Entschlossenheit und starken Pz.- und Inf.Kräften gegen den Abschnitt zwischen Stavelot und Marche an und erzielte trotz erbitterter Gegenwehr mehrere tiefe Einbrüche, die im Wesentlichen abgeriegelt werden konnten. Eigene Gegenangriffe sind im Gange.

Dietrich Moll, Obstlt. i.G, Ia der 18. VGD im Bericht “Über den Einsatz der 18. VGD´´; „Die Ausstattung mit Gr.W. für Pioniere war überflüssig, da sie nicht benötigt und später der Inf. zugeteilt wurden. Das Minensuchgerät sprach auf amerikanische Minen an…

Das Pi.Btl sollte eine Kp. der schnellen Abteilung unterstellen. Zwei Züge der rechten Angriffsgruppe, einen Zug der linken, ihre Aufgabe waren vorbereitende Maßnahmen (Öffnen von Höckerhindernissen) zum Überschreiten der HKL.”

Weiter berichtet Obstlt. Moll:    „…Für einen bevorstehenden Angriff gegen Fosse wurde ein Rgt. und die Pz.Jg.Abt. mit Teilen des Div.Stabs nach Vielsalm in Marsch gesetzt, das in der Nacht erreicht wurde. Das Regiment sollte über Goronne durch den Wald ostw. und nordostw. Arbrefontaine vorrücken. Das Ganze mit einer nicht ausgeruhten Truppe ohne den notwendigen Artillerieschutz… Das Rgt. rückte auf verschneiten, unwegsamen Waldwegen vor und wurde nicht mehr gesehen. Nur zum Teil war es zum Kampf gekommen. Weg war es, wie vom Erdboden verschluckt. Inwieweit mangelnde Aufklärung oder Artillerie-Überwachung zu diesem Ausfall geführt hat, konnte nie festgestellt werden.

In den ersten Januartagen verstärkte sich das feindliche Artilleriefeuer erheblich. Verschiedene Vorstöße stärkerer Stoßtrupps (besonders am 3.1.) auf Hedemont, Cligneval und Chevofoss wurden für den Feind in der Masse blutig abgewiesen. Er hatte dabei hohe Verluste, trotzdem ging Hedemont dann verloren. Vor dem Abschnitt des rechten Nachbarn (3. Fallsch.Jäg.Div) blieb es ruhig, während der linke Nachbar (62. VGD) langsam in Richtung auf den Salm zwischen Vielsalm und Salm-Chateau zurückgedrückt wurde.  Damit begann für die Division die Sorge um ihre linke Flanke bei Trois Ponts Bis Halleux. Die Straße wurde durch die Pioniere gründlich geschlossen, so das Überraschungen durch mot.Fahrzeuge unmöglich waren. Für die infanteristische Sicherung der Flanke fehlte es durch den Ausfall des verloren gegangenen Regimentes an Kräften, daher wurden der Div. Teile eines Btl. des rechten Nachbarn (3. Fallsch.Jäg.Div) unterstellt, die auf den Höhen westlich Grand Halleux ein Vorgehen des Feindes verhinderten.

Am 6.1. musste nach hartem Kampf das Westufer des Salms durch die Fallschirmjäger geräumt werden. Die infanteristische Kampfkraft der Div. war seit dem 16.12. um 50 % abgesunken.  Nach Verlust eines Regiments konnte die Div. nur noch eine bedingte Kampfbereitschaft garantieren, und auch dies nur so lange, wie die Div. über ein intaktes Art.Rgt und Pi.Btl. verfügte.

Am 6.1. war es dem Feind gelungen, am linkten Flügel der Div. einzubrechen. An ein wiederherstellen der HKL an der Ableve war mit Rücksicht auf die eigenen schwachen Kräfte nicht zu denken.

Am 7.1. stieß der Gegner weiter vor und nahm die Ortschaften Wanne und Spineaux (7 Km südl. Trois Ponts) in hartnäckigem Kampf gegen zahlenmäßig unterlegene tapfere Grenadiere des Rgt. 294. Eine am 6.1. aus Teilen des Div.Stabes und der Pz.Jg.Abt. aufgestellte Alarm-Einheit wurde dem Gren.Rgt. zugeführt. Sie wurde am 7.1. in einem Gegenangriff trotz tapfersten Einsatz jedes Mannes durch feindliche Panzer völlig zerschlagen. Damit war die letzte Aussicht, dem Vorgehen des Gegners Einhalt bieten zu können vorbei. Personelle Reserven standen nicht mehr zur Verfügung…“

Am 7. Januar 1945 nahm die 30. US-ID 28 Angehörige des Bau.Pi.Btl. 434 in Gefangenschaft, davon wurden allein 18 Mann in Spineaux gefangengenommen. Damit war auch das Schicksal von Reinhold Weinbrenner besiegelt, denn er gehörte zu den in Spineaux in amerikanische Gefangenschaft geratenen Soldaten.

Letzte Spuren des Bataillons:

Der Bataillonsgefechtsstand war seit dem 6. Januar 1945 in Stavelot

Der Kp.-Gefechtsstand der 2. Kompanie befand sich am 2. Januar 1945 in Lavaux

Die 3. Kompanie war am 3. Januar 1945 der 62. VGD unterstellt worden.

 

Wegeskizze 1941 - 1945, Ost- und Westfront. Klick öffnet Karte in hoher Auflösung.

Wegeskizze 1941 – 1945, Ost- und Westfront. Klick öffnet Karte in hoher Auflösung.

Quellen:

Soldbuch des Reinhold Weinbrenners,
zur Verfügung gestellt von Klaus Weinbrenner

Für den einführenden Text:

Diverse Kriegstagebücher des OKW

Tagesberichte der Wehrmachtsführung

Für die Zeit während des Einsatzes im Westen:

Datenbank “Deutsche Kriegsverluste im Zweiten Weltkrieg” 

Tagesberichte der Wehrmachtsführung

G2-Bericht der 1st US Inf.Div. vom 30. Dezember 1944

G2-Bericht der 1st US Inf.Div. vom 08. Januar 1945

G2-Bericht der 82nd US Airborne-Div. vom 08. Januar 1945

[1] KTB T78-246, Besondere Anordnung zum Stellungsbaubefehl Nr 1.

Weihnachten 2020

Liebe Freunde, Bekannte, Besucher dieser Seiten. 

Es ist ein Jahr vorübergegangen, das ganz besondere und tiefgreifende Änderungen nach sich gezogen hat. Corona hat uns auch jetzt noch fest im Griff und bevor wir in das nächste Jahr starten, möchten wir Ihnen und ihren Familien alles erdenklich Gute zu den anstehenden Weihnachtsfeiertagen und für das kommenden Jahr wünschen.

Wir hoffen, Sie können trotz  der Einschränkungen die Zeit zur Erholung, dem Durchatmen und zum Fröhlichsein nutzen! Auch wenn die diesjährige Weihnachtszeit für die meisten Menschen sehr schwer sein wird, möchten wir mit einem alten Sprichwort darauf aufmerksam machen, dass es wieder besser werden wird.

“Es ist besser, ein einziges kleines Licht anzuzünden,
als die Dunkelheit zu verfluchen!”  

Flucht nicht auf die vergangene Dunkelheit, sondern entfacht ein kleines Lichtlein, jeder für sich und viele zusammen. 

In der Hoffnung, dass Glück, Gesundheit und Wohlergehen auch im nächsten Jahr eure treuen Begleiter sein werden und das wir uns bald wieder sehen verbleiben wir mit

herzlichen Adventsgrüßen

Ralf Anton und Rebecca Schäfer

Weithenauer, Erich

Erich Weithenauser

wurde am                                                                 18.10.1918                              in            Regenhütte                             geboren.

Zum Zeitpunkt seines Todes war er                         Feldwebel.

Er ist am                                                                   27.03.1945 bei Berod im Westerwald gefallen.

Seine Ruhestätte befand oder befindet sich in*:    Montabauer

Sonstige Anmerkungen: Kampfbeobachter der Luftwaffe.

 

*Angaben können durch die Auswertung der Grablagen von ehemaligen Feldgräbern varieren. Hierdurch kommt es verschiedentlich auch zu einem Doppelbestand der Daten bei gefallenen Personen, wo die Lage des ehem. Feldgrabes und der anschliesende Umbettungsort bekannt sind.

 

Weichselbaumer, Franz

Franz Weichselbaumer

wurde am                                                                 28.06.1918                              in            Lambach                             geboren.

Zum Zeitpunkt seines Todes war er                         Obergefreiter.

Er ist am                                                                   23.03.1945 in Puderbach verstorben.

Seine Ruhestätte befand oder befindet sich in*:    Montabauer

Sonstige Anmerkungen:

 

*Angaben können durch die Auswertung der Grablagen von ehemaligen Feldgräbern varieren. Hierdurch kommt es verschiedentlich auch zu einem Doppelbestand der Daten bei gefallenen Personen, wo die Lage des ehem. Feldgrabes und der anschliesende Umbettungsort bekannt sind.

 

 

Schlesische Erinnerungs- und Traditionsmedaille

Die Schlesische Erinnerungs- und Traditionsmedaille.
Diese wurde mir für meine Arbeiten und Bemühungen rund um den Kameradschaftsverband der ehemaligen 62. Infanterie- und späteren Volksgrenadier Division am 17. Juni 1998 durch die Arbeitsgemeinschaft Traditionsverband Schlesischer Truppen verliehen.
Leider ist meine Medaille abhanden gekommen und mir liegt heute nur noch die Verleihungsurkunde vor.
Die Medaille taucht verschiedentlich bei Ebay auf und wird dort für Preise bis 25 Euro angeboten. Falls jemand die Medaille besitzt und sich von dieser trennen möchte? Ich würde mich außerordentlich über eine Kontaktaufnahme freuen!

Kurt Schwerdt – Mit Mut! Mit Verstand! Mit Draufgängertum!

Heute möchte ich aus dem bewegten Leben meines 2007 in Biedenkopf verstorbenen Freundes Kurt Schwerdt berichten. Kaum einem anderen Menschen, den ich während meiner Recherchen kennenlernen durfte, sah man so augenscheinlich die persönliche Teilnahme am Zweiten Weltkrieges an. Dafür hat diese Zeit und die von ihm durchlebten und zum Teil extremsten Situationen eine ganz besondere Auswirkung auf dessen persönlichen und menschlichen Charaktereigenschaften.

“Der Mercedes fährt in einem Ansatz aus der Garage.  Als sich das Auto auf dem Kopfsteinpflaster befindet und in Richtung Ortsmitte rollt, nimmt er Fahrt auf. Vorbei am Stadtbrunnen, rechts ab auf die Hauptstraße und beschleunigt auf knapp 30 km/h.

Nach wenigen Minuten erreichen wir die B-253. Der Fahrer tritt das Gaspedal gut durch. Es ist recht viel Verkehr, dem wir uns fließend anpassen. Ständig kommen Fahrzeuge entgegen und wir müssen immer wieder vorbei an Fahrädern, die es im weiten Bogen zu überholen gilt. Als ein Wagen am rechten Fahrbahnrand steht, vermindert der Fahrer die Geschwindigkeit, setzt zur Vorbeifahrt an und tritt kräftig aufs Pedal. Schwungvoll beschleunigt der Mercedes auf über 80 km/h und zieht locker an dem Auto vorbei. Später geht es links ab, die Straße führt jetzt durch dichten Waldbestand und wird bedeutend enger. Während der nächsten drei serpentinenreichen Kilometer werden knapp 200 Höhenmeter überbrückt. Zwischen uns und dem Ziel zeigen sich Wandergruppen, Radfahrer und zwei langsam fahrende Autos, die den Verkehr behindern und die es zu überholen gilt.

Behindern lässt sich der Fahrer des Mercedes durch nichts und durch niemanden; sein ganzes Leben lang schon nicht. Er selbst ist bereits genügend körperlich behindert, wegen zwei Kriegsverletzungen, die er sich 1941 und 1943 zugezogen hat.

Der Fahrer ist Kurt Schwerdt, ein guter Freund von mir. Das Lenkrad kann er nur dank eines besonderen Knaufes bedienen, da ihm beide Hände fehlen, dennoch führt er den Wagen sicher und zielgerichtet. Keinen Augenblick während der knapp 10 Kilometer langen Strecke hat man befürchtet, dass er der Anforderung nicht gewachsen sein könnte. Durch die fehlenden Hände benötigt Kurt Schwerdt viel Hilfe, aber doch sehr viel weniger, als die meisten befürchten…”

Die Dinge im Leben, die man nicht ändern kann, die nahm Kurt Schwerdt einfach hin. Darüber hinaus hatte er den grenzenlosen Mut, das zu ändern, was in seinen Möglichkeiten lag – selbst wenn der Weg dorthin sehr steil und steinig sein sollte.

Kurt wurde 1919 in Thale im Harz geboren, aufgewachsen ist er in der Nähe von Magdeburg. Nach seinem Abitur entschloss er sich für eine Karriere bei der Wehrmacht, zuvor leistet er jedoch seinen Dienst im Reichsarbeitsdienst in Ziesa ab. Ab Herbst 1939 erfolgte die Grundausbildung im Infanterie-Ersatz-Bataillon 66 in Burg.

Mit der großen Begeisterung, die für die Zeit und das deutsche Volk üblich waren, wurde Kurt Soldat und nach der Grundausbildung erfolgte die Versetzung in das Infanterieregiment 66. Zum Jahresende 1939 war der Jahrgang 1919 mit knapp 570.000 Mann zum Dienst in der Wehrmacht voll erfasst worden, allerdings war nur ein kleiner Teil einberufen worden; die Masse der Rekruten war der Zuziehung zuvorgekommen und hatte sich freiwillig gemeldet. Nach der Grundausbildung wurde er in die 267. Infanteriedivision versetzt, mit welcher er am Frankreichfeldzug teilnahm.

„Wenn der Tod thematisiert wird, versucht man die Verlustzahlen des Gegners in Rechnung zu stellen. Dabei ist es überhaupt ein ganz leichtes mit dem Tod umzugehen, wenn man selbst weder den Geruch des Todes noch den Geruch von menschlichem Blut je eingeatmet hat! Wie der Tod und das Krepieren riechen sollte, das haben wir wenig später erfahren!“           Zitat Kurt Schwerdt

Ende Mai wurde die 267. Infanteriedivision dann in die Gefechte um die Festung Lille eingebunden. Es sollte entscheidende Schlacht geschlagen werden , die bei den eingeschlossenen französischen und britischen Truppen zur Kapitulation führen würde. Nach schweren Feuerschlägen der Artillerie trat die Infanterie, zu der auch Kurt Schwerdt gehörte, aus dem Kanalbogen bei Gondecourt zum Angriff an. Noyelles konnte schnell eingenommen werden, die Briten waren dem heftigen Artilleriefeuer erlegen, worauf sie sich in Gefangenschaft begaben, ohne dabei noch größeren Widerstand zu leisten. Erst mit dem weiteren Vorstoß in Richtung Emmerin änderte sich die Lage gravierend. Die dortigen Wälder waren mit englischen und französischen Widerstandsnes­tern gespickt, die nicht von dem Artilleriefeuer getroffen worden waren. Diese Verteidigung musste die Infanterie zuerst ausheben, wobei sich der Angriff festlief. Das Regiment stieß zwar durch den Wald hindurch und konnte in Emmerin eindringen, aber ver­wickelte sich dort in heftige Straßenkämpfe mit französischen und englischen Soldaten, die versuchten aus dem Liller Kessel zu entkommen.

„Obwohl Haubourdin direkt vor uns lag, konnten wir nicht in den Ort eindringen, sondern mussten uns unter heftigem Feuer in Emmerin eingraben. Den südlichen Ortsteil mit der Kirche und der Straßenverbin­dung nach Westen hatten wir fest in unserer Hand, allerdings hielten sich in den nördlichen Ortsteilen noch immer starke Kräfte versprengter Soldaten. Engländer, Franzosen, Marokkaner, die mehrfach versuch­ten, in entschlossenen Angriffen aus der Umklammerung durchzubrechen.“           Zitat Kurt Schwerdt

Während der Kesselschlacht um Lille kam es zu schwersten Gefechten, wobei Haus für Haus in jedem Straßenzug erkämpft werden musste. In der Bildmitte, schwer erkennbar, ein Spähpanzer Aufklärungsabteilung 267, der von den Franzosen im Nahkampf zerstört wurde.

Nachdem Lille gefallen war, erhielt die Division eine kurze Ruhepause. Zur gleichen Zeit war in Dünkirchen eine der größten Evakuierungsmaßnahmen der Kriegsgeschichte angelaufen. Unter pausenlosen Boden- und Luftangriffen waren die Briten dazu in der Lage, bis zum 4. Juni 1940 insgesamt mehr als 225.000 britische und 115.000 französische Soldaten nach England zu evakuieren.

Der weitere Vormarsch zielte in Richtung Reims zur Aisne, die am 14. Juni bei Neufchatel erreicht wurde. Am 16. Juni, die Franzosen versuchten sich zur Loire abzusetzen, zeigten sich unter dem Druck der 2. und 9. Armee deutliche Auflösungser­scheinungen und erste Verbände streckten die Waffen und begaben sich in Gefangenschaft.

“Später erfuhren wir, dass die neue französische Regie­rung bereits die Kapitulation angeboten hatte. Hitler aber weigerte sich, trotz spanischer Fürredner, das Kapitulations­angebot anzunehmen. Er bestand darauf, die Operationen der Wehrmacht unter schärfster Verfolgung des schon geschlagenen Feindes mit Nachdruck fortzusetzen.

Hitler wollte nicht einfach nur einen Sieg einstreichen, er wollte das französische Volk am Boden sehen und um Gnade winseln hören! Das sollte seine persönliche Rache für den Waffenstillstand von November 1918 in Compiègne werden. Der Feldzug gegen Frankreich sollte noch bis zum 22. Juni andauern, dann erst wurde Waffenstillstand geschlossen.“           Zitat Kurt Schwerdt

Aus dem Raum Lille marschierte Kurt Division in den Versammlungsraum bei Beaumont, wo sie für einige Tage in Ruhestellung blieb. Danach ging es über die Aisne, Marne und Seine bis am 22. Juni 1940 der Armancon bei Avallon erreicht war. In Avallon endete für Kurt Schwerdt der Feldzug gegen Frankreich, er wurde zum Unteroffizier befördert und kurz zum Waffenschul­lehrgang auf den Truppenübungsplatz Wildflecken kommandiert.

“Als ich nach dem Lehrgang zur Division zurückkehrte, konnte man bereits die Vorboten für den Feldzug gegen Russland erkennen.“           Zitat Kurt Schwerdt.

Kurz nach Beginn des Russlandfeldzuges verlor Kurt Schwerdt seine rechte Hand durch Granatsplitter, zudem hatte ein Infanteriegeschoss seinen Oberschenkel zerschlagen, in einer Operation wurde ihm die Hand abgenommen. Nach der Genesung erfolgte eine Kommandierung nach Döberitz bei Berlin, wo er als Lehroffizier tätig wurde. Kurt, der es hasste im Büro zu sitzen, erhielt nach persönlicher Vorsprache bei seinen Vorgesetzten eine Dienststelle, die ihm mehr als gut gefiel: es konnte wieder raus ins Gelände. Die Rekruten an seinen Erfahrungen in Frankreich und Russland teilhaben lasse, ihnen lernen, wie man am Leben bleibt. Bis dieser eine Tag im Mai 1943 kam. Die folgende Nacht endete mit der Totalamputation beider Hände. Totalamputation bedeutet “bis über beide Handgelenke hinweg”.

Nach Beförderung zum Oberleutnant – wenige Zeit vor dem Unglück in Döberitz.

Eine sich viel zu früh ereignete Detonation eines Darstellungskörpers für Artilleriefeuer hatte Kurt Schwerdt die Reste der rechten Hand zerfetzt und dabei seine linke Hand komplett zerrissen. Nach dem die schwersten Verletzungen bis in die späte Nacht versorgt wurden, kämpfen die Ärzte weitere lange Stunden um dessen Augenlicht. 60 Gramm Schwarzpulver hatten dafür gesorgt, dass Kurts Leben beinahe an diesem warmen Tag im Mai 1943 geendet hätte. Sein ehemaliger Kommandeur, Oberst Lothar Berger, schrieb ihm einen langen Brief:

“…Ich habe mich über Sie und den Schwung und das Temperament, mit dem Sie den Verlust Ihres rechten Armes getragen haben und man kann fast sagen überwunden hatten, immer von ganzen Herzen so sehr gefreut…” Zitat Lothar Berger

Trotzdem ihm beide Hände fehlten, verblieb er im aktiven Wehrdienst und wurde als Berufssoldat zum Jura-Studium abkommandiert. Nach Bildung des Volkssturmes im Oktober 1944 meldete sich Kurt Schwert zurück zum Dienst an der Front.

„Denn wenn jetzt alte Männer und Kinder als Ersatzheer die Wehrmacht unterstützen sollen, was mache ich hier in Marburg? Mein Körper ist wieder stabil und robust… Wenn die 16-jährigen und 60-jährigen an die Front geschickt werden, fühle ich mich dazu verpflichtet, mich ebenfalls zur Verfügung zu stellen!“

Kurt Schwerdt erlebte das letzte Kriegsjahr bis zur Kapitulation als Frontoffizier. Er wurde als Oberleutnant zum Adjutanten von Oberst Arthur, der während der Ardennenoffensive das Grenadierregiment 164 befehligte und ab März 1945 die Reste der Division bis zur Kapitulation im Ruhrkessel führte. In dieser Zeit erwarb sich er als einziger Soldat “Ohne Hände” die Ehrenblattspange, die Nahkampfspange und wurde zudem für die Verleihung des Deutschen Kreuzes in Gold sowie des Ritterkreuzes eingereicht.

Nach dem Krieg arbeitete Kurt Schwerdt als Rechtsanwalt bis er 1954 die Amtsgeschäfte des Bürgermeisters von Biedenkopf übernahm. Als Bürgermeister lenkte er seinen Augenmerk auf die Verschwisterung und Verbrüderung mit ehemaligen Feinden jenseits der Grenzen, denn als Soldat hatte er erlebt, wohin falsche Ideale führen können. Fortan setzte er sich mit aller Kraft für ein vereintes Europa ein und vollzog die Wandlung vom patriotischem Offizier zum bekennenden Europäer.

Bürgermeister Schwerdt trägt sich ins Goldene Buch der französischen Stadt La Charité ein.

Während seiner 18jährigen Amtszeit als Bürgermeister von Biedenkopf erfolgten Verschwisterungen mit europäischen Städten, darunter die mit La Charite sur Loire in Frankreich. Für seine Bemühungen, ein gemeinsames Europa zu erschaffen, wurde ihm 1970 das Europakreuz des Verbandes der Europäischen Frontkämpfers, der „Confederation Europeene des Anciens Combatants“ verliehen. Diese hohe und seltene Auszeichnung würdigen die Verdienste um Versöhnung und Freundschaft, mit dem Bestreben, ein geeintes Europa in Frieden und Freiheit zu schaffen. 1985 wurde die Stadt Biedenkopf für ihre hervorragenden Leistungen um die Verbreitung des europäischen Einigungsgedanken mit der Ehrenfahne des Europarates ausgezeichnet.

Über Kurt Schwerdts Leben ist 2017 ein spannendes Buch erschienen, das auf über 300 Seiten seine gesamten Kriegserlebnisse und das Wirken als Biedenkopfs Bürgermeister dokumentiert.

Das Buch eignet sich hervorragend zum verschenken oder selbstschenken. Es ist im Treditionsverlag und über Amazon erhältlich. Selbstverständlich kann das Buch auch direkt über den Autor erworben werden.

Hardcover, 308 Seiten

Größe: 16,8 cm x 23,0 cm

29,90 €,

 

 

Kämpfe um den amerikanischen Brückenkopf bei Gosenbach

Kämpfe um den amerikanischen Brückenkopf bei Gosenbach 1945

Ende März 1945 waren Verbände der 1. US-Armee aus dem Brückenkopf von Remagen ausgebrochen und stießen weit in östliche Richtung vor. Ab dem 28. März hatte die amerikanische Infanterie damit begonnen, in Richtung der Sieg aufzuklären, wobei sich teilweise ernsthafte Kampfhandlungen ereigneten, da die deutsche Verteidigung eine Sicherungslinie südlich des Flusses eingerichtet und bezogen hatte; zudem wurden mehrere Brückenköpfe offengehalten, um deutschen Truppenteilen den Rückzug hinter die Sieg zu ermöglichen. Die deutsche Sicherungslinie wurde durch die 1. US-Infanteriedivision (US-ID) zerschlagen, während aus dem Raum um Köln die 8. US-ID im Anmarsch war, um die 1.US-ID abzulösen. Der 8. US-ID fiel die Aufgabe zu, gegen die deutsche Verteidigung vorzugehen und die Sieg zu überqueren, um Brückenköpfe bei Wissen, Betzdorf und Niederschelden errichten zu können.

Auf dem Weg zur Front durchqueren Infanteristen der 8. US-ID einen durch Granatbeschuss beschädigten Wald westlich von Siegen.

Auf dem Weg zur Front durchqueren Infanteristen der 8. US-ID einen durch Granatbeschuss beschädigten Wald westlich von Siegen.

Am 29. März 1945 wurde die Sieg in ihrer gesamten Länge von rund 135 Kilometern im Oberkommando der Wehrmacht in Berlin offiziell zur Hauptkampflinie (HKL) erhoben, was die Sprengung der letzten noch intakten Brücken über den Fluss herbeiführte. Zeitgleich war die Wehrmacht dabei, diese neue HKL mit Kampftruppen zu besetzen. Reste von bereits stark geschwächten Divisionen wurden aus der Rheinfront herausgelöst und in den neuen Raum verlegt, während auf amerikanischer Seite ebenfalls Bestrebungen anliefen, die Fluss zu überqueren.

Am 31. März hatte sich die Lage dermaßen verschärft, dass die 12. Volksgrenadier Division in den Siegener Raum verschoben wurde. Dem Divisionskommandeur, General Gerhard Engel, wurde Befehl über die Verteidigung der Stadt erteilt, wozu allerdings kaum Kräfte zur Verfügung standen, während die divisionseigene Truppe noch in der Verlegung begriffen war. Zur gleichen Zeit ging der eigene Brückenkopf südlich Siegens zum größten Teil verloren.

Auf amerikanischer Seite wurden weitere Verstärkungen herangebracht und zur Monatswende März / April setzte er mit frischen Truppen zum Angriff an, zerschlug die Brückenkopfbesatzung und konnte über Eiserfeld in Niederschelden eindringen. Zeitgleich erhöhte er den Druck gegen die Stadt Siegen.

Wenig später nachdem das 28. US-Infanterieregiment in Niederschelden eingedrungen war, wurde Eiserfeld besetzt. Bei Marienhütte überschritten sie die Sieg und gingen gegen den Rothenberg vor, von wo aus der Angriff nach Gosenbach ausgeweitet wurde. Am Abend zum 1. April hatte das 28. US-Infanterieregiment einen Brückenkopf gebildet, um den sich schwere Gefechte entwickeln sollten.

Diese Exkursion versteht sich als Ergänzung bzw. Fortführung der am 25. September 2020 stattgefundenen Begehung des Kampfgebietes. Während dieser Wanderung werden wir verstärkt die Bewegungen der deutschen Truppen verfolgen und eine Wegstrecke von knapp 8 Kilometern. Eine Teilnahme an der ersten Exkursion ist nicht erforderlich um die geschichtlichen Abläufe dieser März u. Apriltage 1945 zu verstehen.

Wann: Samstag, den 17. Oktober 2020, 14.00 Uhr

Wo: Friedhof in Achenbach

Achenbacher Str., 57072 Siegen-Achenbach

Wegstrecke: ca. 8 Kilometer

Dauer: etwa 4 Stunden

Anmeldung: KVHS Altenkirchen, Tel.: 02681-812212 oder via Email

kvhs@kreis-ak.de

Division Dettling – 363. Infanterie- und Volksgrenadier-Division

Helmut Gohlke hatte 1977 mit viel Mühe die Geschichte der 363. Infanterie- und Volksgrenadier-Division zu Papier gebracht. Unter Zuhilfenahme von Gefechtsberichten, Tagebucheintragungen, amtlicher Kriegstagebücher und Aufzeichnungen der ehemaligen Divisionskameraden veröffentlichte er nach vier Jahren Arbeit das ursprüngliche Buch in einer nur 250 Exemplare starken Auflage.

Obgleich Gohlkes niedergeschriebene Geschichte zwar auch nur eine unter vielen anderen Divisionsgeschichten ist, stellt sie auch etwas ganz Besonderes dar, denn sie ist unzertrennbar mit dem Schicksal der Soldaten verbunden, die ihren Anteil am Endkampf im Westen hatten. Es ist das Buch von den Ehemännern, den Vätern und den Söhnen, die an diesem großen Ringen teilnahmen. Aber es ist auch besonders das Buch derer, die nicht zurückgekommen sind. Die damaligen Kameraden berichten über einen Opfergang, der buchstäblich um „5 Minuten nach 12“ begonnen hatte und das hoffnungsvolle Leben unzähliger Menschen auf beiden Seiten restlos zerstörte; untergegangen im Kanonendonner und Feuer der Maschinengewehre!

In dem heute als Neuauflage erscheinenden Buch wird die Geschichte der 363. Infanterie-Division festgehalten. Hierbei werden die Ereignisse der letzten beiden Kriegsjahre geschildert, ohne dabei zu kommentieren oder die Ereignisse zu bewerten. Es ist eine Ansammlung von Erinnerungen entstanden, die den Leidensweg einer Schicksalsgemeinschaft in die heutige Zeit überträgt, die im August 1944 an die neu gebildete Front in Nordfrankreich geworfen wurde, wo sie schwerste Verluste erlitt. Nach der Zerschlagung im Kessel von Falaise wurde die Division neu aufgestellt und es folgten Einsätze zunächst in Holland, dann im Raum Jülich mit anschließendem Rückzug nach Köln, wo Anfang März 1945 der Rhein überquert wurde. Nach Gefechten um den Brückenkopf von Remagen wurde die Division in den Ruhrkessel abgedrängt, in dem sie im April 1945 kapitulierte.

Durch diese von Ralf Anton Schäfer herausgegebenen Neuauflage konnten bislang offene Lücken im Werdegang der Division geschlossen werden. Zudem sind zahlreiche neue Fotos, Berichte und Tagebucheintragungen ehemaliger Divisionsangehöriger in das Buch eingeflossen, wodurch der ursprüngliche Umfang etwas mehr als verdoppelt wurde.

Das großformatige Buch ist am 21. August 2020 als gebundene Ausgabe mit 292 Seiten im Treditionsverlag in Hamburg zum Preis von 34,90 Euro erschienen und kann über die ISBN-Nr. bestellt ISBN-13: 978-3347019300 werden.

Verbindlich beim Autor dieser Seiten bestellen.

Hier bestellbar über den Treditionsverlag.

Oder bei Amazon bestellen.

75 Jahre Kriegsende – Nach der Corona-Welle

Die Auswirkungen der Corona-Pandemie bewirkte eine vorläufige Aussetzung sämtlicher Veranstaltungen. Nach der nun zunächst überstandenen Corona-Welle öffnen zahlreiche Bildungsträger schrittweise wieder ihre Pforten. Somit haben wir endlich auch gemeinsam mit der Kreisvolkshochschule Altenkirchen einen Weg gefunden, um die seit Frühjahr abgesagten Außentermine nachzuholen.

Eine Nachholung der beiden Vorträge “Was hat Papa im Krieg gemacht?” und “75 Jahre Kriegsende” habe ich zunächst nicht vorgesehen, bin aber natürlich gerne Ihr Ansprechpartner, besonders wenn es um die militärhistorische Grundsatzrecherche zum Werdegang des Angehörigen geht. Haben Sie Fragen zu einer “WASt-Recherche” und den darin mitgeteilten Ergebnissen, können Sie sich gerne an mich wenden.

Unter Einhaltung der Abstandsregelung und einer reduzierten Teilnehmerzahl von maximal 12 Personen werden wir uns ab dem 1. August 2020 wieder auf die Spurensuche in die ehemaligen Kampfgebiete begeben. Hierbei ist es natürlich von besonderer Bedeutung, dass weiterhin die damit verbundene Hygieneverordnung eingehalten wird.

Weiter ist Notwendig, dass, sofern Sie einer Risikogruppe angehören, bitte selbstständig dafür Sorge tragen, während der Dauer der Exkursion einen adäquaten Mund- und Nasenschutz zu tragen. Sie schützen damit sich und andere!

Bitte beachten Sie, dass wir uns stets an den durch das Land vorgegebenen Regeln orientieren und diese gegebenenfalls entsprechend aktualisieren.

Die wichtigsten Hygienemaßnahmen im Überblick:

Begrenzung der Gruppengröße auf 12 Teilnehmer

Abstandsgebot – auch im Freien

Ein Abstand von mindestens 1,5 Metern verringert das Ansteckungsrisiko und ist daher auch im Freien wichtig und einzuhalten.

Husten- und Niesetikette beachten

Das Husten und Niesen in die Armbeuge gehört zu den wichtigsten Pr

➢ Teilnahmeverbot

Personen, die in Kontakt zu einer infizierten Person stehen oder standen, wenn seit dem Kontakt mit einer infizierten Person weniger als 14 Tage vergangen sind, oder die Symptome eines Atemwegsinfekts bzw. erhöhte Temperatur aufweisen, dürfen an Exkursionen nicht teilnehmen!


Jetzt aber endlich zu den Exkursionen:


Nachdem amerikanische Kräfte Anfang März 1945 die Brücke von Remagen eroberten und den Rhein überquerten, wo sie auf dem Ostufer einen Brückenkopf errichteten, war das unmittelbar bevorstehende Ende des Zweiten Weltkriegs gemeinhin absehbar. Da die nationalsozialistische Ideologie aber einen Kampf bis zum letzten Mann vorsah und Hitler dies als Oberster Befehlshaber  des Heeres mit allen Mitteln durchsetzte, wurde eiligst wieder ein neuer Frontabschnitt, diesmal auf der östlichen Seite des Rheins gebildet. Hier fanden nun äußerst hartnäckige Kampfhandlungen statt, doch sämtliche deutsche Versuche, den Brückenkopf zu zerschlagen, schlugen fehl. Am 25. März traten die weit überlegeneren Kräfte der 1.US-Armee zum Ausbruch aus dem Brückenkopf von Remagen an. Hiernach fegte die Front unaufhaltsam direkt über den Boden des Kreises Altenkirchen hinweg und hinterließ Tod und Zerstörung.

Erst am 8. Mai 1945 wurden nach jahrelangem Ringen endlich die Waffen gestreckt und die Generäle unterzeichneten die Urkunden für eine bedingungslose Kapitulation. Hitler ist zu jenem Zeitpunkt bereits tot; durch Suizid hat er sich der Verantwortung entzogen. Weltweit hat der Zweite Weltkrieg mehr als 60 Millionen Menschenleben gefordert.

Im letzten Kriegsjahr waren es so viele tote deutsche Soldaten wie in den fünf Jahren zuvor. Ein deutliches Zeichen für die Sinnlosigkeit des auf Gedeih und Verderb fortgeführten Krieges.

Allein im Bereich des Kreises Altenkirchen haben die Wirren der letzten Kriegswochen im März und April 1945 rund 2000 Menschenleben auf beiden Seiten gefordert.

Um an diese schrecklichen Ereignisse von März und April 1945 zu erinnern, haben wir uns dazu entschlossen, durch erneute Veranstaltungen zu informieren und zu mahnen, da es in unserer Verantwortung liegt, dass das Geschehene nicht in Vergessenheit gerät.

1941 - Deutsche Infanteristen sind in Stellung gegangen und erwarten Feindkontakt. Aufnahme aus Privatbesitz.

1941 – Deutsche Infanteristen sind in Stellung gegangen und erwarten Feindkontakt. Ein Übungsszenario auf dem Truppenübungsplatz Wildflecken.


Es wird eine Teilnahmegebühr in Höhe von 5 Euro erhoben

Um zeitnahe Anmeldung zu den Exkursionen wird gebeten.



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1 – Kämpfe zwischen Kircheib und Mehren

Am 7. März konnten amerikanische Soldaten bei Remagen den Rhein überquere und einen ersten Brückenkopf auf dem Ostufer des Flusses bilden. Die deutsche Führung versuchte mit allem was zur Verfügung stand, diesen Stützpunkt zu zerschlagen, mussten aber angesichts der großen Überlegenheit alsbald zum hinhaltenden Widerstand übergehen. Selbst als am 17. März die Ludendorff-Brücke unter ihrer Last einstürzte, brachte dieses keine Vergünstigung für die deutschen Soldaten. Wenig später hatte die amerikanische 1. Armee weitere Panzer- und Infanterieeinheiten in den Brückenkopf verlegt und drängten entlang sämtlicher Abschnitte stark gegen die Front der 15. deutschen Armee. Am 24. März zerschlug die 78. US Infanteriedivision (US-ID) einen strategisch wichtigen Stützpunkt bei Menden, während die 1. US-ID das zur Festung erklärte Uckerath angriff, die Kampfhandlungen dauerten bis zum nächsten Morgen. Im Bereich der 104. US. Infanteriedivision wurde der Raum um Eudenbach zum Schauplatz heftiger Gefechte. Während dieser Kampfhandlungen bezogen die Einheiten der 3. US-Panzerdivision ihre Bereitstellungen, um von hier aus in der frühe des nächsten Tages zum finalen Schlag anzutreten: Der Ausbruch aus dem Brückenkopf stand unmittelbar bevor. Obwohl Altenkirchen als Tagesziel gegolten hatte, erreichten die amerikanischen Panzerspitzen bis zum Abend nur den Raum um Rettersen, eine verstärkte Infanterieeinheit der 104. US-ID stieß bis nach Mehren vor. Über das dortige Gefecht notierte der damalige Kommandeur: „die Männer erstürmten die Mehrbachbrücke unter Hurrageschrei und konnten die Brücke unter geringen eigenen Verlusten unbeschädigt erobern!“

Diese Exkursion wird sich mit den Ereignissen des 25. März 1945 beschäftigen und führt während einer knapp 13 Kilometer langen Wanderung vom Friedhof Kircheib über Eckenbach – Fiersbach – zur Kriegsgräberstätte Mehren – in Richtung Maulsbach und dann zurück zum Startpunkt. Hierbei folgen wir teils den Wegen des 414. US-IR, welches der 3. US-PD unterstellt war.

Wann: Samstag, den 1. August 2020 – 14.00 Uhr

Treffpunkt:        Sonnenweg 4
57635 Kircheib

Wegstrecke: ca. 13 Kilometer

Dauer: Etwa 4 1/2 Stunden

Anmeldung: KVHS Altenkirchen, Tel.: 02681-812212 oder via Email
kvhs@kreis-ak.de


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2 – Die Gefallenen vom „Hähner Berch“

Am Morgen des 25. März setzen sich die amerikanischen Angriffsspitzen in Bewegung. Hier und dort wurden sie aufgehalten durch bislang unentdeckte Minenfelder. Als der Angriff endlich ins Rollen kam, war die schwache Verteidigungslinie der 15. deutschen Armee alarmiert, an verschiedenen Orten waren sie sogar zu kleineren Gegenangriffen angetreten. Während dessen setzte die mittlere Stoßgruppe der Amerikaner über Asbach auf den Mehrbach-Abschnitt an, der zur Front werden sollte.

Nachdem Asbach unter dem starken amerikanischen Druck nicht weiter zu verteidigen war, setzten sich die Reste der 9. Panzerdivision und der 3. Panzergrenadier Division in östliche Richtung ab. Noch während sich erste Sherman-Panzer Schöneberg näherte, wurden bei Diefenau zwei deutsche Panzer betankt, damit diese nicht dem Amerikaner in die Hände fielen. Etwa zur gleichen Zeit war ein kleines Stück weiter nördlich der Aufbau einer Sicherungslinie angelaufen: zwischen Sessenhausen, Krumscheid und Kapaunsmühle sollte, angelehnt an mehrere Stützpunkte, der amerikanische Vormarsch verzögert werden. Ein Kriegsgericht, das an der Kapelle zu Niedermühlen tagte, hatte indirekten Anteil am Verlauf der späteren Gefechte, denn zu groß war die Angst in letzter Stunde durch die Eigenen hingerichtet zu werden.

Als sich die amerikanischen Kräfte über Wester und Krumbachsmühle näherten, entwickelte sich ein Gefecht, das sich im weiteren Verlauf bis in den Wald zwischen Kescheid, Mehren und Hahn verlagerte. Bereits während links und rechts vorgehende, eigenen Einheiten den Bereich mittlerweile weit hinter sich gelassen hatte, peitschten bis in den späten Abend immer wieder Schüsse auf und zeigten an, das sich in den Wäldern noch zahlreiche versprengte deutsche Soldaten befanden. Erst nachdem sich die Kampfhandlungen während der späten Abendstunden zum 26. März nach und nach auflösten, kehrte wieder Frieden in den Wäldern ein. Zahlreiche Gefallene lagen verstreut in dem Waldgebiet, darunter auch Angehörige des Altenkirchener Volksturmes. 1947, der Krieg war bereits seit 2 Jahren zu Ende, wurde eine Suche nach einem vermissten deutschen Soldaten aufgenommen, zu dem auch das eingesetzte Sprengkommando zu Rate gezogen wurde.

Wann: Samstag, 15. August – 14.00 Uhr

ACHTUNG NEUER TREFFPUNKT:

Niedermühlen 4,

53567 Asbach

Wegstrecke: ca. 10 Kilometer

Dauer: Etwa 4 – 5 Stunden

Anmeldung: KVHS Altenkirchen, Tel.: 02681-812212 oder via Email

kvhs@kreis-ak.de


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3 – Kampf um die Autobahn zwischen Hombach und Willroth

Nachdem am 25. März 1945 die amerikanischen Verbände zum Ausbruch aus dem Brückenkopf von Remagen angetreten waren, war es ihnen nicht möglich, das Tagesziel „Altenkirchen“ am gleichen Tag zu erreichen, erst am Nachmittag des 26. fiel die Kreisstadt gegen geringe Gegenwehr in amerikanische Hand und die Verbände konnten bis Hachenburg vorstoßen. Zur gleichen Zeit setzte die 1. US-Infanteriedivision an, um die Bereiche zur Sieg hin von verbliebenen Resteinheiten zu säubern und marschierte bis Eitorf vor. Die Lage der Ausbruchskräfte im nördlichen Bereich der Brückenkopf-Front war damit klar.

Im südlichen Bereich des Brückenkopfes war die 7. US-Panzerdivision bei Vettelschoß zum Angriff angetreten und konnte bis nach Ailertchen, Obertiefenbach und Montabauer gelangen, wo Kontakt zur 9. US-PD hergestellt werden konnte. Während die Fronten fast überall unter dem amerikanischen Druck schnell in sich zusammenbrachen, hatte hauptsächlich nur die 9. US-ID hier und dort mit ernstzunehmendem Widerstand zu kämpfen.

Nachdem die Division mit ihrem rechten Flügel bis Puderbach vorgestoßen war und dort den Holzbach überschritten hatte, konnten Mündersbach und Herschbach besetzt werden. Einzig im Bereich des 60. US-Infanterieregiment stieß man seit dem Morgen immer wieder auf organisierte Gegenwehr. Der Bereich der Reichsautobahn zwischen Willroth und Hombach wurde Reste der abgekämpften 272. Volksgrenadier Division verteidigt, die sich jedoch verbissen zur Wehr setzten. Zwei Kampfgruppen, geführt von den Hauptmännern Walter Loch und , am Morgen in Krunkel aufgestellt, hatten sich den vorstoßenden Amerikanern in den Weg gestellt und stellten erst nach heftigen Gefechten den Kampf ein, so das der weitere Vorstoß bis Horhausen vorgetragen werden.

Wann: Samstag, 29. August 2020 – 14.00 Uhr

Auf der Burg 4

56593 Krunkel

Dauer: Etwa 4 Stunden

Anmeldung: KVHS Altenkirchen, Tel.: 02681-812212 oder via Email
kvhs@kreis-ak.de


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4 – Waldkämpfe zwischen Obersteinebach und Peterslahr

Diese Exkursion knüpft an die Ereignisse der letzten Veranstaltung an und schildert im Schwerpunkt die Gefechte zwischen den Resten der deutschen Kampfgruppe unter Hauptmann Walter Loch und dem 2. Bataillon des 60. US-Infanterieregiment. Nachdem das US-Regiment den Durchbruch durch die Sicherungslinie entlang der Autobahn erzwungen hatten und Hombach gefallen war, wurde das II. Bataillon eingeschoben und zum Angriff auf die heftig verteidigten Orte Krunkel und Eppgert angesetzt. Erst nachdem der Widerstand gegen etwa 18 Uhr gebrochen war, konnten die Soldaten über Obersteinebach und Heiderhof in den Wald vordringen und von Krunkel aus in Richtung Huf und Horhausen vormarschieren. Während die auf Horhausen vorstoßende Kampfgruppe sich besonders in ein Ortsgefecht verwickelte, wurde die über Obersteinebach vorgehende Einheit zusehends in ein Waldgefecht verwickelt. In diesem Bereich versuchte Hauptmann Loch mit zurückgehenden Soldaten eine Sicherung aufzubauen und den Amerikaner aufzuhalten.

Nach Ende der Kampfhandlungen wurden im Bereich des Heiderhofes, der zahlreiche Einschüsse erhalten hatte, die sterblichen Überreste von ca. 20 deutschen und amerikanischen Soldaten zusammengetragen.

Wann: Samstag, 12. September 2020 – 14.00 Uhr

(Vorläufiger) Treffpunkt: Parkplatz Hauptstraße

56593 Obersteinebach

Dauer: Etwa 4 Stunden

Anmeldung: KVHS Altenkirchen, Tel.: 02681-812212 oder via Email

kvhs@kreis-ak.de


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5 – Gefechte um den Rothenberg bei Niederschelden

Nachdem die Verbände der 1. US-Armee aus dem Brückenkopf von Remagen ausgebrochen waren, erhöhten ihre Truppen den Druck gegen die Sieg-Linie. Eine schwache Sicherungslinie, die zunächst südlich des Flusses gehalten wurde und die deutschen Brückenköpfe verband, wurde durch die 1. US-Infanteriedivision (US-ID) zerschlagen. Ab dem Monatsende marschierte aus dem Raum Köln die 8. US-ID heran, um die 1. US-ID abzulösen, um gegen die deutschen Brückenköpfe vorzugehen und die Sieg zu überqueren.

Auf deutscher Seite war die Sieg am 29. März 1945 offiziell zur Front erklärt worden und unter dem Lärm von zahlreichen Detonationen versanken die letzten noch stehenden Brücken in den Fluten des hochwasserführenden Flusses. Zudem liefen Bestrebungen an, die neue Frontlinie mit Kampftruppen zu besetzten.

Dazu wurden Verbände aus der Rhein-Front herausgelöst und an die neuen Abschnitte verlegt. Am 31. März erhielt die 12. Volksgrenadier Division den Befehl zur sofortigen Verschiebung in den Raum um Siegen, da sich dort die Lage bedrohlich entwickelt hatte.

Der Brückenkopf war bereits zum größten Teil verloren und bestand nur noch aus einer kleinen Nase, die in südöstlicher Richtung hervorragte. Amerikanische Kräfte verstärkten sich rund um Siegen. Am 31. März und am 1. April 1945 griff der Gegner mit frischen Truppen an, zerschlug die Brückenkopfbesatzung und drang von Eiserfeld aus in Niederschelden ein. Zeitgleich erhöhte er den Druck gegen Siegen, wo sich heftige Gefechte ereigneten. Nachdem Niederschelden gefallen war, setze der Amerikaner gegen Gosenbach an, wo er am 1. April Fuß fasste. Trotz großer Bemühungen waren Niederschelden und Gosenbach am Abend fest in amerikanischer Hand und ein Brückenkopf war gebildet worden. Tagelang wurde erbittert um die Höhenstellungen gekämpft. Am 4. April setzte ein deutscher Gegenangriff ein. Nach erbitterten Kämpfen Mann gegen Mann waren die deutschen Truppen dazu in der Lage, den Brückenkopf restlos zu zerschlagen. Hierbei brachten sie zwar reichhaltige Beute ein, aber verbrauchten auch die letzten Reserven für die weitere Verteidigung der Sieglinie.

Während dieser Exkursion werden wir uns über den Ablauf der Kampfhandlungen informieren, wobei wir die Gefechte aus deutscher und amerikanischer Sicht thematisieren werden.

Wann: Samstag, den 26. September 2020, 14.00 Uhr

Treffpunkt: An der Rundturnhalle

Höllenwaldstraße 99

57080 Niederschelden

Anmeldung: KVHS Altenkirchen, Tel.: 02681-812212 oder via Email

kvhs@kreis-ak.de


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6 – Kriegsereignisse auf dem Truppenübungsplatz Stegskopf

Exklusiv durch die Begleitung des Revierleiters der Bundesforsten, Herrn Christoph Hast, haben wir erneut die Möglichkeit an einem von nur sechs im Jahr genehmigten Terminen eine Wanderung über das Gelände des Truppenübungsplatzes durchzuführen. Durch die begrenzt zur Verfügung stehenden Termine, ist diese Exkursion eine Veranstaltung von besonderem Wert für alle an der Geschichte des Truppenübungsplatzes interessierten Teilnehmer.

Diese Exkursion wird sich besonders mit den Kampfhandlungen der letzten Märztage 1945 befassen, welche unmittelbar angrenzend bzw. direkt auf dem damaligen Truppenübungsplatz stattfanden. Da die Geschichte des Geländes sehr weitläufig ist, zudem den Zeitraum vieler Jahrzehnte umspannt, werden wir uns während dieser Wanderung besonders der Ereignisse der Kriegsendphase widmen, wobei die letzten beiden Kriegsjahre thematisiert werden. 1944 war ein in Ausbildung befindliches Bataillon zum Biwak einquartiert, zwei von damals erst 16 und 17-jährigen Burschen sollten wenige Monate später als Fronttruppe zurückkehren.

Ende März 1945 werden Teile des südöstlichen Geländes zum direkten Kampfgebiet. Nachdem die Verbände der amerikanischen 1. US Armee aus dem Brückenkopf von Remagen ausgebrochen waren und über Bad Marienberg in Richtung Haiger vorstießen, schlug ihnen deutsches Feuer entgegen, das es niederzukämpfen galt.

Diese Exkursion wird durch die ehemalige deutsche Frontlinie führen und stellt eine seltene Möglichkeit dar, in die Kriegsgeschichte vor Ort einzutauchen.

Samstag, ??? Oktober 2020 – 14.00 Uhr – Das genaue Datum wird in Kürze bekannt gegeben.

Treffpunkt: Am Friedhof, Kreisstraße 109

56472 Nisterberg

Wegstrecke: ca. 10 Kilometer

Dauer: Etwa 5 Stunden

Anmeldung: KVHS Altenkirchen, Tel.: 02681-812212 oder via Email
kvhs@kreis-ak.de

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Sie können sich in der Karte eine Wegbeschreibung zu den Veranstaltungen gleich anzeigen lassen.


 


Stabbrandbomben in den Wäldern

Stabbrandbomben sind während des Zweiten Weltkriegs zu Hunderttausenden abgeworfen worden. Die vielen Abwürfe haben dazu geführt, dass zahlreiche der Stabbrandbomben heute als Blindgänger auffindbar sind, wodurch der Kampfmittelräumdienst immer wieder in den Einsatz gerufen wird.

So musste der Kampfmittelräumdienst (KMRD) gleich an zwei aufeinander folgenden Tagen in den Kreis Altenkirchen anrücken. Zunächst waren unweit Brachbach zwei Stabbrandbomben entdeckt worden, die bereits gestern durch den KMRD geborgen und gesichert wurden. Die gestern entdeckten Stabbrandbomben waren noch nicht wirklich an ihrem neuen vorläufigen Lagerort angelangt, als eine neue Fundmeldung einging.

Die von Thomas Schneider in Brachbach entdeckten Stabbrandbomben.

Die von Thomas Schneider in Brachbach entdeckten Stabbrandbomben. Links im Bild kann man deutlich den mittels Kreuzblech gesicherten, noch nicht ausgelösten Zünder erkennen. Rechts im Bild sieht man das Gewicht, welches dazu dienen sollte, die Dächer zu durchschlagen. Neuere Modelle der INC4, die militärische Bezeichnung, enthalten innerhalb des Gewichtes oft eine Sprengladung. Bild: Thomas Schneider, Brachbach.

In der Nähe des Ortsrandes von Betzdorf waren mehrere Stabbrandbomben entdeckt worden, die es heute durch den Kampfmittelräumdienst zu sichern galt. Michael Ruckes aus Wallmenroth hatte während eines Spazierganges verdächtige Reste entdeckt und richtig gehandelt: “Ich hatte die Vermutung, dass es sich evtl. um Munitionsreste handeln könnte. Nach einer kurzen Recherche im Internet wurde ich auch fündig und kontaktierte den Kampfmittelräumdienst!” Weiter erzählt Ruckes, “das ist schon mein zweiter Munitionsfund!” Erst im vergangenen Jahr war von ihm eine Handgranate amerikanischer Bauart entdeckt worden, die durch den KMRD geborgen worden ist.

Heute Mittag kam dann der Feuerwerker Tobias Fochler angerückt, der zuvor eine Fundmeldung in Kirburg abzuklären hatte. Nach einer Suche, die trotz einsetzenden Regens durchgeführt wurde, waren die Reste von gut einem Dutzend Brandbomben zusammengekommen. Fochler: “Die leichten Bomben weisen ein sehr hohes Blindgängeraufkommen auf; sie werden sehr zahlreich gemeldet! Wobei man die Gefahr dieser Stabbrandbomben auf keinen Fall unterschätzen sollte, da, für den Laien kaum erkennbar, neben dem Brandsatz oft auch ein Sprengkörper bzw. eine Zerlege-Ladung enthalten sein kann!” So enthielten zwei der Bomben eine Sprengladung.

Tobias Fochler warnt ausdrücklich davor, Kampfmittel, auch wenn sie noch so unscheinbar daher kommen, zu berühren. “Sobald der Verdacht besteht, man könnte auf Munition gestoßen sein, ist unmittelbar die Polizei oder der Kampfmittelräumdienst zu informieren!” Darüber hinaus klärte der Fachmann über Zünder und deren Sicherungssysteme auf: “Egal um welches Kampfmittel es sich handelt, kann das Zündsystem von allein oder auch bereits durch geringste Erschütterungen ausgelöst werden, da die Sicherungseinrichtungen über viele Jahre hinwegweg stark korrodiert sind bzw. es zu Materialveränderungen gekommen ist, welche die Empfindlichkeit der Zünder und Sprengstoffe dermaßen herabgesetzt haben, dass viele Kampfmittel  in keiner Weise mehr Handhabungsfähig sind; diese Entscheidung aber KANN und DARF immer NUR durch einen Feuerwerker getroffen werden! Für jedes Kampfmittel hat der Feuerwerker eine Einzelfallentscheidung zu treffen, ob und wie mit der betreffenden Munition umgegangen wird. Der Laie begibt sich in Lebensgefahr, wenn er Kampfmittel handhabt!”

Reste von Stabbrandbomben, die während des Zweiten Weltkrieges auf Betzdorf abgeworfen wurden. Innerhalb zwei der Brandbomben waren Sprengkörper vorhanden, die auch 75 Jahre nach Kriegsende noch immer ihre tödliche Sprengkraft besitzen.

Reste von Stabbrandbomben, die während des Zweiten Weltkrieges auf Betzdorf abgeworfen wurden. Innerhalb zwei der Brandbomben waren Sprengkörper vorhanden, die auch 75 Jahre nach Kriegsende noch immer ihre tödliche Sprengkraft besitzen.

Siehe auch: Stabbrandbomben – Teil I und Stabbrandbomben – Teil II

75 Jahre Kriegsende – Exkursionen auf den Spuren des Kriegsendes 1945

Nachdem amerikanische Kräfte Anfang März 1945 die Brücke von Remagen eroberten und den Rhein überquerten, wo sie auf dem Ostufer einen Brückenkopf errichteten, war das unmittelbar bevorstehende Ende des Zweiten Weltkriegs gemeinhin absehbar. Da die nationalsozialistische Ideologie aber einen Kampf bis zum letzten Mann vorsah und Hitler dies als Oberster Befehlshaber  des Heeres mit allen Mitteln durchsetzte, wurde eiligst wieder ein neuer Frontabschnitt, diesmal auf der östlichen Seite des Rheins gebildet. Hier fanden nun äußerst hartnäckige Kampfhandlungen statt, doch sämtliche deutsche Versuche, den Brückenkopf zu zerschlagen, schlugen fehl. Am 25. März traten die weit überlegeneren Kräfte der 1.US-Armee zum Ausbruch aus dem Brückenkopf von Remagen an. Hiernach fegte die Front unaufhaltsam direkt über den Boden des Kreises Altenkirchen hinweg und hinterließ Tod und Zerstörung.

Erst am 8. Mai 1945 wurden nach jahrelangem Ringen endlich die Waffen gestreckt und die Generäle unterzeichneten die Urkunden für eine bedingungslose Kapitulation. Hitler ist zu jenem Zeitpunkt bereits tot; durch Suizid hat er sich der Verantwortung entzogen. Weltweit hat der Zweite Weltkrieg mehr als 60 Millionen Menschenleben gefordert.

Im letzten Kriegsjahr waren es so viele tote deutsche Soldaten wie in den fünf Jahren zuvor. Ein deutliches Zeichen für die Sinnlosigkeit des auf Gedeih und Verderb fortgeführten Krieges.

Allein im Bereich des Kreises Altenkirchen haben die Wirren der letzten Kriegswochen im März und April 1945 rund 2000 Menschenleben auf beiden Seiten gefordert.

Um an diese schrecklichen Ereignisse von März und April 1945 zu erinnern, haben wir uns dazu entschlossen, durch erneute Veranstaltungen zu informieren und zu mahnen, da es in unserer Verantwortung liegt, dass das Geschehene nicht in Vergessenheit gerät.

Scherl:<br />

Scherl:
Schwere Infanteriegeschütze im Wald von Hürtgen bei der Abwehr eines der zahllosen nordamerikanischen Angriffe
Bildquelle: Bundesarchiv, Bild 183-J28303 / CC-BY-SA 3.0 PK-Kriegsberichter Jäger

Am historischen Datum des 7. März 2020 werden wir die diesjährige Exkursionsreihe mit einer Tagesfahrt ins Friedensmuseum Hürtgenwald inkl. Museumsbesuch und Führung eröffnen.


Es wird eine Teilnahmegebühr in Höhe von 5 Euro erhoben

Um zeitnahe Anmeldung zu den Exkursionen wird gebeten.



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1 – blutige Katastrophe im Hürtgenwald

„It´s been a bloody Desaster!“ <> „Es war eine blutige Katastrophe!“

Zwei Menschen zweier Nationen erzählten mir einst eine Geschichte mit sich teilweise überschneidenden Inhalten. Einer der beiden war einmal ein Nachbar von mir und wohnte von meinem Elternhaus nur einen Steinwurf weit entfernt. Konrad ist damals freiwillig Soldat geworden; damals war im September 1944. Der Amerikaner war ein paar Monate zuvor in der Normandie gelandet, wo der Vater an der Front stand und von dem es seit einiger Zeit kein einziges Lebenszeichen mehr gegeben hatte. Die Mutter mit all ihren Sorgen und der Verzweiflung allein, dem Nervenzusammenbruch nahe, war nicht dazu in der Lage, den Sohn aufzuhalten.

Zur Waffen-SS wollte er, in der Truppe diente der Vater bereits. Allerdings fand sich Konrad kurz darauf in der Wehrmacht wieder. Und er war nicht allein, denn mit ihm war ein Freund, der 18-jährige Dieter Schulte aus Betzdorf, zum Dienst an der Waffe angetreten. Es folgte eine kurze Grundausbildung in Köln, wo sich vier ehemalige Kameraden aus der Zeit beim Reichsarbeitsdienst wieder trafen. Mit Ende der Ausbildung wurde die Pionierkompanie an die Front in Marsch gesetzt, und „ohne Umwege wurden die Lämmer zur Schlachtbank geführt“.

Die Kompanie „der Lämmer“ bestand aus knapp 125 Mann. Gleich am Tag nach dem Eintreffen kam es zur Feuertaufe. Konrad erzählte: „Hätte ich das schlimmste Krepieren nicht mit eigenen Augen erlebt, würde ich heute sagen: zu solch einer barbarische Grausamkeit kann doch kein Mensch in der Lage sein! Die ganze Angelegenheit war eine blutige Katastrophe!“ Bereits am zweiten Tag wurde der Dieter Schulte so schwer verletzt worden, dass er in ein Armeelazarett bei Neuwied verlegt wurde. Er ist im Dezember 1944 an den Folgen der Verwundung im Andernacher Armeelazarett verstorben. Weitere zwei Wochen später kam es zur Zerschlagung der Kompanie. Konrad geriet in amerikanische Gefangenschaft, doch das Schicksal der beiden anderen Jungs ist bis heute ungeklärt. Entweder liegen ihre Gebeine noch immer irgendwo verscharrt in den Wäldern um Hürtgen oder aber sie finden sich heute unter den zahlreichen „Unbekannten Soldaten“ auf einer der Kriegsgräberstätten in der Region.

Wir möchten mit unserem Besuch im „Friedensmuseum Hürtgenwald 1944“ an die Gefallenen und Vermissten beider Seiten erinnern. Am Vormittag besuchen wir die Kriegsgräberstätte, nach dem Mittagsessen wird ein Besuch durch das Museum inkl. des Sanitätsbunkers durch eine fachkundige Führung stattfinden.

Achtung: Die Teilnehmergebühr für die Tagesfahrt beläuft sich auf 29,- Euro.

Wann: Samstag, 7. März 2020
Treffpunkt: Parkplatz Zum Weyerdamm, 57610 Altenkirchen
Sammeln ab 8.15 Uhr-
Abfahrt ca. 9.00 Uhr

Anmeldung: KVHS Altenkirchen, Tel.: 02681-812212 oder via Email
kvhs@kreis-ak.de


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2 – Kämpfe zwischen Kircheib und Mehren

Am 7. März konnten amerikanische Soldaten bei Remagen den Rhein überquere und einen ersten Brückenkopf auf dem Ostufer des Flusses bilden. Die deutsche Führung versuchte mit allem was zur Verfügung stand, diesen Stützpunkt zu zerschlagen, mussten aber angesichts der großen Überlegenheit alsbald zum hinhaltenden Widerstand übergehen. Selbst als am 17. März die Ludendorff-Brücke unter ihrer Last einstürzte, brachte dieses keine Vergünstigung für die deutschen Soldaten. Wenig später hatte die amerikanische 1. Armee weitere Panzer- und Infanterieeinheiten in den Brückenkopf verlegt und drängten entlang sämtlicher Abschnitte stark gegen die Front der 15. deutschen Armee. Am 24. März zerschlug die 78. US Infanteriedivision (US-ID) einen strategisch wichtigen Stützpunkt bei Menden, während die 1. US-ID das zur Festung erklärte Uckerath angriff, die Kampfhandlungen dauerten bis zum nächsten Morgen. Im Bereich der 104. US. Infanteriedivision wurde der Raum um Eudenbach zum Schauplatz heftiger Gefechte. Während dieser Kampfhandlungen bezogen die Einheiten der 3. US-Panzerdivision ihre Bereitstellungen, um von hier aus in der frühe des nächsten Tages zum finalen Schlag anzutreten: Der Ausbruch aus dem Brückenkopf stand unmittelbar bevor. Obwohl Altenkirchen als Tagesziel gegolten hatte, erreichten die amerikanischen Panzerspitzen bis zum Abend nur den Raum um Rettersen, eine verstärkte Infanterieeinheit der 104. US-ID stieß bis nach Mehren vor. Über das dortige Gefecht notierte der damalige Kommandeur: „die Männer erstürmten die Mehrbachbrücke unter Hurrageschrei und konnten die Brücke unter geringen eigenen Verlusten unbeschädigt erobern!“

Diese Exkursion wird sich mit den Ereignissen des 25. März 1945 beschäftigen und führt während einer knapp 9,5 Kilometer langen Wanderung vom Friedhof Kircheib über Eckenbach – Fiersbach – zur Kriegsgräberstätte Mehren – in Richtung Maulsbach und dann zurück zum Startpunkt. Hierbei folgen wir teils den Wegen des 414. US-IR, welches der 3. US-PD unterstellt war.

Wann: (So., der 22.03.2020, 14.30 Uhr) wegen Corona vorerst verschoben.
eine später stattfindende Durchführung wird zum entsprechenden Zeitpunkt hier verkündet.

Treffpunkt:        Friedhof in Kircheib
B8 aus Rtg. Altenkirchen kommen am Ortseingang
Kircheib,
57612 Eichelhardt

Wegstrecke: ca. 9,5 Kilometer

Dauer: Etwa 4 1/2 Stunden

Anmeldung: KVHS Altenkirchen, Tel.: 02681-812212 oder via Email
kvhs@kreis-ak.de


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3 – Film-Vortrag 75 Jahre Kriegsende

Das Kriegsende liegt 75 Jahre zurück; bedeutend länger als manches Menschenleben. Schaut man auf die Ereignisse der Kriegstage im März und April 1945, sieht man, dass der Tod allgegenwärtig war. Selbst heute ist Frieden nur ein Wort, für das es keine Garantien gibt. Darum liegt es an uns, dass wir uns mit aller Kraft dafür einsetzen, ein erneutes gegenseitiges Töten zu verhindern.

Mit Beginn des Zweiten Weltkrieges sind die Menschen vieler Orte zu den Fahnen gelaufen, manche haben gehofft und gedacht, alles würde ein schnelles Ende haben. Trotzdem kam es anders. Nach den Blitzkriegen gegen Polen und Frankreich setzte ein zermürbender und alles auslöschender Krieg ein, der seine Spuren in nahezu jeder Familie hinterlassen hat. Als das sechste Kriegsjahr begonnen hatte, in dem mittlerweile halbe Kinder neben altgedienten Soldaten und ihren Vätern in den Krieg gezogen waren, stand der Exitus des Dritten Reiches bereits unmittelbar vor den Grenzen des Landes. Hitler hatte eine Todesmaschine in Gang gesetzt, die ihre Saat im März und April 1945 im Kreis Altenkirchen ausbrachte und zur letzten tödlichen Ernte angesetzt hatte.

Am 25. März 1945 gelangten erstmalig direkte Kampfhandlungen auf das Gebiet des Kreises Altenkirchen, die bis zum 9. April andauern sollten. An diesem 9. April fanden bei Bahnhof Wildenburg und südöstlich Wildberger Hütte letzte Gefechte statt, die gleich mehrere Gefallene forderten. Innerhalb der kurzen Zeitspanne vom 25.3 bis einschließlich den 9.4. sind zahlreiche Soldaten beider Seiten gefallen. Zudem machten Bomben und Granaten keinen Unterschied zwischen Freund oder Feind, Soldat oder Zivilist, Frau oder Kind. Hiervon zeugen heute die zahlreichen Kriegsgräberstätten, die sich in der Region finden. Auf ihnen haben 1409 Tote der Kriegswirren ihre letzte Ruhestätte gefunden. In den amerikanischen Verbänden verloren wenigstens 500 bis 600 Soldaten ihr Leben. Die meisten dieser Toten fanden in Margraten in den Niederlanden ihre letzte Ruhestätte.

Während dieses Vortrages führen wir einen ca. 45 Minuten langen Film vor, stellen diverse Relikte aus den letzten Kriegstagen vor und geben Ihnen selbst die Möglichkeit, Fragen zu den Ereignissen der letzten Kriegswochen zu stellen.

Wann: Sonntag, 29. März 2020 – 15.00 Uhr, wegen Corona vorerst verschoben.
eine später stattfindende Durchführung wird zum entsprechenden Zeitpunkt hier verkündet.

Treffpunkt:        Kreisvolkshochschule Altenkirchen

                           Rathausstraße 12,  57610 Altenkirchen

Dauer: Etwa 2 Stunden

Anmeldung: KVHS Altenkirchen, Tel.: 02681-812212 oder via Email
kvhs@kreis-ak.de


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4 – Die Gefallenen vom „Hähner Berch“

Am Morgen des 25. März setzen sich die amerikanischen Angriffsspitzen in Bewegung. Hier und dort wurden sie aufgehalten durch bislang unentdeckte Minenfelder. Als der Angriff endlich ins Rollen kam, war die schwache Verteidigungslinie der 15. deutschen Armee alarmiert, an verschiedenen Orten waren sie sogar zu kleineren Gegenangriffen angetreten. Während dessen setzte die mittlere Stoßgruppe der Amerikaner über Asbach auf den Mehrbach-Abschnitt an, der zur Front werden sollte.

Nachdem Asbach unter dem starken amerikanischen Druck nicht weiter zu verteidigen war, setzten sich die Reste der 9. Panzerdivision und der 3. Panzergrenadier Division in östliche Richtung ab. Noch während sich erste Sherman-Panzer Schöneberg näherte, wurden bei Diefenau zwei deutsche Panzer betankt, damit diese nicht dem Amerikaner in die Hände fielen. Etwa zur gleichen Zeit war ein kleines Stück weiter nördlich der Aufbau einer Sicherungslinie angelaufen: zwischen Sessenhausen, Krumscheid und Kapaunsmühle sollte, angelehnt an mehrere Stützpunkte, der amerikanische Vormarsch verzögert werden. Ein Kriegsgericht, das an der Kapelle zu Niedermühlen tagte, hatte indirekten Anteil am Verlauf der späteren Gefechte, denn zu groß war die Angst in letzter Stunde durch die Eigenen hingerichtet zu werden.

Als sich die amerikanischen Kräfte über Wester und Krumbachsmühle näherten, entwickelte sich ein Gefecht, das sich im weiteren Verlauf bis in den Wald zwischen Kescheid, Mehren und Hahn verlagerte. Bereits während links und rechts vorgehende, eigenen Einheiten den Bereich mittlerweile weit hinter sich gelassen hatte, peitschten bis in den späten Abend immer wieder Schüsse auf und zeigten an, das sich in den Wäldern noch zahlreiche versprengte deutsche Soldaten befanden. Erst nachdem sich die Kampfhandlungen während der späten Abendstunden zum 26. März nach und nach auflösten, kehrte wieder Frieden in den Wäldern ein. Zahlreiche Gefallene lagen verstreut in dem Waldgebiet, darunter auch Angehörige des Altenkirchener Volksturmes. 1947, der Krieg war bereits seit 2 Jahren zu Ende, wurde eine Suche nach einem vermissten deutschen Soldaten aufgenommen, zu dem auch das eingesetzte Sprengkommando zu Rate gezogen wurde.

Wann: Samstag, 4. April 2020 – 14.30 Uhr wegen Corona vorerst verschoben.
eine später stattfindende Durchführung wird zum entsprechenden Zeitpunkt hier verkündet

Treffpunkt: Kapelle zu Niedermühlen

Zur Wallfahrtskapelle 4

53567 Asbach

Wegstrecke: ca. 10 Kilometer

Dauer: Etwa 4 – 5 Stunden

Anmeldung: KVHS Altenkirchen, Tel.: 02681-812212 oder via Email

kvhs@kreis-ak.de


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5 – Kampf um die Autobahn zwischen Hombach und Willroth

Nachdem am 25. März 1945 die amerikanischen Verbände zum Ausbruch aus dem Brückenkopf von Remagen angetreten waren, war es ihnen nicht möglich, das Tagesziel „Altenkirchen“ am gleichen Tag zu erreichen, erst am Nachmittag des 26. fiel die Kreisstadt gegen geringe Gegenwehr in amerikanische Hand und die Verbände konnten bis Hachenburg vorstoßen. Zur gleichen Zeit setzte die 1. US-Infanteriedivision an, um die Bereiche zur Sieg hin von verbliebenen Resteinheiten zu säubern und marschierte bis Eitorf vor. Die Lage der Ausbruchskräfte im nördlichen Bereich der Brückenkopf-Front war damit klar.

Im südlichen Bereich des Brückenkopfes war die 7. US-Panzerdivision bei Vettelschoß zum Angriff angetreten und konnte bis nach Ailertchen, Obertiefenbach und Montabauer gelangen, wo Kontakt zur 9. US-PD hergestellt werden konnte. Während die Fronten fast überall unter dem amerikanischen Druck schnell in sich zusammenbrachen, hatte hauptsächlich nur die 9. US-ID hier und dort mit ernstzunehmendem Widerstand zu kämpfen.

Nachdem die Division mit ihrem rechten Flügel bis Puderbach vorgestoßen war und dort den Holzbach überschritten hatte, konnten Mündersbach und Herschbach besetzt werden. Einzig im Bereich des 60. US-Infanterieregiment stieß man seit dem Morgen immer wieder auf organisierte Gegenwehr. Der Bereich der Reichsautobahn zwischen Willroth und Hombach wurde Reste der abgekämpften 272. Volksgrenadier Division verteidigt, die sich jedoch verbissen zur Wehr setzten. Zwei Kampfgruppen, geführt von den Hauptmännern Walter Loch und , am Morgen in Krunkel aufgestellt, hatten sich den vorstoßenden Amerikanern in den Weg gestellt und stellten erst nach heftigen Gefechten den Kampf ein, so das der weitere Vorstoß bis Horhausen vorgetragen werden.

Wann: Samstag, 18. April 2020 – 14.30 Uhr, wegen Corona vorerst verschoben.
eine später stattfindende Durchführung wird zum entsprechenden Zeitpunkt hier verkündet

Auf der Burg 4

56593 Krunkel

Dauer: Etwa 4 Stunden

Anmeldung: KVHS Altenkirchen, Tel.: 02681-812212 oder via Email
kvhs@kreis-ak.de


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6 – Waldkämpfe zwischen Obersteinebach und Peterslahr

Diese Exkursion knüpft an die Ereignisse der letzten Veranstaltung an und schildert im Schwerpunkt die Gefechte zwischen den Resten der deutschen Kampfgruppe unter Hauptmann Walter Loch und dem 2. Bataillon des 60. US-Infanterieregiment. Nachdem das US-Regiment den Durchbruch durch die Sicherungslinie entlang der Autobahn erzwungen hatten und Hombach gefallen war, wurde das II. Bataillon eingeschoben und zum Angriff auf die heftig verteidigten Orte Krunkel und Eppgert angesetzt. Erst nachdem der Widerstand gegen etwa 18 Uhr gebrochen war, konnten die Soldaten über Obersteinebach und Heiderhof in den Wald vordringen und von Krunkel aus in Richtung Huf und Horhausen vormarschieren. Während die auf Horhausen vorstoßende Kampfgruppe sich besonders in ein Ortsgefecht verwickelte, wurde die über Obersteinebach vorgehende Einheit zusehends in ein Waldgefecht verwickelt. In diesem Bereich versuchte Hauptmann Loch mit zurückgehenden Soldaten eine Sicherung aufzubauen und den Amerikaner aufzuhalten.

Nach Ende der Kampfhandlungen wurden im Bereich des Heiderhofes, der zahlreiche Einschüsse erhalten hatte, die sterblichen Überreste von ca. 20 deutschen und amerikanischen Soldaten zusammengetragen.

Samstag, 25. April 2020 – 14.30 Uhr –  wegen Corona vorerst verschoben.
eine später stattfindende Durchführung wird zum entsprechenden Zeitpunkt hier verkündet.

(Vorläufiger) Treffpunkt: Parkplatz Hauptstraße

56593 Obersteinebach

Dauer: Etwa 4 Stunden

Anmeldung: KVHS Altenkirchen, Tel.: 02681-812212 oder via Email

kvhs@kreis-ak.de


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7 – Gefechte um den Rothenberg bei Niederschelden

Nachdem die Verbände der 1. US-Armee aus dem Brückenkopf von Remagen ausgebrochen waren, erhöhten ihre Truppen den Druck gegen die Sieg-Linie. Eine schwache Sicherungslinie, die zunächst südlich des Flusses gehalten wurde und die deutschen Brückenköpfe verband, wurde durch die 1. US-Infanteriedivision (US-ID) zerschlagen. Ab dem Monatsende marschierte aus dem Raum Köln die 8. US-ID heran, um die 1. US-ID abzulösen, um gegen die deutschen Brückenköpfe vorzugehen und die Sieg zu überqueren.

Auf deutscher Seite war die Sieg am 29. März 1945 offiziell zur Front erklärt worden und unter dem Lärm von zahlreichen Detonationen versanken die letzten noch stehenden Brücken in den Fluten des hochwasserführenden Flusses. Zudem liefen Bestrebungen an, die neue Frontlinie mit Kampftruppen zu besetzten.

Dazu wurden Verbände aus der Rhein-Front herausgelöst und an die neuen Abschnitte verlegt. Am 31. März erhielt die 12. Volksgrenadier Division den Befehl zur sofortigen Verschiebung in den Raum um Siegen, da sich dort die Lage bedrohlich entwickelt hatte.

Der Brückenkopf war bereits zum größten Teil verloren und bestand nur noch aus einer kleinen Nase, die in südöstlicher Richtung hervorragte. Amerikanische Kräfte verstärkten sich rund um Siegen. Am 31. März und am 1. April 1945 griff der Gegner mit frischen Truppen an, zerschlug die Brückenkopfbesatzung und drang von Eiserfeld aus in Niederschelden ein. Zeitgleich erhöhte er den Druck gegen Siegen, wo sich heftige Gefechte ereigneten. Nachdem Niederschelden gefallen war, setze der Amerikaner gegen Gosenbach an, wo er am 1. April Fuß fasste. Trotz großer Bemühungen waren Niederschelden und Gosenbach am Abend fest in amerikanischer Hand und ein Brückenkopf war gebildet worden. Tagelang wurde erbittert um die Höhenstellungen gekämpft. Am 4. April setzte ein deutscher Gegenangriff ein. Nach erbitterten Kämpfen Mann gegen Mann waren die deutschen Truppen dazu in der Lage, den Brückenkopf restlos zu zerschlagen. Hierbei brachten sie zwar reichhaltige Beute ein, aber verbrauchten auch die letzten Reserven für die weitere Verteidigung der Sieglinie.

Während dieser Exkursion werden wir uns über den Ablauf der Kampfhandlungen informieren, wobei wir die Gefechte aus deutscher und amerikanischer Sicht thematisieren werden.

ACHTUNG, Neuer Termin:  Diese Exkursion findet nicht  am Samstag statt!
Sonntag, 10. Mai 2020 – 14.30 Uhr

Treffpunkt: An der Rundturnhalle

Höllenwaldstraße 99

57080 Niederschelden

Anmeldung: KVHS Altenkirchen, Tel.: 02681-812212 oder via Email

kvhs@kreis-ak.de


 

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8 – Kriegsereignisse auf dem Truppenübungsplatz Stegskopf

Exklusiv durch die Begleitung des Revierleiters der Bundesforsten, Herrn Christoph Hast, haben erneut die Möglichkeit an einem von nur sechs im Jahr genehmigten Terminen eine Wanderung über das Gelände des Truppenübungsplatzes durchzuführen. Durch die begrenzt zur Verfügung stehenden Termine, ist diese Exkursion eine Veranstaltung von besonderem Wert für alle an der Geschichte des Truppenübungsplatzes interessierten Teilnehmer.

Diese Exkursion wird sich besonders mit den Kampfhandlungen der letzten Märztage 1945 befassen, welche unmittelbar angrenzend bzw. direkt auf dem damaligen Truppenübungsplatz stattfanden. Da die Geschichte des Geländes sehr weitläufig ist, zudem den Zeitraum vieler Jahrzehnte umspannt, werden wir uns während dieser Wanderung besonders der Ereignisse der Kriegsendphase widmen, wobei die letzten beiden Kriegsjahre thematisiert werden. 1944 war ein in Ausbildung befindliches Bataillon zum Biwak einquartiert, zwei von damals erst 16 und 17-jährigen Burschen sollten wenige Monate später als Fronttruppe zurückkehren.

Ende März 1945 werden Teile des südöstlichen Geländes zum direkten Kampfgebiet. Nachdem die Verbände der amerikanischen 1. US Armee aus dem Brückenkopf von Remagen ausgebrochen waren und über Bad Marienberg in Richtung Haiger vorstießen, schlug ihnen deutsches Feuer entgegen, das es niederzukämpfen galt.

Diese Exkursion wird durch die ehemalige deutsche Frontlinie führen und ist eine außerordentlich seltene Möglichkeit in die Kriegsgeschichte vor Ort einzutauchen.

Samstag, 23. Mai 2020 – 14.30 Uhr

Treffpunkt: Am Friedhof, Kreisstraße 109

56472 Nisterberg

Wegstrecke: ca. 10 Kilometer

Dauer: Etwa 5 Stunden

Anmeldung: KVHS Altenkirchen, Tel.: 02681-812212 oder via Email
kvhs@kreis-ak.de

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9 – Was hat Papa im Krieg gemacht?

Mehr als 70 Jahre nach Kriegsende ist vielen Nachfahren der Kriegsgeneration nicht bekannt, welche Rolle der eigene Vater oder Großvater zur Zeit des Zweiten Weltkrieges gespielt hat. Während immer wieder nur gemutmaßt oder evtl. im Raum stehenden Gerüchten nachgehangen wurde, blieb die Möglichkeit den eigenen Vater selbst zu befragen, meist ungenutzt.

Die Ursachen dafür sind vielfältig. Eines der Gründe für das anhaltende Schweigen der Väter dürfte in den durchgemachten, bitteren Kriegserfahrungen liegen, denn nicht selten überschatteten, neben der eigenen Fronterfahrung, die schmerzhaften Erinnerungen an Freunde oder Kameraden, mit denen man gemeinsam in den Krieg gezogen war und deren Wege sich plötzlich – ein für alle Mal – trennen mussten, auch das weitere Leben der Erlebnisgeneration.

Darüber hinaus versuchte man die Schrecken des Krieges zu verdrängen und konzentrierte sich in der Nachkriegszeit erst einmal auf das eigene Überleben. Vielfach wurde erlebtes vergessen oder auch verdrängt und während 1968 die erste Generation anfing Fragen zustellen schwiegen die Kriegsteilnehmer weiterhin aus Angst vor der Anklage der Kinder.

Mittlerweile leben nur noch sehr wenige Teilnehmer der Erlebnisgeneration und viele der Kinder und Enkelkinder wissen kaum etwas über den Krieg ihrer Väter.

Mit ein wenig Aufwand kann man heute Fragen beantworten: Wo war Vater während des Krieges? Und welche Rolle spielte er dabei?

Dies sind Fragen, die die heutige Generation interessieren.

Innerhalb dieses Vortrages möchte ich an verschiedenen Beispielen darstellen, welche Möglichkeiten man heute hat, die Spuren der eigenen Vorfahren an den Fronten des Zweiten Weltkriegs zu erforschen. Hierbei stelle ich die Möglichkeit der Archivrecherche vor und zeige auf, wie es dann mit den abgefragten Daten weitergehen kann. Zu diesem Termin dürfen Interessierte auch gerne vorhandene Dokumente mitbringen.

Wann: 6. Juni 2020 – 14.30 Uhr

Anmeldung: KVHS Altenkirchen, Tel.: 02681-812212 oder via Email
kvhs@kreis-ak.de


Sie können sich in der Karte eine Wegbeschreibung zu den Veranstaltungen gleich anzeigen lassen.


 


Feuerwerker in der Anfangszeit…

Hilfs-Feuerwerker, die im Jahr 1947 dem Sprengkommando Forneberg beitraten, erhielten einen Stundenlohn von gerade mal 1,20 Mark. Wie der Name erahnen lässt, “verdiente” man sich den Lebensunterhalt bei einer lebensgefährlichen Arbeit; nämlich dem, wie es im Betreff alter Schriftstücke immer wieder festgehalten wurde:

 

“Beseitigen von Munition und Blindgängern!”
Bildbeitrag: Wie entschärft man eine Handgranate? Bild: Internetfund.

Bildbeitrag: Wie entschärft man eine Handgranate? Bildquelle: Internetfund.

Erst im Frühjahr 1947 aus französischer Gefangenschaft heimgekehrt. Das Reich lag in Trümmern und Scherben, aus der preußischen Heimat vertrieben, mit nur wenig Perspektiven gelangte der 19jährige Harald S. in den Westerwald. Erst in Asbach, dann in Flammersfeld. Von Februar bis Ende Mai versuchte er als Tagelöhner und Dieb wenigstens am Leben zu bleiben, bis ihm ein “lukratives” Jobangebot unterbreitet wurde. Minenräumen und Bergen von Munition und Blindgängern.
 1,20 Mark Stundenlohn für einen Bombenjob!  
Dazu gab es noch eine Gefahrenzulage in Höhe von 15 Mark je Tag. Nach einer 10 Stundenschicht hatte man sich dicht an die Höhe der Gefahrenzulage herangeschafft. Fahrtzeiten von und zu den Einsatzstellen wurden nur den Berufs-Feuerwerkern zugestanden und mit 0,80 Mark pauschal für maximal zwei Stunden täglich abgerechnet. Macht dann 1,60 Mark für Wegzeiten.
Dazu bitte noch eine Auslöse in Höhe von 5 Mark am Tag. Man(n) musste ja auch gut im Futter sein bei dem gefährlichen Knochenjob! Die Gefahr gehörte zum Alltag, nicht allein im Beruf, sondern auch im zivilen Leben. Bomben und Granate kannten keinen Unterschied zwischen dem Feuerwerker oder dem neugierigen Kind – wer das Unglück herausforderte oder wer nur einen Augenblick nicht aufmerksam genug war, dem raubte eine ohrenbetäubende Explosion Gesundheit oder Leben. Aber für 1,20 die Stunde und dazu noch die Gefahrenzulage plus Auslöse? Das war doch fast jedes Risiko wert? Oder nicht?
Mann muss wissen, dass zwischen Juni 1944 und Juni 1947 mehr als 700.000 deutsche Kriegsgefangene in Frankreich zum Minenräumen zwangsverpflichtet waren – zum Lohn nur knapp mehr als Brot und Wasser. Jetzt aber konnte  man sich für gleiche Arbeit unter besseren, aber nicht mindergefährlicheren Bedingungen, auch noch den Lebensunterhalt verdienen.
Trotzdem kamen die Hilfs-Feuerwerker in den Wintermonaten selten auf einen Verdienst von mehr als 657,20 oder 707,20 Mark, da ihnen das eigentliche Entschärfen bzw. Unschädlich machen der aufgefundenen Kampfmitteln untersagt war. Für diese Tätigkeit musste man zumindest über die abgeschlossene Ausbildung eines Feuerwerker verfügen. Aber ausgebildet wurde 1949 noch nicht bzw. nur im Ansatz. Wartezeiten auf Sprengplätzen und Fahrtzeiten wurde den Hilfs-Feuerwerkern nicht zugestanden, diese Ungerechtigkeit erfuhr erst im Sommer 1950 eine Änderung. Erst nach dem Juni erhielten sie ebenfalls Warte- und Fahrtzeiten entlohnt, wodurch es Möglich war, auf knapp über 850 Mark zu kommen, was bereits dem Winterlohn eines Berufs-Feuerwerkers entsprach.
Diese Berufsfeuerwerker rekrutierten sich Meist aus Angehörigen der ehemaligen Wehrmacht. Sie erzielten während der Wintermonate durch Gefahrenzulage und Auslöse bei einem bei einem Stundenlohn von 1,90 Mark einen Verdienst von rund 885 Mark. Das entsprach einem Gegenwehrt von knapp 190 Stunden Arbeitseinsatz, also fast 8 Stunden täglich bei 26 Arbeitstagen im Winter.
Selbst der Chef des Sprengkommandos, Heinz Forneberg aus Betzdorf, ging nur mit unwesentlich mehr Geld Heim. Sein Verdienst betrug im Winter 952,60. Darin enthalten war neben der Gefahrenzulagen etc. auch eine Pauschale für das Entschärfen Blindgängern von Fliegerbomben.
Am 26. Dezember 1947, dem zweiten Weihnachtstag, wurde durch die Besatzungsmacht in Koblenz dem Sprengkommando Forneberg zur Auszahlung an 19 Mitarbeiter der Gesamtlohn in Höhe von 13.719.40 Mark ausgezahlt. Weihnachtsgeld gab es keines!
Ein deutscher Soldat beim Entschärfen einer Schützenmine S-Mine 35. Bildquelle: Google Bildersuche.

Ein deutscher Soldat beim Entschärfen einer Schützenmine S-Mine 35. Bildquelle: Google Bildersuche.

Quellen: Eigene Archivsammlung “Sprengkommando Forneberg”
               Archiv der Feuerwerker, Koblenz, Sammlung Forneberg
               Landeshauptarchiv Koblenz
               Diverse Mitteilungen

Kriegsende 1945 – Weitergekämpft bis fünf nach Zwölf…

Das “tausendjährige Reich“ ist im Frühjahr 1945 in einem Meer aus Blut und Tränen untergegangen. Am 8. Mai 1945 werden nach jahrelangem Ringen endlich die Waffen gestreckt und die Generäle unterzeichnen die Urkunden für eine bedingungslose Kapitulation. Hitler ist zu jenem Zeitpunkt bereits tot; durch Suizid hat er sich der Verantwortung entzogen. Weltweit hat der Zweite Weltkrieg mehr als 60 Millionen Menschenleben gefordert. Allein im Bereich des Kreises Altenkirchen haben die Wirren der letzten Kriegswochen im März und April 1945 rund 2000 Menschenleben gekostet. Grund genug, für mich und die Kreisvolkshochschule Altenkirchen, dass wir uns erneut mit den Ereignissen dieser schicksalshaften Zeit auseinandersetzen, denn Geschichte ist kein Fall fürs Museum, sondern sie ist der Schlüssel zur Zukunft! Um zu Mahnen, muss man Erinnern!

Damit die schrecklichen Ereignisse nicht in Vergessenheit geraten, habe ich nun fünf weitere Exkursionen geplant, die an die damaligen Kriegsschauplätze hinführen. Eröffnen werden wir diese Veranstaltungsreihe mit der Geschichte der V-Waffen im Westerwald am 17. August 2019. Vier weitere Exkursionen werden sich mit den Bodenkämpfen im März und April 1945 befassen und mit einem Vortrag darüber, wie man die Kriegsgeschichte der eigenen Vorfahren erforschen kann, werden wir am 2. November 2019 die diesjährigen Veranstaltungen beenden.


 

<span style="color: #000000;">Juni 1944 - Ausbildungstage der Hitlerjugend im Reichsausbildungslager (RAB) Prinz Eugen, heute eher bekannt unter "Truppenübungsplatz Stegskopf. Man achte bitte besonders auf den rechten Schützen. Genaue Aufklärung dazu und wer die beiden im Foto sind und was aus ihnen wurde, werden wir während der Exkursion am 26. Oktober 2018 genau erläutern.</span>

Juni 1944 – Ausbildungstage der Hitlerjugend im Reichsausbildungslager (RAB) Prinz Eugen, heute eher bekannt unter “Truppenübungsplatz Stegskopf. Man achte bitte besonders auf den rechten Schützen. Genaue Aufklärung dazu und wer die beiden im Foto sind und was aus ihnen wurde, werden wir während der Exkursion am 26. Oktober 2018 genau erläutern.


Es wird eine Teilnahmegebühr in Höhe von 5 Euro erhoben

Um zeitnahe Anmeldung zu den Exkursionen wird gebeten.



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1 – Die Geschichte der V-Waffen im Westerwald

Bei Roßbach im Westerwald startete Ende September 1944 erstmalig Hitlers „Wunderwaffe – V2“. Bei einer Reichweite von bis zu 300 Kilometern konnte der Sprengkopf 738 Kilogramm Amatol (auf TNT basierender, durch Ammoniumnitrat gestreckter Sprengstoff) aufnehmen. Das „Aggregat 4“, so die offizielle Bezeichnung, war eine ballistische Langstreckenrakete, die am 20. Juni 1944 die Grenze zum Weltraum durchstieß. Im Oktober des gleichen Jahres wurde sie durch Propagandaminister Goebbels zur „Vergeltungswaffe 2“, kurz „V2“ erklärt.

Die schwere Artillerieabteilung 836 hatte im November 1944 in Hachenburg Quartier bezogen. Bis kurz vor Kriegsende wurden von insgesamt 3170 Abschüssen alleine 432 aus dem Westerwald gestartet. Unter dem Befehl des höheren Artilleriekommando 191 erfolgte ab Februar 1945 der Einsatz gegen Antwerpen. Zur gleichen Zeit lief die Umgliederung der Abteilung zum Artillerieregiment z.b.V. 901 (mot) an.

Die Einheit befand sich bis unmittelbar vor dem amerikanischen Einmarsch im Raum Hachenburg im Einsatz, während man die Begleitkompanien (Panzerjäger und Panzergrenadiere) bereits für den infanteristischen Einsatz vorgesehen hatte. Über deren Geschichte und Einsätze wurde bereits mehrfach berichtet, doch immer noch relativ unbekannt dürfte die Zeit kurz vor der Stunde Null im März 1945 sein.

Während dieser Exkursion möchten wir uns mit der Geschichte der V-Waffen im Allgemeinen befassen und natürlich auch besonders auf die Ereignisse im März 1945 eingehen. Weil ich mich mit der Thematik der V-Waffen nur wenig beschäftigt habe und mein Augenmerk in allen Jahren meiner Recherchen immer dem Bodenkampf galt, wird einen Großteil der Planung für diese Exkursion Herrn Benjamin Hofmann zufallen, wofür ich ihm bereits an dieser Stelle meinen besonderen Dank aussprechen möchte.

Wann: Samstag, 17. August 2019 – 14.00 Uhr
Treffpunkt: B414 zwischen Kirburg und Bad Marienberg, am Abzweig nach Lautzenbrücken

Wegstrecke: ca. 8 bis 9 Kilometer
(durch die Regenfälle der letzten Tage erweitert sich die Wegstrecke dieser Exkursion auf etwa 10 Kilometer)
Dauer: Rechnen  Sie bitte mit wenigstens 4 Stunden.

Anmeldung: KVHS Altenkirchen, Tel.: 02681-812212 oder via Email
kvhs@kreis-ak.de


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2 – Das Gefecht bei Eichelhardt

Nachdem die 1. US-Armee ihren Ausbruch aus dem Brückenkopf von Remagen in östliche Richtung vollendet und die Front der deutschen 15. Armee durchstoßen hatte, begann deren Infanterie, den Raum südlich der Sieg von noch verbliebenen Wehrmachtseinheiten zu säubern. Die sich zurückziehende, geschlagene deutsche Truppe hatte an verschiedenen Punkten noch Verteidigungsposten eingerichtet, um die Amerikaner bei ihrem Vormarsch zu verlangsamen.

Am 27. März stieße die 1. US-Infanteriedivision bis Eichelhardt vor und befreite die dortigen Zwangsarbeiter, von denen einige dem Hungertod nahe waren. Auf dem anschließenden, weiteren Vorstoß in Richtung Wissen kam es zu einem kurzen, jedoch heftigen Gefecht, in dessen Verlauf ein amerikanischer Jeep und später ein deutsches Sturmgeschütz der “Kampfgruppe Hollander” abgeschossen wurde.

Wann: 31. August 2019 – 14.00 Uhr

Treffpunkt:        Sportplatz in Eichelhardt
Siegener Straße, 57612 Eichelhardt

Wegstrecke: ca. 6,5 Kilometer

Dauer: Etwa 4 Stunden

Anmeldung: KVHS Altenkirchen, Tel.: 02681-812212 oder via Email
kvhs@kreis-ak.de


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3 – Befreiung des Zwangsarbeiterlager in Wissen

Ende März 1945 stehen die amerikanischen Verbände überall an der Sieg und bereiten sich darauf vor, den Flusslauf zu überschreiten. Bei Wissen fällt die Wahl auf Schönstein, um von dort in Richtung „Kucksberg“ vorzustoßen, damit ein Brückenkopf auf dem Nordufer der Sieg gebildet werden kann. Auf dem Weg zum Kucksberg stoßen die amerikanischen Verbände auf deutschen Widerstand im Bereich des Zwangsarbeiterlager in der Gemarkung „Bornscheid“.

Der deutsche Kommandeur des Lagers, Hauptmann Kugel, hatte unmittelbar an das Lager angrenzend mehrere Verteidigungsstellungen errichten lassen. Nach dem Gefecht befreiten die Amerikaner eine Anzahl zum Teil durch die Kampfhandlungen verwundete Zwangsarbeiter, die während der Schießerei fast schutzlos eingesperrt in einer der Baracken ausharren mussten.

Erst im Anschluss konnte der Vormarsch in Richtung „Kucksberg“ und über den Sandberg nach Brückhöfe vorgetragen werden. Die Amerikaner bildeten hier einen Brückenkopf, um den sich bis einschließlich den 6. April 1945 heftige Gefechte ereigneten.

Wann: 14. September 2019 – 14.00 Uhr

Treffpunkt:  Wanderparkplatz Ortseingang

B62-Ecke Heubrücke, 57537 Wissen

Wegstrecke: ca. 6,5 Kilometer

Dauer: Etwa 4 Stunden

Anmeldung: KVHS Altenkirchen, Tel.: 02681-812212 oder via Email
kvhs@kreis-ak.de


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4 – Amerikanischer Vorstoß in Richtung Herkersdorf

Ende März waren die Amerikaner aus dem Brückenkopf von Remagen ausgebrochen und rückten mit ihrer Infanterie in Richtung Sieg vor. Steineroth war gefallen und Betzdorf lag als Knotenpunkt direkt vor ihnen.

Der Verlauf der Sieg erhielt am 29. März 1945 höchst offiziell im Oberkommando der Wehrmacht in Berlin den Namen „Siegfront“. Diese Frontlinie galt es auf deutscher Seite, zunächst noch südlich des Flusslaufes, zu verteidigen.

Nachdem Alsdorf erobert worden war, stießen sie in den südlichen Ortsteil Betzdorfs, um von dort aus die Sieg zu überqueren. Im Gebiet zwischen Kirchen – Herkersdorf befand sich zu diesem Zeitpunkt noch immer eine schwache Sicherungslinie, die von wenigen deutschen Soldaten verteidigt wurde.

Um diesen stark bewaldeten Bereich von den letzten deutschen Soldaten zu bereinigen, wurde eine verstärkte Infanterieeinheit in Marsch gesetzt, die beiderseits des Imhäusertals gegen Herkersdorf vorgehen sollte. Bereits nach kurzer Zeit kam es zu ersten Kontakten mit versprengten deutschen Soldaten und der schwachen Sicherungslinie, die noch südlich des Flusses hielt.

Bei dieser Exkursion werden wir uns mit den Schießereien zwischen Alsdorf und Grünebach befassen, an die ein heute schon vergessenes Grab für drei Gefallene bis etwa 1948/49 erinnerte.

Wann: 21. September 2019 – 14.00 Uhr

Treffpunkt:        Wanderparkplatz Imhäusertal

Kreisstraße 103, 57518 Alsdorf

Wegstrecke: ca. 7,5 Kilometer

Dauer: Etwa 4 Stunden

Anmeldung: KVHS Altenkirchen, Tel.: 02681-812212 oder via Email

kvhs@kreis-ak.de


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5 – Erste Gefechte südlich Betzdorf

Am 25. März 1945 brach die 1. US-Armee aus dem Brückenkopf von Remagen aus, am 26. März wurde Altenkirchen erobert und der Vormarsch weiter in östliche Richtung vorangetrieben. Nachdem Hachenburg gefallen war, war der Durchbruch durch die deutschen Linien vollendet.

Auf deutscher Seite befahl die 5. Panzerarmee am 28. März die Bildung mehrerer Brückenköpfe südlich der Sieg, um zurückflutende Truppen aufnehmen zu können. In den frühen Morgenstunden zum 29. März hallte ein Donnergrollen durch das Siegtal; auf Befehl der Heeresgruppe B waren sämtliche noch intakten Brücken über die Sieg gesprengt worden. Am gleichen Tag hatte der Fluss in Berlin offiziell den Namen „Siegfront“ erhalten.

Am 29. März 1945 stieß amerikanische Infanterie von Alsdorf her über den Alsberg gegen Betzdorf vor. Im Bereich des Kappelchen nahe der Kettlerstraße stießen sie auf deutsche Soldaten, die den Feuerkampf aufnahmen. Die sich entwickelnden Gefechte führten unter anderem bis zum so genannten Eisweiher im Bereich der oberen Oehndorfstraße.

Aus Richtung „Rainchen“ setzte eine deutsche Truppe zum Gegenangriff an, während zur gleichen Zeit eine im Bereich des Alsberges abgeschnittene Gruppe versuchte, sich zur eigenen Linie durchzukämpfen.

Diese Exkursion wird die eher unbekannten Ereignisse der letzten Märztage hervorheben und führt dabei an die Punkte des verzweifelten Widerstandes, der niedergekämpft werden musste, bevor die Amerikaner in Betzdorf die Sieg überqueren konnten.

Wann: 12. Oktober 2019 – 14.00 Uhr

Treffpunkt:        Am Ende der Kettlerstraße (bei der Kapelle)
                           57518 Betzdorf

Wegstrecke: ca. 5-6 Kilometer

Dauer: Etwa 4 Stunden

Anmeldung: KVHS Altenkirchen, Tel.: 02681-812212 oder via Email
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6 – Kriegsereignisse auf dem Truppenübungsplatz Stegskopf

Exklusiv durch die Begleitung des Revierleiters der Bundesforsten, Herrn Christoph Hast, haben wir die Möglichkeit erhalten an einem von nur sechs im Jahr genehmigten Terminen eine Wanderung über das Gelände des Truppenübungsplatzes durchzuführen. Dass mir für diese Exkursion einer dieser seltenen Termine zur Verfügung gestellt wurde, macht diese Exkursion zu einer ganz besonderen Veranstaltung für alle an der Geschichte des ehemaligen Truppenübungsplatzes interessierten Teilnehmer.

Während sich unsere erste Exkursion im Juni 2019 im Schwerpunkt besonders um die Ereignisse im März 1945 im Bereich zwischen Nisterberg und Hof befasste, werden wir nun die Möglichkeit haben, uns direkt mit dem eigentlichen Truppenübungsplatz zu befassen. Da die Geschichte des Geländes sehr weitläufig ist, zudem den Zeitraum vieler Jahrzehnte umspannt, werden wir uns während dieser Wanderung besonders der Ereignisse der Kriegsendphase widmen, wobei die letzten beiden Kriegsjahre thematisiert werden. 1944 war ein in Ausbildung befindliches Bataillon zum Biwak einquartiert, zwei von damals erst 16 und 17-jährigen Burschen sollten wenige Monate später als Fronttruppe zurückkehren.

Ende März 1945 werden Teile des südöstlichen Geländes zum direkten Kampfgebiet. Nachdem die Verbände der amerikanischen 1. US Armee aus dem Brückenkopf von Remagen ausgebrochen waren und über Bad Marienberg in Richtung Haiger vorstießen, schlug ihnen deutsches Feuer entgegen, das es niederzukämpfen galt.

Diese Exkursion wird durch die ehemalige deutsche Frontlinie führen und ist eine außerordentlich seltene Möglichkeit in die Kriegsgeschichte vor Ort einzutauchen.

Wann:  26. Oktober 2019 – 14.00 Uhr

Treffpunkt:        Am Friedhof, Kreisstraße 109

                           56472 Nisterberg

Wegstrecke: ca. 10 Kilometer

Dauer: Etwa 5 Stunden

Anmeldung: KVHS Altenkirchen, Tel.: 02681-812212 oder via Email
kvhs@kreis-ak.de

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7 – Was hat Papa im Krieg gemacht?

Mehr als 70 Jahre nach Kriegsende ist vielen Nachfahren der Kriegsgeneration nicht bekannt, welche Rolle der eigene Vater oder Großvater zur Zeit des Zweiten Weltkrieges gespielt hat. Während immer wieder nur gemutmaßt oder evtl. im Raum stehenden Gerüchten nachgehangen wurde, blieb die Möglichkeit den eigenen Vater selbst zu befragen, meist ungenutzt.

Die Ursachen dafür sind vielfältig. Eines der Gründe für das anhaltende Schweigen der Väter dürfte in den durchgemachten, bitteren Kriegserfahrungen liegen, denn nicht selten überschatteten, neben der eigenen Fronterfahrung, die schmerzhaften Erinnerungen an Freunde oder Kameraden, mit denen man gemeinsam in den Krieg gezogen war und deren Wege sich plötzlich – ein für alle Mal – trennen mussten, auch das weitere Leben der Erlebnisgeneration.

Darüber hinaus versuchte man die Schrecken des Krieges zu verdrängen und konzentrierte sich in der Nachkriegszeit erst einmal auf das eigene Überleben. Vielfach wurde erlebtes vergessen oder auch verdrängt und während 1968 die erste Generation anfing Fragen zustellen schwiegen die Kriegsteilnehmer weiterhin aus Angst vor der Anklage der Kinder.

Mittlerweile leben nur noch sehr wenige Teilnehmer der Erlebnisgeneration und viele der Kinder und Enkelkinder wissen kaum etwas über den Krieg ihrer Väter.

Mit ein wenig Aufwand kann man heute Fragen beantworten: Wo war Vater während des Krieges? Und welche Rolle spielte er dabei?

Dies sind Fragen, die die heutige Generation interessieren.

Innerhalb dieses Vortrages möchte ich an verschiedenen Beispielen darstellen, welche Möglichkeiten man heute hat, die Spuren der eigenen Vorfahren an den Fronten des Zweiten Weltkriegs zu erforschen. Hierbei stelle ich die Möglichkeit der Archivrecherche vor und zeige auf, wie es dann mit den abgefragten Daten weitergehen kann. Zu diesem Termin dürfen Interessierte auch gerne vorhandene Dokumente mitbringen.

Wann: 2. November 2019 – 14.30 Uhr

Treffpunkt:        Kreisvolkshochschule Altenkirchen

                           Rathausstraße 12,  57610 Altenkirchen

Dauer: Etwa 2 Stunden

Anmeldung: KVHS Altenkirchen, Tel.: 02681-812212 oder via Email
kvhs@kreis-ak.de


Sie können sich in der Karte eine Wegbeschreibung zu den Veranstaltungen gleich anzeigen lassen.


 


Munitionsfund bei Weitefeld

Heute morgen bin ich die anstehende Exkursion vorgelaufen, wie ich es immer mache. Während der Suche nach einer Feuerstellung, von der ich aus einem amerikanischen Kriegstagebuch nur wusste: “to take care of ey fire posn.” – zu deutsch: “sich um eine feindliche Feuerstellung zu kümmern”.

Ich stapfte so durch den Busch und suchte im Bereich der angegebenen Koordinaten, die im amerikanischen Kriegstagebuch festgehalten waren. Dabei war ich mir ziemlich sicher am richtigen Ort zu sein. Hin- und Her. Hier irgendwo musste es doch sein? Irgendwas kann man doch vielleicht auch heute noch sehen? Wo ist die Stellung gewesen?

Durch den nächsten Brombeer-Busch, weiter vor und dann noch einmal zurück. 50 Meter im Zickzack neben dem Weg, immer wieder tiefer in den Wald, bis es keinen Sinn mehr machte. Ich hatte noch immer keinerlei Anzeichen einer ehemaligen Stellung entdeckt… Keine Schützenmulde oder sonstige Vertiefungen – es war einfach nichts zu entdecken… “Okay, also weiter geht’s!” Zurück zum Weg und den restlichen Weg der Exkursion ablaufen, dabei machte ich noch einen Schwenker und bin zum wiederholten Male vorbei an einer vom letzten Sturm umgeworfenen Fichte.
Einen Moment lang dachte ich an der falschen Stelle unterwegs gewesen zu sein. Aber die Koordinaten stimmten mit dem Punkt überein. Sollte in den Koordinaten ein Zahlendreher sein? So etwas kam nicht selten vor. Soldaten sind eben auch nur Menschen.
Im Geiste stellte ich mich darauf ein, am falschen Ort gesucht zu haben und beinahe im gleichen Augenblick entdeckte ich einen Metallkörper, der aus dem Wurzelbereich einer umgestürzten Fichte hervorschaute. Innerhalb weniger Augenblicke konnte ich den Metallkörper als eine Kartusche aus dem Zweiten Weltkrieg identifizieren, war also doch im richtigen Bereich unterwegs gewesen, obwohl sich keine Stellungen finden konnten. Auch das ist keine Seltenheit: Während des hastigen Rückzuges der deutschen Truppen vor den Angriffsspitzen der 1. US Armee war vielmals gar nicht die Zeit gewesen, eine Stellung anzulegen. Und in diesem Fall bleibt unbekannt, ob die deutschen Soldaten überhaupt verteidigen wollten oder auch nicht.
Die 7,62-cm Kartusche am Fundort.

Die 7,62-cm Kartusche am Fundort. Zum Größenvergleich wurde ein 50-Cent Stück aufgelegt. Die Hülse hat die Maße 7,62 x 38,5 Zentimeter.

Später am Tag stellte sich durch einen Freund heraus, dass es sich bei dem Fund um eine russische 7,62-cm Kartusche handelt; und zwar mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit von einer PaK (Panzerabwehrkanone).  Auf die Frage, wie sicher sich die Hülse der PaK zuordnen lässt, kam von Tobias (der als Mitarbeiter aktiv beim Kampfmittelräumdienst beschäftigt ist) die folgende Antwort: “Ohne das ich die Kartusche zuvor persönlich begutachten kann, würde ich die Vermutung aussprechen, dass man eine PaK als Quelle relativ stark in Betracht ziehen kann!” Die 7,62-cm Pak 36 (r) (das  “r” steht für russisch) steht also mit hoher Wahrscheinlichkeit im Fokus.
Im grob gereinigten Zustand wurden Tintenstempel sichtbar.

Im grob gereinigten Zustand wurden Tintenstempel sichtbar.

Bei der scharfen Munition im Kaliber .50 handelt es sich um Bordwaffen-Munition eines amerikanischen M10-Panzerjägers, der laut Kriegstagebuch am 27.3.1945 am Fundort in Stellung war und am frühen Vormittag einen feindlichen Kontakt in nördlicher Richtung meldete.

Bei der scharfen Munition im Kaliber .50 handelt es sich um Bordwaffen-Munition eines amerikanischen M10-Panzerjägers, der laut Kriegstagebuch am 27.3.1945 am Fundort in Stellung war und am frühen Vormittag feindlichen Kontakt aus nördlicher Richtung meldete.

Die Munition wurde durch Mitarbeiter des Kampfmittelräumdienst in Empfang genommen und wird der Vernichtung zugeführt.

Exkursion 6 – Kriegsende für Busenhausen und Bachenberg

Am 25. März 1945 brachen die Amerikaner aus dem Brückenkopf von Remagen aus, Altenkirchen wurde am nächsten Tag erobert. Die deutsche Front verlagerte sich hiernach in nordöstliche Richtung, während sich gleichzeitig große Teile der deutschen Verbände unter Zurücklassung von Nachhuten hinter die Sieg zurückzogen.

Am Morgen des 27. März 1945 führte eine dünn besetzte Sicherungslinie des LXXIV. Armeekorps unter anderem von Ölsen in südöstlicher Richtung über Busenhausen bis Dieperzen. Dem Korps standen zur Verteidigung dieser Linie nur versprengte Truppen zur Verfügung, da sich die Masse der Verbände auf einem unaufhaltsamen, chaotischen Rückzug befand.

Obwohl Altenkirchen am 26. März 1945 durch die 3. US-Panzerdivision eingenommen worden war, hatte der Befehl noch immer Gültigkeit, dass schwere Waffen, die dringend benötigt wurden, auf keinen Fall in amerikanische Hand fallen durften. Zu diesen schweren Waffen gehörten Artillerie- und Flak-Geschütze, gleichermaßen wie auch Panzerfahrzeuge. Um auch den letzten Geschützen und Panzerfahrzeugen die Flucht hinter die Sieg zu ermöglichen, wurde immer wieder versucht, Widerstand zu leisten und dadurch den amerikanischen Vormarsch zu verlangsamen.

Während dieser Exkursion werden wir uns besonders mit den Einsätzen des Pionierbataillons der 3. Panzergrenadier Division befassen, die zwischen Kettenhausen und Niedererbach in Stellung waren.

Darüber hinaus werden wir einen Einblick in die Arbeit des Sprengkommandos Forneberg erhalten. Das Sprengkommando Forneberg war in unserer Region der Vorläufer des heutigen Kampfmittelräumdienstes. Das Kommando hatte bereits in der frühen Nachkriegszeit die Arbeit aufgenommen und versuchte einen Neubeginn zu ermöglichen, bei dem sich nicht Tag für Tag Kinder und Jugendliche beim Hantieren mit Munition und anderen Hinterlassenschaften in die Luft jagen.

Während der Vorerkundung dieser Wanderung haben wir am vergangenen Montag in der Nähe von Altenkirchen diese 9,4 Kilogramm schwere deutsche 8,8cm Flak-Granate gefunden. Das Geschoss war erst kurz zuvor durch einen Sondengänger ausgegraben und offenliegend zurückgelassen worden. Das war unverantwortlich und grob fahrlässig, denn gleich neben der Fundstelle befindet sich ein stark frequentierter Wanderweg und in nur gut 30 Meter Entfernung die nächste Wohnsiedlung. Der Sprengkörper ist versehen mit einem Zeitzünder und hätte auf keinen Fall bewegt oder gar transportiert werden dürfen, da sie auch heute noch tödlich gefährlich ist. Die Entsorgung erfolgte unmittelbar danach durch den Kampfmittelräumdienst.

Während der Vorerkundung dieser Wanderung haben wir am vergangenen Montag in der Nähe von Altenkirchen diese 9,4 Kilogramm schwere deutsche 8,8cm Flak-Granate gefunden. Das Geschoss war erst kurz zuvor durch einen Sondengänger ausgegraben und offenliegend zurückgelassen worden. Das war unverantwortlich und grob fahrlässig, denn gleich neben der Fundstelle befindet sich ein stark frequentierter Wanderweg und in nur gut 30 Meter Entfernung die nächste Wohnsiedlung. Der Sprengkörper ist versehen mit einem Zeitzünder und hätte auf keinen Fall bewegt oder gar transportiert werden dürfen, da sie auch heute noch tödlich gefährlich ist. Die Entsorgung erfolgte unmittelbar danach durch den Kampfmittelräumdienst.

Wann: 4. Mai 2019 – 14.30 Uhr

ACHTUNG – – – Ganz wichtig:

Änderung des Treffpunkts:

Dorffriedhof Busenhausen
Im Gründelsbruch 6

57612 Busenhausen

Wegstrecke: etwa 6 Kilometer

Dauer: ca. 3 1/2 Stunden

Anmeldung: KVHS Altenkirchen, Tel.: 02681-812212 oder via Email
kvhs@kreis-ak.de

Exkursion 5 – Panzersperre vor Schöneberg

Die Panzersperre bei Schöneberg

Erst nachdem die 3. US Panzerdivision zwischen Diefenau und Rott Verluste hingenommen hatte, konnten sie Flammersfeld erobern. Am Folgetag, dem 26. März 1945, nahmen die amerikanischen Panzer den Angriff in Richtung Altenkirchen wieder auf. Drei Angriffskolonnen rollten ihrem Ziel Altenkirchen entgegen. Auf deutscher Seite hatte die 9. Panzerdivision Teile abgestellt, um aus einer mobilen Widerstandslinie heraus die Amerikaner aufhalten bzw. deren Marschtempo zu verlangsamen.

Zudem waren diverse Straßensperren eingerichtet worden, an denen die amerikanischen Panzer zum Stillstand gebracht werden sollten. Um dieser Gefahr Herr zu werden, waren amerikanische Infanterieeinheiten abgestellt worden, die darauf spezialisiert waren, solche Straßensperren aufzuspüren und auszuschalten. Eine dieser Sperren befand sich zwischen Schöneberg und Bergenhausen, eine weitere war direkt in der Nähe von Schöneberg.

Alte Eiche - eingetragenes Naturdenkmal bei Schöneberg.

Alte Eiche – eingetragenes Naturdenkmal bei Schöneberg.

Noch unmittelbar bevor amerikanische Panzer in das durch Bomben getroffene Neitersen einrollten, zeigte sich deren Infanterie bereits in der Nähe von Schöneberg. Hierbei kam es zu Kampfhandlungen, die am Tagesende mehrere junge Menschenleben einforderten.

Diese Exkursion behandelt die Gefechte, die in der Gegend rund um Berzhausen, Neitersen und schließlich bei der Eroberung von Schöneberg stattfanden.

Wann: 27. April 2019 – 14.30 Uhr

Treffpunkt: 57632 Berzhausen,
Hauptstraße
Aus Richtung Neitersen kommen fahren Sie über Strickhausen
nach Berzhausen. Hier gibt es eine direkte Verbindung in Richtung
57632 Breibach. Parken Sie auf der Höhe (Siehe Karte)
Bitte fahren Sie hoch bis zum Waldrand.

Wegstrecke: ca. 7,5 Kilometer

Dauer: Etwa 4 Stunden

Anmeldung: KVHS Altenkirchen, Tel.: 02681-812212 oder via Email
kvhs@kreis-ak.de

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