Zeiss Ikon Tenax I

Da sind wir endlich wieder mit einem neuen/alten Foto! Dieses Mal haben wir ein Bild aufgenommen mit meiner Zeiss Ikon Tenax I. Die Tenax war eine der ersten günstig erschwingbaren Kleinbildkameras. Sie war als Schnellschusskamera gedacht und dementsprechend konzipiert. Man kann, wenn man schnell genug ist, wirklich 2 Fotos innerhalb ein bis zwei Sekunden machen. 😉

Die Zeiss Ikon Tenax I wurde zwischen 1939 und 1941 hergestellt, sie war als die “Volksausgabe” der fast drei Mal so teuren und sehr erfolgreichen Tenax II gedacht. Die Anlehnung an das teure Modell hatte allerdings nur den Namen geerbt, denn die Zeiss Ikon Tenax I besitzt nicht nur ein völlig anderes Aussehen, sondern ist sie im gesamten eine sehr viel einfacherer Kamera. Die Tenax II war zu einem Preis von zwischen 277 und 298 Reichsmark erhältlich, dahingegen kostete die Tenax I im Jahr der Markteinführung 1939 nur 98 Reichsmark.
Gegenüber ihrer teuren Schwester besitzt sie keinen Entfernungsmesser und verfügt lediglich über einen aufklappbaren Sucher. In aller Regel waren der Compur-Verschluss “OO” mit Laufzeiten zwischen 1 Sekunde und 1/300 und Novar Linsen verbaut. Die Blende lässt eine Einstellung von 16 bis 3,5 zu. Die einstellbaren Entfernungen zum Foto-Objekt betragen 1 bis 12 Meter, gefolgt vom Bereich Unendlich. Das Gehäuse besteht zum Teil aus einer Aluminiumlegierung und aus Stahlblech geprägten Kopf und Fußteil, dazu schwarze Belederung. Das Gewicht liegt bei rund 340 Gramm, wodurch die Tenax zu einem absoluten Leichtgewicht wird. In Anlehnung an die für ihre damalige Zeit schon sehr geringe Größe, sie misst eben mal 10,8 x 63,5 x 44 mm  (LxHxB), trägt sie den Spitznamen “Taschen-Tenax”. Vor versehentlichen Doppelbelichtungen ist man durch einen Taster geschützt, der erst den Auslöser freigibt, wenn der Film erneut vor gespult wurde.
Die Zeiss Ikon Tenax I

Die Zeiss Ikon Tenax I

Bei meinem Exemplar dürfte es sich laut Seriennummer vermutlich um eine der ersten Stücke aus den Baureihen aus 1939 handeln. Sie trägt die Nummer 6928. Pro Jahr wurden in den Zeiss-Ikon Werken in Dresden etwa 10.000 Stück hergestellt. Ab 1942 wurde die Produktion im Zuge der Rüstung nahezu komplett eingestellt.  
Die Tenax verwendet herkömmliche 135er Kleinbildfilme, wie sie auch heute noch überall zu kaufen gibt, dadurch lässt sich die Kamera im Hobbybereich auch heute noch gut einsetzten. Sie hat den genialen Vorzug, dass man mit ihr gleich 50 Fotos anfertigen kann, während man üblicherweise mit einer Kleinbildkamera nicht mehr als 36 Fotos machen kann. 15 Bilder mehr oder weniger, machen gleich preislich auf sich aufmerksam.
Die Kamera war für die Zeiss Ikon Werke so ein großer Erfolg, das in Jena die Produktion nach dem Zweiten Weltkrieg wieder aufgenommen wurde, jetzt aber mit anderen Verschlüssen und anderen Optiken, sonst allerdings vollkommen baugleich. Die Anfang der 1950er Jahre erschienene “Taxona” wurde das Nachfolgemodel, die zu Beginn den Namen Tenax übernommen hatte, allerdings darauf in Taxona umbenannt wurde.
Das Foto von Shiro wurde auf Fotopapier mit Seidenraster entwickelt, daher die “genoppte” Oberfläche des Bildes. Die dunklen Eintrübungen am oberen Rand des Bilde führen aus der Perforation her und dürften unter Umständen auf einen Fehler während der Filmentwicklung zurück zuführen sein.
Leider fehlt bei meiner Kamera der Drahtauslöser und die Leerspule, darum muss ich den Filmanfang vor dem Einlegen in die Kamera immer zuerst auf der Länge von etwa drei Zentimetern zuschneiden. Zudem ist die Leder-Bereitschaftstasche verschlissen, was aber nach 75 Jahren nicht weiter tragisch ist, klar ärgert mich das, aber es ist nun mal so ;-). Dafür laufen sämtliche Zeiten des Verschlusses ordentlich durch, was wichtiger ist, als die Ledertasche. 😉
Mein Hund Shiro, Fotografiert mit der 79 jährigen Kleinbildkamera Zeiss Ikon Tenax I

Mein Hund Shiro, Fotografiert mit der 79 jährigen Kleinbildkamera Zeiss Ikon Tenax I

Katalogseite des Zeiss-Ikon-Kataloges von 1939 links die Tenax I, rechts die Tenax II

Quellenangaben: Zeiss Ikon Produktkataloge für Deutschland und den Überseemarkt aus den Jahren 1938, 1939 und 1953

Eintrag bei Kamerapedia, dem englischsprachigen Kompendium rund um Klassische Kameras

 

Eho Box 190

Unter meinen Weihnachtsgeschenken befand sich eine alte und unförmige kleine Kiste. Nach näherem Untersuchen entpuppte sich diese Kiste als Kamera, welche mir meine Frau Rebecca als Geschenk gemacht hatte. Sie klärte mich dann auf und ich erfuhr, dass es sich um eine der in Deutschland am meisten verkauften Box-Kameras aus der Zeit bis zum Beginn des Zweiten Weltkrieges handelte.
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Eho-Box 190, Baujahr 1935.

Die Eho-Box 190 wurde seit 1935 im Altissa-Kamerawerk in Dresden hergestellt und zu einem Preis von 6,0 Reichsmark inkl. einer Transport- bzw. Verwahrungsbox aus Karton und einem Umhängeriemen angeboten. Bei den beiden kleinen “Fenstern” handelt es sich um mit Spiegel ausgestattete Brillantsucher. Über einen Spiegel sieht man ein seitenverkehrtes Bild, um Aufnahmen im Hoch- bzw. Querformaten zu ermöglichen, verfügt die Box über zwei Brillantsucher.

Zum Fotografieren hält man die Kamera in Bauchhöhe und blickt durch die Sucher, richtet auf das Motiv und drückt den sich an der Seite befindlichen Auslöser, 1/35 Sekunde beträgt die Verschlusszeit dieser Kamera. Damals war der manuelle Filmtransport üblich, technische Umsetzungen, die Filmrolle zu transportieren, erfolgten erst viele Jahre später. Zum Transport des eingelegten 120er Rollfilms diente der Knebel an der Seite der Kamera.

Weniger ist mehr…

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Frontalansicht auf die durch den Deckel verborgenen Linse

 Der Durchbruch für die Boxkameras stellte sich ab Oktober 1930 ein. Sie wurde durch ihre einfachste Bedienung und dem geringen Preis schnell zur Volkskamera, die sich nicht vor Ende der 1960er Jahre vertreiben ließ. Als Objektiv bei der gezeigten Kamera dient ein Rodenstock Periskop 1:11. Als Verschluss ist wurde, wie bei Box-Kameras üblich, ein einfacher Rotationsverschluss verbaut.

Innenleben

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Blick ins Innere…

Diese kleine Box habe ich zu neuem Leben erweckt, passende 120er Rollfilme sind noch immer käuflich zu erwerben. Leider hat das Wetter mir einen Strich durch die Rechnung gemacht und der verwendete Film war extrem unterbelichtet. In Kürze werde ich erneut einen Film durch die Kamera schicken, dieses mal dann einen mit ISO-400er.

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Die ehemaligen Krages-Werke an der Siegbrücke bei Scheuerfeld-Wallmenroth. Fotografiert vom Standort einer US-amerikanischen Infanteriestellung mit der knapp 80 Jahre alten Box-Kamera. Leider ist bei der Entwicklung einiges schief gegangen.  Also auch heute sind mit der alten Kamera noch immer Bilder von viel besserer Qualität möglich.

Der 120er Rollfilm ermöglicht es mit der Kamera acht Fotografien anzufertigen. Negative im Format von 6x9cm waren ein Standardmaß und ließen Direktabzüge im Fotolabor ohne Verwendung eines Vergrößerers zu.

Die in Deutschland auf dem Mark befindlichen Box-Kameras waren die “einfache Soldatenkameras” während des Zweiten Weltkrieg. Hunderttausende Fotos aus der Zeit von 1939 bis 1945 dürften wohl aus diesen unscheinbaren “Kistchen” entsprungen sein. Am häufigsten dürften hierbei die Marken Agfa, Altissa (Eho), Bilora, Liesegang und Zeiss-Ikon vertreten gewesen sein.

Weitere Kameras, welche ich hier noch vorstellen werde:

  • Eine mehr als 85jährige Rodenstock-Balgenkamera, deren Verschluss mit “Deutsches Reichs Patent” und “„D.R.G.M.“ markiert ist. Sie steht noch in einem tadellosen Zustand da.
  • Eine Zeiss-Ikon Nettar 515 aus dem Jahr 1937.

Sobald ich die ersten Filme mit diesen beiden Kameras belichtet habe, werde ich auch diese hier vorstellen.