Das Bau.Pi.Btl. 434 während der Ardennenoffensive

Dies ist der Versuch einige Stationen des Kriegsdienstes des aus Weitefeld stammenden Reinhold Weinbrenner zu rekonstruieren. Weinbrenner war der erste Soldat, der aus Weitefeld zum Kriegsdienst eingezogen worden war. Obgleich er sich gerade erst von einem Beinbruch erholt hatte und der Landwirtschaft tätig war, musste er im Dezember 1940 in die Wehrmacht einrücken. Schuld hieran waren “persönliche Unpässlichkeiten mit dem Weitefelder Ortsgruppenleiter” der NSDAP, welcher sich persönlich dafür einsetzte, das Weinbrenner in den Krieg musste.

Reinhold Weinbrenner wurde im Winter 1940 zum Wehrdienst eingezogen in der 3. Kp. des B.E.B 12 (Bau.Ersatz.Bataillon) in Worms (Wehrkreis XII) in der Kemmelkaserne zum Pionier ausgebildet. Nach der Grundausbildung erfolgte Ende Januar 1941 die Versetzung in die 2. Kompanie des Fest.Bau.Btl. 157 (Festungs-Bau-Bataillon), das in Bordeaux in Frankreich eingesetzt war. Im März verlegte das Bataillon zunächst in den Raum um Metz, dann nach Colmar – Breisach, wo das Bataillon für Ausbesserung der Infrastruktur und das Instandsetzung von Brücken eingesetzt wurde.

Rheinhold Weinbrenner, geboren am 14.12.1903

Reinhold Weinbrenner, geboren am 14.12.1903

Sommer 41            Im Sommer erfolgte eine Umgliederung, wobei die 1. Kompanie zur 4. Minensuch-Kompanie z.b.V. wurde, während die 1. neu aufgestellt werden sollte. Ende August wurde das Bataillon in den Osten in den Raum Krakau verlegt.

Im April 1942     wurde das Btl. zum Fest.Bau.Btl.6, wobei das Bataillon weiter im rückwärtigen Bereich im Großraum Krakau – Ternopil eingesetzt wurde.

Am 1.7.1942       wurde Reinhold Weinbrenner vom Pionier zum Oberpionier befördert. Im Winter 1942 erkrankte er, weshalb er nach Warschau in Lazarett kam, wo eine Erkrankung des Herzens und Gelenkrheuma diagnostiziert wurden.

Hintere Reihe, vierter von Links. Januar 1943 - Rheinhold Weinbrenner im Reserve-Lazarett V in Warschau.

Hintere Reihe, vierter von Links. Januar 1943 – Reinhold Weinbrenner im Reserve-Lazarett V in Warschau.

Im März 1943      kam er zurück nach Worms und wurde der Genesenden-Kp des Bau-Ersatz-Btl. 12 unterstellt.  Am 1.7.1943 wird erfolgte die Beförderung zum Gefreiten befördert, wonach er zum Bau-Bataillon 434 an der Westfront in Marsch gesetzt wurde. An der Westfront blieb er bis in den Januar 1945, als er in Belgien in Gefangenschaft geriet.

Das Bau.Btl. 434 wurde ab dem 24.7.1943 im Wehrkreis II in Schlawe mit 4. Kompanien unter Verwendung von Teilen von Bau.Ers.Btl. 12 aus Worms, von Bau.Ers.Btl. 17 aus Engerau und der 1. Straßenbau-Kp. des Bau-Pionier-Ers.u.Ausb.Btl 2 aus Schlawe aufgestellt und setzte sich zusammen aus:

          Stab         4 Bau-Kompanien         1 Baukolonne

Die Mannschaften und Unteroffiziere mit insgesamt 970 Mann und 87 Unteroffizieren wurden durch die Wehrkreis-Kommandos III, IV, VIII, XII und XVII zugeführt und nach der Aufstellung im Westen eingesetzt. Bereits am 19. August 1943 erfolgte die Umbenennung in Bau-Pionier-Bataillon 434.

Mit dem Bau.Pi.Btl. 434 im Westen.

Mit dem Bau.Pi.Btl. 434 im Westen.

Am 1.4.1944 wurde Reinhold Weinbrenner zum Obergefreiten befördert. Leider lassen sich die genauen Unterstellungsverhältnisse und Einsatzräume des Btls. für den Zeitraum von Sommer 1943 bis Winter 1944 kaum nachverfolgen, allerdings kann man anhand einiger gefallener Bataillonsangehöriger die Einsatzräume zum Teil identifizieren:

Alfred Müller, gefallen am 13.01.1944 in Brüssel als Angehöriger der 4./Bau.Pi.Btl. 434

Josef Beranek, gefallen am 27.1.1944 in Brüssel als Angehöriger der 4./Bau.Pi.Btl. 434

Ludwig Blochberger, gef. am 20.04.1944 in Bergueneuse (45 Km westl. von Lens) 4./Bau.Pi.Btl. 434

Stefan Bünten, gef. am 19.05.1944  in Hesdin (65 Km westl. von Lens), 4./Bau.Pi.Btl. 434

Johann Wartner, gef. am 29.08.1944 in St. Omer, 35 Km südöstl. von Calais als Angehöriger der Bau.Pi.Kolonne 434

Erhard Kröger, gef. am 21.10.1944 in Heijen/NL, 15 Km westl. von Goch als Angehöriger der 2./Bau.Pi.Btl. 434

Emil Orfert, gef. am 11.11.1944 bei Kevelaer an der Straße in Richtung Geldern, Angehöriger des Stab/Bau.Pi.Btl. 434

Datum                                Unterstellung                        Einsatzraum

01.1944                              Heerestruppe                        Brüssel

04./05.1944                                                                      Lens / Frankreich

08.1944                                                                             Calais

                                            Heeresgruppe B

11/1944                             1. Fallschirm-Armee               Großraum Goch

Im November befand sich der Btl.Gef.Std. in Kervenheim.

Die 1. Fallschirmarmee wurde im April 1944 in Nancy in Frankreich als Ausbildungsstab aus dem Generalkommando des Fliegerkorps XI aufgestellt und ab dem 4. September als reguläre Feld- und Heerestruppe eingesetzt. Nach der alliierten Landung in der Normandie erfolgte die Unterstellung unter OKW-Befehl, wobei allerdings weiterhin Ausbildungstätigkeit fortgeführt wurde. Teilnahme an Gefechten erfolgten erst nach dem Durchbruch der Alliierten in Frankreich ab dem 4. September 1944 am Albert-Kanal in Belgien im Verband der Heeresgruppe B. Durch die Operation “Market Garden” wurde die Armee zur Maas und zur Waal ins östliche Holland zurückgedrängt.

Im Frühjahr 1944 waren fast sämtliche Bau-Stäbe dem Befehlshaber Nordwest unterstellt worden[1]. Dabei mussten die Bau-Btln. zusammen mit Festungs-Pionierstäben Munitionslager und dazugehörige Zufahrten zum Einlagern von Minen, Spreng- und Zündmitteln herstellen. Das Bau.Pio.Btl. 434 wurde unter Major Leipold dazu nach Lens in Frankreich verlegt. Quartier wurde durch die H.U.V. Laons bereitgestellt: „Es wird zur strengen Pflicht gemacht, bei Anforderungen strengen Maßstab anzulegen, damit die geringen Vorräte zur Deckung des plötzlichen Bedarfs ausreichen.“

Nach der alliierten Landung in der Normandie wurde im Sommer 1944 den immer noch in der Region eingesetzten Bau.Btln. und Bau.Pionier.Btln. der nachhaltige Ausbau von Geländeverstärkungen befohlen, das in erster Linie das Anlegen von Panzersperren vorsah mit:

      • der Verstärkung natürlicher Hindernisse
      • durch künstliche Sperren, einschl. Minen
      • durch Anlage feldmäßiger Kampfanlagen
      • Kanäle und Flussübergänge, die HKL bilden,
        unter starkem Einsatz von T- und S-Minen sichern
      • Vollkommener Tiefenausbau der Stellungen

Zudem das weitere Vorbereiten von:

      • Gefechts- und Ausweich-Gefechtsständen
      • Depot und Lagerstätten
      • Schein-Mun.Depot und Scheinlager
      • Erkundung und Ausbau von splitterfesten Unterkünften
      • Festlegen von Heeresverbandsplätzen

Ab August 1944 erfolgten zudem Einweisungen für den Kampfeinsatz nicht gewohnte Bau-Einheiten und andere rückwärtigen Dienste, vor allem aber für bisher nicht an Kämpfen im Westen beteiligten Verbände unter besonderer Berücksichtigung der feindlichen Luftherrschaft:

      1. Verhalten und Kampf in der HKL und beim Einsatz von Reserven
      2. Verwendung der Artillerie und schweren Infanterie-Waffen
      3. Verwendung der panzerbrechenden Waffen
      4. Vorgehen gegen feindl. Stellungen
      5. Einsatz von Nebelmitteln
      6. Abwehr eines feindl. Angriffs
      7. Verschieben von Truppen, Nachschub und Verwundetenversorgung.

Das Bataillon war bis zum 21.11.1944 im Raum Goch-Weeze eingesetzt, um Kriegsschäden zu beseitigen und Sanierungsarbeiten durchzuführen, darüber hinaus war die Verstärkung und der Ausbau der Panzerabwehr am Westwall und der Maasstellung, befohlen worden. Überdies mussten besonders die Zufahrten der Kriegsfähren über die Maas bei Afferden Instand gehalten werden, da diese Wege immer wieder zum Ziel von Luftangriffen wurden.

Infolge der Planungen für die bevorstehende Ardennenoffensive wurde das Bataillon Im Dezember in die Eifel verlegt. Ab dem 16.12.1944 war das Bataillon dem LXVI. Armeekorps (5. Pz.Armee) unterstellt, der Btl.Gef.Std. wurde in Rommersheim, 4. Km. südöstl. Prüm, eingerichtet.

Der Weg des Bataillons während der Ardennenoffensive

Der Weg des Bataillons während der Ardennenoffensive

Mit Beginn der Kampfhandlungen in den Ardennen erfolgte ein erster Einsatz des Bataillons. Aus dem Unterkunftsraum in Rommersheim ging das Bataillon in die Bereitstellung im Mehlenbachtal bei Prüm, um hinter der Front die Wege freizumachen. Ein erster Einsatz dürften Brückenbauarbeiten bei Steinebrück sein. Hiernach folgte das Bataillon den Vormarschwegen der 18.- und 62. Volksgrenadier Division, was zur kompanieweisen Trennung führte. Von Sankt Vith wurde die 2. Kompanie nach Vielsalm verlegt, wo ab die Kompanie ab dem 28.12.1944 mit Brückenreparaturen beschäftigt war.

Bis Weihnachten war das Bataillon im Großraum Sankt Vith im Einsatz zum Räumen von Minen und freimachen der Vormarschwege. Ab dem 27.12.1944 erfolgte verstärkt der Einsatz als Pi.Btl.

Am 30.12. wurden der Btl.Stab, die 1. und 4. Kompanie, zusammen ca. 300 Mann, der 18. VGD auf Zusammenarbeit unterstellt. Die 18. VGD war nach den verlustreichen Kämpfen selbst nur noch knapp 3500 Mann stark und hatte bereits die Masse der eigenen Pioniere verbüßen müssen.

Am 03.01.1945 wurde das Bataillon als infanteristischer Kampfverband durch die 18. vereinnahmt, was gewissermaßen zum Ende des Bataillons als Pioniereinheit führte. Innerhalb der „Kampfgruppe Kuhr“, benannt nach Hptm. Kuhr, Kdr. des Pi.Btl. 1818 der 18. VGD., wurden die Reste der divisionseigenen Pioniere gemeinsam mit den zusammengefassten Resten des Baubataillons in der Front eingesetzt.

Die Tagesmeldung der Heeresgruppe B für den Zeitraum vom 2. bis 7. Januar 1945 lassen die Heftigkeit der Kampfhandlungen dieser Tage erahnen:

„… Bei Neufchateau konnte der Feind nach Norden gering Boden gewinnen, östlich davon brachten eigene Gegenangriffe am Vortag verloren gegangene Ortschaften wieder in eigenen Besitz, während es dem Gegner im Bereich des I.SS-Pz.Korps gelungen war, unter ständigem Artl.Feuer und Tieffliegereinsatz die Front bei Bastogne weiter zurückzudrücken und Michamps einzunehmen. Durch eigenen Gegenangriff wurde in erbitterten Kämpfen unter Abschuss von 28 Feindpanzern Michamps zurückgewonnen.”

Am 3. Januar griff der Amerikaner mit starken Kräften und zahlreichen Panzern im Bereich des LXVI. AK und dem II.SS-Pz.Korps auf breiter Front an und erzielte Einbrüche von teils bis 3. Km Tiefe, die in schweren Kämpfen abgeriegelt werden konnten. Abschnitts-Schwerpunkte waren die Ortschaften Basse-Bodeux, Vaux-Chavanne und Grandmenil. Gegenangriffe einer gepanzerten Kampfgruppe sind am Abend angelaufen.

Die am 5. Januar bei Beffe nach Süden geführten Feindangriffe konnten in harten, beiderseits verlustreichen Kämpfen abgewiesen werden. Im Abschnitt der 116. PD. griff der Feind auf breiter Front an. Trotz mehrerer Gegenstöße und zähen Widerstandes wurde die eigene Truppe gering nach Süden zurückgedrückt.

Der 6. Januar stand ganz im Zeichen der amerikanischen Überlegenheit. Schwere Feindangriffe gegen den Abschnitt der 9. SS-PD zwangen zur Zurücknahme der eigenen HKL bis hart westl. Monaville. Gegen stärkeren Feindwiderstand konnte eine Kampfgruppe der 12. SS-PD- Hitlerjugend bis 1 km nördlich Bizory vordringen, jedoch blieben sämtliche Angriffe östlich davon in Folge starken Flankenfeuers und im heftigen Artl.- und PaK-Feuer liegen. Der zwischen Stavelot und Marche und mit besonders starken Kräften entlang der Naht zwischen 62. und 18. VGD vorgehende Feind erzwang mehrere tiefe Einbrüche bei Abrefontaine, Lierneux, Malempre und Dorchamps. In erbitterten Kämpfen konnten die Einbruchsstellen aufgefangen und notdürftig abgeriegelt werden. Gegen in Aisomont (südl. Stavelot) eingedrungenen Feind hat 18. VGD unter Zusammenfassung letzter Reserven einen Gegenangriff aufgenommen, zuvor konnte eine starke feindl. Bereitstellung durch eigene Artl. zerschlagen werden. Trotzdem drängte der Feind die eigenen Kräfte am linken Flügel weiter nach Süden zurück und konnte in der Linie 1 km südlich Arbrefontaine -S Lierneux -Baraque-de-Fraiture -2 km S Odeigne aufgefangen werden.

Auch am 7. Januar setzte der Feind im Bereich der 6. Pz.Armee mit voller Entschlossenheit und starken Pz.- und Inf.Kräften gegen den Abschnitt zwischen Stavelot und Marche an und erzielte trotz erbitterter Gegenwehr mehrere tiefe Einbrüche, die im Wesentlichen abgeriegelt werden konnten. Eigene Gegenangriffe sind im Gange.

Dietrich Moll, Obstlt. i.G, Ia der 18. VGD im Bericht “Über den Einsatz der 18. VGD´´; „Die Ausstattung mit Gr.W. für Pioniere war überflüssig, da sie nicht benötigt und später der Inf. zugeteilt wurden. Das Minensuchgerät sprach auf amerikanische Minen an…

Das Pi.Btl sollte eine Kp. der schnellen Abteilung unterstellen. Zwei Züge der rechten Angriffsgruppe, einen Zug der linken, ihre Aufgabe waren vorbereitende Maßnahmen (Öffnen von Höckerhindernissen) zum Überschreiten der HKL.”

Weiter berichtet Obstlt. Moll:    „…Für einen bevorstehenden Angriff gegen Fosse wurde ein Rgt. und die Pz.Jg.Abt. mit Teilen des Div.Stabs nach Vielsalm in Marsch gesetzt, das in der Nacht erreicht wurde. Das Regiment sollte über Goronne durch den Wald ostw. und nordostw. Arbrefontaine vorrücken. Das Ganze mit einer nicht ausgeruhten Truppe ohne den notwendigen Artillerieschutz… Das Rgt. rückte auf verschneiten, unwegsamen Waldwegen vor und wurde nicht mehr gesehen. Nur zum Teil war es zum Kampf gekommen. Weg war es, wie vom Erdboden verschluckt. Inwieweit mangelnde Aufklärung oder Artillerie-Überwachung zu diesem Ausfall geführt hat, konnte nie festgestellt werden.

In den ersten Januartagen verstärkte sich das feindliche Artilleriefeuer erheblich. Verschiedene Vorstöße stärkerer Stoßtrupps (besonders am 3.1.) auf Hedemont, Cligneval und Chevofoss wurden für den Feind in der Masse blutig abgewiesen. Er hatte dabei hohe Verluste, trotzdem ging Hedemont dann verloren. Vor dem Abschnitt des rechten Nachbarn (3. Fallsch.Jäg.Div) blieb es ruhig, während der linke Nachbar (62. VGD) langsam in Richtung auf den Salm zwischen Vielsalm und Salm-Chateau zurückgedrückt wurde.  Damit begann für die Division die Sorge um ihre linke Flanke bei Trois Ponts Bis Halleux. Die Straße wurde durch die Pioniere gründlich geschlossen, so das Überraschungen durch mot.Fahrzeuge unmöglich waren. Für die infanteristische Sicherung der Flanke fehlte es durch den Ausfall des verloren gegangenen Regimentes an Kräften, daher wurden der Div. Teile eines Btl. des rechten Nachbarn (3. Fallsch.Jäg.Div) unterstellt, die auf den Höhen westlich Grand Halleux ein Vorgehen des Feindes verhinderten.

Am 6.1. musste nach hartem Kampf das Westufer des Salms durch die Fallschirmjäger geräumt werden. Die infanteristische Kampfkraft der Div. war seit dem 16.12. um 50 % abgesunken.  Nach Verlust eines Regiments konnte die Div. nur noch eine bedingte Kampfbereitschaft garantieren, und auch dies nur so lange, wie die Div. über ein intaktes Art.Rgt und Pi.Btl. verfügte.

Am 6.1. war es dem Feind gelungen, am linkten Flügel der Div. einzubrechen. An ein wiederherstellen der HKL an der Ableve war mit Rücksicht auf die eigenen schwachen Kräfte nicht zu denken.

Am 7.1. stieß der Gegner weiter vor und nahm die Ortschaften Wanne und Spineaux (7 Km südl. Trois Ponts) in hartnäckigem Kampf gegen zahlenmäßig unterlegene tapfere Grenadiere des Rgt. 294. Eine am 6.1. aus Teilen des Div.Stabes und der Pz.Jg.Abt. aufgestellte Alarm-Einheit wurde dem Gren.Rgt. zugeführt. Sie wurde am 7.1. in einem Gegenangriff trotz tapfersten Einsatz jedes Mannes durch feindliche Panzer völlig zerschlagen. Damit war die letzte Aussicht, dem Vorgehen des Gegners Einhalt bieten zu können vorbei. Personelle Reserven standen nicht mehr zur Verfügung…“

Am 7. Januar 1945 nahm die 30. US-ID 28 Angehörige des Bau.Pi.Btl. 434 in Gefangenschaft, davon wurden allein 18 Mann in Spineaux gefangengenommen. Damit war auch das Schicksal von Reinhold Weinbrenner besiegelt, denn er gehörte zu den in Spineaux in amerikanische Gefangenschaft geratenen Soldaten.

Letzte Spuren des Bataillons:

Der Bataillonsgefechtsstand war seit dem 6. Januar 1945 in Stavelot

Der Kp.-Gefechtsstand der 2. Kompanie befand sich am 2. Januar 1945 in Lavaux

Die 3. Kompanie war am 3. Januar 1945 der 62. VGD unterstellt worden.

 

Wegeskizze 1941 - 1945, Ost- und Westfront. Klick öffnet Karte in hoher Auflösung.

Wegeskizze 1941 – 1945, Ost- und Westfront. Klick öffnet Karte in hoher Auflösung.

Quellen:

Soldbuch des Reinhold Weinbrenners,
zur Verfügung gestellt von Klaus Weinbrenner

Für den einführenden Text:

Diverse Kriegstagebücher des OKW

Tagesberichte der Wehrmachtsführung

Für die Zeit während des Einsatzes im Westen:

Datenbank “Deutsche Kriegsverluste im Zweiten Weltkrieg” 

Tagesberichte der Wehrmachtsführung

G2-Bericht der 1st US Inf.Div. vom 30. Dezember 1944

G2-Bericht der 1st US Inf.Div. vom 08. Januar 1945

G2-Bericht der 82nd US Airborne-Div. vom 08. Januar 1945

[1] KTB T78-246, Besondere Anordnung zum Stellungsbaubefehl Nr 1.

Stalingrad – erste Todesfälle durch Erschöpfung

Am 21.12.1942 notiert die 6. Armee in ihrem Kriegstagebuch eine laufende Abnahme der Kampfkraft der in Front eingesetzten Truppen durch Verluste, Frostschäden und Entkräftung.
 
Die blutigen Verluste für den 19.12.1942 werden mit 957 Personen beziffert.
An diesem Tage bildete lediglich die Westfront der Armee einen Schwerpunkt der Kampfhandlungen. Bei der 44. ID hatten in der Nacht bei Marinowka 17 feindliche Panzer die HKL durchbrochen und waren bis zu 5 Kilometer tief vorgestoßen. Während dessen blieben die anderen Frontabschnitte relativ ruhig, wo sich nur kleinere Kampfhandlungen ereigneten und sich die Abschnitte unter Artillerie- und Mörserfeuer befanden.
2 erste Todesfälle durch Entkräftung
 
In der Lagebeurteilung der Heeresgruppe Don hält Generalfeldmarschall von Manstein fest:
Verpflegung im Kessel nur noch bis 22.12. vorhanden. Bereits starke Entkräftung der Soldaten (seit 14 Tagen nur 200 Gramm Brot). Masse der Pferde durch Entkräftung bereits ausgefallen bzw. verzehrt.

Die Truppe stürzte sich auf Brot. Bildquelle Bundesarchiv, BArch, RL30/4

Quellen
Kriegstagebuch der Heeresgruppe Don – T311-R271
Kriegstagebuch der 6. Armee

Kriegsgräberstätte Ittenbach – der Kinderfriedhof

Die Schlacht um den Brückenkopf von Remagen war seit bereits 12 Tagen im Gange und sollte ab dem 19. März 1945 noch weitere, ungeahnte Ausmaße annehmen, die bis zum 25. März ihren absoluten Höhepunkt erreichen würden. Wenn Hundertschaften feindlicher Einheiten aufeinandertreffen, sich gegenseitig bekämpfen, dann bleibt das Sterben nicht aus. Beiderseits schnellten die Verluste angesichts der brutalen Heftigkeit der Gefechte an. Der Tod machte keinen Unterschied und heute liegen sie Seite an Seite. Gleich ob General, Major oder der Gefreite.

 

Hier befand sich eine Fotografie, die auf Wunsch entfernt wurde.

Am Samstag, den 9. März 2019, hatte die Kreisvolkshochschule Altenkirchen zu einer Tagesfahrt unter meiner Leitung ins Friedensmuseum nach Remagen eingeladen. Zuvor aber war ein Stopp in Ittenbach eingeplant. Hier sollte die vierzehn Teilnehmer zählende Gruppe die Kriegsgräberstätte Ittenbach aufsuchen. Bei unserem Eintreffen in Ittenbach wurde die Gruppe bereits durch einen Zeitzeugen erwartet. Der 94 jährige war nicht einfach nur als “Zaungast” anwesend,  im Gegenteil: Als junger Leutnant und Kommandant eines Königstigers, dem schwersten Kampfpanzer zur Zeit des Zweiten Weltkrieges, hatte es diesen im März 1945 in den Brückenkopf von Remagen verschlagen. Seine Einheit, die 506. schwere Panzerabteilung, sollte am 25. März 1945 noch im Raum Uckerath mit sieben Königstigern zum Einsatz kommen. Angelangt auf der Kriegsgräberstätte sollten die Teilnehmer der Remagener Tagesfahrt erfahren, warum die Kriegsgräberstätte den Beinamen Kinderfriedhof trägt.

Besonders ein kleiner Flecken Erde; eingerahmt durch den Großen Ölberg im Nordwesten, Brüngsberg im Nordosten, dem Löwenberg im Südwesten und der Ortschaft Aegidienberg als südöstliche Begrenzung, war für mehrere Tage lang der Schauplatz von schwersten Kampfhandlungen. Im Herzen dieses Gebietes liegt Laagshof. Nur 500 Meter in östliche Richtung entfernt, erzwangen sich Verbände der 78. US Infanteriedivision (US-ID) am 16. März den Übergang über die Reichsautobahn. Zwei Tage später, in den frühen Morgenstunden zum 18. März 1945, richtete das 18. US Infanterieregiment der 1. US-ID, in Laagshof ihren Regimentsgefechtsstand ein. Nachdem die amerikanischen Verbände im Verlauf des nächsten Tages immer weiter an Richtung Hanfbach vorstießen, übernahm das Sanitätsbataillon den Platz des 18. US Infanterieregimentes und richtete in Laagshof einen temporären Verbandsplatz ein. Die Gefallenen und auf dem Verbandsplatz verstorbene Soldaten wurden auf dem angrenzenden Acker ca. 450 Meter entfernt abgelegt. Während man die toten Deutschen südlich des Weges sammelte, wurden die amerikanischen Toten nördlich des Weges abgelegt, von wo sie durch amerikanische Gräberkommandos auf die Kriegsgräberstätte Henry Chappel in Belgien überführt wurden.

Nachdem die Kampfhandlungen durch den Ausbruch der 1. US Armee am 25. März 1945 für die Gegend unmittelbar beendet waren, blieben in einem Radius von etwa 2 bis 3 Kilometer um Laagshof herum, 22 Zivilisten und dazu mehr als 400 deutsche und 1100 amerikanische Soldaten als Gefallene zurück. Mit der Beisetzung eines deutschen Gefallenen wurde am 26. März 1945 der Grundstein für die heutige Kriegsgräberstätte gelegt. Die Ittenbacher Einwohner bestatteten ihre Toten und hatten damit begonnen, die Gefallenen aus den umliegenden Wäldern zu bergen. Innerhalb der nächsten drei Tage war ein Gräberfeld angelegt worden, auf dem die sterblichen Überreste von etwa 50 bis 60 deutschen Gefallenen beigesetzt worden waren. Derweilen wurden auf der gegenüberliegenden Wegseite noch immer die gefallenen Amerikaner zur Registrierung und dem weiteren Abtransport gesammelt. Da jedoch Ende März die Temperaturen deutlich anstiegen, wurde der Verwesungsprozess der Toten stark beschleunigt. Daher wurde durch die 12. US Armegruppe befohlen, in Ittenbach einen zentralen Sammelfriedhof für die Gefallenen im Frontbereich der 1. US Armee anzulegen.

Kriegsgräberstätte Ittenbach - Foto: Guido Weller, Rettersen.

Kriegsgräberstätte Ittenbach – Foto: Guido Weller, Rettersen.

Am 29. März nahm die 607th Quartermaster Graves Registration Company (Gräberkompanie) in Ittenbach ihre Arbeit auf. 123 Männer unter dem Kommando von sechs Offizieren, dazu mehrere Dutzend deutscher Kriegsgefangene, legten zwei Gräberfelder an, eines für die gefallenen Deutschen, ein weiteres für ihre eigenen Toten. Noch am gleichen Nachmittag trafen erste LKWs mit Gefallenen aus dem Ruhrkessel, Sauerland und dem Harz ein. Die deutschen Gefallenen wurden so bestattet, wie man sie aufgefunden hatte – lediglich nach der Erkennungsmarke hielt man Ausschau, um diese an das Holzkreuz zu nageln. Deutlich größer war der Aufwand bei den gefallenen Amerikanern: Sie wurden registriert, identifiziert, deren Uniformtaschen geleert. Persönliche Dinge, Wertgegenstände und Erkennungsmar­ken kamen in dafür vorgesehene Beutel. Erst danach wurden die Toten in Leichensäcke verpackt und beigesetzt. Benötigte man für einen deutschen Soldaten lediglich wenige Minuten, betrug der Aufwand bei den toten Amerikanern oft mehrere Stunden.

Zeitgleich waren die Ittenbacher Einwohner gemeinsam mit Kriegsgefangenen dazu verpflichtet worden, die Gefallenen aus den angrenzenden Wäldern zu bergen. Unterstütz wurden die Ittenbacher durch amerikanische Pioniere und Soldaten der Gräberkompanie, da sich in den Wäldern große Mengen Munition befanden und man immer wieder auf verlegte Minen stieß. Und Tag für Tag trafen weitere LKWs ein. Am 2. April 1945 wurde General Maurice Rose, der bei Paderborn am 30. März 1945 als Kommandeur der 3. US-Panzerdivision sein Leben verlor, in Ittenbach beigesetzt. Erst nach dem 10 April kamen deutlich weniger Lastwagen mit den Gefallenen; dafür reihte sich jetzt Grab an Grab. Am 23. April wurde das amerikanische Gräberfeld geschlossen, die Masse der Gefallenen der 1. US Armee wurden von nun an auf dem frontnahem Friedhof in Breuna beigesetzt und das deutsche Gräberfeld in die Obhut der Stadtverwaltung von Königswinter übergeben. Bis zu diesem Tag hatte die 607th Gräberkompanie in Ittenbach:

Auf dem amerikanischen Gräberfeld:

             1475 amerikanische Soldaten, die identifiziert werden konnten

                 30 amerikanische Soldaten, welche nicht identifiziert werden konnten

                 34 gefallene Verbündete, die identifiziert werden konnten

                 5 gefallene Verbündete, welche nicht identifiziert werden konnten

zusammen 1544 Gefallene.

Die Beisetzung von General Maurice Rose in Ittenbach am 2. April 1945.

Die Beisetzung von General Maurice Rose in Ittenbach am 2. April 1945. Foto: Ausschnitt aus einer amerikanischen Wochenschau von April 1945. Filmteam des Signal Corps, US Army.


Auf dem deutschen Gräberfeld:

               828 Soldaten, die ausschließlich mit ihrer Erkennungsmarke identifiziert wurden

              134 Soldaten, die keine Erkennungsmarke bei sich trugen.

zusammen 962 Gefallene.

Da jedoch noch immer zahlreich gefallene amerikanische Soldaten im Siebengebirge, dem Ruhrkessel und anderswo aufgefunden wurden, mussten bis über das Kriegsende hinaus, täglich drei Angehörige der amerikanischen Gräberkompanien abgestellt werden, um diese Gefallenen ebenfalls auf dem Ittenbacher Friedhof zuzubetten. Die Zubettungen fanden erst im Juni 1945 ein Ende, denn jetzt ging die amerikanische Führung dazu über, sämtliche Gräber amerikanischer Soldaten umzubetten, da nach deren Sichtweise keiner ihrer Soldaten in deutschem Boden oder weniger als 200 Meter entfernt von einem gefallenen Deutschen bestattet sein sollte. Ittenbach war zu diesem Zeitpunkt der größte von insgesamt neun amerikanischen Sammelfriedhöfen auf deutschem Boden, die allesamt aufgelöst wurden. Die Umbettungsarbeiten in Ittenbach dauerten bis in den August 1946 an, während die acht anderen Friedhöfe zum Teil schon bereits vor Jahreswechsel 1945/1946 restlos verschwunden waren.

Noch während die amerikanischen Gefallenen auf die Kriegsgräberstätte Margraten umgebettet wurden, war man im Siebengebirge dazu übergegangen, die Gefallenen genauer zu identifizieren. Die Amerikaner hatten lediglich die Erkennungsmarken an die zahlreichen Holzkreuze genagelt. Im Sommer 1946 waren keine Hundert der Kriegstoten namentlich bekannt; für die Ittenbacher bedeutete dies nun eine Exhumierung der mittlerweile stark verwesten Leichen, die oft aufs grausamste verstümmelt waren. In mühevoller, jahrelanger Arbeit konnten so hunderte, namenslosen Gefallenen wenigstens ihr Name wiedergegeben werden – und den Angehörigen die traurige Gewissheit, denn unzählige Familien suchten auch noch Jahre nach Kriegsende an ihren Kindern, Vätern, Ehemännern.

Bis in die späten 1940er Jahre, fand auf der Kriegsgräberstätte ein reges hin und her statt. Währen immer wieder Gefallene zufällig in den ehemaligen Fronten gefunden wurden oder aus verstreuten Einzelgräbern in der Umgebung auf dem Gelände zugebettet wurden, erschienen immer wieder Angehörige, die ihren Gefallenen Sohn oder Ehemann zurück in die Heimat holten. Zwischen 1947 und 1949 waren zeitweilig knapp um 2300 Gefallene auf dem Ittenbacher Friedhof beigesetzt. Von diesen wurden etwa 480 Gefallene zurück in die oft weit entfernte Heimat geholt. Oftmals in mühevoller und anstrengender Arbeit, mit Handwagen bis in weit entfernte und abgelegene Gegenden.

Ab 1949 wurde das Gelände durch den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge komplett umgestaltet, wodurch nun auch endlich Schluss war mit Umbettungen auf Heimatfriedhöfe. Die Arbeiten konnten im Sommer 1951 erfolgreich abgeschlossen werden, allerding erfolgte von Herbst 1959 bis Sommer 1961 eine erneute Umbaumaßnahme, in deren Verlauf wieder 585 Gräber geöffnet wurden, um weiter an der Identifizierung von Unbekannten Soldaten zu arbeiten; mit dem Ergebnis, dass knapp 300 Soldaten identifiziert werden konnten. Heute haben in Ittenbach 1871 Tote des Zweiten Weltkrieges ihre letzte Ruhestätte gefunden:

          1.626 Deutsche
          224 Sowjetbürger
          12 Polen
          4 Niederländer
          2 Belgier
          2 Franzosen
          1 Italiener.

Von diesen 1.626 gefallenen deutschen Soldaten, waren die vier Jüngsten gerade einmal 15 Jahre alt, einer von ihnen ist als Melder gefallen. Dazu kommen drei 16-Jährige. 81 junge Burschen waren gerade eben erst 17 Jahre alt geworden.

Im Alter von 15 Jahren starben:

Blume, Günter, geboren am 29.06.1929, verstorben in Gefangenschaft am 12.06.1945

Heinz Hallen, geboren am 12.05.1929, gefallen am 09.04.1945. Er war Meldegänger bei einer Infanteriekompanie.

Leo Stellberg, geboren am 08.08.1929, verstorben als Angehöriger des Volkssturmes am 13.04.1945 im Reservelazarett zu Attendorn 13.04.1945

Hans Stollenwerk, geboren am 29.05.1929, gefallen im Siebengebirge als Volkssturmjunge am 16.03.1945

Im Alter von 16 Jahren starben:

Hans Nass, geboren am 07.02.1929, verstorben am 24.04.1945 im Lazarett, beigesetzt unter den Unbekannten.

Günther Rekos, geboren am 15.09.1928, gefallen am 06.04.1945 bei Erndtebrück

Heinrich Schnell, geboren am 03.08.1928, gefallen am 09.04.1945

Die letzte Ruhestätte des 17 jährigen Willi Ißleib. Gefallen am 26. März 1945. Foto: Volker R. Schneider, Kreuztal

Die letzte Ruhestätte des 17 jährigen Willi Ißleib. Gefallen am 26. März 1945. Foto: Volker R. Schneider, Kreuztal


Zusätzliches Bildmaterial

Hinweisschild im Eingangsbereich der Kriegsgräberstätte.

Hinweisschild im Eingangsbereich der Kriegsgräberstätte.

Grabstein zweier Unbekannter Soldaten. Foto: Gunnar J.S. Frese, Kausen

Grabstein zweier Unbekannter Soldaten. Foto: Gunnar J.S. Frese, Kausen

Quellenangaben:

  1. Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge
  2. Private Aufzeichnungen
  3. After Action Reports, March 1945, 78th US Infantry Division, National Archives, Washington, USA
  4. G-2, Report of Operations, March 1945, 1 US Infantry Division, National Archives, Washington, USA
  5. Unit History – 607th Quartermaster Graves Registration Company, US Army
  6. Generalanzeiger, Regionalausgabe Bonn, 8. Mai 2015

 

Der bei Friesenhagen gefallene Hauptmann

Während der Kämpfe um die Linie Gerndorf-Mausbach starb am 7. April 1945 Hauptmann Norbert Hammermann. Hammermann war nicht nur irgendein deutscher Offizier, den es zu Kriegsende in das Wildenburger Land verschlagen hatte. Erst ein Jahr zuvor war er noch Rommels persönlicher Adjutant.

Bereits während des Frankreichfeldzuges hatte sich Norbert Hammermann als Zugführer bewährt.  Schon kurz nach Beginn des Russlandfeldzuges übernahm er nach dem Ausfall seines Kompaniechefs im Juli 1941 zum ersten Mal das Kommando über die führerlos gewordene Kompanie und ein weiteres Mal während der ersten Schlacht um Charkow. Da Hammermann die Kompanie darauf drei Monaten führte, erfolgte die vorzugsweise Beförderung zum Oberleutnant.

Kurz nachdem die Heeresgruppe Süd 1942 die sogenannte Sommeroffensive aufgenommen hatte und der Don bei Woronesh erreicht worden war, wurde Hammermanns Kompanie während eines russischen Gegenangriffs schwer getroffen und ein großer Teil seiner Kompanie aufgerieben. Nur seinem persönlicher Entschluss soll es den übriggebliebenen Soldaten ermöglicht haben, sich von der russischen Übermacht abzusetzen. Während dieses Gefechts wurde Hammermann schwer verwundet, durch eine Granatsplitterverletzung verlor er ein Auge. Nach Genesung Anfang 1943 wurde Hammermann an die Kriegsschule München kommandiert, wo er eine Adjutantenstelle übernahm.

Nachdem der Generalsstab der Heeresgruppe B nach schweren Verlusten im Osteinsatz in die Heimat zur Neuaufstellung verlegt worden war, wurde auch der Arbeitsgruppenstab von Generalfeldmarschall Erwin Rommel nach München verlegt. Angesichts anstehender Neugliederungen und Umgruppierungen für den vorgesehenen Einsatz in Italien, übernahm Norbert Hammermann etwa Mitte Juli 1943 die Adjutantenstelle in Generalfeldmarschall Rommels Arbeitsstab und wurde dessen persönliche Ordonanz. Diese Funktion hatte Oberleutnant Hammermann bis Februar 1944 inne. Ein Vorfall unbekannten Inhalts allerdings beendete die relativ sichere Stellung, die Hammermann bis dahin begleitete. Nachdem das Verhältnis zwischen Hammermann und Rommel zerstört war, wurde er auf Rommels persönlichen Befehl zurück in die kämpfende Truppe befohlen, Rommel bestand darauf, künftig einen Adjutanten zu erhalten, der mindestens den Dienstgrad eines Majors begleiten würde und zudem mit dem Ritterkreuz ausgezeichnet sein müsse. Dennoch erhielt Rommel keinen Majoren, sondern wurde Hammermanns Nachfolger der mit Ritterkreuz ausgezeichnete Hauptmann Helmuth Lang. Hiernach verliert sich jegliche Spur von Norbert Hammermann. Fest steht, dass er am 7. April 1945 in der Nähe von Friesenhagen, mittlerweile zum Hauptmann befördert, im Alter von 25 Jahren sein Leben verlor, als er versuchte auf Befehl des LVIII.Pz.Korps zwischen Friesenhagen und Mausbach eine Widerstandlinie zu organisieren. Als die Amerikaner ihre Angriffe gegen die Linie aufnahmen, starb Norbert Hammermann gemeinsam mit zwei weiteren Soldaten.

Marine im Bodenkampf

Marinesoldaten wurden auch Bodenständig eingesetzt

Mein Großvater Willi Esch. 1924-1989

Mein Großvater Willi Esch. 1924-1989

Da mein schon vor vielen Jahren verstorbener Großvater während des Zweiten Weltkrieges in der Kriegsmarine diente, hat er immer gerne und auch viel von seiner Zeit auf See erzählt. Er hatte sich 1941 bereits vor seiner Einberufung zum Kriegsdienst freiwillig zur Marine gemeldet, da er dachte, dass es für ihn dort auf See viel sicherer sein würde, als beispielsweise im Infanteriekampf an der Front. 1944 war er schließlich zum Steuermann auf einem Marinefährprahm befördert worden und war in Griechenland in Saloniki stationiert.

Aufgrund der Erklärung der Bulgaren, dass sie ab August 1944 vom Deutschen Reich unabhängig sein würden und der am 9. September 1944 erfolgten Kriegserklärung, kam es zu einer bedrohlichen Lage der deutschen Verbände in Griechenland, die nun drohten eingekesselt zu werden. Denn zur gleichen Zeit stieß die Rote Armee mit starken Kräften durch Rumänien vor und die 3. Ukrainische Front, unter dem Kommando von Marschall Tolbuchin, konnte aus dem Raum Bukarest über die Donau übersetzen und gemeinsam mit den bulgarischen Verbänden in Mazedonien eindringen. Mazedonien allerdings war ein lebenswichtiger Korridor der Heeresgruppe E, den es unbedingt galt, für die Rückzugsbewegungen offenzuhalten. Dadurch wurde die gesamte Ostflanke der Heeresgruppe von Saloniki bis nördlich der Donau auf das heftigste bedrängt.  Da sich die Ereignisse überstürzten und es zu dem Zeitpunkt keine reguläre, stabile und durchgehende Frontlinie existierte, war es notwendig aus den verschiedensten Wehrmachtsteilen im Heeresgruppenbereich Einheiten zusammenzustellen, um wenigstens im Ansatz eine HKL bilden und einen Rückzug antreten zu können. Dazu wurden in erster Linie die in Griechenland liegenden Truppen ausgekämmt und abgezogen – die Räumung Griechenlands hatte damit begonnen.

Großes Glück im Unglück war der Umstand, dass die Rote Armee mit ihren Hauptkräften auf Belgrad und Ungarn gerichtet vorstieß, gegen Serbien und Mazedonien wurden auf sowjetischer Seite die Bulgaren und die verbündete Tito-Armee eingesetzt. Den in Griechenland stehenden deutschen Verbände war bewusst, dass mit der Bedrohung von Serbien und Mazedonien jederzeit der einzige Rückzugsweg von Saloniki über Skoplje, Kraljevo nach Belgrad hätte abgeschnitten werden können. Dann wäre es zur Einkesselung und vermutlich totalen Zerschlagung aller Kräfte gekommen.

Karl Hnilicka hält in seinem Buch “Das Ende auf dem Balkan 1944/45” auf Seite 86 fest:

3. Die Räumung Griechenlands und die schweren Abwehrkämpfe in Mazedonien

und Südserbien vom 3.10. 44 bis 1.12.1944

Die am 3. 10. 44 befohlene „große Absetzbewegung” vollzog sich mit der Präzision eines Uhrwerkes, obwohl die Masse der Soldaten keinen festgefügten Verbänden, sondern einzelnen Festungsbataillonen, Luftwaffen- und Marine-Truppenteilen angehörte. Das nie für möglich gehaltene geschah: Die Besatzung einer Riesenfestung, scheinbar zur Unbeweglichkeit verurteilt, setzte sich mit fast allen ihren Waffen in Marsch und zog als wandernder Kessel, auf einer einzigen Straße, über hohe Pässe in beschleunigtem Tempo 1500 km nach Norden. Sie schafften bis zu 25 km im Tagesdurchschnitt. Die Eisenbahn leistete Hervorragendes. In überschlagendem Verfahren brachte sie nach wohldurchdachtem Plan die jeweils letzten Marschverbände in den Raum Saloniki. Die Nachhuten wehrten den nachdrängenden Gegner erfolgreich ab. Pioniere und Eisenbahnpioniere zerstörten die Kunstbauten und zahlreiche militärisch wichtige Objekte, soweit sie noch nicht durch angloamerikanische Flugangriffe zerstört worden waren. Die besonders in der zweiten Oktoberhälfte aufgrund einer Wetterverbesserung scharf auflebende englische Jabo-Tätigkeit erforderte straffe Marschdisziplin und immerwährende Aushilfen zur Beseitigung der eingetretenen Zerstörungen und zum Ausgleich der Verluste. Die Vorausstaffelung der westlich des Pindos-Gebirges zurückgehenden Kräfte blieb erhalten. Sie ermöglichte ein vollständiges Herausziehen der 104. Jäger-Division über Bitolj nach Veles. Während demnach Valona bereits am 12. 10. 44 aufgegeben werden konnte, wurde Saloniki erst am 30. 10. 44 geräumt. Ohne nennenswerten Feinddruck überschreiten die Nachhuten in der Nacht vom 1./2. 11.44 die griechisch-mazedonische Grenze. In Albanien war bereits eine neue Front in der Linie Durazzo—Elbasan aufgebaut…

Zum Zeitpunkt des Rückmarsches verfügte die Heeresgruppe E über rund 350.000 Soldaten und etwa 10.000 Fahrzeuge, unter dem Kommando des Admirals der Ägäis befanden sich rund 33.000 Angehörige der Kriegsmarine in Griechenland. Mein Großvater war nur einer von ihnen.

Rückzugsweg meines Großvaters aus Saloniki im Herbst 1944. Am 4. Januar 1945 hatte er die Kroatischen Stadt Brod erreicht, zu diesem Zeitpunkt war er bereits der 41. Festungsdivision unterstellt. Karte aus dem Buch

Rückzugsweg meines Großvaters aus Saloniki im Herbst 1944. Am 4. Januar 1945 hatte er die Kroatischen Stadt Brod erreicht, zu diesem Zeitpunkt war er bereits der 41. Festungsdivision unterstellt. Karte aus (1)

Wir wissen nicht viel aus den Kriegserzählungen meines Großvaters, bekannt ist jedoch, dass er das Leben als Marinesoldat wegen der Schiffe und der großen Freiheit auf hoher See geliebt hat, von dieser Zeit hat er gerne gesprochen. Jedoch über die Zeit nach dem Zusammenbruch der Heere im Osten hat er nie viel erzählt, zu schrecklich müssen die Erlebnisse gewesen sein, denn nachdem die Marine ihre Schiffe im Hafen von Saloniki versenken musste, war er genau wie seine Kameraden der Infanterie gezwungen, den langen Weg nach Hause über Land anzutreten. Den Umständen nach dürfte die Einheit meine Großvaters zu den letzten Truppenteilen gehört haben, die Saloniki verlassen haben. Später wurde er der 41. Festungsdivision unterstellt. Obwohl die Soldaten der Marine für den Seekrieg ausgebildet waren, wurden sie nun auf dem Balkan als reguläre Infanterie eingesetzt. Dort tobten heftige Kämpfe, die viele von den unerfahrenen Marinesoldaten nicht überlebt haben. Immer wieder wurden sie von Parisanenverbänden angegriffen, so dass sie sich Tagsüber teilweise verstecken und nur Nachts marschieren konnten.

Rückmarsch deutscher Soldaten aus Griechenland. Bild aus (1)

Mein Opa überstand glücklicherweise den langen Weg von Griechenland bis nach Norddeutschland, von wo er nach kurzer britischer Gefangenschaft bereits im  Juli 1945 nach Hause zurückkehren durfte. Wieder Zuhause erfuhr er vom Schicksal seines Vaters, der als Volkssturmmann noch in buchstäblich letzter Stunde im Brückenkopf von Remagen gefallen ist.

Rückmarsch deutscher Soldaten aus Griechenland

Rückmarsch deutscher Soldaten aus Griechenland. Bild aus (1)

Auch im Brückenkopf von Remagen wurden wegen dem herrschendem Kräftemangel Marinesoldaten in großer Anzahl eingesetzt. Als Beispiel hierfür sollte die Kampfgruppe Dänemark erwähnt werden., dass in ihren Reihen ein nahezu komplettes Marineausbildungsbataillon aus Dänemark mit in den Brückenkopf brachte. In den Kriegstagebüchern der 1. US Infanteriedivision wurde immer wieder erwähnt, wie die deutschen Divisionen im Remagener Brückenkopf durch Marine-Personal aufgefüllt wurden.

Hat Jemand von Euch auch schon einmal etwas über Angehörige der Marine gehört, die hier bei uns gekämpft haben? Vielleicht hat auch der eine oder andere Sondengänger bereits schon einmal etwas gefunden, was auf die Anwesenheit der Kriegsmarine zurückzuführen ist?

Zu meinem Geburtstag wurden mir ein Paar schöne Knöpfe der Kriegmarine geschenkt.

Zu meinem Geburtstag wurden mir ein Paar schöne Knöpfe der Kriegmarine geschenkt.

Quellenangabe:

(1) Endkampf auf dem Balkan, Erich Schmidt-Richberg, Heidelberg 1955

(2) Das Ende auf dem Balkan 1944/45, Karl Hnilicka, Göttingen 1970

(3) Kriegstagebuch der Heeresgruppe E, Herbst 1944, Nationalarchiv Washington, USA

Krieg an der Murmansk-Front

Wappen der 2. Gebirgsdivision Quelle: Wikipedia

Wappen der
2. Gebirgsdivision
Quelle: Wikipedia

Der Zweite Weltkrieg wütete auf dem Balkan und in Nordafrika war das deutsche Afrika-Korps gelandet, um den italienischen Bündnispartnern zur Hilfe zu eilen, wodurch die unsichere europäische Südfront vor den Briten abgeschirmt werden sollte. In Russland befand sich der Feldzug gerade erst noch in seinem Anfangsstadium. Erste große Anfangserfolge waren durch den massierten Kräfteeinsatz von drei Heeresgruppen herbeigeführt worden. Die Luftwaffe Stalins kam kaum zum Einsatz, war schon am Boden durch die deutsche Luftwaffe zerschlagen worden und mehrere große Kesselschlachten, in denen ganze sowjetische Armeen eingeschlossen worden waren, führten zu einer teilweise zusammenbrechenden Frontlinie im Osten. Hunderttausende Rotarmisten gerieten in deutsche Gefangenschaft. Im Spätsommer war das Baltikum durch die Wehrmacht erobert, große Teile der Ukraine besetzt und erste Wehrmachtseinheiten bereits nach Weißrussland vorgedrungen. Auch aus Norwegen waren Angriffe gegen die Sowjetunion vorgetragen worden, mit dem Ziel Murmansk zu erobern und dadurch die Eisenbahnverbindung der Murman-Bahn zu unterbrechen. Die Murman-Bahn besaß eine große strategische Bedeutung, da über sie der alliierte Nachschub der Nordmeergeleitzüge an die Ostfront gelangte. Gebirgsjäger unter dem Kommando des Generals der Gebirgstruppen Eduard Dietl sollten in Blitzkrieg-Manier Murmansk erobern und die feindlichen Nachschubwege unterbrechen. Hilfslieferungen über die Nordmeere seitens der Alliierten wären dann ebenfalls nicht mehr möglich gewesen. Am 22. Juli 1941 sagte Dietl: „In drei Tagen sind wir in Murmansk!“ An diesen Kämpfen nahm Paul Schäfer teil. Tatsächlich haben in Murmansk die Deutschen nie einen Fuß reingesetzt, es sei denn als Gefangene. Paul Schäfer hatte nicht das Glück, denn er ist gefallen. Sein Schicksal ist stellvertretend für das seiner Kameraden, die zum Beispiel aus Herdorf, Niederschelden, Altenkirchen, Siegen oder Koblenz stammten. Sie alle starben während Kämpfe entlang der Murmansk-Front zwischen 1941 und 1944.

Oberjäger Paul Schäfer starb am 21. August 1941 während der Kämpfe um Höhe 274.

Oberjäger Paul Schäfer starb am 21. August 1941 während der Kämpfe um Höhe 274.

Paul Schäfer war Jahrgang 1919, er wurde in Magdeburg geboren. Seine Leidenschaften galt schon früh den Bergen und der Natur. 1938 leistete er den Arbeitsdienst ab und trat noch vor Kriegsbeginn in das Heer ein. Dies dürfte auch die Zeit gewesen sein, zu der er in Betzdorf sesshaft wurde. Seiner Leidenschaft folgend, meldete Schäfer sich zu den Gebirgsjägern nach Sonthofen, wurde aber dann nach Innsbruck in Österreich versetzt, wo sich das Gebirgsjäger-Regiment 136 der 2. Gebirgs-Division befand.

Mit Ausbruch des Zweiten Weltkrieges nahm Schäfers Division am Einmarsch in Polen teil. Von Käsmark in der Slowakei führte der Vorstoß auf Przemysl-Lemberg, bei Joblonic wurde am 10. September 1939 der San erreicht. 9 Tage später schloss die Division östlich Lembergs die Umklammerung und kesselte damit die polnischen Verteidiger ein. Polnische Truppen, die versuchten sich nach Rumänien abzusetzen, wurden zwischen Lemberg und Rawa Ruska gestellt und aufgerieben. Nach der Lubliner Niederlage am 23. September brach der Widerstand zusammen und am 6. Oktober 1939 kapitulierte Polen.

Die 2. Gebirgsdivision wurde nach St. Goar verlegt und im März 1940 dem Gebirgskorps Norwegen unterstellt. Ab dem 6. Mai 1940 landete die Division im Raum Trondheim an und eroberte die Bergfestung Hegra. Danach wurde der Vorstoß auf Narvik vorangetrieben, wo Verbände der 3. Gebirgsdivision in schwere Bedrängnis geraten waren. Der Hafen von Narvik konnte am 9. Mai 1940 erobert werden. Die Schlacht um Narvik dauerte bis zum 8. Juni an. Schäfers Truppe besetzte darauf Nordland-Fylkes, Grong bis Soerfolda-Fjord. Etwa zu diesem Zeitpunkt wurde Paul Schäfer zum Gefreiten befördert und übernahm stellvertretend eine Gruppe in der 3. Kompanie. Bis zum Beginn des Russland-Feldzuges lag die 2. Gebirgsdivision als Besatzungsmacht in Norwegen und konnte dort mehr oder weniger ein friedliches Dasein führen. Für den Gefreiten Schäfer und seine Kameraden brach der Krieg erst mit dem 22. Juni 1941 und dem Angriff gegen Russland wieder los.

70 Kilometer vor Murmansk ist Ende. Die Gebirgsjäger kommen keinen Schritt weiter. Bild: Bundesarchiv_Bild_101I-103-0947-03, "Norwegen, Lappland, Finnland.- Wegweiser im Schnee ("Heimat 2800 km, Murmansk 70 km"); PK 680"

70 Kilometer vor Murmansk ist Ende. Die Gebirgsjäger kommen keinen Schritt weiter.
Bild: Bundesarchiv_Bild_101I-103-0947-03,
“Norwegen, Lappland, Finnland.- Wegweiser im Schnee (“Heimat 2800 km, Murmansk 70 km”); PK 680″

Ohne Kampfhandlungen konnte bis zum 29. Juni die russische Grenze erreicht werden, wo sich Verbände der Roten Armee seit dem 25. Juni 1941 zur Verteidigung eingruben. Das Gebirgskorps Norwegen hielt am 25. Juni 1941 fest:

„Russen bauen Schützengräben entlang der Linie vom finnischen Meerbusen bis Kuhmo aus. Infanterie besetzt die erste Linie und Maschinengewehr und Artillerie werden in Stellung gebracht. Wege wurden teilweise zerstört und die Evakuierung fortgesetzt.

Gegenüber befinden sich die Kräfte von etwa 2 Division sowie einem Grenzwach-Regiments. Darüber hinaus finden sich größere Truppenlager, zum Teil befestigt, im Raum Murmansk-Titowka, wobei die Verteidigung einen Schwerpunkt nördlich und westlich des Titowka-Sees bildet.“

Der Kampfraum südlich des Flaschenhales zur Fischer-Halbinsel.

Der Kampfraum südlich des Flaschenhales zur Fischer-Halbinsel.

In dieser Lage überschritten die Regimenter der 2. Gebirgsdivision bei Mitternachtssonne auf schneebedeckter Tundra die russisch-finnische Grenze und konnten die russischen Linien ostwärts des Titowka-Flusses durchstoßen und mehrere Bunker ausheben. Hierdurch wurde der Weg ins Titowka-Tal frei, wo gegen Mittag ein umfangreiches Depot und am frühen Abend eine Brücke über den Titowka unversehrt in die Hände fielen. Die Beute war groß, neben Verpflegung wurden Waffen, Munition und sogar ein Kanonenboot erbeutet. Bereits am Abend stand die Division auf dem Mustatunturi, von wo aus die Fischer-Halbinsel abgeriegelt wurde. Angesichts dieser Lage begann die 14. sowj. Schützendivision damit, unter Zurücklassung von Nachhuten, das Kampffeld zu räumen.

Während der nächsten Tage wurde der Vormarsch durch schwierigstes Gelände unter nur sehr geringen Verlusten fortgesetzt. Bis zum 2. Juli konnte der Einbruch in die Titowka-Linie gesichert und der feindliche Widerstand gebrochen werden, wodurch der Druck auf die Meeresenge zur Fischer-Halbinsel erhöht wurde, so dass die russischen Verteidiger anschließend auch von diesem Abschnitt weggedrängt werden konnten. Um nicht weitere Soldaten und Material zu verlieren, befahl die Rote Armee ein Zurückgehen sämtlicher Einheiten an die Liza, die beginnend ab dem 3. Juli 1941 zäh und geschickt verteidigt wurde. Vor dieser neu gebildeten Frontlinie kam der Vormarsch des gesamten Gebirgskorps zum Stillstand, worauf sich die Gebirgsjäger eingraben mussten und die Verluste plötzlich in die Höhe schnellten. Bereits ab dem 5. und 6. Juli machte sich das Nachführen des Nachschubes und ausbleiben von Verstärkungen deutlich bemerkbar, während auf sowjetischer Seite die Kräfte ungehindert massiert werden konnten. Trotzdem waren Teile des 136. Gebirgsjäger-Regimentes bei Kuosmaivi dazu in der Lage, die Liza zu überschreiten, wo sie einen Brückenkopf bildeten. Damit hatte das Gebirgskorps den ersten Brückenkopf auf dem Ostufer der Liza gebildet. Den galt es nun zu sichern und zu halten. Dazu wurde der Rest des Regimentes 136, dem Paul Schäfer angehörte, entlang der Nord- und Ostflanke eingesetzt, um den Brückenkopf dort abzuriegeln. Dieser Brückenkopf wurde fortan zum Schicksalsort für viele Gebirgsjäger, da sich dort besonders heftige hin und her wiegende Kämpfe abspielten, in deren Verlauf die Rote Armee auch noch ab dem 8. Juli 1941 Panzer einsetzen konnten.

Am 10. Juli 1941 kam es dann mehrfach zu ernsthaften Gegenangriffen der 14. sowjetischen Schützendivision, die hierbei durch Panzer und Artillerie unterstützt wurde. Trotz hoher Verluste konnte die Lage bis zum Abend des 12. Juli wiederhergestellt werden. Am 14. Juli wurde durch das Gebirgskorps ein Großangriff über die Liza befohlen, der jedoch gleich im konzentrierten Feindfeuer zusammenbrach und festgenagelt wurde. Die 2. Gebirgsdivision hatte während dieses Angriffes mit 478 Gefallenen und 1613 Verwundeten die schwersten Verluste im gesamten Korps erlitten. Diese Verluste machten auch nicht vor dem Offiziers- und Unteroffizierskorps halt, womit Schäfers Beförderung zum Oberjäger (Unteroffizier) erfolgte und er seine eigene Gruppe in der 9. Kompanie zugeteilt bekam. Da sich von nun an sämtliche Angriffe, gleichermaßen die der Russen sowie die der Deutschen, festrannten, wurde aus dem Angriffsunternehmen ein Stellungskrieg, der unter dem Namen Murmansker Eismeerfront zu einer traurigen Berühmtheit gelangte. Das Gelände bot für den Verteidiger beste Möglichkeiten, die auch geschickt ausgenutzt wurden. Ab Monatsmitte verstärkte die Rote Armee ihre Angriffe, baute die Stellungen weiter aus und konnte die deutsche Luftwaffe teilweise gänzlich lahmlegen. Ein verstärktes sowjetisches Bataillon, das von Nordosten aus in der Liza-Bucht anlandeten und Fuß fassen konnten, bedrängte die 2. Gebirgsdivision seit der Nacht vom 15. zum 16. Juli 1941.

Sommer 1941 - Rotarmisten stürmen im Raum Murmansk unter Einsatz von Handgranten eine deutsche Stellung. Fotoquelle leider unbekannt.

Sommer 1941 – Rotarmisten stürmen im Raum Murmansk unter Einsatz von Handgranten eine deutsche Stellung.
Fotoquelle leider unbekannt.

Da die 2. Gebirgsdivision am 17. Juli die Höhen südlich Sapad-Liza erobern konnte, trat für den restlichen Tag ein wenig Entlastung ein, die aber bereits am folgenden Tag durch schwerste Kämpfe um die Liza-Brücken beendet wurde. Da die deutschen Bemühungen unter hohen Verlusten abgewehrt wurden, musste der weitere Angriff eingestellt und zur Abwehr übergegangen werden. Von nun an war kein vorwärtskommen mehr möglich und die Front hatte sich festgelaufen, die Gebirgsjäger konnten ihre Stellungen zwar Tagelang behaupten, waren jedoch nicht dazu in der Lage, auch nur einen kleinen Vorteil zu erzielen. Die nächsten Tage wechselten sich ab durch gegenseitige Patrouillen und Feuerüberfälle der Artillerie, welcher die eigene Artillerie kaum antworten konnte, da die nur noch knapp vorhandene Munition für die Abwehr aufgespart werden musste.

Ende Juli landeten wieder feindliche Kräfte am Nordufer der Liza an und bedrängte hier erneut den Brückenkopf. Gegen diese feindlichen Kräfte wurde durch die 2. Gebirgsdivision eine Kampfgruppe angesetzt, die durch den Kommandeur des Gebirgsjäger-Regimentes Oberst Hofmeister persönlich angeführt wurde. Während zwei Tage andauernden Kämpfen konnte die Lage an der Nordfront der Division bereinigt werden, wodurch erst ein neuer Gegenangriff überhaupt noch einmal ermöglicht wurde.

Während der Nacht zum 2. August versuchte das Gebirgskorps erneut, das Blatt zu wenden und begann einen Angriff, der endlich Entastung bringen und die festgerannte Front lösen sollte. Die sich entwickelnden Gefechte wurden jedoch zu einem blutigen Fiasko. Wer nicht gefallen oder verwundet war, zog sich während der Nächte oder im Morgengrauen der nächsten Tagen wieder bis in die Ausgangsstellungen zurück. Jeder Handbreit Boden, der unter höchsten Verlusten gewonnen worden war, musste wieder aufgegeben werden. Am 3. August nahmen drei russische Kriegsschiffe aus der Liza-Bucht den Feuerkampf auf und zwangen die Gebirgsjäger teilweise in Deckung. Im Verlauf des 5. August konnte das Gebirgsjäger-Regiment 136 noch einmal einen großen Vorteil erzielen und eine beherrschende Höhe erobern, die fortan immer wieder mit Artilleriefeuer belegt wurde. Bis einschließlich den 13. August 1941 kehrte ein gewisse Ruhe ein, die nur durch Patrouillen der 14. sowjetischen Schützendivision gestört wurde.

Bild: Bundearchiv, Bild 101I-103-0943-13 "Norwegen, Lappland, Finnland.- drei Soldaten (Gebirgsjäger?) mit Wintertarnanzügen mit Maschinenpistole in Deckung liegend; PK 680"

Bild: Bundearchiv, Bild 101I-103-0943-13
“Norwegen, Lappland, Finnland.- drei Soldaten (Gebirgsjäger?) mit Wintertarnanzügen mit Maschinenpistole in Deckung liegend; PK 680”

Am Abend des 13. August eingebrachte gefangene Soldaten berichteten, dass um Mitternacht ein Großangriff der Roten Armee gegen die Liza-Bucht anlaufen sollte, worauf Alarm ausgelöst und die schwachen Verbände in Alarmbereitschaft versetzt wurden. Der Angriff lies nicht lange auf sich warten und kündigte sich durch einen gewaltigen Artilleriefeuerschlag an. Das Feuer dauerte eine Stunde lang und daraufhin traten die Rotarmisten schließlich zum Angriff an. Insbesondere wurde der nördliche Taleinschnitt am Liza-Fluss zu einem Brennpunkt, der die Soldaten des Gebirgsjäger-Regiment 136 vollends festnagelte und aufrieb. Trotzdem konnte die erste Angriffswelle bis um 4 Uhr abgewehrt werden. Ein während der frühen Morgenstunden erneut vorgetragener Angriff brachte die russischen Soldaten auf eine Höhe, die bislang von der 8. Kompanie des Geb.Jäg.Regt. 136 gehalten wurde. Diese Höhe, der „Stützpunkt Wolf“, bot Einblick in die deutschen Stellungen ringsherum. Zusätzlich war durch diesen Vorstoß eine ganze Batterie des Artillerieregiments, gelegen in einer Senke hinter der Höhe, von der eigenen Truppe abgeschnitten und aufs ärgste bedroht, dies war allerdings den Sowjetsoldaten unbemerkt geblieben, da sie keinerlei Anstrengungen unternahmen, diese Geschütze zu erobern. Ein sofort eingeleiteter Gegenangriff durch Teile des Gebirgsjäger-Regiments 139 und 136 rannte sich zunächst am Steilhang fest, konnte jedoch unter Artillerieunterstützung bis auf die Höhe vorgetragen werden, wo der Kampf dann bis um die Mittagszeit weiter ausgetragen wurde. Hierdurch kamen die Artilleriegeschütze ohne Verluste noch einmal frei. Diese vergangenen Kämpfe hatten auf beiden Seiten schwerste Verluste gefordert und die Truppe war abgekämpft und übermüdet.

Während der Monate Juli und August hatte die 2. Gebirgsdivision unter allen an der Ostfront eingesetzten Divisionen die höchsten Verlustzahlen zu verzeichnen. Allein bis zum 12. August waren 3079 Mann ausgefallen, darunter waren 89 Offiziere. Die Verluste bezifferten sich auf 761 Gefallene, 151 Vermisste und 2257 Verwundete, wodurch mehr als ein Drittel der Gefechtsstärke der Division ausgefallen war. Zwei Tage später, vom 14. August an, begonnen die Großangriffe gegen die ausgebluteten Gebirgsjäger. Um die Verluste wenigstens zum Teil zu begrenzen, beschloss das Gebirgskorps am 18. August 1941, die 2. Gebirgsdivision in den Raum Bobrinez-Nowo, einige Kilometer westlich, zu verlegen, wodurch eine geringe Frontverkürzung zustande kommen sollte. Am 21. August konnte die Rote Armee während einen Angriffes im Bereich der „Russenstraße“ einen Einbruch in die Liza-Front erzielen. Die Gegenmaßnahmen des Gebirgsjäger-Regimentes 136 blieben in strömenden Regen liegen. Gefallene blieben auf dem Schlachtfeld liegen, darunter befand sich auch der Oberjäger Paul Schäfer. Die Stellungen entlang der Liza-Front hielten noch bis 1944, das Sterben ging weiter.

Parkkina-Petsamo, Soldatenfriedhof der 2. und der 3. Gebirgsdivision.

Parkkina-Petsamo, Soldatenfriedhof der 2. und der 3. Gebirgsdivision.

 

Unter den Tausenden Opfern der Murmansk-Front starben:

2. Januar 1941 starb der Unteroffizier Heinrich Malm aus Höhr-Grenzhausen auf dem Heeresverbandsplatz an der Liza-Bucht.

24. Januar 1941 starb der Gefreite Josef Haidacher aus Oberzielenbach im Bereich der Liza-Bucht.

10. April 1941 starb der Gefreite Alfred Jung aus Herdorf im Kattegat.

15. Juli 1941 starb der Leutnant der Reserve Otto Böhle aus Nümbrecht 3 Kilometer südlich des Liza-Überganges.

31. Juli 1941 starb der Obergefreite Johann Leitold aus Koblenz im Feldlazarett 67 bei Parkkina.

1. August 1941 starb der Gefreite Maximilian Enzinger aus Koblenz ostwärts der Liza.

21. August 1941 starb der Oberjäger Paul Schäfer aus Magdeburg, wohnhaft in Betzdorf, während des Sturms auf die Höhe 274.

8. September 1941 starb der Unterscharführer Heinz Petzold aus Sieglar in der Nähe der Liza-Bucht.

8. September 1941 starb der Oberleutnant Gottfried Becker aus Nümbrecht bei dem Kampf um die Brandl-Höhe.

Am 10. September 1941 starb der Obergefreite Friedrich Gruber aus Koblenz bei Bolitzsch-Liza.

Am 14. September 1941 starb der Gefreite Karl Braun aus Rudersdorf während eines sowjetischen Gegenangriffes auf den Stützpunkt Kleeblatt, 2 Kilometer

südwestlich der Höhe 160, ostwärts der Liza.

Am 8. Oktober 1941 starb der Schütze August Brado aus Weidenau südlich der Fischer-Halbinsel bei Mustatunturi.

Am 29. Dezember 1941 starb der Gefreite Karl Kleemann aus Rodenbach in der Nähe der Fischer-Halbinsel.

Am 29. April 1942 starb der Unteroffizier Wilhelm Christmann aus Koblenz bei der Obersteinerhöhe.

Am 6. Mai 1942 starb der Kraftfahrer Julius-Werner Hahn aus Altenkirchen bei Kilometer 14-15 an der Russenstraße.

Am 24. Juli 1942 starb der Schütze Franz Werner aus Rüscheid/Neuwied bei Mustatunturi.

Am 27. September 1942 starb der Obergefreite Josef Schäfer aus Koblenz-Wallersheim in der Nähe von Nautsi.

Am 27. November 1942 starb der Obergefreite Karl Acker aus Honnef bei Liinahamari.

Am 21. Januar 1943 starb der Jäger Herman-Josef Mombauer aus Sieglar in Swanwik.

Am 23. April 1943 starb der Unteroffizier Richard Daum aus Nieder-Erbach bei dem Kampf um den Andreasberg.

Am 29. April 1943 starb der Gefreite Ewald Sohnius aus Lautzert am Fischerberg bei der Fischer-Halbinsel.

Am 23. Mai 1943 starb der Gefreite Gerhard Winkhaus aus Engers auf dem Heeresverbandsplatz Nord an der Fischer-Halbinsel.

Am 25. Mai 1943 starb der Obergefreite Alois Knapp aus Neunkirchen bei der Ludwigshöhe an der Fischer-Halbinsel.

Am 8. Mai 1943 starb der Hauptmann Hans Rheinhold Pütz aus Siegburg, er war Pilot einer Ju 88 und starb 8 Kilometer ostwärts von Kilometerstein 37 an der Russenstraße.

Am 6. September 1943 starb der Gefreite Max Braach aus Siegen während der Kämpfe um die Edelweiß-Kuppe.

Am 9. November 1943 starb der Obergefreite Paul Betzing aus Koblenz auf dem Heeresverbandsplatz Nord auf der Fischer-Halbinsel.

Am 19. August 1943 starb der Gefreite Paul Wilde aus Oberlahnstein währen des Kampfes um den Andreasberg.

Am 21. September 1943 starb der Obergefreite Karl Walter aus Koblenz im Bereich der Meeresenge zur Fischer-Halbinsel.

Am 18. März 1944 starb der Feldwebel Willi Langenbach aus Oberwinter in der Nähe des Riesensee/Liza vor dem Stützpunkt Adlerkopf.

Am 22. Juli 1944 starb der Gefreite Herbert Becker aus Siegen-Weidenau bei der Kärntnerhöhe.

Am 1. August 1944 starb der Gefreite Karl Heinrich Schürg aus Siegen auf dem Stützpunkt Adlerkopf.

Am 8. August 1944 starb der Obergefreite Fritz Schibber aus Koblenz auf Stützpunkt 1L. am Hals der Fischer-Halbinsel.

Am 12. Oktober 1944 starb der Obergefreite Pius Waldkircher aus Koblenz während der Kämpfe im Bereich ostwärts Parkkina-Petschenga.

Am 14. Oktober 1944 starb der Obergefreite Theodor Hoffmann aus Irmgarteichen im Brückenkopf Parkkina.

Am 14. Oktober 1944 starb der Obergefreite Martin Jung aus Niederschelden während des Kampfes um den Brückenkopf Parkkina.

Am 15. Oktober 1944 starb der Soldat Paul Schneider aus Salchendorf auf dem Heeresverbandsplatz in Salmijärvi.

Am 17. Oktober 1944 starb der Unteroffizier Albert Röck aus Lahr im Bereich der Eismeer-Straße.

 

 

Quellen:

  • Erinnerungsblätter der 2. Gebirgsdivision, verfasst vom XIX.(geb.)AK
  • Schicksal und Weg der 2. Gebirgsdivision, von Kräutler u. Springenschmid,
  • Kriegstagebuch des Oberkommandos der Wehrmacht, 1941
  • Krieg und Gefangenschaft, Hans Roschmann, Erinnerungen des Adjutanten in der 2. Gebirgsdivision
  • Die geheimen Tagesberichte der deutschen Wehrmachtsführung, 1941

Weitere Links:

 

 

Mit dem AR 179 in Frankreich

Kriegsweg des Johann-Josef Stentenbach aus Wissen

 

Johann-Josef Stentenbach als Rekrut in Niederlahnstein

Johann-Josef Stentenbach als Rekrut in Niederlahnstein

 

Frankreichfeldzug – Mit dem Artillerieregiment 179 durch Frankreich

Der 1914 in Wissen/Sieg geborene Johann Josef Stentenbach war als Funker von Kriegsbeginn an dabei. Er gehörte der Nachrichtenstaffel des Artillerieregimentes 179 an und war der 79. Infanteriedivision unterstellt. Die 79. ID war am 26. August 1939 im Wehrkreis XII aufgestellt worden. Zu den Aufgaben einer Nachrichtenstaffel gehörte es, stets die Verbindung mit der in der Front eingesetzten Einheit aufrecht zu erhalten und jederzeit Meldungen zur Lage unmittelbar an vorgesetzte Einheiten durchzugeben.

Abnahme des Fahneneides

Vor der feierlichen Abnahme des Fahneneides schreitet der Spieß noch einmal die Reihen ab. Ganz links im Bild: Josef Stentenbach.

Häufig waren die Funker und Nachrichtenleute gemeinsam mit den vorgeschobenen Beobachtern weit vor der eigentlichen Frontlinie eingesetzt, beobachteten und studierten die Feindlage. Hiervon hingen oft Erfolg oder Misserfolg von Kampfaufträgen und Operationen ab. Johann Stentenbachs Nachrichtenstaffel gehört der III. Abteilung des Artillerieregimentes 179 an und war in Niederlahnstein stationiert, wo er auch die Ausbildung zum Funker erhielt. Mit Kriegsbeginn wurde die Division der 1. Armee unterstellt und in den Raum zwischen Merzig und St. Ingbert verlegt, wo bis Beginn des Westfeldzuges die Verbandsausbildung vorangetrieben wurde.

Vor dem Frankreichfeldzug in Niederlahnstein

Vor dem Frankreichfeldzug in Niederlahnstein

Mit dem 10. Mai 1940 und dem Angriff auf Frankreich begann auch für die Soldaten der 79. Infanteriedivision der Kriegsalltag. Während zunächst die Front daraus bestand, bereits erkannte französische Festungswerke mit Artillerie zu beschießen, wurden nach kurzer Zeit immer häufiger Patrouillen ausgeschickt, um zwischen den Festungsbauten nach Schwachpunkten zu suchen.

Am 12. Juni 1940 wurde der Angriff gegen die Bunkerlinie befohlen, worauf der Ansturm gegen die Maginot-Linie im Bereich von Saarbrücken begann. Nachdem die Bunkerlinie nach verlustreichen Kämpfen zwischen Merlebach und Puttelange durchbrochen war, erhielt die Division den Befehl, über Morhange in Richtung nach Nancy durchzustoßen. Am 15. Juni wurde nach schweren Angriffen die Linie Chateau-Salins erreicht und es wurde deutlich, dass feindliche Verstärkungen herangekommen waren, diese sich aber unter dem schweren deutschem Druck nach Süden zurückzogen.

Gegenüber der Maginot-Linie werden durch das Artillerieregiment 179 Schützengräben angelegt.

Gegenüber der Maginot-Linie legt das Artillerieregiment 179 Schützengräben an.

In der Nacht vom 15. zum 16. Juni drang die deutsche Infanterie über die Seile-Brücke und konnte einen kleinen Brückenkopf gleich vor dem Dorf Moyenvic bilden. Damit war der erste Brückenkopf auf dem Ufer jenseits der Seile gebildet. Sofort nachgezogene Einheiten drangen bis zum Ortsrand vor, wo es bis zum 17. Juni noch zu besonders schweren Gefechten kommen sollte, da sich dort ein Bataillon des französischen Infanterieregimentes 348 eingegraben hatte und verbissenen Widerstand leistete. Da die ersten Angriffswellen in dem schweren Abwehrfeuer der Franzosen liegen blieben, zog sich die deutsche Infanterie bis an die Seile-Brücke zurück, wo sie ihren Brückenkopf festigten. Obwohl Moyenvic nun mit mehr als 500 Artilleriegranaten belegt wurde und zusätzlich von der Luftwaffe mit mehreren Brandbomben angegriffen worden war, blieben die Angreifer vor dem Ortsrand im französischen Abwehrfeuer liegen und mussten sich erneut bis auf die Ausgangsstellungen zurückziehen. Erst nachdem der Ort am Mittag des 17. Juni an mehreren Stellen in Brand geraten war und die Kirche, deren Glockenturm den Franzosen freie Sicht in die Stellungen der Angreifer bot, zerstört worden war, konnten die Soldaten der 79. Infanteriedivision in den Ort eindringen, die Kämpfe dauerten noch bis etwa 17.00 Uhr an, bis letzter Widerstand niedergekämpft worden war.

Links: Auf dem Vormarsch vorbei an den Hinterlassenschaften der zerschlagenen Französischen Armee. Rechts: Stets überwacht durch den Verbindungsmann zur Artillerie, um gegebenenfalls plötzlich auftretende Feindkräfter im Artilleriefeuer niederzukämpfen.

Links: Auf dem Vormarsch vorbei an den Hinterlassenschaften der zerschlagenen Französischen Armee. Rechts: Stets überwacht durch den Verbindungsmann zur Artillerie, um plötzlich auftretende Feindkräfte im Artilleriefeuer niederzukämpfen.

Nach Fortführung des Angriffes aus dem Raum um Chateau-Salins, Moyenvic und Ley versteifte sich der französische Widerstand abermals und musste im zusammengefassten Feuer des Artillerieregimentes mit Wirkungsfeuer auf Henamenil-Valhey niedergekämpft werden, wo sich die eigene Infanterie festgerannt hatte. Trotz heftiger Gegenwehr und wiederholt vorgetragenen Gegenangriffe konnte die 79. ID den Rhein-Marne-Kanal überschreiten, worauf sich die französische Armee kämpfend bis hinter die Meurthe zurückzog. Die Soldaten der 79. ID hatten erneut den ersten Brückenkopf im Abschnitt ihrer Armee erstellt. Seit dem 21. Juni wurden die französischen Verbände, die sich noch immer an der Maginot-Linie festklammerten, von allen Seiten umzingelt. Nur hier und da kam es noch zu ernstzunehmenden Kampfhandlungen. Die Zahl der eingebrachten Gefangenen stieg innerhalb zweier Tage von rund 80.000 auf mehr als 100.000 Soldaten aus dem Bereich der Maginot-Linie an; damit war ein ganzes Französische Heer in Gefangenschaft geraten. Vielerorts wurden Verhandlungen zur Übergabe der Forts und Festungen geführt, nur einige Kommandeure weigerten sich, ihren Stützpunkt ohne Regierungsbefehl an die Wehrmacht zu übergeben.

Die 10,5cm Feldhaubitze war das Standardgeschütz der Divisionsartillerie im Zweiten Weltkrieg. Bildquelle: Bundesarchiv Bild 101I-031-2415-16,

Die 10,5cm Feldhaubitze war das Standardgeschütz der Divisionsartillerie im Zweiten Weltkrieg.
Bildquelle: Bundesarchiv Bild 101I-031-2415-16,

Mit Beendigung dieser letzten Plänkeleien um die Maginot-Linie konnte die Division über Lunevil in südliche Richtung nach Bayone und Charmes vorstoßen, wo sie die Mosel überschritt. Etwa zur gleichen Zeit, als die Division nach Norden schwenkte, um zum Angriff gegen Nancy anzusetzen, kapitulierte Frankreich. Daraufhin marschierten die Soldaten erst nach Nancy und anschließend in den Raum Epinal. Mit Beendigung des Westfeldzuges wurde die 79. ID zur Besatzungstruppe und verlegte etwa am 5. August 1940 in den Raum Langres, wo sie eine Polizeidivision ablöste. Im Dezember war der Divisionsstab in Chamont, die Stäbe der Infanterieregimenter befanden sich in Luzy sur Marne und der des Artillerieregimentes 179 war in Verbiesles untergebracht. In dieser Gegend blieb die Division bis Februar 1941, um anschließend auf den Truppenübungsplatz Le Valdahin bei Besancon zu verlegen, wo Vorbereitungen getroffen wurden, um am Balkanfeldzug teilzunehmen. Da sich durch die schnelle Lageentwicklung die Teilnahme am Balkanfeldzug erübrigte, wurde die Division Mitte April 1941 erst auf die Heimatstandorte zurückbeordert, dann am 16. April jedoch nach Klagenfurt-Bleiburg-Wolfsberg zur Versammlung befohlen.

Der Frankreichfeldzug ist beendet, die Soldaten der 79. Infanteriedivision feiern in Verbiesles ihr Weihnachtsfest.

Der Frankreichfeldzug ist beendet, die Soldaten der 79. Infanteriedivision feiern in Verbiesles ihr Weihnachtsfest. 2. v.L.: Josef Stentenbach, mittlerweile zum Gefreiten befördert.

 

Quellen: Kriegstagebücher der 1. Armee, Auszug XXX. Armeekorps während des Frankreichfeldzuges

Die geheimen Tagesberichte der deutschen Wehrmachtsführung

Niederschriften Generalfeldmarschall Wilhelm Ritter von Leeb in Kriegstagebuch der Heeresgruppe C

Alle Bilder auser Bundesarchiv-Bild Alexandra Symalla

 

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Schicksale

Einzelschicksale des Zweiten Weltkrieges – verbunden mit Soldaten aus der Region

In den Jahren 1938/1939 wurden überall im Land 2-monatige Militärübungen und Manöver durchgeführt bei denen alle wehrfähigen Männer an die Waffen herangezogen wurden. Was sich zunächst nur als harmlose Übung angekündigt hatte, wurde schnell zur Vorbereitung auf den sich nun anbahnenden Krieg, der im September 1939 mit dem Überfall auf Polen ausbrach.

So wie alle junge Männer in ganz Deutschland, mussten auch die Männer aus unserer Region in den Krieg ziehen. Die meisten glaubten an ein schnelles Kriegsende und hofften auf eine frühe Heimkehr, doch die Realität sah anders aus. Über fünf Jahre sollte der Krieg dauern, der zur größten Katastrophe des 20. Jahrhunderts werden sollte. Viele hatten das Glück, diesen Krieg unbeschadet zu überleben, andere bezahlten mit ihrer Gesundheit oder mit dem Leben.

Diese Seiten sind nun ein Versuch, anhand von Einzelschicksalen aufzuzeigen, wie der Zweite Weltkrieg bereits seine Fratze zeigte, noch lange bevor er sich mit all seiner Wucht im März 1945, nach der alliierten Rheinüberquerung bei Remagen, seinem Ende hier in der Heimat zu neigte.

Mal wird im Detail, mal nur anhand von Stichworten, das Schicksal eines Soldaten dargestellt. So kann Stück für Stück, Schicksal für Schicksal, eine Art Kriegschronik der Soldaten aus der Region erstellt werden. Angesichts der Umstände, dass häufig Soldaten aus der gleichen Umgebung, oder gar dem gleichen Ort innerhalb der selben Einheit ihren Kriegsdienst versahen, können unter Umständen diese Schicksale als exemplarisches Beispiel stehen.

Dies bedeutet jedoch nicht, dass SÄMTLICHE Männer eines Ortes in den gleichen Einheiten und Schlachten waren, obwohl es Häufig so war. Absolute Gewissheit, wo der Großvater, Vater, Onkel oder Bruder während des Zweiten Weltkrieges seines Dienst versah, ergibt nur die Anfrage bei der Deutschen Dienststelle in Berlin, die WASt. Sollten Sie einen Nachforschungsantrag stellen wollen, so bin ich hierbei und auch bei der späteren Auswertung der Auskunft gerne Behilflich.

Die folgende Serie beginnt mit der Geschichte des Johann Josef Stentenbach aus Wissen, der als Angehöriger der Nachrichtenstaffel des Artillerieregiments 179 am Zweiten Weltkrieg teilnahm. Seine Stationen sind stellvertretend für viele seiner Kameraden, von denen sicherlich auch einige andere aus dem Wisserland, dem oberen Westerwald und der Umgebung, zu Beginn des Zweiten Weltkrieges zu den Waffen gerufen wurden.

Inhaltsverzeichnis

Mit einem Klick auf die Überschriften können Sie die Tabelle auf- oder absteigend sortieren lassen. Die rote Zahl vor der Angabe "Derzeit Aktiv" gibt an, wieviele Überschriften bereits verlinkt sind. Verlinkte Titel sind in Blauer Farbe dargestellt und führen zum Artikel mit dem Soldatenschicksal.
ÜberschriftNameHerkunftsort des SoldatenJahr des BerichtzeitraumesFeldzug, ÖrtlichkeitenEinheit
Mit dem Artillerieregiment 179 in FrankreichJohann Josef StentenbachWissen1940Frankreichfeldzug179. Artillerieregiment
Krieg an der Murmansk-FrontPaul SchäferBetzdorf1941Finnland/Russland136. Gebirgsjäger-Regiment
Das Bau.Pi.Btl. 434 während der ArdennenoffensiveRheinhold Weinbrenner1941-1945
ArdennenoffensiveBau.Pi.Btl. 434
In den Kämpfen vor Welikije LukiHugo WernerSiegburg1941Russland216. Infanterieregiment

Derzeit Aktiv: Drei Datensätze


Da dieses Projekt jedoch dringend auf Ihr Mithilfe angewiesen ist, bitten wir Sie um ihre Unterstützung. Wir suchen für unsere Arbeit “Einzelschicksale des Zweiten Weltkrieges” jederzeit Fotografien, Tagebuchaufzeichnungen, Dokumente, Soldbücher und alles weitere. Anhand der daraus ermittelten Resultate wird dann jedes Schicksal auf diesen Seiten festgehalten.


Ich kann zu folgendem Schicksal Auskunft erteilen:

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    Wie lautet der Name des Soldaten?

    Wo wohnte Ihr Angehöriger?

    Welcher Waffengattung gehörte er an?

    Sind Unterlagen oder Dokumente vorhanden?
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    Im März 1945 wurde Rimbach zum Gerichtsort

    Im März 1945 wurde Rimbach zum Gerichtsort

     

    Als die Amerikaner am 7. März 1945 die Ludendorffbrücke in Remagen eroberten, besiegelte sich hierdurch das Schicksal für vier deutsche Offiziere. Das waren die Majore Scheller, Kraft und Strobel, der Hauptmann Bratge und Oberleutnant Peters. Sie alle wurden in Rimbach und Oberirsen durch ein Exekutionskommando standrechtlich erschossen. Zwei der Soldaten nach Urteilsverkündigung in Rimbach, die beiden anderen in Oberirsen.

    Die Verhandlungen gegen die Soldaten wurden in Rimbach und in Oberirsen durchgeführt. Leiter war Generalmajor Rudolf Hübner, der das sogenannte „Fliegendem Standgericht West“ als Oberster Richter führte. Hübner hatte hierzu von Hitler persönlich Vollmachten und Freiheiten erhalten, wie es sie in der Kriegsgeschichte noch nie gegeben hatte. Die Beisitzer während der Kriegsgerichtsverhandlungen waren Oberstleutnant Anton Ehrnsperger und Oberstleutnant Paul Penth, alle drei Männer waren überzeugte Nationalsozialisten.

    Die Ludendorff-Brücke in Remagen. Hier steht sie noch unbeschädigt.

    Die Ludendorff-Brücke in Remagen.
    Hier steht sie noch unbeschädigt.

     Am 11. März 1945 kamen sie in Rimbach im Westerwald an, wo sich auch das Hauptquartier der Heeresgruppe B befand. Nach kurzer Besprechung der Kommandeure untereinander wurden Schuldige gesucht, die man nach einigen Hin- und Her auch schnell gefunden hatte. Die beschuldigten Offiziere waren die eingangs erwähnten fünf Offiziere. Für die Verhandlungen der nächsten Tage erhielten sie keine Verteidiger, ihnen standen nur wenige Minuten zur Verfügung, in denen sie sich zur Lage äußern konnten und ihre Unschuld beweisen sollten. Das war natürlich zwecklos. Dadurch, dass die Brücke von Remagen nicht im Explosionsknall untergegangen war, warf man den beschuldigten Offizieren Feigheit vor dem Feind, Dienstpflichtverletzungen und Versagen vor. Die Verhandlungen dauerten lediglich bis zum 14. März 1945, in deren Verlauf wurden die Majore Hans Scheller, August Kraft und Herbert Strobel, Hauptmann Bratge und Oberleutnant Peters zum Tod durch Erschießen verurteilt. Die Urteile gegen vier dieser Soldaten wurden unmittelbar nach der Verkündigung durch Erschießen vollstreckt, das Urteil gegen Bratge konnte nicht vollstreckt werden, da er sich zu jenem Zeitpunkt bereits in alliierter Kriegsgefangenschaft befunden hatte. Lediglich Hauptmann Friesenhahn wurde durch das Fliegende Standgericht West freigesprochen. Heute bestehen keinerlei Zweifel daran, dass die Offiziere der Remagener Brücke unschuldig hingerichtet wurden.

    Zeitungsbericht vom 17. März 1945 mit der Verkündung der Hinrichtungen.

    Zeitungsbericht vom 17. März 1945 mit der Verkündung der Hinrichtungen.

    Hans Scheller. Im März 1945 unschuldig hingerichtet.

    Major Hans Scheller.
    Im März 1945 unschuldig hingerichtet.

     

    August Kraft, Im März 1945 unschuldig hingerichtet.

    Major August Kraft.
    Im März 1945 unschuldig hingerichtet.

     

    Major Herbert Strobel. Im März 1945 unschuldig hingerichtet.

    Major Herbert Strobel.
    Im März 1945 unschuldig hingerichtet.

     

    Oberleutnant Karl Heinz Peters. Im März 1945 unschuldig hingerichtet.

    Oberleutnant Karl Heinz Peters.
    Im März 1945 unschuldig hingerichtet.

     

    Hauptmann Willi Bratge. Im März 1945 zum Tode verurteilt. Da er sich in Gefangenschaft befunden hatte, konnte das Urteil nicht vollstreckt werden.

    Hauptmann Willi Bratge.
    Im März 1945 zum Tode verurteilt. Da er sich in Gefangenschaft befunden hatte, konnte das Urteil nicht vollstreckt werden.

    Die am 15. Februar 1945 erlassene Verordnung für Standgerichte ermöglichte nun auch ein Aburteilen von Zivilpersonen, die die "deutsche Kampfkraft und Kampfentschlossenheit gefährden würden". Somit befand sich jeder in Lebensgefahr, der deutsche Soldaten zum Schlussmachen überreden wollte.

    Die am 15. Februar 1945 erlassene Verordnung für Standgerichte ermöglichte nun auch ein Aburteilen von Zivilpersonen, die die “deutsche Kampfkraft und Kampfentschlossenheit gefährden würden”. Somit befand sich jeder in Lebensgefahr, der deutsche Soldaten zum Schlussmachen überreden wollte.