Das Vermisstenschicksal des Heinrich Molter

Heinrich Molter wurde am 1. Dezember 1914 in Rodenbach geboren. Seit Sommer 1943 wurde er im Feldersatzbataillon 131 der 131. Infanteriedivision eingesetzt. 1943 befand sich die Division im Raum Kirow und war dort an den Abwehrkämpfen in der Linie Kirow – Jakomowo – Bjeloy beteiligt. In folge der schweren Verluste wurde Anfang Februar 1943 das Grenadierregiment 432 aufgelöst und die Division musste sich unter stetigem russischen Druck über die Desna zurückziehen, wo noch einmal für kurze Zeit die Stellung behauptet werden konnte. Molter wird seit Ende 1943 im Osten vermisst. Seime letzte Nachricht kam aus Gribuny.

Im Oktober 1943 wurde die 131. ID in schwere Gefechte verwickelt, wobei sie während der Stellungskämpfen am Pronja erneut stark angeschlagen wurde. Besonders schwer wurde die Div. während eines russischen Großangriffes am 25. Oktober getroffen. Der linke Flügel der 9. Armee wurde durch 11 russischen Schützendivisionen angegriffen, ihnen standen die bereits angeschlagenen 267.-, 260.- und 131. ID gegenüber. Innerhalb weniger Stunden waren russische Kräfte über den Pronja hinweg an 7 Stellen in die deutschen Linien eingebrochen. Zwar konnten die Einbrüche abgeriegelt und an einigen Stellen der Gegner wieder über die alte HKL zurückgeworfen werden, doch wurden hierbei die letzten örtlich verfügbaren Reserven verbraucht.

Die Einbruchstellen bei der 131. ID bei Rabowitschl – Uluki und am linken Flügel ostwärts Tschaussy konnten eingeengt und abgeriegelt werden. Der Beginn des Stellungskrieges am Pronja-Abschnitt hatte damit begonnen, am 28. November brach der Gegner in die stark geschwächte Front der Division beiderseits Wyssokoje tief in die HKL ein und schnitt größere Teile der in Front liegenden Infanterie ab.

Das KTB 312-229 der Führungsabteilung der 4. Armee hält auf Seite 745 fest: „Die Lage ist für die Armee augenblicklich deswegen so schwierig, weil die Hälfte der Stellungstruppen bei den nicht angegriffenen Korps aus Alarmeinheiten besteht… Ein Austausch von Bataillonen gegen abgekämpfte Bataillone der Hauptangriffsfront verbietet sich, weil die abgekämpften Bataillone viel zu schwach sind um die breiten Abschnitte zu übernehmen. Der Verbrauch der eigenen Kräfte ist außerordentlich groß. Er erklärt sich aus der Materialschlacht, in der die Armee nun seit Wochen steht. Die Front ist schwer belastet und er (OB der Armee) könne nicht garantieren, dass sie weiter bei starken Angriffen hält. Obendrein sollen jetzt noch zwei Bau-Bataillone abgegeben werden, die für Stellungsbau hinter den bedrohten Fronten dringend gebraucht werden. Ferner bittet er um Ersatz und Genesene, weil die Verluste überall groß sind.“

Infolge ging der Pronja-Abschnitt verloren.

Zwischen dem 21. und 30. November betragen die Verluste der Division 9 Offiziere und 390 Mannschaften.

KTB-Eintrag, 29. November 1943:

“Obwohl der Feind seinen Vormarsch nach Nordwesten nicht fortsetzte, brachten doch die russischen Angriffe gegen den Westflügel der 9. Armee nördlich der Beresina schwere Krisen. Der Feind drückte die eigene Front nach Norden und Westen weiter zurück und nahm Streschin.

Der Abwehrkampf wurde von der Luftwaffe erfolgreich unterstützt. Gegen die Front des XXIII. AK. schloss der Feind auf und führte hier ebenso wie beim LV. AK. eine Reihe von örtlichen Angriffen, die in harten Kämpfen abgewiesen werden konnten. Die Absetzbewegung auf den inneren Flügeln des XXIII. und LVAK. verlief planmäßig.

Während an der nach Südwesten gerichteten Front des XXXXI. Pz.Korps starke und unaufhörlich wiederholte Angriffe überlegener Feindkräfte abgewiesen werden konnten und Im Gegenangriff sogar die Lücke zwischen 95. und 250. ID . südlich Dabusha weiter eingeengt wurde, erzielte der Feind In der Einbruchstelle bei der 131. ID weiteren Geländegewinn nach Westen. Immerhin konnten Lapeni und Jegorowka gehalten werden. Angesichts des Fehlens von Reserven blieb die Lage In diesem Frontabschnitt besonders gespannt.”

Am 10. Dezember ist die Division dem XXIII. Armeekorps unterstellt.

Zwischen dem 18. August und 31. Dezember verliert die Div. drei Bataillonskommandeure, im gleichen Zeitraum wird ein Ritterkreuz verliehen (an Major i.G. Brecht, Ib der Div.). und die Division wurde im Januar 1944 in den Raum Witebsk verlegt, wo südöstlich von Witebsk der Lutschessa verteidigt werden sollte.

Ralf Anton Schäfer
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