Nebelkörper der Wehrmacht

Besonders während der letzten beiden Kriegsjahre wurde die direkte Panzerabwehr immer weiter auf die Schultern der in der vorderen Linie eingesetzten Grenadiere ausgelagert. Hierdurch versuchte man die Fehlbestände an schweren Panzerabwehrwaffen zu komprimieren. Drohten feindliche Panzer durch die deutschen Linien durchzubrechen, oblag es oft der Infanterie, diese Panzer aufzuhalten. Panzerjagdkommandos hatten den Auftrag, feindliche Panzer durch den gezielten Einsatz von PaK (Panzerabwehrkanonen), Minen und Panzerfäuste auszuschalten. Dabei kam es oft zur direkten Konfrontation zwischen Mann und Panzer. Besonders Panzerfaust und Panzerschreck (Panzerbüchse 54) wurden ihrem Ruf gerecht, feindliche Panzerfahrzeuge wirksam bekämpfen zu können – sofern sich die Waffe in der Hand eines mutigen Soldaten befand.

Blenden

Näherten sich feindliche Panzer auf eine Entfernung von weniger als 100 Metern, konnten sie schnell zur wehrlosen Beute für eine gut getarnte Grenadiergruppe werden, die mit Tellerminen, Panzerfäusten und automatischen Waffen das Ende für ganze Panzerverbände bedeuten konnten. Aber Mut allein war keine Waffe und so mussten die Grenadiere die feindlichen Panzer zu aller erst zum Halten zwingen und ihn von der Begleitinfanterie trennen. War das geschehen, konnte der Versuch unternommen werden, den Panzer auszuschalten.

Dann musste ihm die Sicht genommen werden, hierzu kamen chemische Blend- und Nebelkörper zum Einsatz. Besonders wenn der erzeugte Nebel in den Kampfraum des Panzers eindringen konnte, war es mit etwas Glück möglich, feindliche Panzerkampfwagen unzerstört zu erobern, da die Besatzung durch die starke Reizwirkung zur Aufgabe des Panzers gezwungen wurde.

Die hierfür eingesetzten Nebelkörper glichen zu Beginn des Krieges noch im wesentlichen Aufbau der Stielhandgranate 24. Im September 1939 verfügte das deutsche Heer über rund 65.000 Stück Nebelhandgranaten 39; bis zum Endes des Zweiten Weltkrieges wurden rund 7,4 Mio. Stück hergestellt.

Der nachfolgende Artikel befasst sich ausschließlich mit den Handgranaten, die als Nebelwaffen eingesetzt wurden und klammert bewusst die Nebeltöpfe- und Kerzen aus, da diese zum Teil mit unterschiedlichen Nebelstoffen gefüllt waren.

Deutsche Panzergrenadiere in Italien - Bewaffnet mit Panzerschreck, MP40 und einer Nebelhandgranate 39. Fotos Bundesarchiv: Bild 101I-313-1003-16A / Vack /

Deutsche Panzergrenadiere in Italien – Bewaffnet mit Panzerschreck, MP40 und einer Nebelhandgranate 39. Fotos Bundesarchiv: Bild 101I-313-1003-16A / Vack /

Nebelhandgranate 39 und 39B

Die Nebelhandgranate 39 besaß eine rund 420 Gramm schwere Wirkladung aus Hexachlorethan (C2Cl6) und Zinkpulver, die mittels Abreißzünder (Brennzünder 39 Nebel) und Zündkapsel (Zündladung Nr.4) zum Abbrand gebracht wurde. Die Verzögerung lag je nach verwendeten Zündern bei 4.5 Sekunden bzw. bei max. 7 Sekunden. Wenig später wurde die Nebelhandgranate 39 B eingeführt, diese war baugleich also absolut identisch, unterschied sich nur durch ein verändertes Mischungsverhältnis der beiden Hauptbestandteile der Nebelmasse, diese beliefen sich fortan auf 47 Teile Zink zu 53 Teilen Hexachlorethan. Ab 1942 kamen neben der bislang bewährten Mischung zunehmend auch Mischungen von 80 Teilen Hexachlorethan und 20 Teilen Aluminiumpulver zum Einsatz. Hierdurch erhielt der Nebel eine grauere Grundfärbung. Auf die Brenndauer hatte die neue Mischung keinen Einfluss, die Nebelbildung betrug immer noch etwa zwei Minuten.

Sowohl bei der Nebelhandgranate 39 als auch bei dem Nachfolgemodel 41 finden sich acht, selten auch neun, Ausgasungslöcher für den Nebel rings um den Bereich wo der Zünder in den Nebelkörper eingebracht ist. Der Stiel der Nebelhandgranate 39 besitzt mittig einen etwa 2 cm breiten weißen Farbstreifen und am Griffende wurde ab Ausführung 39B eine Riffelung angebracht, damit ein besonderes Unterscheidungsmerkmal bei Dunkelheit zur Stielhandgranate 24 hergestellt werden konnte. Das Wurfgewicht der Nebelhandgranate 39 liegt bei rund 850 Gramm.

Darstellung der Nebelhandgranate 39B - besonders Markant: Das geriffelte Stielende zur Unterscheidung von der Stielhandgranate 24. Abbildung aus Heeresdienstvorschrift 211.

Darstellung der Nebelhandgranate 39B – besonders Markant: Das geriffelte Stielende zur Unterscheidung von der Stielhandgranate 24. Abbildung aus Heeresdienstvorschrift 211.

Stielhandgranate 24 - Handgranate mit Sprengwirkung - daher musste dringend ein Unterscheidungsmerkmal geschaffen werden. Abbildung: "Allied Technical Intelligence Reports 1944-45" German Grenades, Nationalarchiv Washington, USA

Stielhandgranate 24 – Handgranate mit Sprengwirkung – daher musste dringend ein Unterscheidungsmerkmal geschaffen werden. Abbildung: “Allied Technical Intelligence Reports 1944-45” German Grenades, Nationalarchiv Washington, USA

Nebelhandgranate 41

1941 wurde mit der Nebelhandgranate 41 das Nachfolgemodel eingeführt, ohne aber das Standardmodell abzulösen. Nahezu identisch im Aufbau, allerdings ohne den typischen Stiel, doch dafür mit dem Zündschnuranzünder 39 versehen, fasste der Nebelkörper bei einer Abmessung von 66 x 73 mm rund 450 Gramm der gleichen Mischung. Das Gesamtgewicht betrug rund 530 Gramm. Obgleich die Wirkladung um rund 30 Gramm erhöht worden war, betrug die reine Brenndauer lediglich 100 – 120 Sekunden und lag damit sogar im Schnitt unter der Brenndauer des Schwestermodels.

Abbildung der Nebelhandgranate 41 - ohne eingeschraubten Zünder. Abbildung: Heeresdienstvorschrift 1103 / Heft 1, Nebelmittel, Beschreibung und Bedienungsanleitung

Nebelhandgranate 41 – ohne eingeschraubten Zünder. Abbildung: Heeresdienstvorschrift 1103 / Heft 1, Nebelmittel, Beschreibung und Bedienungsanleitung

Nebeleihandgranate 42

Im Sommer 1943 stellten Ingenieure in der Heeresversuchsstelle Munster-Nord die Nebeleihandgranate 42 vor. Optisch zwar eine Neuerung, arbeitete das neue Baumuster immer noch nach dem altbekannten Prinzip. Ein ovaler Metallkörper, der aus einer oberen und unteren Halbschale bestand. Am oberen Ende war der Abreißzünder untergebracht, der Zündschnuranzünder 29 bzw. 39. Zudem fanden sich in der oberen Hälfte drei Öffnungen, die dem Austritt des Nebels dienten. Die Nebelladung befand sich in der unteren Hälfte. Ebenfalls am unteren Ende war eine Öse zum einfachen Transport der Granate angebracht. Die Länge inkl. Zünder betrug 135 mm, der Durchmesser lag bei 60 mm. Das Nebel-Ei 42 wog 280 Gramm, wovon 170 Gramm auf die Füllung entfielen. Ein großer Vorteil dieser Nebelhandgranate lag darin, dass sie sich mittels Leuchtpistole und dem Adapter für den Wurfkörper 361 nun auch anstelle der Eierhandgranate 39 auf größere Entfernung verschießen ließ.

Seit Oktober 1943 lief die Massenproduktion an und bis zum Kriegsende waren knapp 1,8 Mio. Stück an die Truppe ausgeliefert worden.

Nebeleihandgranate 42 - Foto "Allied Technical Intelligence Reports 1944-45" - Report No. 54, Nationalarchiv Washington, USA

Nebeleihandgranate 42 – Foto “Allied Technical Intelligence Reports 1944-45” – Report No. 54, Nationalarchiv Washington, USA

Gemeinsame Merkmale

Alle drei Modelle besaßen ein unterbrochenes, etwa 1 cm breites weißes Band quer über den Steingrau, zum Teil auch grün lackierten Körper, dazu die mit Tintenstempel aufgebrachte Typenbezeichnungen. Bei jeweils der Nebelhandgranate 39 und 41 waren auf dem Topf Aufkleber aufgebracht mit dem Warnhinweis „Lebensgefahr bei Verwendung in geschlossenen Räumen“, ein entsprechender Warnhinweis fand sich bei der Nebelhandgranate 42 am unteren Ende, konnte aber auch komplett fehlen. Um die Nebelhandgranate 39 auch während der Dunkelheit sicher von der Stielhandgranate 24 unterscheiden zu könne, war hier der Stiel am unteren Ende mit Kerben versehen.

Bei allen Modellen musste größtes Augenmerk darauf gelegt werden, dass nicht versehentlich die Sprengkapsel Nummer 8 (zur Verwendung z.B. in der Stielhandgranate) eingesetzt wurde.

In sämtlichen Ausführungen der Nebel(Hand)granaten war die Nebelmischung in Wachspapier eingelassen und mit einem zusätzlichem Deckel aus Wachpapier zum Zünder hin abgedichtet.

Abbrand und Toxikologie

Nach der Zündung kommt es zum Abbrand der eingebrachten Mischung, wobei das Zinkpulver unter der Bildung von gasförmigen Zinkchlorid (ZnCl2) das Hexachlorethan zersetzt. Da Zinkchlorid höchst hygroskopisch ist, zieht es Feuchtigkeit aus der Umgebungsluft, wobei es zur Bildung des typischen dichten weißen Nebel kommt.

Bereits die freigesetzten Stoffe des Hexachlorethan wirken Leberschädigend und können darüber hinaus eine narkotisierende Wirkung haben. Da allerdings der Abbrand gemeinsam mit Zinkpulver und zum Teil anderen Metallen wie Aluminium bzw. Magnesium erfolgt, kann es zur Freisetzung von polychlorierten Dibenzodioxinen kommen, den besser bekannten Dioxinen.

Der freigesetzte Nebel besitz einen brennenden Geschmack und wirkt stark ätzend. Erst 1991 wurde im Zuge von wissenschaftlichen Untersuchungen festgestellt, dass gerade die Entstehungsprodukte im Abbrand gemeinsam mit Zinkchlorid besonders gefährlich waren und zu schweren pathologische Lungenverletzungen führen können, die unter Umständen zum Tod durch Lungenödem führen.  ZnCl2 ist stark ätzend und adstringierend, das heißt Eiweißfällend, wodurch es zur Austrocknung und bei wiederholter Aufnahme zur dauerhaften Schädigung von Schleimhäuten kommen kann. Zudem führt der Nebel zu Verbrennungserscheinungen auf feuchten Körperoberflächen, einschließlich der Atemwege und des Magen-Darm-Trakts. Darüber hinaus wurde berichtet, dass es die Nervenenden in den oberen Atemwegen und der Augen schädigt, was zur nachhaltigen Schädigung des Geruchssinns und der Sehleistung führen kann. “

Da Hexachlorethan wasserunlöslich ist, ist die Gefährdung auch nach mehr als 70 Jahren nach Kriegsende uneingeschränkt hoch. Zink in reiner Pulverform ist ein sich selbst entzündbarer, pyrophorer Stoff, der sich bereits bei Raumtemperatur an der Luft ohne weitere Energiezufuhr erhitzen und schließlich entzünden kann. Diese Eigenzündfähigkeit hängt ab von der Reinheit und der Korngröße des Pulvers. Bei Kontakt mit Wasser bilden sich Gase, die sich spontan entzünden können.

Ausbildung der Panzer-Nahbekämpfung am fahrenden Modell. Nachdem die Nebelhandgranaten an der Panzerfront angebracht wurde, muss der Soldat die Sprengladung anbringen. Der graue Rauch deutet darauf hin, das hier eine Nebelmischung mit Aluminiumanteil verwendet wurde.

Ausbildung der Panzer-Nahbekämpfung am fahrenden Modell. Nachdem die Nebelhandgranaten an der Panzerfront angebracht wurde, muss der Soldat die Sprengladung anbringen. Der graue Rauch deutet darauf hin, das hier eine Nebelmischung mit Aluminiumanteil verwendet wurde. Bild: Bundesarchiv, Bildnummer 183-J08362

Quellenangaben:

  1. Heeresdienstvorschrift 469/4, Panzernahbekämpfung, Oberkommando des Heeres, 1942
  2. Heeresdienstvorschrift 211, Oberkommando des Heeres, ohne Jahrgang
  3. Allied Technical Intelligence Reports 1944-45″, Nationalarchiv Washington, USA
  4. Enemy Ordnance Material, German, 1945, United States Army, USA
  5. Catalog of German Ordnance and Equipment, Mines, Grenades, Ammunition, Aberdeen Proving Ground, Maryland
  6. Waffen-Arsenal – Panzerabwehrgeschütze. 3,7 cm – 5,0 cm – 7,5 cm – 8,8 cm – Pak. Band 117, Podzun-Pallas Verlag, ISBN 3-7909-0360-4
  7. Waffen-Arsenal – Deutsche Handgranaten 1914-1945, Band 175, Wolfgang Fleischer, Podzun-Pallas Verlag, ISBN 3-7909-0631-x
  8. Deutsche Nahkampfmittel bis 1945, Hubert Fleischer und Hubert Jülch, Motorbuch-Verlag, ISBN 978-3613025875
  9. “Toxicity of Military smokes and obscurants, Volume I”, 1997, Committee on Toxicity, Subcommittee on the Assessment of Military Smokes and Obscurants, National Research Council, National Academy Press, Washington, USA,
  10. Wikipedia-Beitrag zu Zinkchlorid
  11. Wikipedia-Beitrag zu Hexachlorethan
  12. Wikipedia-Beitrag zu Zink
Schematischer Aufbau eines Abreiszünders

Schematischer Aufbau eines Abreißzünders.

 

Größter Bombenfund in Augsburg seit Ende des Zweiten Weltkrieges

Zwischen dem 17. August 1940  und dem Kriegsende 1945 wurde Augsburg mehrfach durch britische und amerikanische Luftangriffe heimgesucht. Während bei dem ersten Angriff im Sommer 1940 lediglich sechs Sprengbomben niedergingen, sollte die Stadt im Frühjahr 1944 bei einem Großangriff, der als Flächenbombardement auf Augsburg herabregnete, in einem Flammenmeer untergehen.

Die Nacht vom 25. zum 26. Februar 1944 brachte den größten Luftangriff, den die Stadt erleben würde. Der Angriff galt den Messerschmitt-Werken und dem Hauptbahnhof; große Teile der Augsburger Innenstadt wurden zerstört. In zwei Wellen stürzten seit 14 Uhr des 25. Februars zuerst rund 200 amerikanische Flugzeuge auf Augsburg nieder. Sie brachten 370 Tonnen Sprengbomben und 134 Tonnen Brandmittel zum Einsatz. Während der folgenden Nacht stieß die zweite Welle auf die Stadt nieder. Bei der so genannten “Bombennacht” warfen britische und amerikanische Flugzeuge 250.000 Stabbrandbomben, 45.000 Phosphorkanister, 12.000 Flüssigkeitsbomben und 240 Sprengbomben ab. Über eine Stunde lang dauerte der Angriff in der Nacht, erst dann kehrte eine gewisse Art von Stille ein. Wer aus Keller oder Luftschutzbunker herauskam, dem bot sich ein Bild des Schreckens. Brände überall. Das historische Augsburg war ausgelöscht worden.

Der 25./26. Februar 1944 kostete 730 Menschenleben, dazu wurden weitere 1.335 Personen verletzt. Rund 85.000 Augsburger verloren ihr Hab und Gut und wurden obdachlos, beinahe ein Viertel aller Wohnungen waren ein Opfer der Flammen.

Bei minus 18 ° Celsius waren die Löscharbeiten der 246 Großbrände und weiterer 820 kleinere Brände durch zugefrorene Hydranten extrem erschwert. Viele Wasserleitungen waren durch die Bomben zerfetzt. Auf einigen Dachstühlen kam es immer wieder zu Detonationen von Stabbrandbomben, die über einen Sprengsatz verfügten, welcher die Löscharbeiten behindern sollte. Die Brände wüteten vor allen Dingen in der Innenstadt.

Die, die damals dabei waren, werden es niemals vergessen. Den Geruch, den Rauch, den Lärm, die Angst! Heute und zum ersten Weihnachtstag kehrt die Angst wieder zurück! Wenn etwa 32.000 Haushalte evakuiert werden müssen, da Gestern während Bauarbeiten in der Jakoberstraße in Augsburg ein britischer Bombenblindgänger gefunden wurde. 32.000 Haushalte stehen für rund 54.000 Menschen, denen wenigstens der erste Weihnachtsfeiertag nun ordentlich vermiest wird. Sie müssen raus aus ihren Häusern und den Wohnungen. Von der Evakuierung, die sicherlich zu den größten Bundesweit gehört, sind Senioren- und Studentenheime betroffen und Patienten des Vinzentinums müssen in Sicherheit gebracht werden. Ein Sicherheitsbereich von 1.500 Metern rund um die Bombe wird für die Entschärfung benötigt, in diesem Sicherheitsbereich befinden sich dann nur noch der bzw. die Mitarbeiter des Munitionsbergungsdienstes und die Bombe.

Offizielle Stimmen

Während der Pressekonferenz wurde bestätigt, dass es sich um einen Bombenblindgänger von 3600 Kilogramm Gewicht handelt. Oberbürgermeister Kurt Gribl betonte im Anschluss, dass man sich in einer “außergewöhnliche Lage” befindet, dennoch besteht kein Grund zur Panik. Obwohl der Blindgänger die größte Fliegerbombe ist, die je in der Nachkriegszeit in Augsburg gefunden wurde, so ist sie bei den geschulten Feuerwerkern des Landes Bayern in guten Händen. Das Land Bayern unterhält im Auftrag des bayrischen Innenministeriums zwei Räumdienste, welche aufgefundene Kampfmittel kostenfrei unschädlich macht und beseitigt.

Britische Soldaten beladen eine Avro-Lancaster mit einer 8.000 lb HC Bombe. Foto: CH 10941, Imperial War Museums.

Britische Soldaten beladen eine Avro-Lancaster mit einer 8.000 lb HC Bombe. Foto: CH 10941, Imperial War Museum, London.

Der Blindgänger – eine so genannte 8000 Lb High Capacity Bomb Mk I-II

8000 Lb entsprechen rund 3600 Kilogramm. Bei dem Bombentyp handelt es sich um eine Luftmine, die ganze Häuser(zeilen) verwüsten kann. Schlug die Bombe auf, kam es unvermittelt zur oberflächennahen Zündung, ein Krater oder ein Bombentrichter entstand höchst selten. Durch den extrem hohen Detonationsdruck zerbarsten sämtliche Fenster und ganze Dächer wurden abgedeckt, Zimmerwände konnten eingedrückt werden. Die um ein vielfach stärkere Druckwelle im Gegensatz zu regulären Sprengbomben zerstörte im Umkreis von ca. 100 Metern jedes Gebäude; bei Detonation in freiem Gelände riss die Druckwelle in einer Entfernung von 1000 Metern Türen heraus und Fensterscheiben zersplitterten noch in etwa 2000 Metern Entfernung. Die Trümmer machten ganze Straßenverläufe unpassierbar, den Opfern ließ die Druckwelle die Lunge platzen. Die herbeigeführten Zerstörungen waren Basis für die Abwürfe der nachfolgenden Flugzeuge, die meist kleinere Spreng- und Brandbomben mitführten. Die fehlenden Dächer und Fenster führen zu einer Sogwirkung, wie es bei einem Kamin der Fall ist; wodurch beste Vorrausetzungen geschaffen wurden, um noch größere Verwüstungen durch die Brandbomben herbeizuführen.

Vom Bombentyp 8000-lb HC Mk I-II wurden zwischen 1942 und 1945 insgesamt rund 1150 Stück zum Einsatz gebracht. Die Länge über alles beträgt knapp 340 cm, wovon auf den reinen Sprengkörper 241 cm entfallen. Der Durchmesser beträgt etwa 96 cm. Das Füllgewicht des Sprengstoffes beträgt entweder 2.430 Kilogramm Amatex 9 oder 2.650 Kg Torpex II. Die drei Zünder sind am vorderen Ende der Bombe verbaut und sprechen auf Druck an, es sind so genannte Aufschlagzünder vom Typ Pistol No. 27, 42 oder 44.

Die Bombe wurde durch Flieger des Types „Lancaster“ abgeworfen.

Aufbau der Bombe mit Angabe zu Farbmarkierungen und weiteren Details. Quelle: British Bombs and Pyrotechnics 1944, Ammunition Manuals , US Army. National Archives, Washington DC.

Aufbau der Bombe mit Angabe zu Farbmarkierungen und weiteren Details. Quelle: British Bombs and Pyrotechnics 1944, Ammunition Manuals , US Army. National Archives, Washington DC.

 

Ladeschema: 1 x 8,000 lbs HC und bis zu 6 Stück 500 lbs Sprengbomben mit Aufschlag- oder Verzögerungszünder.

 

Wortlaut des Gefechtsberichtes des Royal Air Force Bomber Command für den 25./26. Februar 1944. Quelle National Archives, London.

Wortlaut des Gefechtsberichts des Royal Air Force Bomber Command für den 25./26. Februar 1944. Quelle National Archives, London.

Kampfmittel und die Räumdienststellen

Kampfmittel- und Kampfmittelräumdienst

Unter Kampfmitteln versteht man sämtliche zur Kriegsführung bestimmte Munition, insbesondere Bomben, Granaten oder sonstige Munition. Dabei muss es sich nicht zwangsläufig um Explosivmunition handeln, sondern fällt auch Munition unter diese Klassifizierung, die Kampf-, Nebel-, Brand-, Reiz- oder Rauchstoffe bzw. Licht und Blitzsätze enthalten. Falls Sie Gegenstände finden, bei denen es sich um Kampfmittel handeln könnte, sind sie verpflichtet, dies unverzüglich zu melden. Halten Sie Abstand zu dem Fund, um sich oder andere Personen nicht zu gefährden. Informieren Sie unverzüglich die Polizei oder die Ordnungsbehörde der Kommune.

Selbst mehr als 70 Jahre nach Kriegsende werden täglich noch immer zahlreiche Bombenblindgänger und nicht detonierte Kampfmittel gefunden. Allein im Jahr 2015 hat der Kampfmittelräumdienst des Landes Rheinland-Pfalz rund 30 Tonnen Munition und Munitionsteile geborgen, darunter befanden sich 49 Bomben,  3700 Artilleriegranaten, 97 Panzerfäuste,  254 Handgranaten und 147 Stabbrandbomben; ein schnelles Ende ist nicht in Sicht.

Das Merkblatt “Kampfmittelfreies Bauen” hält fest, dass es im Jahr durchschnittlich zu 2 Selbstdetonationen von Bomben kommt, jedes Jahr werden im Regelfall in Deutschland rund 5.000 Bombenblindgänger aufgefunden, allein über Deutschland wurden während des Zweiten Weltkrieges 1,4 Mio Tonnen Bomben abgeworfen, dabei kam es je nach Munitionstyp zu schätzungsweise 5-25 % Blindgänger. Nach aktuellen Schätzungen muss man davon ausgehen, dass sich bundesweit noch ca. 100.000 Tonnen Bombenblindgänger im Boden befinden, dazu kommen unzählige Hinterlassenschaften in Form von Minen, Panzer-, Artillerie- bzw. sonstiger Infanteriemunition, die auf den Schlachtfeldern zurückgeblieben ist bzw. unmittelbar nach Kriegsende vergraben oder zum Teil in Seen und Flüssen versenkt wurde. Aufgrund diverser Eigenschaften wie z.B. dem Verbau von vorgespannten Zündsystemen bzw. der Verwendung von Langzeitzündern oder durch instabil werdende chemische Stoffe geht eine zusätzliche latente Gefährdung durch diese Kampfmittel aus.

Blindgänger einer Fliegerbombe. Foto aus der verlinkten Broschüre.

Blindgänger einer Fliegerbombe. Foto der oben verlinkten Broschüre “Kampfmittelfreies Bauen” entnommen.

Diese Kampfmittel besitzen ein erhebliches Gefährdungspotenzial und falls Sie entsprechende Gegenstände auffinden, bei denen es sich um Kampfmittel handelt könnte, dann halten Sie bitte unbedingt Abstand und informieren das zuständige Ordnungsamt oder die Polizei. Darüberhinaus haben Sie die Möglichkeit, den Kampfmittelräumdienst selbst zu kontaktieren.


Kostenfrage eines Räumeinsatzes

Die Beseitigung der Kampfmittel und sonstiger Fundmunition beider Weltkriege ist eine Aufgabe der Gefahrenabwehr im Rahmen des Polizei- und Ordnungsbehördengesetzes des Landes Rheinland-Pfalz (POG). In anderen Bundesländer kann die Situation zum Teil gravieren anders aussehen. Die Vorgabe des Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) in Rheinland-Pfalz gibt in der “Arbeitshilfe Kampfmittel” eindeutig an:

Der Schutz der Bevölkerung vor Gefahren, die von Kampfmitteln ausgeht, hat in Rheinland-Pfalz eine hohe Priorität. Daher werden die Kosten des Kampfmittelräumdienstes vom Land Rheinland-Pfalz getragen und dessen Leistungen sind für die betroffenen Grundstückseigentümer kostenfrei.

Organisatorisch gehört der Kampfmittelräumdienst zum Referat 23 Ordnungswesen, Hoheitsangelegenheiten, Lohnstelle ausländische Streitkräfte. Er besteht aus einer Leit- und Koordinierungsstelle in Koblenz, die von dem technischen Leiter geführt wird, und zwei Räumgruppen in Koblenz und in Worms. Die Zuständigkeit des Kampfmittelräumdienstes ist auf die zur Abwehr konkreter Gefahren unmittelbar erforderlichen Maßnahmen beschränkt. Aufgefundene Kampfmittel werden vom Kampfmittelräumdienst identifiziert, ggf. entschärft, abtransportiert und vernichtet.

Erfolgen Anfragen ohne konkreten Gefahrenhintergrund bzw. gibt es keine tatsächlichen Hinweise auf Kampfmittel (u.a. durch verbindliche Zeugenaussagen, historische Aufzeichnungen) kann der Kampfmittelräumdienst mangels gefahrenrechtlicher Anknüpfungspunkte nach Polizei- und Ordnungsbehördengesetz (POG) nicht weiter tätig werden. Für diese Fälle wird auf die Möglichkeit der Beauftragung einer Überprüfung durch geeignete private Fachunternehmen (kostenpflichtig) verwiesen.

Mangels konkretem Gefahrenverdacht gehört es auch nicht zu den Aufgaben des Kampfmittelräumdienstes, die Kampfmittelbelastung bzw. -freiheit von Grundstücken im Vorfeld von Baumaßnahmen zu beurteilen oder zu bescheinigen. Für grundstücksbezogene historische Recherchen und Bewertungen wird auf die Möglichkeit der Beauftragung eines privaten Fachunternehmens mit der Luftbildauswertung (kostenpflichtig) verwiesen.


Minenräumkommando der Wehrmacht während der Ausbildung am Minensuchgerät "MSGer 40 Aachen". Nach dem Zweiten Weltkrieg werden viele dieser Soldaten in den neu gebildeten Sprengkommandos ihren Anteil am Neubeginn und Wiederaufbau Deutschlands haben, in dem sie das erlernte zum Dienste des Gemeinwohls einsetzen. Unzählige dieser Männer werden dabei umkommen.

Minenräumkommando der Wehrmacht während der Ausbildung am Minensuchgerät “MSGer 40 Aachen”. Nach dem Zweiten Weltkrieg werden viele dieser Soldaten in den neu gebildeten Sprengkommandos ihren Anteil am Neubeginn und Wiederaufbau Deutschlands haben, in dem sie das erlernte zum Dienste des Gemeinwohls einsetzen. Unzählige dieser Männer werden dabei umkommen.


Definition

Blindgänger

  • Blindgänger sind Kampfmittel, die scharf, zündfertig, entsichert oder auf eine andere Weise zum Einsatz bereitgemacht und die verschossen, abgeworfen, katapultiert, geworfen oder verlegt wurden und die aufgrund eines Versagens oder gewollt oder aus sonstigen Gründen nicht zur Wirkung gelangten.

z.B.: Granatmunition, die nach dem Verschuss nicht zur Umsetzung gelangt ist, weil Anzündmittel, Zündmittel oder Wirkungsladung versagt haben.
z.B.: Zündsysteme von Fliegerbomben konnten beim Abwurf in mehreren Tausend Metern Höhe vereisen, so dass die Entsicherung des Zünders nicht funktionierte. Daneben verfügten die verschiedenen Bomben über Kopf- oder Heckzünder, schlug der Sprengkörper nun quer auf, wurde der Zündern nicht belastet und die Bombe drang als Blindgänger in den Boden ein.

Brandstoffe

  • Bei Brandstoffen handelt es sich um feste chemische Verbindungen, Flüssigkeiten oder Gemische, welche nach dem Zünden, entweder durch Selbst- oder Fremdzündung,  hohe Verbrennungstemperaturen entwickeln, lange brennen, an Oberflächen gut haften und sich nur schwer löschen lassen.

z.B.: Brandbomben- oder Flaschen; oder Granatmunition, die mit Brennsätzen wie Phosphor oder anderen brennbaren Substanzen versehen sind. Zudem auch Brandhandgranaten und der gleichen mehr.

Chemische Kampfstoffe

  • Als chemische Kampfstoffe werden nach militärischer Definition chemische Substanzen bezeichnet, die in gasförmigem, flüssigem oder festem Zustand wegen ihrer toxischen Wirkung gegen Menschen, Tiere oder Pflanzen für Kriegszwecke oder militärischen Einsatz verwendet werden können und die Kampfkraft des Gegners durch vorübergehende, dauerhaft wirkende oder tödliche Vergiftung schwächen sollen.

z.B.: gehört nicht allein die aus dem Ersten Weltkrieg bekannte Giftgasmunition zu den chemischen Kampfstoffen, darüber hinaus zählen z.B. auch Nebelstoffe, wie sie sie in Blendkörpern etc. eingesetzt wurden, zu den chemischen Kampfstoffen. Blendkörper wie die BK2H bestanden aus einem glühbirnenähnlichem Glaskörper, in welchem die chemischen Substanzen eingebracht waren. Nach dem Auftreffen auf einem Panzer kam es durch die Vermischung der Substanzen (Titantetrachlorid & Siliziumtetrachlorid  & Calciumchlorid) zu sofortigem stark reizendem Nebel.

Munition und Munitionsteile

  • Bei Munition handelt es sich um Gegenstände oder Teile davon, für die bestimmungsgemäße militärische Anwendung. Darunter fallen

Explosivstoffe
Patronen
Kartuschen
Gefechtsköpfe
Handgranaten
Minen
Bomben
Torpedos
Raketen

einschließlich der Treib- und Zündsätze und weiteren pyrotechnischen Erzeugnissen. Munition kann Brand-, Nebel-, Reizstoffe oder auch chemische Kampfstoffe enthalten.

Um Fundmunition handelt es sich um jeden aufgefundenen Gegenstand, der als Munition identifiziert wurde oder aber um Gegenstände, die auf Grund ihrer Form, Kennzeichnung, Fundort usw. zunächst als solche betrachtet werden müssen. Die Unterscheidung zu einem ungefährlichen Gegenstand darf nur von dazu befähigten Fachkräften erfolgen.

Sprengstoffe

  • Sprengstoffe altern nicht! Selbst Bruch- und Splitterteile davon besitzen noch Jahrzehnte später ihre explosiven Eigenschaften. Auch wenn die Sprengmittel bis dahin ungeschützt im Erdreich gelagert haben, wie es auf Sprengplätzen oft der Fall ist, verlieren sie nicht ihre Brisanz! Darüber hinaus sind Sprengstoffe hoch giftig. Beispiel: Trinitrotoluol, umgangssprachlich TNT, ist hochtoxisch. Seine giftigen Substanzen können bereits durch Berührung mit der bloßen Haut aufgenommen werden und sind stark blut- und leberschädigend, darüber hinaus ist TNT krebserregend und schädigt das menschliche Erbgut. Zitat der Bundesregierung auf eine Große Anfrage der Partei “Die Grünen” im April 1919:

“Bei Sprengstoffen werden in erster Linie Nitrokörper verwendet, wie zum Beispiel 2,4,6-Trinitrotuluol (TNT), Hexanitrodiphenylamin (HND), Trinitrokresole (TNK), Tetranitroanilin (Tetryl), Tetranitro-aphtalin (TNN), Ammoniumpikrat (EX’D), Hexogen (RDX) und Nitro-guadinin (Nigu). Die Kontaminationswirkung dieser Stoffe kann so groß sein, daß die Wasserlöslichkeit ausreicht, um Grundwasser stark zu kontaminieren. Eine besondere Gefährdung des Grundwassers stellen dabei die salzartigen Verbindungen wegen ihrer Wasserlöslichkeit dar

  • Sprengstoffe und Initialsprengstoffe (Übertragungsladungen bzw. Sprengkapseln) sind in der Regel chemisch relativ stabil, dennoch unterliegen sie den Umwelteinflüssen, wodurch es zu kristallinen Ausschwitzungen der chemischen Stoffe kommen kann. Dadurch steigt das Gefahrenpotential immens, denn bereits geringe Reib- und Wärmebelastung dieser Kristalle können zu der vollständigen Umsetzung der Sprengstoffe führen. Viele schwere Unfälle mit alter Kriegsmunition resultieren aus der Unkenntnis dieser Tatsache und unsachgemäßer Behandlung von Fundmunition durch den Laien.
  • Pikrinsäure kann Salze (die so genannten Pikrate) bilden, die sich in Gewindegänge oder anderswo ablagern können, kommt es nun zur Belastung der hochempfindlichen Salze, kann dies die Zündkette in Gang bringen und die Detonation des Kampfmittels herbeiführen. Obwohl Sprengstoffe auf Basis von Pikrinsäure mit ca. 15.500 Tonnen nur etwa 1 % des Gesamtvorkommens der militärischen Sprengstoffe im Zweiten Weltkrieges ausmachen, wurden besonders zum Kriegsende hin diverse Sprengstoffe mit Ammoniumpikrat gestreckt; diese kamen meist in Sprenggranaten, Minen, geballten Ladungen oder als Pioniersprengstoff zur Anwendung. Die Beseitigung von Kampfmitteln hat daher bis heute nichts von ihrer Aktualität verloren und steht nach wie vor im Blickpunkt des öffentlichen Interesses.

Transportfähigkeit

  • Kampfmittel egal welcher Art sind grundsätzlich als nicht handhabungs- und transportsicher zu betrachten. Sie gelten somit als nicht transportfähig, bis ein “Fachkundiger Munition” sie für transportfähig erklärt. Unter dem “Fachkundigem Munition” versteht man den Befähigungsscheininhaber mit Fachkundenachweis durch einen staatlichen oder staatlich anerkannten Grundlehrgang für den Umgang mit Fundmunition im Sinne und Zwecke der Kampfmittelbeseitigung. Umgangssprachlich handelt es sich bei dem “Fachkundigen Munition” um einen Feuerwerker bzw. Minenräumer.
  • Ohne eine “Verantwortliche Person” nach § 19 des Sprengstoffgesetzes geht gar nichts. Die “Verantwortliche Person” ist im Besitz eines Befähigungsscheines nach § 20 SprengG und verfügt im besonderen über die spezielle Fachkunde als Aufsichtsperson in der Kampfmittelbeseitigung. Die Verantwortliche Person wird für jede Räumstelle nach § 21 SprengG besonders bestellt.

Bergen von Kampfmitteln

  • Unter dem Bergen von Munition versteht man das Aufnehmen von Munition mit dem Ziel, diese in Sicherheit zu bringen oder aber den Gefahrenherd an einen anderen Ort zu verbringen. Zum Bergen zählen auch die hierbei erforderlichen Tätigkeiten wie z.B. das Aufspüren, Freilegen, Identifizieren, Bewachen, Untersuchen, Entschärfen, Wiederherstellen der Handhabungs- und Transportsicherheit und Verpacken der Munition sowie das Aufräumen Fundstelle.

Weiterführende Informationen und Kontaktadressen

 


Panzergranate im Wald bei Birnbach

Im Wald bei Birnbach /Westerwald wurde der Blindgänger einer 90mm Panzergranate durch den KMRD Koblenz geborgen.

Das Geschoss stammt vom amerikanischen M36 Panzerjäger der 3. US Panzerdivision, die in dem Bereich in Gefechten mit Resten der 11. Panzerdivision stand. Das der Blindgänger einem der eher seltenen M26-Pershings zuzurechnen ist, dürfte wohl recht unwahrscheinlich sein, da die wenigen Pershing-Panzer weiter südlich im Rahmen der 3. PD eingesetzt waren und bei Mehren standen.

Der M36 Panzerjäger und der M26-Pershing Kampfpanzer waren beide ausgerüstet mit der M3-Kanone im Kaliber 90mm, welche der bekannten deutschen 8,8cm ebenbürtig war. Bei dem Geschoss handelt es sich um das Projektil “A.P.C.-T., 90mm, M82” Das Gewicht liegt bei rund 12 Kilogramm. Die Granate besteht im wesentlichen aus:

  • Granatkörper
  • Kappe
  • ballistische Haube
  • Sprengladung “D” (Ammoniumpikrat)
  • Zünder BD M68

Sprengladung “D” bzw. “Dunnit”

Die Sprengladung “D”, früher “Dunnit” basiert auf Salzen auf Ammoniumbasis. Diese können unter Witterungseinflüssen leicht instabil werden, wodurch sich Salzkristalle in Gewindegänge verflüchtigen können. Unter Anwesenheit von Blei, Kupfer und Eisen wird die Kristallbildung wesentlich gefördert.

Wird das Gewinde nun beansprucht, kann es zur Umsetzung des Sprengstoffes kommen. Darüber hinaus ist der Sprengstoff stark giftig und steht unter Verdacht, krebserregend zu sein. Kommt es zur Verbrennung werden giftige und ätzende Gase freigesetzt. Besonders bei starker Erwärmung durch Brand kann die Ladung schlagartig umsetzen und zur Detonation gelangen. Wenn “Dunnit” in Brand geraten ist, darf der Sprengstoff wegen der erhöhten Detonationsgefahr nicht gelöscht werden, sondern soll kontrolliert ausbrennen, Brandbekämpfung darf nur aus sicherer Deckung erfolgen. “Dunnit” ist schlag- und reibempfindlich, es entsteht erhöhte Explosionsgefahr bei Kontakt mit Reduktionsmitteln (Oxidanten, Sauerstoffträger bzw. Lieferanten). Die Zersetzungstemperatur liegt bei 265 bis 271 Grad, zur Detonation reicht ein Temperaturanstieg auf 423 Grad.

Der Zünder B.D. M68

Der Zünder B.D. M68 ist in einem dreiteiligem Körper untergebracht und verfügt über einen Leuchtspursatz, Zündmechanik und Detonator mit Verstärkungsladung. Nach Abschuss der Granate wird der enthaltene Leuchtspursatz angefeuert, dieser brennt mit einer Dauer von etwa drei Sekunden. Bei Aufprall durchsticht der Schlagbolzen durch die Energie der Fliehkraft eine Messingsicherung (ab 1946 eine dünne Stahlplatte) und initiiert die Zündkapsel, wodurch es innerhalb von 0,01 Sekunde zur Detonation der eingebrachten Sprengladung kommt.

 

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90mm Panzergranate im Wald bei Birnbach. Aufliegend zum Größenvergleich ein 2-Euro-Stück.

M82

Schematische Darstellung der M82-Panzergranate.

B.D. M68

B.D. M68

Quellen:

Armor-Piercing Ammunition for Gun, 90-mm, M3
Office of the Chief of Ordnance
Washington, Januar 1945
Handbuch der gefährlichen Güter
G. Hommel
Springer-Verlag, Heidelberg
Arbeitsanleitung für Einsatzleiter der Feuerwehren und Luftschutzdienste
Vorschriftenreihe II. WK, Autor und Datum unbekannt
Sicherheitstechnische Kenndaten chemischer Stoffe
Günther Sorbe
Landsberg
Practical Military Ordnance Identification
Tom Gersberg
Florida, 2014

Tellermine 42

Tellermine 42 zurückgelassen

 

Nachdem ein Spaziergänger aus Eitorf bei der Polizeiinspektion Altenkirchen gemeldet hatte, dass er ein merkwürdiges Metallteil gefunden hatte, mussten am 01. August 2014 die Mitarbeiter des Kampfmittelräumdienstes Koblenz zu einem Einsatz in die Wälder bei Weyerbusch ausrücken.

Der runde Metallkörper wurde durch den Kampfmittelräumdienst als eine deutsche Tellermine 42 aus dem Zweiten Weltkrieg identifiziert. Diese Tellermine stand augenscheinlich bereits eine längere Zeit an einen Baumstamm gelehnt, auf der Rückseite zeigten sich Spuren davon, dass jemand versucht hatte die Mine zu öffnen! Die stark verrostete Mine wurde durch den Kampfmittelräumdienst sichergestellt und der Vernichtung zugeführt!

Deutsche Tellermine - T42

Reste einer deutschen Tellermine – T42

 

Bereits mehrfach haben Sondengänger während ihrer Suche mit Metalldetektoren entdeckte Kampfmittel offen zurückgelassen. Werfergranaten in Mühlenthal bei Katzwinkel, Gewehrpatronen bei Wallmenroth, diese Mine bei Weyerbusch! Insbesondere kann es ganz und gar nicht sein, dass Munition offen und für Jedermann zugänglich zurückbleibt. Denkt einmal darüber nach, was ist wenn Kinder den Mist finden!!! Das kann und darf einfach nicht sein! Bitte, wenn ihr schon Munition findet, meldet das dann auch an die Behörden! Wer das, aus welchen Gründen auch immer, nicht machen möchte, kann entsprechende Funde an mich melden. Eure Angaben werden von mir absolut vertraulich behandelt, wichtig ist nur, dass die Kampfmittel ordnungsgemäß geräumt werden. Wenn Ihr Kampfmittel melden möchtet, könnt ihr mich einfach kontaktieren.

Stabbrandbomben – Abwurfmunition des 2. Weltkrieges – Teil II

Stabbrandbomben – Teil II und Schluss

In Teil I haben wir uns mit dem Verwendungszweck und dem Einsatz der Stabbrandbomben befasst. In diesem Teil werden wir nun die verschiedenen Typen der Brandbomben kennenlernen und Details über die Sicherung, Zündung und das Abbrandverhalten erfahren.

Merkmale der Ausführungen MK I bis MK III

  • INC 4 LB MK I bis MK III

Gewicht 1,7 Kg. Länge 545mm, sechskantiger Querschnitt, 42mm im Durchmesser.

Zünder: Aufschlagzünder als Bodenzünder, bei MKIII Zündergehäuse aus Leichmetall-Spritzguss

Elektronmantel: 570 Gramm

Thermitfüllung MK I: 225 Gramm, eingepresste Festkörper in Pillenform zu jeweils 16 Gramm

Thermitfüllung MKII und MKIII: 210 Gramm, eingepresste Festkörper in Pillenform zu jeweils 16 Gramm

Zerlegesatz bei Ausführung MK II und MKIII: im August 1940 erstmalig zur Verwendung gekommen, 10 bis 15 Gramm Schwarz- oder Nitropulver, eingefasst in einer Pappröhre, ab 1941 auch in Blechkörpern, am unteren Ende vor dem Stahlgewicht eingesetzt.

Sprengsatz im Stahlkörper: erstmals im Mai 1942 abgeworfen, 15 Gramm Tetryl

Stahlgewicht: 675 Gramm oder 650 Gramm mit Hohlkörper, der durch eine Füllschraube verschlossen wird.

Kennzeichnung MK I: Brandkörper in hellem Grau, Stahlkörper rotbraune Grundfarbe. Ein hellroter Ring zwischen zwei schwarzen Ringen. Leitwerk Grün.

Kennzeichnung MK II:  Brandkörper in hellem Grau, Stahlkörper rotbraune Grundfarbe. Ein hellroter Ring zwischen zwei schwarzen Ringen. Leitwerk Grün. Zusätzlich ein hellroter Ring auf dem Elektronkörper in ca. 5cm oberhalb des Stahlgewichts.

Kennzeichnung MK III: Brandkörper in hellem Grau, Stahlkörper rote Grundfarbe. Ein hellroter Ring zwischen zwei schwarzen Ringen. Leitwerk Grün, entweder der Boden des Stahlkörpers oder der Abschluss des Leitwerkes in Rot gehalten. Zusätzlich ein hellroter Ring auf dem Elektronkörper in ca. 5cm oberhalb des Stahlgewichts.

Ausführungen mit Zerleger- oder Sprengladung sind mit einem “E” (Zerlegeladung) oder einem “X” (Sprengladung) auf dem Bombenkörper oder auf dem Deckel des Leitwerkes versehen. Diese Angabe können allerdings auch fehlen. Darüber waren auch Abweichungen in der breite der roten Farbmarkierungen bekannt, die eine Identifizierung nach Zerleger- oder Sprengladung ermöglichen sollten, hierbei unterschieden sich die Farbbänder lediglich in der Breite von entweder 2,54 cm oder 1,25 cm.

Masseneinsatz von Stabbrandbomben.

Masseneinsatz von Stabbrandbomben.

Merkmale der Ausführungen MK IV und MK V

  • INC 4 LB MK IV und MK V

Aufbau entspricht im Allgemeinen den Vorgängermodellen. Es können anstelle von zwei, auch vier Entgasungsbohrungen vorhanden sein. Das Leitwerk ist Hersteller- und Baujahrbedingt entweder mit Schrauben angebracht oder mit Nieten befestigt.

Zünder: Teilweise modifizierte Aufschlagzünder als Bodenzünder, Zündergehäuse aus Leichmetall-Spritzguss, Zünder oft aus Messing gefertigt.

Elektronmantel: 570 Gramm

Thermitfüllung: Herstellerbedingte Unterschiede zwischen eingepressten Thermit-Pillen oder direkt eingepresste Thermit-Pulverladung, Mengen zwischen 210 und 225 Gramm sind möglich.

Stahlgewicht: je nach Aufbau der Stabbrandbombe, entweder 675 Gramm bei Vollstahl oder 650 Gramm mit Hohlkörper, der durch eine Füllschraube verschlossen wird.

Allgemeiner Hinweis zu den Farbcodierungen bei sämtlichen Ausführungen: Durch die immens hohen Produktionszahlen, sind Abweichungen von den Farbcodierungen möglich. So gibt es zum Beispiel im Dezember 1944 anstelle der schwarzen Ringe, welche die in dunkelblau gehalten sind.

Kennzeichnungen auf der Stirnseite des Gewichtes sind relativ selten und kommen am häfigsten vor bei dem Model “INC 4 LB MK IV”. Vorhandene Codierungen geben Auskunft über:

Hersteller, Chargennummer

Angabe zum verbauten Zünder

Jahreszahl

MK I bis V für den Bombentyp mit evtl. Angabe eines „E“ oder „X“ für Spreng- oder Zerleger.

Magnesium Elektron Ltd, Charge 154 Zünder Nummer 4 Jahr 1944 Ausführung MK IV, mit Sprengladung

Magnesium Elektron Ltd, Charge 154
Zünder Nummer 4
Herstellungsjahr 1944
Ausführung MK IV, mit Sprengladung

 Sicherung und Zündung

Wie Stabbrandbomben zur Wirkung gelangen.

Wie Stabbrandbomben zur Wirkung gelangen.

Die Sicherungs- und Zündmechanik der Stabbrandbomben ist bei allen Typen fast identisch und unterschiedet sich minimal im Aufbau oder in den verwendeten Materialien. Die Bomben werden während des Verpackens in die Abwurf-Container so mit ihren Seiten aneinander gestapelt, dass die Sicherungsstifte eingedrückt und die Schlagbolzen am herunterschlagen gehindert werden. Werden die Bombencontainer vom Flugzeug ausgeklickt, lösen sich die Bomben aus der Halterung, die in einer Feder gelagerten Sicherungsplinte werden freigegeben und die Bomben scharf. Bei Aufschlag auf ein hartes Hindernis wird der empfindliche Schlagbolzen durch die Fliehkraft nach unten gedrückt und sticht das Zündhütchen an, wodurch die Vorladung und Zündladung aktiviert werden und die Bombe zum Abbrand kommt.

Bei Stabbrandbomben mit Zerleger- oder Sprengsatz wird unterschieden in

zwei Minuten bis Wirkung der Ladung

vier Minuten bis Wirkung der Ladung

 Gefahrenaspekte der Stabbrandbomben: Einfach aufgebauter und empfindlicher Zünder, der häufig zur Bildung von Blindgängern führt. Da insbesondere die Zündladungen und der Anfeuerungssatz in ihren chemischen Bestandteilen sehr wechselreich eingebracht wurden, ist die Gefahr gegeben, dass diese durch äußere Einflüsse chemisch instabil werden und zur Selbstentzündung gelangen können. Bei Modellen mit späteren Zündern geht der Schlagbolzen bereits nach dem Entsicherungsvorgang auf Halbscharf, was bedeutet, dass sich die Spitze des Schlagbolzens unmittelbar vor dem Zündhütchen befindet. Bei Blindgängern kann nun ein heftiger Stoß oder ein Sturz aus bereits 30 cm Höhe zur Entzündung des Anfeuerungssatzes ausreichen, wodurch um die Stabbrandbombe zur Wirkung gelangt.

Die Sprengkraft des in der Stahlkammer eingebrachten Sprengstoffes ist vergleichbar mir der einer Handgranate, Stahlsplitter werden im Idealfall bis 30 Meter getragen und können noch Stahlblech durchschlagen. Die Kraft der Zerlege-Ladung ist ausreichend stark, um schwerste Verstümmelungen herbeizuführen. Die thermale Zerstörkraft kann Lebensgefährlich sein, weil Temperaturen von bis zu 3200° erreicht werden können. Darum gilt:

Blindgänger sowie Teile von Stabbrandbomben sind immer so zu behandeln wie jedes andere Kampfmittel. Nicht weiter freilegen oder damit rum hantieren, die Fundstelle sichern und entsprechende Behörden verständigen.

Abarten der Bombenköpfe

Die verschiedenen Fertigungen der Brandbomben sind alle auch mit verschiedenartigen Bombenköpfen zum Einsatz gekommen. Man kann nicht verallgemeinern, dass z.B. der Bombentyp “Inc 4 LB MKI” keine Sprengkörper besessen hat oder dass die späteren Modelle wie “Inc. 4 LB MK IV” insgesamt mit Sprengkörpern versehen waren.

Aufbau der verschiedenen Bombenköpfe

Aufbau der verschiedenen Bombenköpfe

 

Abbranderscheinung und Zündwirkung

Da der Elektron-Mantel aus einer Mischung von etwa 90 % Magnesium und 10 % Aluminium besteht, benötigt die Legierung eine Temperatur von mindestens 650° C um zu schmelzen und verbrennt mit sehr heller Flamme bei rund 2200°. Zur Entzündung dient eine eingebrachte Thermit-Ladung, durch den gleichzeitigen Abbrand von Thermit werden Verbrennungstemperaturen von 2800° bis 3200° C erreicht. Wird versucht, die Brandbombe mit Wasser zu löschen, kommt es zu einer thermischen Reaktion, in der flüssiges Metall weit verspritz wird. Bei dem Löschversuch spaltet sich Wasser (h2o) auf in Wasserstoff (H) und Sauerstoff, wobei Wasserstoff höchst entzündlich ist und Sauerstoff ohnehin den Brennvorgang steuert. Durch die extrem hohen Temperaturen können durch einen unsachgemäßen Löschvorgang schwerste Verletzungen hervorrufen werden. Löschen geschieht durch Abdecken mit Sand, wodurch der Bombe die Sauerstoffzufuhr unterbrochen wird.

Ist die Stabbrandbombe zur Zündung gelangt, macht sich sofort ein starkes Zischgeräusch bemerkbar, wobei heller weißer Qualm durch die Ausgasungslöchern gepresst wird. Binnen ein bis zwei Minuten beginnt der Elektron-Mantel glühend auseinanderzulaufen und bildet den sogenannten Brandkuchen. Durch die starke Strahlungshitze können bereits brennbare Gegenstände in unmittelbarer Nähe in Brand geraten. Festes Holzwerk gerät nur zögernd in Brand.

Bei Stabbrandbomben mit Zerlege-Ladung detoniert die Ladung nach zwei, spätestens nach vier Minuten, zerreißt den untere Teil des Mantels in Leichtmetall-Splitter, die bis 30 Meter weit geschleudert werden können. Die Durchschlagleistung ist relativ gering, bereits Holzschilde von etwa 12 bis 15 mm Stärke werden nicht mehr durchschlagen.

Bei der Stabbrandbombe mit Sprengkopf wird innerhalb von zwei bis maximal vier Minuten die Detonation des Stahlkopfes ausgelöst. Die mit großer Wucht umherfliegenden Stahlsplitter durchschlagen Stahlplatten mit vier bis sechs Millimetern Dicke oder Holzbretter von vier Zentimetern Stärke. Infolge der heftigen Detonation ist die brandstiftende Zündwirkung verhältnismäßig gering.

Ausgebrannte und detonierte Stabbrandbombe, nach Detonation in ca. 60 cm Tiefe in Lehmboden in Dresden-Gruna. Quelle: Wikipedia, Fotograf = Akinne http://de.wikipedia.org/wiki/Stabbrandbombe

Ausgebrannte und detonierte Stabbrandbombe, nach Detonation in ca. 60 cm Tiefe in Lehmboden in Dresden-Gruna.
Quelle: Wikipedia, Fotograf = Akinne
http://de.wikipedia.org/wiki/Stabbrandbombe

 

Stabbrandbomben – Abwurfmunition des 2. Weltkrieges – Teil I

Stabbrandbomben – Teil 1

Amerikanische Stabbrandbombe, 4 LBS,

Amerikanische Stabbrandbombe, 4 LBS,

Während Sprengbomben in mehr oder minder kleinen Teppichen abgeworfen wurden, wurden Brandbomben während des Zweiten Weltkriegs in größten Mengen über ganz Deutschland im flächendeckenden Einsatz abgeworfen. Nach einem Luftangriff waren Ortschaften verwüstet und Blindgänger von Stabbrandbomben fanden sich in großen Mengen. Sie hatten die Dächer durchschlagen, blieben auf Dachstühlen liegen, in Höfen, Gärten, Wegen und Wäldern. So stößt man dementsprechend auch heute noch häufig auf diese Hinterlassenschaft. Ein aktueller Fund bei Altenkirchen gibt Anlass zu diesem Bericht.

Was sind Stabbrandbomben?

Der Unterschied zwischen Spreng- und Brandbomben findet sich im wesentlichen darin, dass der von einer Spreng- oder Splitterbombe verursachte Schaden nach der Detonation klar begrenzt ist, während die Wirkung der Brandbombe jedoch erst zur vollen Wirkung gelangt, wenn das entstandene Feuer über den Brandherd hinaus übergreift und andere Gebäude, Häuser oder ganze Wohnblöcke bedroht. Einzelne Stabbrandbomben der ersten Baureihe konnten noch innerhalb der ersten Zünd- und Brandphase mit der Hand oder einer Schaufel gefasst und nach drausen befördert werden.

Um jedoch das Personal des Luftschutzes hieran zu behindern, wurden Stabbrandbomben bereits ab der Baureihe INC 4 LB MKII mit einem Sprengsatz versehen, der nach wenigen Minuten zur Detonation gelangen sollte. Da die Splitterwirkung nur gering ausfiel und ein bedingter Schutz bereits durch etwa 10mm Holz zu schaffen war, wurden die Nachfolgemodelle mit einem sprengbaren Stahlkörper versehen, der einen Splitterradius von knapp 20 bis 30 Meter besaß. Während des Zweiten Weltkrieges wurden mehr als 100 Mio Stück hergestellt und mehr als 80 Millionen wurden über deutschen Städten abgeworfen.

Woraus bestehen sie und wie sehen Stabbrandbomben aus?

Stabbrandbomben bestehen aus einer Elektron-Hülle, in der sich eine Thermit-Ladung befindet. Sie sind mit Leitwerk etwa 57cm lang und messen ca. 4,2 cm im Durchmesser. Stabbrandbomben sind sechseckig und verfügen über ein Stahlgewicht am vorderen Ende. Im Bereich des Leichtmetall-Leitwerks ist der Aufschlagzünder eingesetz. Sie sind hellgrau in der Farbe und haben oft ein rotes Stahlgewicht. Das Leitwerk ist in aller Regel in dunklem Grün gehalten.

Wie kamen die Brandbomben zum Einsatz?

Sie wurden durch die alliierte Luftwaffe aus Fliegern abgeworfen, meistens durch die Britische Luftwaffe im Bomber vom Typ Lancaster. Die Brandbomben waren in sogenannten SBC´s (Small Bomb Container) untergebracht, jeder dieser Container beinhaltete 236 Stabbrandbomben. Ein Lancaster-Bomber konnte mit maximal vierzehn der Container beladen werden, was bedeutet, dass sich bis max. 3304 Stabbrandbomben in einem Flugzeug befunden haben können.

In der Regel sah die Bombenbeladung vor, dass entweder drei Sprengbomben vom Tyb SB 1000 (750 Kilo Luftminen) zusammen mit einer HC 4000 (1,8 Tonnen Luftmine) und sechs SBC´s oder aber eine 1800 Kilo Luftmine und 12 SBC´s getragen wurden.

Nach dem Ausklinken der Bombenlast, dadurch auch der SBC, wurde nach kurzem freien Fall der Bombenbehälter in eine Rotation versetzt, worauf sich die Containerhälften anschließend öffnete und die Brandbomben freigab. Durch die Flughöhe wurden die Abwurfgebiete flächig mit der Bombenlast getroffen.

Beladungsschema für einen Lancaster-Bomber im Flächenbombardement.  Obere Reihe: BDF = Blast, Demolition and Fire > zu Deutsch: Sprengung, Zerstörung, Feuer Untere Reihe: Blast, max Incendiary > zu Deutsch: Sprengung, maximales Feuer.

Beladungsschema für einen Lancaster-Bomber im Flächenbombardement.
Obere Reihe: BDF = Blast, Demolition and Fire > zu Deutsch: Sprengung, Zerstörung, Feuer
Untere Reihe: BMI = Blast, max Incendiary > zu Deutsch: Sprengung, maximales Feuer.

 

 Teil II wird enthalten:

Abarten der Bombenköpfe

Zündung und Abbrand der Stabbrandbombe

Kampfmittel und deren Beseitigung

Die Einsätze des Kampfmittelräumdienstes werden auch heute, beinahe 70 Jahre nach Kriegsende, nicht weniger. Noch immer tauchen Kampfmittel aus dem letzten Krieg fast alltäglich auf. Sei es bei Bau- oder Gärtnerarbeiten, durch Zufall von Spaziergängern oder auch gezielt durch Sondengänger.

Die während des Zweiten Weltkrieg zurückgebliebenen Kampfmittel sind auch heute noch vorhanden und haben natürlich nichts an ihrer Brisanz verloren. Munition und andere Kampfmittel wurde erschaffen um Menschen zu töten und ist durch die Lagerung im freien, durch Korrosion und Witterungseinflüsse noch gefährlicher geworden. Darum ist es unbedingt notwendig, dass Jeder, der Hinweise zu Kampfmitteln oder Munitionsresten geben kann, diese auch an die zuständigen Behörden meldet. Horst Lenz und seine Kollegen vom Kampfmittelräumdienst möchten auch noch einmal die Gelegenheit nutzen und eindringlich davor warnen, verdächtigen Gegenstände anzufassen oder gar mitzunehmen!

Seit Jahresbeginn wurden bereits mehrere Munitionsfunde im Raum des Kreises Altenkirchen gemeldet und durch den Koblenzer Kampfmittelräumdienst geborgen und der Vernichtung zugeführt.

 

Munition-  und Waffenteile. Oben befindet sich eine 5cm Werfergranate, vermutlich französicher Bauart, die durch die Wehrmacht als Beutemunition verwendet wurde.
Diverse Munition- und Waffenteile. Oben eine 5cm Werfergranate, vermutlich französicher Bauart, welche durch die Wehrmacht auch noch während der letzten Kriegsmonate als Beutemunition verwendet wurde. Links darunter ein 3,7cm Panzergranate, eine Gewehrspreng-Granate, der Rest eines Bajonetts. Rechts von der Werfergranate ein Teil eines Rollenverschluss für die deutschen Maschinengewehre, nach unten sind diverse Waffenteile und eine weitere Gewehrgranate zu sehen.

Fragment einer 10,5cm Artilleriegranate, noch immer gefüllt mit TNT-Sprengstoff.

Fragment einer 10,5cm Artilleriegranate, noch immer gefüllt mit dem Sprengstoff “TNT”. Der Sprengstoff verfügt noch immer über seine sprengfähige Eigenschaften und ist darüber hinaus sehr Giftig und Krebserregend.

 


 

Amerikanische 10,5 cm Artilleriegranate.

Amerikanische 10,5 cm Artilleriegranate.

 


 

Sprengkladung, 1 Kilogramm, verwendet durch den Pionierdienst. Darunter befinden sich mehrere amerikanische Cal. .50 Patronen.

Pionier-Sprengladung, 1 Kilogramm, verwendet durch den Pionierdienst um zum Beispiel Geschütze unbrauchbar zu machen oder auch Bäume zu fällen, um hiermit Straßen zu sperren. Darunter befinden sich mehrere amerikanische Cal. .50 Patronen, Bordmunition, wie sie zum Beispiel auf den amerikanischen Sherman-Panzern eingesetzt wurde.

 


 

7,5cm Panther-Munition. Hinterlassenschaften von einer Panzersprengung im Wald bei Altenkirchen.

Im März 2014 wurden durch den Kampfmittelräumdienst diese beiden 7,5cm Granaten geborgen. Hiebei handelt es sich um Hinterlassenschaften von einer Panzersprengung in einem Waldstück in der Nähe von Altenkirchen. Die beiden Granaten lassen sich der 9. Panzerdivision zuordnen, da diese den Auftrag hatten im Bereich des Fundortes noch am 26.3.1945 eine Verteidigungsstellung zu beziehen.

 


 

8,8cm Panzergranate. Granaten dieses Types wurden zum Beispiel durch den Tiger bzw. auch Königstiger verschossen und sind extrem gefährlich wegen des vorgespannten Schlagbolzens.

8,8cm Panzergranate. Munition dieses Types wurde zum Beispiel durch Panzern vom Typ Tiger bzw. auch Königstiger verschossen, könnte jedoch auch mit der bekannten 8-8-Flak verwendet worden sein. 8,8cm Panzergranaten sind bereits extrem gefährlich durch einen vorgespannten Schlagbolzen, dessen Sicherungssysteme nach vielen Jahrzehnten im Erdboden unter Korrosions- und Witterungseinflüssen natürlich noch gefährlicher werden.

 


 

Patronen im Kaliber 8x57. Diese Patronen wurden verschossen mit dem Karabiner 98k und auch mit dem Maschinengewehr.

Patronen im Kaliber 8×57. Diese Patronen wurden mit dem Karabiner 98k und auch mit dem Maschinengewehr verschossen.

 


 

Kampfmittel, die im Januar 2014 durch den Kampfmittelräumdienst Koblenz geborgen wurden.

Kampfmittel

Links oben: Markierte Stelle mit amerikanischen Splitterhandgranaten vom Typ MKII, rechts daneben ist eine amerikanische Feuerstellung an der Sieg bei Wissen. Untere Reihe: Amerikanische Handgranate, Bildmitte zeigt eine 3,7cm Flak-Granate, darunter 1-KG–Pionier-Sprengladung und mehrere Schuss Cal.50. Weiter rechts eine 10,5cm Artilleriegranate und zwei amerikanische Mörsergranaten.


 

Kampfmittel gefunden – was dann?

 

Jeder Sondengänger wird sicherlich die Erfahrung machen müssen, das man beinahe in allen Wäldern und auf allen Äckern Deutschlands auf die Hinterlassenschaften des letzten Krieges stoßen kann. Scharfe Munition, Bomben, Granaten, Minen oder deren Reste können sich überall finden.
Was ist zu tun wenn Kampfmittel aufgefunden werden?
Insbesondere sollten sich Sondengänger dessen bewusst sein, dass mit jedem Signal des Metalldetektors auch immer das Vorhandensein von Kampfmittel möglich ist. Stößt man nun dann auf entprechende Hinterlassenschaften, sollte:

  1. sofort nachdem erkannt wurde, dass man auf Kampfmittel gestoßen ist, die Grabung eingestellt werden.
  2. Es darf keine Lageveränderung herbeigeführt werden!
  3. Der Fundort ist zu markieren.
  4. Mindestens muss der zuständige Kampfmittelräumdienst benachrichtigt werden. Hierzu wird eine möglichst genaue Beschreibung des Objektes benötigt.
  5. Sichern Sie den Bereich vor dem Zutritt durch andere Personen ab.

Asprechpartner für Kampfmittelfunde in

  • Rheinland-Pfalz

Herr Horst Lenz als der techn. Leiter des Kampfmittelräumdienst

Tel: +49(171) 8249305, Telefax: +49(02606)961235

  • Arnsberg: für die Bezirke Arnsberg, Detmold und Münster

Hans-Peter Eser als Dezernent für Kampfmittelbeseitigung

Telefon 02931 82-3880

  • Düsseldorf: für die Bezirke Düsseldorf und Köln.

Dezernat 22 – Kampfmittelbeseitigung

Telefon: 0211 – 475 – 2155

Wer aus welchen Gründen auch immer, ensprechende Funde nicht bei Polizei bzw. dem Kampfmittelräumdienst melden kann oder will, der sollte doch mindestens den Fund kartieren bzw. mit GPS-Koordinaten versehen und die Kampfmittel bitte Anonym melden, denn es ist absolut unverzeihlich, wenn Kinder, Wanderer oder andere Personen durch rücksichtslos ausgegrabene und zurückgelassene Kampfmittel zu Schaden kommen!

Die Kampfmittel haben auch nach über 70 Jahren im Erdboden kein wenig an ihrer Brisanz verloren, die Zünder sind oft stark vergammelt und “warten” nur darauf, ihrem Bestimmungszweck nachzukommen, wobei unter Umständen bereits eine unbewusste Lageveränderung dazu ausreichen kann, eine Detonation herbeizuführen.

Broschüre mit Verhaltensregeln der Polizei Sachen-Anhalt

 

Beispiele verschiedener Kampfmittel aus dem Zweiten Weltkrieg.

Beispiele verschiedener Kampfmittel aus dem Zweiten Weltkrieg.

 

Stippvisite bei Altenkirchen

Am 5. Juni 2014 rückten die Mitarbeiter des Kampfmittelräumdienst Koblenz zu einer Ortsbegehung in der Nähe von Altenkirchen an. Dort waren am Vortag zwei Gewehrgranaten und eine Mörsergranate entdeckt worden.

Das Team erschien pünktlich unter der Führung des Truppleiters am vereinbarten Treffpunkt. Gemeinsam fuhren wir daraufhin zu der Örtlichkeit, an der die Kampfmittel aufgefunden worden waren.

Über den Fundort der Granaten war zuvor bereits bekannt, dass:

  • dort Ende März 1945 eine Sammelstelle für die 9. Panzerdivision war.
  • die 3. amerikanische Panzerdivision hier am 26. März 1945 einen Artilleriepanzer verloren hatte.
  • die 3. US Panzerdivision einen vorgeschobenene Gefechtsstand im Tal eingerichtet hatte.
  • dort nach Kriegsende eine Sammelstelle für Kampfmittel der Alliierten eingerichtet worden war und
  • diese bis 1947 durch das Sprengkommando Forneberg aus Betzdorf als Munitionslager weiter genutz wurde.

Genügend Gründe also dafür, dass dieses kleine, recht unscheinbare Waldstückchen mit Hinterlassenschaften des Zweiten Weltkrieges gespickt sein könnte. Einige Spuren ließen sich bereits während der Begehung immer wieder mit bloßen Augen entdecken, so fand der Truppführer nach kurzer Zeit einen Splitter einer großkalibrigen Sprenggranate, Munitions- und Waffenteile die verschiedentlich auf dem Waldboden lagen. Darüber hinaus deuteten mehrere Hinweise darauf, dass hier Sondengänger am Werk waren.

Die Mitarbeiter der Räumtruppe Koblenz begannen daraufhin eine Sondierung mit Hilfe eines Metalldetektors. Nach bereits kurzer Zeit waren mehrere Kampfmittel sichergestellt, darunter eine Mörsergranate, zwei Gewehrsprenggranaten, ein 3,7cm Flak-Geschoss und einige Schuss Gewehrmunition. Daneben kamen die stark verrosteten Reste eines deutschen Bajonettes und verschiedene Waffenteile zum Vorschein.

Nach gut einer Stunde wurde das Waldgebiet offiziell als Standort mit Hinterlassenschaften des Zweiten Weltkrieges eingestuft, was bedeutet, dass die Männer der Räumgruppe Koblenz zur weiteren Nachsuche wieder kommen werden. Zudem wurde bereits am Tag zuvor der zuständige Forstbeamte gebeten, das Waldgebiet im Auge zu behalten, damit eventuelle Sondengänger nicht gezielt nach Munition oder Waffen graben.

Einer der Feuerwerker wieß noch einmal explizit auf die Gefahren der Kampfmittel hin und betonte, dass immer wieder insbesondere die kleinen, eher unscheinbaren Kampfmittel größte Gefahren bergen. Wer auf Kampfmittel stößt, soll diese unbedingt liegen lassen und die Behörden über den Fundort informieren.

Der Feuerwerker begutachtet ein Waffenteil eines 2cm-Flak-Geschützes.

Der Feuerwerker begutachtet ein Waffenteil eines 2cm-Flak-Geschützes.

Einige der noch immer sprengfähigen und gefährlichen Kampfmittel sind bereits heftig Verrostet, die Zünder, damit auch deren Sicherungsmechanismen, werden hierdurch noch gefährlicher.

Einige der noch immer sprengfähigen und gefährlichen Kampfmittel sind bereits heftig Verrostet, die Zünder, damit auch deren Sicherungsmechanismen, werden hierdurch noch gefährlicher. Bei den beiden bolzenähnlichen Stahlkörpern Links und Rechts handelt es sich um deutsche Gewehrgranaten, die mit empfindlichen Aufschlagzündern ausgestattet sind und nur durch eine dünne Bandfeder im Zündergehäuse gesichert werden. Ist diese Bandfeder arg korridiert, wird das Zündsystem mit Stößel und Bolzen freigegeben und die Granate ist entsichert – der Aufschlagzünder wartet nun nur noch auf den Aufschlag, bei dem der Stößel eingedrückt wird. Großes Problem bei den Granaten: Sie lassen sich äußerlich nicht von Blindgängern unterscheiden.

Der Autor mit einer vom Kampfmittelräumdienst geborgenen 5cm Mörsergranate. Das Geschoss wurde durch die Mitarbeite als Granate französichen Ursprungs identifiziert. Es dürfte sich wohl um deutsche Beutemunition handelt, die bis zum Kriegsende noch verwendet wurde.

Der Autor dieser Seiten mit einer durch den Kampfmittelräumdienst geborgenen 5cm Mörsergranate. Das Geschoss wurde durch die Mitarbeiter des Räumtrupps als Granate französichen Ursprungs identifiziert. Es dürfte sich vermutlich um deutsche Beutemunition handeln, die noch bis Kriegsende in der Truppe verwendet wurde.