Feuerwerker in der Anfangszeit…

Hilfs-Feuerwerker, die im Jahr 1947 dem Sprengkommando Forneberg beitraten, erhielten einen Stundenlohn von gerade mal 1,20 Mark. Wie der Name erahnen lässt, “verdiente” man sich den Lebensunterhalt bei einer lebensgefährlichen Arbeit; nämlich dem, wie es im Betreff alter Schriftstücke immer wieder festgehalten wurde:

 

“Beseitigen von Munition und Blindgängern!”
Bildbeitrag: Wie entschärft man eine Handgranate? Bild: Internetfund.

Bildbeitrag: Wie entschärft man eine Handgranate? Bildquelle: Internetfund.

Erst im Frühjahr 1947 aus französischer Gefangenschaft heimgekehrt. Das Reich lag in Trümmern und Scherben, aus der preußischen Heimat vertrieben, mit nur wenig Perspektiven gelangte der 19jährige Harald S. in den Westerwald. Erst in Asbach, dann in Flammersfeld. Von Februar bis Ende Mai versuchte er als Tagelöhner und Dieb wenigstens am Leben zu bleiben, bis ihm ein “lukratives” Jobangebot unterbreitet wurde. Minenräumen und Bergen von Munition und Blindgängern.
 1,20 Mark Stundenlohn für einen Bombenjob!  
Dazu gab es noch eine Gefahrenzulage in Höhe von 15 Mark je Tag. Nach einer 10 Stundenschicht hatte man sich dicht an die Höhe der Gefahrenzulage herangeschafft. Fahrtzeiten von und zu den Einsatzstellen wurden nur den Berufs-Feuerwerkern zugestanden und mit 0,80 Mark pauschal für maximal zwei Stunden täglich abgerechnet. Macht dann 1,60 Mark für Wegzeiten.
Dazu bitte noch eine Auslöse in Höhe von 5 Mark am Tag. Man(n) musste ja auch gut im Futter sein bei dem gefährlichen Knochenjob! Die Gefahr gehörte zum Alltag, nicht allein im Beruf, sondern auch im zivilen Leben. Bomben und Granate kannten keinen Unterschied zwischen dem Feuerwerker oder dem neugierigen Kind – wer das Unglück herausforderte oder wer nur einen Augenblick nicht aufmerksam genug war, dem raubte eine ohrenbetäubende Explosion Gesundheit oder Leben. Aber für 1,20 die Stunde und dazu noch die Gefahrenzulage plus Auslöse? Das war doch fast jedes Risiko wert? Oder nicht?
Mann muss wissen, dass zwischen Juni 1944 und Juni 1947 mehr als 700.000 deutsche Kriegsgefangene in Frankreich zum Minenräumen zwangsverpflichtet waren – zum Lohn nur knapp mehr als Brot und Wasser. Jetzt aber konnte  man sich für gleiche Arbeit unter besseren, aber nicht mindergefährlicheren Bedingungen, auch noch den Lebensunterhalt verdienen.
Trotzdem kamen die Hilfs-Feuerwerker in den Wintermonaten selten auf einen Verdienst von mehr als 657,20 oder 707,20 Mark, da ihnen das eigentliche Entschärfen bzw. Unschädlich machen der aufgefundenen Kampfmitteln untersagt war. Für diese Tätigkeit musste man zumindest über die abgeschlossene Ausbildung eines Feuerwerker verfügen. Aber ausgebildet wurde 1949 noch nicht bzw. nur im Ansatz. Wartezeiten auf Sprengplätzen und Fahrtzeiten wurde den Hilfs-Feuerwerkern nicht zugestanden, diese Ungerechtigkeit erfuhr erst im Sommer 1950 eine Änderung. Erst nach dem Juni erhielten sie ebenfalls Warte- und Fahrtzeiten entlohnt, wodurch es Möglich war, auf knapp über 850 Mark zu kommen, was bereits dem Winterlohn eines Berufs-Feuerwerkers entsprach.
Diese Berufsfeuerwerker rekrutierten sich Meist aus Angehörigen der ehemaligen Wehrmacht. Sie erzielten während der Wintermonate durch Gefahrenzulage und Auslöse bei einem bei einem Stundenlohn von 1,90 Mark einen Verdienst von rund 885 Mark. Das entsprach einem Gegenwehrt von knapp 190 Stunden Arbeitseinsatz, also fast 8 Stunden täglich bei 26 Arbeitstagen im Winter.
Selbst der Chef des Sprengkommandos, Heinz Forneberg aus Betzdorf, ging nur mit unwesentlich mehr Geld Heim. Sein Verdienst betrug im Winter 952,60. Darin enthalten war neben der Gefahrenzulagen etc. auch eine Pauschale für das Entschärfen Blindgängern von Fliegerbomben.
Am 26. Dezember 1947, dem zweiten Weihnachtstag, wurde durch die Besatzungsmacht in Koblenz dem Sprengkommando Forneberg zur Auszahlung an 19 Mitarbeiter der Gesamtlohn in Höhe von 13.719.40 Mark ausgezahlt. Weihnachtsgeld gab es keines!
Ein deutscher Soldat beim Entschärfen einer Schützenmine S-Mine 35. Bildquelle: Google Bildersuche.

Ein deutscher Soldat beim Entschärfen einer Schützenmine S-Mine 35. Bildquelle: Google Bildersuche.

Quellen: Eigene Archivsammlung “Sprengkommando Forneberg”
               Archiv der Feuerwerker, Koblenz, Sammlung Forneberg
               Landeshauptarchiv Koblenz
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Ralf Anton Schäfer

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ich bin als Gründer für diese Seiten verantwortlich.
In den Jahren meiner Recherchen habe ich umfangreich Materialien zusammengetragen zu den Infanteriekämpfen der Endphase im Zweiten Weltkrieg. Der Archivbestand umfasst viele Tausend Seiten und deckt im Groß den Westen für die Zeit von der Landung der Alliierten in der Normandie bis zu den letzten Kämpfen um den Ruhrkessel.
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