Offizier, Bürgermeister und Europäer

Nach der Landung der Alliierten in Nordfrankreich und dem  Durchbruch der Roten Armee durch die Linien der Heeresgruppe Mitte an der Ostfront zeichnete sich der bevorstehende Zusammenbruch des Dritten Reiches zusehends ab.  Als im Herbst 1944 die Aufstellung des deutschen Volkssturmes befohlen wurde, war ein weiterer Tiefpunkt erreicht worden. Dieser Tag und dieser Aufstellungsbefehl waren für einen deutschen Soldaten in Marburg Grund genug, sich freiwillig zum Frontdienst zu melden.

Marburg, 18. Oktober 1944 – ein Mann rennt so schnell er kann den steilen Fußweg zum Schlossberg hinauf. Es geht durch die beschauliche Altstadt über den Marktplatz und dann steil bergan die zahlreichen Stufen herauf bis das Landgrafenschloss erreicht ist. Oben angelangt hat der Läufer keine Zeit für den Blick auf die wunderschöne Altstadt oder auf das Lahntal – nein, der Mann wendet, läuft zurück bis in die Barfüßerstraße und nimmt erneut den gleichen Weg. Als er wieder an seinem Ziel angelangt ist, macht er kehrt und rennt ein letztes Mal die gesamte Strecke.

Wer Marburg kennt, weiß dass man für den Anstieg zum Schlossberg einiges an Puste braucht. So beschwerlich der Weg zum Schloss auch ist, so beharrlich ist auch der Läufer. Er gibt nicht auf, noch Hundert Meter, noch fünfzig, noch zwanzig, die Kondition strapaziert, außer Atem, der Schweiß läuft ihm über das Gesicht. Am Südtor angelangt, versucht der Läufer zur Ruhe zu kommen, wieder Luft zum Atmen zu erhalten.

Der Sportler trägt keinen Sportanzug, nein, im Gegenteil! Er ist bekleidet mit der grauen Wehrmachtsuniform für Offiziere. Dazu die schweren Knobelbecher, wie die Stiefel damals genannt wurden und einer Schirmmütze, welche er während des Laufens unter den Arm geklemmt hat. Auf der Uniform trägt er verschiedene Auszeichnungen, darunter auch das Verwundetenabzeichen in Gold. Der Preis für diese Orden war hoch, der Offizier hat ihn mit dem Verlust seiner beiden Händen gezahlt.

Der Offizier ist Kurt Schwerdt, welcher während des Zweiten Weltkriegs als Infanterist in der Wehrmacht diente. Bereits wenige Wochen nach Beginn des Russlandfeldzuges verlor er seine rechte Hand, dennoch blieb er als aktiver Offizier im Dienst und wurde als Lehroffizier auf den Truppenübungsplatz Döberitz versetzt. Hier kam es im Mai 1943 zu einem schweren Unglück, wodurch er seine verbliebene linke Hand verlieren sollte.

Als im Herbst 1944 die Bildung des Volkssturmes verkündet wurde, meldete er sich freiwillig zurück an die Front und wurde Adjutant in einem Grenadierregiment, mit welchem er an der Ardennenoffensive teilnahm und im April 1945 die Kapitulation im Ruhrkessel erlebte. Noch kurz vor Kriegsende wurden ihm weitere hohe militärische Auszeichnungen verliehen.

Nach dem Krieg arbeitete Kurt Schwerdt als Rechtsanwalt bis er 1954 die Amtsgeschäfte des Bürgermeisters von Biedenkopf übernahm. Als Bürgermeister lenkte er seinen Augenmerk auf die die Verschwisterung und Verbrüderung mit den ehemaligen Feinden jenseits der Grenzen, denn als Soldat hatte er erlebt, wohin falsche Ideale führen können. Fortan setzte er sich mit aller Kraft für ein vereintes Europa ein und vollzog die Wandlung vom patriotischem jungen Offizier zum bekennenden Europäer.

Während seiner 18jährigen Amtszeit als Bürgermeister von Biedenkopf erfolgten Verschwisterungen mit europäischen Städten, darunter die Verschwisterung mit La Charite sur Loire in Frankreich. Für seine Bemühungen, ein gemeinsames Europa zu erschaffen, wurde ihm  1970 das Europakreuz des Verbandes der Europäischen Frontkämpfers, der „Confederation Europeene des Anciens Combatants“ verliehen. Diese hohe und seltene Auszeichnung würdigen die Verdienste um Versöhnung und Freundschaft, mit dem Bestreben, ein geeintes Europa in Frieden und Freiheit zu schaffen. 1985 wurde die Stadt Biedenkopf für ihre hervorragenden Leistungen um die Verbreitung des europäischen Einigungsgedanken mit der Ehrenfahne des Europarates ausgezeichnet.

Kurt Schwerdt verstarb im Mai 2007 im Alter von 87 Jahren in seiner Wahlheimat in Biedenkopf.

Die biografisch aufgearbeiteten Memoiren von Kurt Schwerdt sind jetzt in einer erweiterten Neuauflage im Treditionsverlag in Hamburg erschienen. Das Buch umfasst im Format 16,8 x 23 cm mehr als 300 Seiten und schildert auf schonungslose Art und Weise, wie sich der Wandel von einem patriotischem Wehrmachtsoffizier hin zum bekennendem Pazifisten und Europäer vollzog.

Die Neuauflage dieses Buches war für mich ein sehr wichtiger und großer Schritt. Diese Arbeit war lange überfällig; ich war sie meinem bereits vor zehn Jahren verstorbenen Freund Kurt Schwerdt schuldig. Seit etwa Mitte 2016 habe ich mich mit der Bearbeitung dieses Buches befasst. Dazu habe ich mehrere hundert Notizen, Mitschriften und Interviews ausgewertet. Die große Masse bestand aus Kurt Schwerdts militärhistorischer Geschichte und dessen persönlichen Erlebnisse. Dazu kam noch einiges Privates über seine Arbeit zu der Zeit, in welcher er als Rechtsanwalt tätig war, bevor er nach Biedenkopf kam.

Heute kann ich mit Stolz sagen, dass endlich fertig ist, was schon 2007 hätte fertig sein sollen. Wie sehr ich mir auch wünsche, dass Kurt sich sein Buch selbst anschauen könnte, so sehr muss ich mich damit trösten, dass ihm wenigstens der Manuskriptdruck wenige Monate vor seinem Tod gefallen und ihn zu Tränen gerührt hatte. Bereits für das Manuskript hatte besonders Kurt einiges geleistet, trotzdem hatte ich in die einige Monate nach seinem Tod erschienene Erstauflage einige Fehler eingebaut, die es zu korrigieren galt und die in der stark erweiterten Neuauflage nun nicht mehr enthalten sind.

Du warst mir immer ein Mentor und ein guter Freund! Ich werde dich stets vermissen.

Bestellen können Sie das Buch hier.

Umschlag-Fotos: Links: Kurt Schwerdt nach der Beförderung zum Oberleutnant. Unten: die Kranzniederlegung mit dem Amtskollegen Paul Boulet während der Verschwisterung zwischen den beiden Städten Biedenkopf und La Charite sur Loire. Rechts: Bei den Feierlichkeiten zur Verleihung der Europafahne an die Stadt Biedenkopf.

Umschlag-Fotos: Links: Kurt Schwerdt nach der Beförderung zum Oberleutnant. Unten: die Kranzniederlegung mit dem Amtskollegen Paul Boulet während der Verschwisterung zwischen den beiden Städten Biedenkopf und La Charite sur Loire. Rechts: Bei den Feierlichkeiten zur Verleihung der Europafahne an die Stadt Biedenkopf.

24. März 1945 – Der alliierte Ausbruch aus dem Brückenkopf steht unmittelbar bevor

Der 24. März 1945 war im Remagener Brückenkopf ein besonderer Tag; es war der Tag, an dem sämtliche Vorbereitungen für den Ausbruch auf höchsttouren liefen. Erreichte Stellungen wurden ausgebaut, wichtige Punkte mussten erobert werden. Weitere Verstärkungen wurden nachgeholt und die amerikanische Artillerie belegte sämtliche Wege an die deutschen Frontlinien mit noch heftigerem Störfeuer. Installierte PluginsDie amerikanische Luftwaffe tat das, was sie am besten konnte, sie griff alles an, was sich durch Bewegungen am Boden zeigte.

Drei Rheinübergänge binnen drei Tagen

Am 22. März 1945 konnte die 5. US-Infanteriedivision von Pattons 3. Armee bei Mainz und Oppenheim kurz vor Mitternacht den Rhein überqueren, Widerstand wurde kaum geleistet und die Division konnte innerhalb der nächsten 24 Stunden ihre gesamten Truppen auf das Ostufer nachziehen. Hitlers Befehle, sofortige Gegenangriffe durchzuführen, scheiterten daran, dass keinerlei Reserven greifbar waren. Schon am 23. März setzte die 3. US Armee bei Worms erneut über den Rhein.

Bei Wesel und Rees erfolgte am 24. März 1945 ein umfangreiches Luftlandeunternehmen (Operation Varsity). Nördlich von Xanten konnte die 15. Infanteriedivision Haffen und Mehr überrennen. Im Tagesverlauf wurde Hamminkeln durch die 6. britt. Fallschirm-Jäger-Division erobert, die 17. US Fallschirm-Jäger-Division erreichte Diersfordt und besetzte die östlich gelegenen Höhen. Bis zum Einbruch der Nacht zum 25. März brachten die Deutschen, besonders bei Wesel, viele Gegenangriffe vor. Zur gleichen Zeit ereigneten sich im Brückenkopf von Remagen nicht minder heftige Gefechte.

Auf dem Ostufer des Rheins befinden sich Infanteriekräfte und ein Shermanpanzer auf dem Weg zur Front. Die Ludendorff-Brücke steht noch, demnach kann man das Foto vor den 17. März 1945 datieren. Vorne links im Bereich befindet sich ein ehemaliger Unterstand einer Flak-Stellung. Foto SIgnal-Corps, National-Archiv Washington, USA.

Auf dem Ostufer des Rheins befinden sich Infanteriekräfte und ein Shermanpanzer auf dem Weg zur Front. Die Ludendorff-Brücke steht noch, demnach kann man das Foto vor den 17. März 1945 datieren. Vorne links im Bereich befindet sich ein ehemaliger Unterstand einer Flak-Stellung. Foto SIgnal-Corps, National-Archiv Washington, USA.

Angriffe der 1. US Armee

Das VII. US Armeekorps hatte den Auftrag, mit der 104. und der 1. US Infanteriedivision den für den Ausbruch benötigten Raum vom Feind zu befreien. Hierbei stießen die amerikanischen Verbände zum Teil auf heftigsten Widerstand, der erst durch koordinierte Luftangriffe niedergekämpft wurde. In der Nacht zum 25. März wurde der Hanfbach an mehreren Stellen überschritten und das 16. US-Infanterieregiment konnte in Hennef-Geisbach und Lichtenberg eindringen, während das benachbarte 18. Infanterieregiment nach Hüchel vorstieß und mit den Spitzen in Uckerath eindringen konnte. Besonders um Uckerath, das in letzter Stunde zur Festung erklärt worden war, entbrannten schwerste Gefechte, in deren Verlauf mehr als 250 deutsche Soldaten ihr Leben verloren. Am Tagesende notierte die 1. US- Infanteriedivision in ihrem Kriegstagebuch, den schwersten Kampftag seit Beginn der Kämpfe durchgestanden zu haben, der Tag wird mit seiner Härte und Heftigkeit mit denen, die während der Landung in der Normandie in Nordfrankreich stattfanden, verglichen.

Die 104. US Infanteriedivision war dazu in der Lage den Flugplatz Eudenbach zu erobern, wo Reste der 9. Panzerdivision und der 340. Volksgrenadier Division versuchten, die Verteidigung aufrecht zu erhalten. Um Brungsberg, wo sich Teile des 415. US-Infanterieregiments festrannten, ereigneten sich schwere Kämpfe. Dennoch musste die schwache 9. Panzerdivision unter Verlust von mehreren Panzern und Halbkettenfahrzeugen den Widerstand aufgeben und zog sich langsam zurück, wonach die Front in diesem Bereich zusammenbrach.

An der Nordflanke des Korps war das 1. Bataillon vom 310. US Infanterieregiment (78. US Infanteriedivision) dazu in der Lage, die deutsche Verteidigung nordwestlich Menden zu zerschlagen und drang bis an die Sieg vor.

Der Frontverlauf im Brückenkopf von Remagen zwischen dem 7. und 24. März 1945. Grafik aus "The Last Offensive", Washington D.C., Government Printing Office.

Der Frontverlauf im Brückenkopf von Remagen zwischen dem 7. und 24. März 1945. Grafik aus “The Last Offensive”, Washington D.C., Government Printing Office.

Im mittleren Bereich des Brückenkopfes waren die Verbände des III. US-Armeekorps dabei, den Angriff gegen die Wied auszuweiten. Bei Fernthal wurde durch die 9. US Infanteriedivision die Autobahn überschritten und Borscheid erobert, mehrfach vorgebrachte deutsche Gegenangriffe blieben im Abwehrfeuer liegen. Etwa gegen 22.00 Uhr am Abend wurden die Regimenter 39. und 47 durchgeschoben, um den Angriff bis zur Wied auszuweiten.

Das V. US Armeekorps war im südlichen Brückenkopf mit der 99. US Infanteriedivision gegen die Autobahn vorgegangen, die 2. US-Infanteriedivision konnte den zuvor eroberten Wied-Brückenkopf festigen und weiter ausbauen. Gladbach und Oberbieber wurden im Tagesverlauf erobert.

In unserer Gefallenendatenbank finden sich derzeit 54 deutsche Kriegsopfer, die am 24. März 1945 gefallen sind. Bitte beachten Sie, dass diese Datenbank auch nur einen Bruchteil der tatsächlichen Gefallenenzahlen widerspiegelt. Darüberhinaus umfassen die Einträge der Datenbank in aller Regel meist nur die Opfer des nördlichen Kriegsschauplatzes im Remagener Brückenkopfes.

Exkursion 4 – Kampf um den amerikanischen Sieg-Übergang bei Wissen

Bereits am 11. April diesen Jahres hatten wir die erste Begehung des Kampfgebietes rund um den Kucksberg und die Brückhöfe bei Wissen durchgeführt. Schon damals war das Interesse recht ordentlich, im Frühjahr kamen 21 Leute zusammen, die erfahren wollten, wie sich 1945 die Kämpfe um die Brückhöfe ereignet hatten. Bei der nun am 4. Oktober 2015 wiederholten Runde waren wieder zahlreiche Interessenten erschienen, dieses Mal waren es sogar 32 Leute. Obwohl diese Runde knapp mehr als 6 Kilometer misst, hat der älteste Teilnehmer keine Mühen gescheut und ist den gesamten Weg mitgelaufen.

Günter Hilger war in seine Geburtsstadt gekommen, um die eigenen Erinnerungen mit den Überlieferungen der Kriegstagebücher und der damaligen Veteranen abzugleichen. Die Erinnerungen Hilgers waren noch sehr wach, besonders gut konnte er sich an die Ereignisse erinnern, die er aus eigener Beobachtung miterlebt hatte, so z.B. erlebte Hilgers den Angriff eines deutschen Sturmgeschützes in der Brückhöfe etwa Anfang April 1945, zudem konnte er über mehrere tote Volkssturmsoldaten berichten, die auf dem Alserberg im Bereich der Pirzenthaler Straße in amerikanischem Artilleriefeuer gefallen waren.

Nachdem ich die Teilnehmer in Frankenthal begrüßt hatte, nutzte ich die Gelegenheit, Dinge herumzureichen, die in den letzten Kriegstagen in Wissen zurückgeblieben waren. Darunter befand sich auch eine Zeltbahn, die einem deutschem Soldaten gehörte, der während der Kampftage um den amerikanischen Übergang über die Sieg gefallen war. Nachdem wir abstimmten, ob die Teilnehmer die größere Runde, also mit Rückweg durch die Brückhöfe und zugehöriger Schilderung zu den Gefechten um den eigentlichen Sieg-Brückenkopf, oder aber die kürzere Runde laufen möchten, machten wir uns auf den Weg. Im Bereich des ehemaligen Zwangsarbeiterlagers räumte ich Bruno Wagner, der seit Jahren die Geschichte des Lagers erforscht, die Gelegenheit ein, selbst etwas aus seinen Forschungen zu erzählen. Im Anschluss folgten wir dem Weg der amerikanischen Infanterie, die sich durch den Bereich des Gefangenenlagers kämpfen musste und sich anschließend besonders um den Kucksberg und den Sandberg in Gefechte verwickelte.

Unsere Route führte vorbei an ehemaligen Granatwerferstellungen und Schützenmulden bis an den Sandberg heran, der im März 1945 noch Teil der Frontlinie war. Eine der Höhen diente dem Generalfeldmarschall Model eine Besichtigung der Siegfront durchzuführen. Bei diesem Anlass kam es auch zur Sprengung des Postamtes durch ein Himmelsfahrtkommando. Da mittlerweile die Zeit doch schon stark vorangeschritten war, teilte sich die Gruppe am Sandberg auf, während die eine Hälfte den Rückweg antrat, marschierten die restlichen weiter, darunter auch Günter Hilger, der so kurz vor dem eigentlichen Ziel nicht aufgeben wollte.

Der weitere Weg führte uns in die Brückhöfe, wo es zu einigen Gefechten gekommen war. Besonders heftig war am 5. April gekämpft worden, als die deutschen Soldaten versuchten, den amerikanischen Brückenkopf zu bereinigen. Unter hohen Verlusten gelang dieses Unternehmen auch kurzfristig, aber hierdurch wurden sämtliche Reserven aufgebraucht. Einem neuen amerikanischen Angriff war nichts mehr entgegenzusetzen, die Brückhöfe wurde darauf wieder “amerikanisch”. Da sich viele der Teilnehmer, das kristallisierte sich bereits im Frühjahr heraus, auch besonders für die Gefechte um die Brückhöfe interessierten, haben wir uns nun dazu entschlossen eine weitere Runde, die dann nicht so viele Stunden dauern wird, anzubieten. Die Planungen hierzu laufen bereits an. Als wir später endlich wieder am Startpunk angelangt waren, zeigte die Uhr mittlerweile gut 19.30 Uhr an, das waren rund “5 1/2 Stunden, die spannende und aufschlussreiche Details über die Gefechte an der Sieg wiedergaben”, wie es einer der Teilnehmer erklärte.

Mein besonderer Dank gilt den vier Zeitzeugen! Hier wären viele Stunden Gespräche möglich, denn da ist Masse an Erinnerung vorhanden, die das Erzählte zusätzlich belegen konnte. Vielen Dank auch an Markus Hauf und Werner Weitz für die Überlassung der Fotos, ohne die dieser Beitrag nun sonst bilderlos ausgefallen wäre!

Die Latrinen des Zwangsarbeiterlagers. Foto Werner Weitz.

Die Latrinen des ehemaligen Zwangsarbeiterlagers. Foto Werner Weitz.

Die Latrinen des Zwangsarbeiterlagers. Foto Werner Weitz.

Die Latrinen des Zwangsarbeiterlagers. Foto Werner Weitz.

Im Gespräch mit Zeitzeugen. Bruno Wagner berichtete davon, dass einige Zeitzeugen die Gefangenen manchmal schreien hören könnten, während man sie folterte. Foto Werner Weitz.

Im Gespräch mit Zeitzeugen. Bruno Wagner berichtete davon, dass einige Zeitzeugen die Gefangenen manchmal schreien hören könnten, während man sie folterte. Foto Werner Weitz.

Der Gedenkstein für die Opfer des Lagers. Foto Werner Weitz.

Der Gedenkstein für die Opfer des Lagers. Foto Werner Weitz.

Bereits im Bereich des Zwangsarbeiterlagers, in dem nach dem Krieg noch deutsche Kriegsgefangene untergebracht waren, ereigneten sich erste Kampfhandlungen mit den Amerikanern. Foto Werner Weitz.

Bereits im Bereich des Zwangsarbeiterlagers, in dem nach dem Krieg noch deutsche Kriegsgefangene untergebracht waren, ereigneten sich erste Kampfhandlungen mit den Amerikanern. Foto Werner Weitz.

Auf halben Weg passiert man die ehemalige Stellung eines deutschen Granatwerfers, unweit der Stelle sollte noch einer der Soldaten fallen, während er Munition besorgte. Foto Werner Weitz.

Auf halben Weg passiert man die ehemalige Stellung eines deutschen Granatwerfers, unweit der Stelle sollte noch einer der Soldaten fallen, während er Munition besorgte. Foto Werner Weitz.

Ein unscheinbares Loch am Wegesrand - die zuvor erwähnte Granatwerferstellung. Ist man persönlich vor Ort, kann man den damaligen Zugang noch deutlich erkennen. Foto Werner Wagner.

Ein unscheinbares Loch am Wegesrand – die zuvor erwähnte Granatwerferstellung. Ist man persönlich vor Ort, kann man den damaligen Zugang noch deutlich erkennen. Foto Werner Wagner.

Blick vom Sandberg aus amerikanischer Perspektive in Richtung der damaligen deutschen Stellungen. Foto Werner Weitz.

Blick vom Sandberg aus amerikanischer Perspektive in Richtung der damaligen deutschen Stellungen. Foto Werner Weitz.

In der Nähe vom Sandberg wurde amerikanische Infanterie durch deutsches Feuer festgenagelt, an diesem Gebäudeteil waren sie in Sicherheit, da das feindliche Maschinengewehr auf Lafette nicht so tief abschwenken und dadurch die Soldaten unter Beschuss nehmen konnte. Foto Markus Hauf.

In der Nähe vom Sandberg wurde amerikanische Infanterie durch deutsches Feuer festgenagelt, an diesem Gebäudeteil waren sie in Sicherheit, da das feindliche Maschinengewehr auf Lafette nicht so tief abschwenken und dadurch die Soldaten unter Beschuss nehmen konnte. Foto Markus Hauf.

Der Sandberg war in seinen kompletten Ausmaßen damaliges Frontgebiet. Schutz bot er dabei mit seinen Hügeln und Halden mehr als genug. Nachdem die Amerikaner auf den Sandberg stürmten, zogen sich die deutschen Soldaten auf die gegenüberliegenden Hänge zurück, wo sie sich erneut festsetzten. Deutsche Verstärkung kam von der in der angrenzenden Linie liegenden Truppe oberhalb der Sieg. Foto Markus Hauf.

Der Sandberg war in seinen kompletten Ausmaßen damaliges Frontgebiet. Schutz bot er dabei mit seinen Hügeln und Halden mehr als genug. Nachdem die Amerikaner auf den Sandberg stürmten, zogen sich die deutschen Soldaten auf die gegenüberliegenden Hänge zurück, wo sie sich erneut festsetzten. Deutsche Verstärkung kam von der in der angrenzenden Linie liegenden Truppe oberhalb der Sieg. Foto Markus Hauf.

Um 7.20 Uhr erreichten die Amerikaner die Kreuzung Öttgesborn/Eisenstraße. Um diese Zeit sollte eigentlich die gesamte Brückhöfe bereits von letzten deutschen Soldaten bereinigt sein, doch hatten die Amerikaner noch nicht einmal den Sandberg erobert. Bis die Brückhöfe fallen sollte, sollten noch viele Soldaten beider Seiten sterben. Foto Markus Hauf.

Um 7.20 Uhr erreichten die Amerikaner die Kreuzung Öttgesborn/Eisenstraße. Um diese Zeit sollte eigentlich die gesamte Brückhöfe bereits von letzten deutschen Soldaten bereinigt sein, doch hatten die Amerikaner noch nicht einmal den Sandberg erobert. Bis die Brückhöfe fallen sollte, sollten noch viele Soldaten beider Seiten sterben. Foto Markus Hauf.

Blick auf Wissen, im Waldstreifen davor befand sich der Gefechtsstreifen einer Kompanie, die die deutschen Soldaten, die im links angrenzenden Sandberg kämpften, unterstützten. Foto Markus Hauf.

Blick auf Wissen, im Waldstreifen davor befand sich der Gefechtsstreifen einer Kompanie, die die deutschen Soldaten, die im links angrenzenden Sandberg kämpften, unterstützten. Foto Markus Hauf.

Die zur Sieg hin gewandten Häuser in der Brückhöfe glichen 1945 Festungen, erwarteten die deutschen Soldaten schließlich den amerikanischen Angriff gleich über die bereits gesprengten Brücken. Mit einem Angriff über den Sandberg hatte man gar nicht gerechnet. Foto Markus Hauf.

Die zur Sieg hin gewandten Häuser in der Brückhöfe glichen 1945 Festungen, erwarteten die deutschen Soldaten schließlich den amerikanischen Angriff gleich über die bereits gesprengten Brücken. Mit einem Angriff über den Sandberg hatte man gar nicht gerechnet. Foto Markus Hauf.

 

Exkursion 3 – Letztes Aufbäumen der 9. Panzerdivision bei Altenkirchen

Unsere dritte Exkursion sollte sich neben der Eroberung der Kreisstadt Altenkirchen damit befassen, wie die Führung der sich zurückziehenden Truppen noch versucht hatte, nördlich von Altenkirchen eine Sicherungslinie von Mammelzen über Sörth bis nach Giesenhausen einzurichten. Die Amerikaner verloren an diesem Tag zwei Sherman-Panzer, mindestens zwei weitere wurden beschädigt, auf deutscher Seite wurden in Tiger-, ein Panther und eine 2-cm-Flak zerstört, an der B414 in Richtung Hachenburg wurde zudem ein schwerer Jagdpanzer ausgeschaltet. Die Exkursion am 26. September 2015 sollte die Teilnehmer auf die Spuren dieser Ereignisse des 2. März 1945 führen.

Das Interesse an dieser Runde war groß. Insgesamt kamen am Friedhof 21 Teilnehmer zusammen. Ein Teilnehmer war extra aus Hohrhausen angereist. Er war mit 83 Jahren auch der älteste Teilnehmer der Exkursion. Sein Interesse war es, zu erfahren, wie sich die Kämpfe der 3. US-Panzerdivision hier bei uns im Westerwald zugetragen haben, denn Rudi Brauer hatte die Befreiung Weimars durch die 3. US-Panzerdivision erlebt und diese Ereignisse hatten ihn und sein ganzes späteres Leben geprägt. Dann war da noch eine ältere Dame, die sich sehr dafür interessierte, was sich 1945 in Sörth zugetragen hatte. Die Aussage der älteren Erlebnisgeneration: „Man muss daran erinnern, gerade weil kaum bekannt ist, was sich zum Kriegsende ereignete!“ Rudi Brauer sagte zu mir, als er sich am Ende der Runde verabschiedete: „Sie leisten eine sehr wichtige Arbeit und tragen dadurch dazu bei, dass sich so etwas nicht mehr wiederholen wird!“ Und für die, die mit offenen Augen durch die Wälder gingen, gab es auch noch was zu entdecken und mitzunehmen: Drei wunderbare und recht große Steinpilze! 😉

Die Einnahme Altenkirchens

  1. Gegen Mittag des 26. März 1945 marschierten etwa um 13.30 Uhr erste Infanteristen des I. Bataillons vom 415. Infanterieregiment der 104. US Infanteriedivision über Leuzbach nach Altenkirchen ein, sie erhielten zu diesem Zeitpunkt nur Feuer von Granatwerfern und Infanteriewaffen aus nördlicher Richtung. Mit Erreichen der Kreisstadt schlief der deutsche Widerstand ein, nur noch hier und dort fielen obligatorische Schüsse, damit auch die letzten deutschen Soldaten dem Führerbefehl gefolgt waren und „Widerstand bis zum Letzten“ geleistet hatten.
  2. Nachdem die Hälfte der Ortschaft besetzt worden war, erwartete man die Infanteristen des II. Bataillons, welche aus Richtung Fluterschen nach Almersbach gegen leichten Widerstand vorgingen. Sie mussten erst den angrenzenden Wald südlich der Wied von deutschen Soldaten bereinigen, die sich dort noch in größerer Zahl aufhielten und immer wieder auf die amerikanischen Soldaten in Altenkirchen feuerten. Zu größeren Kampfhandlungen kam es hierbei jedoch nicht mehr. Der Waldrand war gegen 14.30 Uhr gesichert und die weitere Besetzung Altenkirchens konnte vorangetrieben werden. Etwa zur gleichen Zeit ereignete sich das Gefecht um Oberwambach, wo die Amerikaner einen Sherman-Panzer verloren und eine 8,8cm-Flak ausschalteten. Dieser Kampf steht mit der Einnahme von Altenkirchen in keinem Zusammenhang, sondern war dies die südlich vorgehende Kampfgruppe der 3. US.-PD.
  3. Noch während die Amerikaner gegen 15 Uhr dabei waren, die restlichen Ortsteile zu sichern, schickten Geschütze der 277. Heeres-Flak-Abteilung vom Bereich oberhalb Kumphof einen letzten „Abschiedsgruß“ den aus Richtung Weyerbusch vorstoßenden Kräften (36. Armored Infantry Bataillon) der 3. US Panzerdivision entgegen, dies waren vermutlich die letzten Schüsse, die gefallen sind, bis Altenkirchen komplett besetzt war.
  4. Unter den Augen amerikanischer Soldaten rückten am späten Nachmittag noch letzte deutsche Panzer und Infanterie hastig in nordöstliche Richtung ab, es waren die Reste der 9. Panzerdivision, die auf dem Rückzug selbst erst kurz vor den Amerikanern in Altenkirchen eingetroffen waren. Wahrscheinlich waren dieses auch die Verteidiger, die General Bayerlein mobilisieren konnte und in der umkämpften Linie in Stellung brachte.
Der Einmarsch in Altenkirchen am 26. März 1945 - Karte National Archives, Washington, USA

Der Einmarsch in Altenkirchen am 26. März 1945 – Karte National Archives, Washington, USA

Letzter Widerstand der 9. Panzerdivision

Generalleutnant Fritz Bayerlein, der sich am Morgen des 26. März 1945 auf dem Gefechtsstand der Panzer-Lehr-Division in Hilgenroth befand, erhielt von Generalfeldmarschall Model den Befehl, alle erdenklichen Maßnahmen einzuleiten, um eine Sicherungslinie zu errichten, die den Vorstoß nach Norden zur Sieg hin abriegeln würde, damit sich die Masse der Einheiten hinter den Fluss zurückziehen könnte. Dazu wurde Bayerlein die Reste der 9. Panzerdivision zugesagt. Da jedoch die Masse der Division bereits zerschlagen worden war und sich der Rest auf der Flucht befand, standen Bayerlein hierzu kaum Kräfte zur Verfügung. Trotzdem war er dazu in der Lage, mehrere sich zurückziehende Panzer zu mobilisieren. Er ließ bei Giesenhausen einen Tigerpanzer in Stellung gehen und die Linie Südrand Mammelzen bis östlich Sörth durch einen Panther bei Mammelzen, einen Panzer IV und ein Sturmgeschütz zwischen Mammelzen und Sörth sichern. Hinzu kam ein Jagdpanzer , der aus Michelbach kam und sich über Ingelbach in Richtung Hachenburg zurückzog. Am Waldrand oberhalb Reuffelbach befand sich eine 8,8cm Flak der 277. H.Flak.Abt., die nach Verschuss der letzten Granaten gesprengt wurde. Ein weiteres, unbekanntes Geschütz, war in der Nähe von Giesenhausen in Stellung, weitere Flak lag im Bereich zwischen Giesenhausen und Bahnhof Ingelbach. Nur entlang des südlichen Ortsrands von Mammelzen befanden sich schwache Infanterieeinheiten, Wehrmachtssoldaten und Volkssturm.

Am späten Nachmittag nahm die 3. US Panzerdivision ihren Angriff wieder auf. Mit dem Vorstoß in Richtung Hachenburg erhielten sie heftiges Feuer in der linken Flanke. Um dieser Gefahr zu begegnen, wurden Panzervorstöße aus Altenkirchen in Richtung Mammelzen und Sörth vorgeschoben, worauf sie zwei Sherman-Panzer verloren. Um sich hier nicht weiter zu verzetteln und Verluste zu vermeiden, musste der deutsche Widerstand durch konzentrierte Luftangriffe ausgeschaltet werden. Im Verlauf der rund zweistündigen Gefechte wurde der Tigerpanzer, der von Giesenhausen aus in Richtung Mammelzen verlegte, um dort Unterstützungsfeuer zu leisten, oberhalb Sörth ausgeschaltet. Der Panther war zusammen mit einer 2cm Flak am Weg nach Hüttenhofen zerstört worden, nur der Panzer IV und das Sturmgeschütz konnten sich noch restzeitig absetzen. 1947 mussten zwei der um Sörth zurückgebliebenen Panzer gesprengt werden, hierbei kam es noch einmal zu Ortsschäden, zudem wurde das Stromnetz in Mitleidenschaft gezogen.

Skizze von General Bayerlein zu den Kämpfen des LIII. Armeekorps Ende März 1945. Farbig dargestellt sind die eingefügten Ergänzungen.

Skizze von General Bayerlein zu den Kämpfen des LIII. Armeekorps Ende März 1945. Farbig dargestellt sind die eingefügten Ergänzungen.

Eine der noch sichtbaren Schützenmulden. Vor rund 20 Jahren waren noch sehr viel mehr der ehemaligen Verteidigungsstellungen in den Wäldern sichtbar, doch die Natur holt sich langsam zurück, was ihr gehört.

Eine der noch sichtbaren Schützenmulden. Vor rund 20 Jahren waren noch sehr viel mehr der ehemaligen Verteidigungsstellungen in den Wäldern sichtbar, doch die Natur holt sich langsam zurück, was ihr gehört.

Nach gut 80 % der doch recht anstrengenden Wegstrecke haben sich einige von der Gruppe verabschiedet und sind den Rückweg nach Sörth angetreten. Wir restlichen sollten noch an den Ort marschieren, wo der Panther abgeschossen wurde. Am Waldrand hinter uns wurde vor über 70 Jahren der Tiger-Panzer ausgeschaltet.

Nach gut 80 % der zum Teil doch recht anstrengenden Wegstrecke haben sich einige von der Gruppe verabschiedet und sind den Rückweg nach Sörth angetreten. Wir restlichen sollten noch an den Ort marschieren, wo der Panther abgeschossen wurde. Am Waldrand hinter uns wurde vor über 70 Jahren der Tiger-Panzer ausgeschaltet.

Exkursion 2 – Kampf und Untergang des Volkssturmbataillons Altenkirchen

Nachdem die 1. US-Armee am 25. März 1945 überall entlang der Remagener Brückenkopffront ihre schweren Angriffe vorantrieb,  wurde der Volkssturm des Kreises Altenkirchen in der Nähe von Neustadt aus der Stellung gedrückt. Dieses Bataillon, es war das erste von zwei im Kreis Altenkirchen aufgestellten, zog sich bis in den Raum Rott-Flammersfeld zurück, wo es zu einem letzten größeren Einsatz kam. Während unserer Exkursion sollten wir uns am 19. September 2015 in der Umgebung von Rott mit der Geschichte der beiden im Kreisgebiet aufgestellten Bataillone befassen und auf noch sichtbare Spuren stoßen, welcher dieser sinnlose Kampf hinterlassen hatte.

Ein gutes Bild darüber, wie der Volkssturm aufgestellt wurde, der im Brückenkopf von Remagen zum Einsatz kommen sollte, hat Hans Schneider, der 1945 als Fahnenjunker im Stab der 363. Volksgrenadier Division seinen Dienst versah, festgehalten. Ihm oblagen die Aufgaben und Ausbildung des Volkssturmes innerhalb der Division.

„…Es gab zwei grundlegende Kriterien: die Jahrgänge und die Diensttauglichkeit. Während man bei den Jahrgängen nicht viel machen konnte, so wurde aber bei der durch den Truppenarzt ermittelten Tauglichkeit gerne mal ein oder gar auch zwei Augen zugedrückt! Es musste schließlich ein Mannschaftsbestand von Summe X erschaffen werden mit allen Männern, die greifbar wurden. Hinzu kam natürlich auch der Werdegang von jedem, Teilnehmer des 1. WK… wurden nahezu alle als tauglich eingestuft – sofern nicht ein schweres Leiden aus dieser Zeit vorlag – wie ein fehlendes Bein oder ähnliche Verwundungen…Während die Zuziehung der jüngsten Jahrgänge eher unproblematisch war, so gab es gerade aber bei den Alten Probleme. Die Jungen hatten meist schon eine entsprechende Ausbildung während der Dienstzeit in der Hitlerjugend erhalten und wären öfters auch gerne dazu bereit gewesen, am letzten großen Waffengang ihren Teil zu haben – natürlich gegen den Willen der Eltern…Problematisch war der fanatische Wille vieler junger Burschen. Man hatte ihnen die Panzerfaust mit einem bestimmten Auftrag an die Hand gegeben, die militärische Entwicklung jedoch erforderte wenig später Anderes – dann gab es größere Schwierigkeiten, diese Jungs zu überzeugen, doch noch den Rückzug anzutreten. Man hatte gelernt, den Feind zu hassen und nötigenfalls auch zu bekämpfen!“

Unser Treffpunkt für diese Exkursion war der Wanderparkplatz in Rott am Walter-Bartels-Weg. Zwölf Personen, die sich für die Geschichte des Altenkirchener Volkssturmes interessierten, sollte ich während dieser Runde durch die Wälder rund um Rott führen. Großes Interesse fanden auch die immer wieder stattfindenden Diskussionen, da bei dieser Runde ebenfalls auch zwei Zeitzeugen anwesend waren. Während der eine das Kriegsende als Jugendlicher in Rott erlebte, hat der andere als elfjähriger nur fünf Kilometer hinter der Front im Bereich südlich von Berlin mithelfen müssen, deutsche Panzer aufzumunitionieren, die anschließend in den Kampf gefahren waren.

Besonders die Geschichte des Volkssturmes im Westen hinterlässt heute weitreichende Lücken in der Geschichtsschreibung. Bevor wir uns den wenigen Einsätzen des Altenkirchener Volkssturmes widmen, muss man sich mit der militärischen Situation in der Region beschäftigen, da erst nach überschreiten des Rheins der hiesige Volkssturm mobilisiert und in den Einsatz geworfen wurde. Bekannt ist heute, dass bis auf wenigste Ausnahmen an der gesamten Westfront kaum Volkssturmeinheiten zum organisierten Einsatz gekommen sind. Bis zum alliierten Vormarsch an den Rhein hatte der Volkssturm des westdeutschen Reiches meist nur Sicherungsaufgaben zu versehen oder wurde abkommandiert zum Stellungsbau. Bei Einmarsch der Amerikaner in die Millionenstadt Köln wurde erstmals versucht, die Volkssturmpflichtigen in größerem Umfang an die Waffen zurufen und in den Kampfeinsatz zu schicken. Diese Bemühungen, besonders durch Gauleiter Grohe, waren größtenteils zwecklos und vom taktischen Standpunkt betrachtet vollkommener Unsinn. Nur die wenigsten folgten diesen Befehlen, einige wurden durch die Kommandeure heimgeschickt. Trotzdem kam es aber zu einigen Kampfeinsätzen des Volkssturmes in Köln. An der Ostfront, bzw. in Breslau oder Königsberg, starben zur gleichen Zeit Hundertschaften junger Burschen und alter Männer, die man Seite an Seite mit Wehrmachtseinheiten in den Kampf gezwungen hatte. In Westdeutschland hatte die gesamte Mobilisierung des Volkssturmes einfach nicht funktioniert, sie hatte versagt, weil den Bürgern trotz der deutschen Propaganda bewusst und bekannt war, dass der alliierte Feind nicht das „menschenhassende Monstrum“ war, wie es durch die Propaganda gleichermaßen über den Russen behauptet wurde. Im Westen hatte die Bevölkerung einfach weniger Angst vor den Alliierten.

Erst nachdem die Amerikaner überall an den Rhein herangestoßen waren und am 7. März 1945 die Ludendorff-Brücke in Remagen eroberten, änderte sich die gesamte Situation. „Der Ami ist über´n Rhein“ war die Parole. Deutsche Truppen, die über den Fluss gesetzt hatten, waren seit Monaten in ununterbrochenen Gefechten eingesetzt und ausgeblutet bis zum letzten Mann. Auffrischung kam meist nur in Form von kaum ausgebildeten oder versprengten Soldaten, die meist noch anderen Waffengattungen, wie der Luftwaffe oder Marine, angehörten. Nachdem die Amerikaner den Remagener Brückenkopf bildeten, wurde deutscherseits alles versucht, diesen Brückenkopf zu beseitigen. Dazu wurden Soldaten benötigt, die es kaum noch gab. Erstmalig ging überall entlang der Westfront eine Art Ruck durch die Truppe, in dem man versuchte die Truppen durch greifbare und fast überall befindliche Volkssturmpflichtige oder bedingt kriegsverwendungsfähige Soldaten aufzufrischen. Wer gestern noch UK-Gestellt (unabkömmlich im Sinne von Arbeit in wehrwirtschaftlichen Betrieben etc.), der musste heute bereits um sein Leben fürchten und damit rechnen, sich innerhalb kürzester Zeit beim Volkssturm einzufinden und/oder durch die Wehrmacht vereinnahmt zu werden.

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Im Raum Leverkusen-Solingen befand sich die 363. Volksgrenadier Division zur Auffrischung, nachdem die Division gerade aus Köln über den Rhein gesetzt hatte. Diese Auffrischung ging so vonstatten, dass jeder wehr- und volksturmpflichtige in die Truppe befohlen wurde. Ärztliche Untersuchungen wurden meist zum Nachteil der Untersuchten durchgeführt. Wer sich der Musterung im Schloss Morsbroich entziehen wollte, begab sich in die Gefahr durch Militärpolizei zwangsvorgeführt zu werden, oder aber noch schlimmer, konnte erschossen werden. Der aus Wiesdorf stammende, erst 16-jährige Günter Julius Wehrmeister sollte am 12. März 1945 im Schloss Morsbroich gemustert werden und wurde während eines Fluchtversuches um 15.30 Uhr im angrenzenden Wald erschossen. Männer, die eigentlich unabkömmlich waren, wurden aus den Betrieben, Bunkern oder Wohnungen herausgeholt und man vernichtete den Bescheid über die Unabkömmlichkeit. Dies waren nur einige der Praktiken, die die Armee nutze, wenn sie über den Mannschaftsbestand des Volkssturmes verfügen wollte; sie hat ihn einfach vereinnahmt. Aufgestellt wurden nach dem Rheinübergang im Kreis Altenkirchen mindestens zwei Bataillone:

Bataillon Schäfer mit drei Kompanien – hierzu gehörte auch die Kompanie Derschen

Aufgestellt am 12.3.1945 auf Befehl des Kreisleiters Venter vom 7. März 1945. Die Masse der Kompanie „Derschen“ setzte sich aus „UK“-gestellten Arbeitern zusammen, von denen viele bei der Firma Wolf-Geräte in Betzdorf tätig waren. Die Kompanie wurde in das Schulgebäude nach Molzhain verlegt, wo sie bis zum 15. März eine Ausbildung an Panzerfaust, Maschinengewehr und Karabiner erhielt. Am 16. März erfolgte mittels LKW der Transport in den Raum Neustadt/Wied, wo sich ab dem 19. März Gefechte um die Wied-Übergänge ereigneten. Zwischen dem 22. und 25. März stand die Kompanie in direkten Gefechten mit den amerikanischen Verbänden, wobei der 22. März besonders hohe Verluste forderte. Am 25. März 1945 überwand die 9. US Infanteriedivision die Wied und drängte scharf gegen die Reste der 340. Volksgrenadier Division vor, der die Volkssturmkompanie unterstellt worden war. Die Wehrmacht setzte sich vor den Amerikanern fluchtartig ab und befahl dem Bataillon Schäfer die Stellungen zu übernehmen. Die Einheit war diesem Druck in keiner Weise gewachsen und musste sich ebenfalls zurückziehen. Hierbei ist bekannt, dass die Derschener Kompanie über Peterslahr-Döttesfeld nach Seifen zurückging, wo noch einmal Verteidigungsstellungen bezogen wurden. Am 26. März setzten die Amerikaner erneut nach, so dass sich die nicht direkt in den Kampf eingebundenen Männer nach Brubbach zurückzogen. Dort wurde die Volkssturmkompanie überrannt und geriet am Mittag in Gefangenschaft.

Bataillon Altenkirchen – Bestehend aus drei Kompanien

Etwa am 22. März 1945 auf direkten Befehl von General Carl Püchler, Chef des LXXIV. Armeekorps in Stürzelbach, aufgestellt. Püchler soll zum Ausdruck gebracht haben, dass sich noch Hunderte Volkssturmleute in der Gegend vor dem Einsatz drücken und mit Nachdruck der kämpfenden Truppe zuzuführen sind! Zwei Kompanien wurden der 3. Panzergrenadier Division bei Weyerbusch unterstellt, der genaue weitere Einsatzweg ist leider unbekannt. Hauptmann Kurt Ahlers hält über den in Weyerbusch eingetroffenen Volkssturm fest:„…völlig mürrische des Kampfes unlustige Soldaten, deren Kampfwert gleich Null ist!… Durchschnittsalter ist 40 Jahre. Nur wenige haben eine infanteristische Ausbildung erhalten. Handhabung der Panzerfaust in Masse unbekannt. Zwei MG-Schützen wissen nicht in der Handhabung ihres MG Bescheid. In der Zuweisung solcher Bataillone besteht kein Grundstock für eine neu aufzubauende Kampflinie. Ein geschlossener Einsatz des Bataillons ist unmöglich…“Die dritte Kompanie wird am 23. März in der Nähe von Flammersfeld dem direkten Kommando des LXXIV. Armeekorps unterstellt. Sie soll den Weg von Kescheid nach Flammersfeld sperren. Am 24. März erhält die Truppe im Raum Püscheid Befehl sich für einen bevorstehenden Gegenangriff vorzubereiten, weitere Verstärkungen sollen während der Nacht zugeführt werden. Der Angriff soll am nächsten Tag beginnen. Durch den amerikanischen Großangriff am 25. März wird der Angriff vereitelt, die Verbände ziehen sich bis nach Rott-Flammersfeld zurück, zwischen Asbach und Diefenau wird gekämpft und die Truppe erahnt nun, das der nächste Einsatz bevorsteht. Am Nachmittag erscheinen dann aus Richtung Asbach kommend die ersten amerikanischen Panzer, es kommt zu einem kurzen Gefecht, wobei die Kampfgruppe verlustreich zerschlagen wird. Hier sterben mindestens drei Volkssturmleute, zwei davon stammen aus Fluterschen, der dritte aus Berzhausen. Hiernach verblasst die Spur des Altenkirchener Volkssturmes, weitere Einsätze sind nachgewiesen bspw. für Pracht, Betzdorf, Herdorf, Mudersbach etc. Ungewiss bleibt jedoch, ob sich Altenkirchener Volkssturm an diesen Gefechten beteiligte.

 

Gefallen in Hahnhof – Eine Spurensuche

70 Jahre liegt das Ende des Zweiten Weltkrieges nun zurück und doch sind seine Narben lange nicht verheilt. Immer noch gibt es auf Seiten der Angehörigen viele quälende Fragen, zu denen es oft keine oder kaum Antworten gibt. Eines dieser Schicksale betrifft auch Rolf-Dieter Huckfeldt aus Arpsdorf im Kreis Rendsburg-Eckernförde, dessen Onkel Johann Huckfeldt im April 1945 als Unteroffizier in Hahnhof gefallen ist.

Rolf-Dieter Huckfeldt befasste sich während der vergangenen Jahre bereits mehrfach mit dem Schicksal seines Onkels, den er zuletzt im Alter von vier Jahren gesehen hatte. „Im Herbst 1944 war mein Onkel letztmalig auf Heimaturlaub, er war bei uns zu Hause in der Landwirtschaft damit beschäftigt, die Felder zu bestellen!“, erinnert sich der 75-jährige Rentner.

Gedenkstein von Johann Huckfeldt (wird eigentlich mit “dt” geschrieben) auf der Kriegsgräberstätte in Wissen. Foto (c) Gerd Braas.

Im Internet stieß Rolf-Dieter Huckfeldt schnell auf erste Informationen zu den Kriegsereignissen in der Niederfischbacher Gegend, darunter auch auf die Seite www.niederfischbach.de. Nach einer ersten Kontaktaufnahme zu Gerd Braas brachte Rolf-Dieter Huckfeldt einen Stein ins Rollen, der endlich, nach mehr als 70 Jahren etwas Licht ins Dunkel bringen sollte. Gerd Braas, dem ich bereits vor längerer Zeit schon einmal behilflich war mit Angaben zu den Todesumständen des auf dem Giebelwald gefallenen Leutnant Klaus Morré, fackelte nicht lange und suchte Kontakt zu mir. Schnell kam ich zu dem Ergebnis: Hier kann man weiter helfen, vielleicht nicht alle Fragen beantworten, aber doch sicher das Schicksal des gefallenen Onkels etwas näher beleuchten. Nach einigen Telefonaten und Emails wurden dann „Nägel mit Köpfen gemacht“ und Rolf-Dieter Huckfeldt reiste am 12. Juni 2015 gemeinsam mit der Tochter an.

Gerd Braas stellte Freitags den beiden Huckfeldts die Gemeinde vor. Den nächsten Morgen erwartete Rolf-Dieter Huckfeldt bereits mit großer Spannung. In Hahnhof kam es am Samstagmorgen dann zur lang ersehnten Zusammenkunft. Empfangen wurde Familie Huckfeldt in der Nähe von Hahnhof durch den Ortsbürgermeister Matthias Otterbach, welcher die beiden freundlich begrüßte und Willkommensgeschenke überreichte. Danach stellte sich Herbert Dietershagen aus Niederfischbach als exzellenter Kenner und Wanderführer des Giebelwaldes vor. Gerd Braas, der durch seine kleine Tochter begleitet wurde, hatte einen Geländewagen organisiert, mit dem die Gruppe im Tagesverlauf noch das Schlachtfeld auf dem Giebelwald erkunden würde. Nachdem sich alle bekannt machen konnten, stellte ich mich ebenfalls Herrn Huckfeldt vor und versprach ihm, dass er im Laufe des Tages Antworten zu einigen Fragen erhalten würde. „Sicherlich, das ist klar, werden nicht alle Fragen zu beantworten sein, aber auf jeden Fall werden Sie einiges aus der Geschichte der letzten Lebenstage ihres Onkels erfahren! Ich zeige Ihnen auch den genauen Ort, an dem sich die Grablage befand, bevor die Gefallenen in den 1950er Jahren nach Wissen auf die Kriegsgräberstätte umgebettet wurden.“

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Zwischen Wüstseifen und Hahnhof: v.L.: Sandra Huckfeldt, Ralf Anton Schäfer, Herbert Dietershagen, Rolf-Dieter Huckfeldt, Gerd Braas, Ortsbürgermeister Matthias Otterbach. Vorne links, darf natürlich in der Aufzählung nicht fehlen, Hund Shiro, der uns auf der Spurensuche begleitet hat.

 Rolf-Dieter Huckfeldt zeigte sich sichtlich gerührt von der Gastfreundschaft und dem Bemühen aller Anwesenden, die Umstände des Todes seines Onkels nach so langer Zeit, so weit wie es noch möglich ist, aufzuklären und er  erklärte:

 „Es war mir ein innerer Drang, hier nach Niederfischbach zu kommen, um mir den Ort anzuschauen, wo das Leben meines Onkels ein viel zu frühes Ende fand“, so Huckfeldt. Und weiter: „Dieser Herzenswunsch wurde in den letzten Jahren immer stärker. Das Ehrengrab meines Onkels in Wissen habe ich zwar als junger Mann, damals mit meiner Mutter, besucht, aber viel wichtiger ist es mir, hier heute an diesem Ort und dieser wirklich wunderschönen Landschaft zu sein – wenn auch mein Onkel sicher für diese schönen Ausblicke in seiner aussichtslosen Lage kein Auge gehabt haben wird“.

 In der Tat hatte der Onkel 1945 sicherlich kein Auge für die Schönheit des Asdorftals, denn es war die Zeit, als sich der Zweite Weltkrieg seinem Ende zuneigte, es war die Zeit, als der Giebelwald zum Frontgebiet wurde, es war die Zeit, als das Hundertfache Sterben im Kanonendonner und Kugelhagel begann.

Ich klärte kurz gefasst über die Zusammenhänge von März und April 1945 auf, darüber, wie die 1. US Armee am 7. März bei Remagen den Rhein überschritt und einen Brückenkopf bilden konnte, aus dem die Amerikaner am 25. März 1945 ausbrachen. Durch den nach Osten gerichteten Vorstoß der amerikanischen Verbände wurden große Teile der 15. Armee zerschlagen, Kräfte die sich dem Angriff der Amerikaner entziehen konnten, wurden vor den Stoßkeilen hergetrieben oder konnten sich hinter die Sieg zurückziehen. Am 29. März 1945 erhielt die Sieg im Oberkommando der Wehrmacht den Namen „Siegfront“. Diese Frontlinie sollte unter allen Umständen mit allen verfügbaren Kräften gehalten werden. So kam es, dass das Siegerland zum Frontgebiet wurde. Bunt zusammengezogene Haufen wurden an die Front geworfen und in letzter Stunde in einem sinnlosen Opfergang verheizt.

Von Herkersdorf-Offhausen kommend, marschierten die Amerikaner während der Nacht zum 1. April 1945 in Kirchen ein, dass gegen geringen Widerstand erobert werden konnte. Im Anschluss bereiteten sich die Amerikaner darauf vor, die Sieg bei Brühlhof zu überschreiten, um von dort aus über Freusburg auf den Giebelwald zu stoßen, von dem Bekannt war, dass sich dort größere Wehrmachtsverbände aufhielten. In Mitten des Strudels dieser Kämpfe war auch der Unteroffizier Johann Huckfeldt gefangen. Für ihn und viele seiner Kameraden gab es keinen Ausweg mehr. Zwischen dem 1. und 6. April 1945 wurde die waldreiche Gegend zum Schauplatz von verlustreichen Kämpfen. Nachdem am 3. April Freusburg gefallen war und die amerikanischen Angriffe den heftig umkämpften Vogelsang endlich erobern konnten, nahm die Heftigkeit besonders um die waldreichen Höhen nördlich der Sieg zu.

Die amerikanischen Angriffe führten aus drei Richtungen auf den Giebelwald zu: Von Freusburg, von Mudersbach und von Niederschelden her. Ab dem 6. April 1945 auch noch aus Richtung Wehbach, das am Morgen in amerikanische Hand gefallen war.

Deutsche Soldaten, die zuvor im Bereich Wüstseifen gesammelt wurden, sollten den amerikanischen Vormarsch aufhalten.  Angehörige einer Flak-Einheit, die von Wehbach kommend in Richtung Niederfischbach zurückging, wurden durch einen deutschen Offizier aufgefangen und gemeinsam mit dem bei Wüstseifen zusammengezogenen Haufen in die Verteidigung Hahnhofs einbezogen. Es ist mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass der 27-jährige Unteroffizier Johann Huckfeldt dieser Truppe angehörte. Im Laufe des Tages gingen die Amerikaner mit Panzerunterstützung von Altenthal aus gegen Hahnhof vor.

Rolf-Dieter Huckfeldt war bekannt, dass sein Onkel den Erzählungen nach an einem Waldrand mit Wiesen bewachsenem Berghang gefallen sein muss.„Mein Onkel wollte einem verletzten und um Hilfe rufenden Kameraden zu Hilfe eilen und wurde hierbei selbst tödlich verwundet! Ein Kamerad, der ebenfalls in Arpsdorf gelebt hat und mit meinem Onkel zusammen war, hatte meiner Mutter über den Tod von Johann berichtet.“

Das passt auch zu den Ereignissen der Apriltage von 1945. Die zurückgehende Wehrmacht hatte eine hastig errichtete Verteidigung organisiert. Am Ortsrand war ein MG in Stellung gebracht worden, ein Granatwerfer unterstützte aus dem Bereich des heutigen Geländes der Tennissportanlagen. Wenige Soldaten befanden sich in Hahnhof, am Waldrand zum Wäschebachskopf hin sollte sich die Hauptkampflinie befinden, jedoch fehlten die Soldaten zur organisierten Verteidigung. Als die Amerikaner darauf in den Ort eindrangen kam es zu einem kurzen Feuerkampf. Zu diesem Gefecht ist in Hahnhof bekannt „…dass die Amerikaner mit einem Panzer, der am Gleisende in der Nähe von Wüstseifen stand, in den Ort reinfeuerten!“ Wüstseifen war gerade kampflos eingenommen worden und mehrere deutsche Soldaten, die sich zusammen mit Einwohnern im Bergwerkstollen vor den Kugel in Sicherheit gebracht hatten, waren in Gefangenschaft geraten.

In einer breitgefächerten Formation sickerte die amerikanische Infanterie in den Ort Hahnhof, wurden aber sofort von den deutschen Soldaten mit schwerem Feuer belegt. Hiernach folgte der „Sherman-Panzer und nahm den Hang und die Böschung um das Haus unter Feuer“, erinnerte sich Werner Stähler in Hahnhof, der auf Herbert Dietershagens Anfrage sofort bereit war, mit seinem Erinnerungen als Zeitzeuge der Familie Huckfeldt weiterzuhelfen.

Nachdem der Panzer in Hahnhof eingefahren war und die Infanterie Hahnhof besetzte, flammte hier und da nur noch vereinzeltes Feuer auf, das jedoch wenig später eingestellt wurde. Letzte Soldaten starben nur wenige hundert Meter entfernt von Werner Stählers Elternhaus. Es ist bekannt, dass in diesem Bereich mehrere Angehörige einer Flak-Einheit eingesetzt waren. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich darunter auch der Unteroffizier Johann Huckfeldt befunden hat, dürfte sehr hoch sein.

 In und um Hahnhof befanden sich bis zum 10. April eine ganze Reihe Feldgräber, man hatte die Gefallenen erst einmal notdürftig an Ort und Stelle begraben. Am 10. April wurden 13 gefallene Soldaten zentral in Hahnhof bestattet. Dieses Grab wurde am 15. April durch Pfarrer Engel unter großer Teilnahme der Bevölkerung eingesegnet. Anfang bis Mitte der 1950er Jahre erfolgten überall im Gebiet des Kreises Altenkirchen groß angelegte Umbettungsarbeiten, um die vielen einzelnen, verstreuten Feld- und Soldatengräber zentral an einem Ort zusammenzufassen. Bei diesen Umbettungen wurden auch die Gräber der in Hahnhof gefallenen Soldaten nach Wissen umgebettet, wo sich nun insgesamt 317 Gräber finden. Wissen ist damit die größte Kriegsgräberstätte im Kreis Altenkirchen.

Besuch des Ehrenfriedhofs in Wissen/Sieg. Foto (c) Gerd Bäumer

Rolf-Dieter Huckfeldt und seine Tochter Sandra besuchen die Grabstätte des Onkels auf dem Ehrenfriedhof in Wissen/Sieg. Foto (c) Gerd Bäumer

In der Gefallenendatenbank beim Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge wird als Todesdatum des Johann Huckfeldt der 3. April 1945 angegeben. Rolf-Dieter Huckfeldt war bislang der 4. April 1945 als Schicksalsdatum bekannt, genauer gehen jedoch die Unterlagen des katholischen Pfarramtes, wonach die Gefallenen des 5. und 6. Aprils 1945 am 10. April 1945 durch den Pfarrer Konrad Engel beerdigt worden sind. Hahnhof wurde jedoch am 7. April 1945 durch die Amerikaner eingenommen, so lässt sich nun mit ziemlicher Sicherheit das Todesdatum auf den 7. April festlegen.

Am 7. April 1945 ging für Hahnhof, den Giebelwald und Niederfischbach der Zweite Weltkrieg zu Ende,  nach gut einer Woche Kämpfe um die Sieg und das tiefreichende Waldgebiet blieben mehr als 150 Gefallene zurück. Mindestens 150 Schicksale, Söhne, Väter, Brüder – und Onkels!

Nachdem wir uns bei Familie Stähler verabschiedet hatten, musste ich mich ebenfalls von der Gruppe trennen. Gerne hätte ich die Gruppe um Gerd Braas und Familie Huckfeldt noch mit auf den Giebelwald begleitet, jedoch musste ich am Nachmittag noch eine Exkursion auf den Spuren des Kriegsendes 1945 durch den Kausener Wald in der Nähe von Steineroth führen. Ich verabschiedete mich von Rolf-Dieter Huckfeldt und dessen Tochter Sandra und wünschte ihnen eine gute Heimreise. Rolf-Dieter Huckfeldt und seine Tochter bedankten sich außerordentlich bei mir, für sie war damit der Ausflug in die Geschichte jedoch noch nicht zu Ende. Unter der Führung von Herbert Dietershagen fuhr die Gruppe um Gerd Braas anschließend noch die verschiedenen Kampffelder auf dem Giebelwald an, so besuchten sie zum Beispiel den Vogelsang nördlich Freusburg, um den die Amerikaner bitter fochten, die Wasenecke, wo der junge Leutnant Klaus Morré am 4. April 1945 nach schwerer Verwundung verblutete und den Hellbachskopf, um den sich bittere Kämpfe abspielten. Am Ort eines ehemaligen Soldatengrabes erinnern heute Basaltsäulen an die Gefallenen des Giebelwaldes und die schicksalhaften Tage von April 1945.

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Mahnstätte auf dem Hellbachskopf in der Nähe von Niederfischbach. Hier befand sich eines von mehreren Feldgräbern in der Gemarkung des Giebelwaldes.

12. März 1945 – Luftangriff auf Betzdorf

Zitat eines Veteranen: “Nur wer sich daran (an das Kriegsende 1945) erinnert, der kann Mahnen und nur wer Mahnt kann versuchen zu verhindern!” Erinnern und Mahnen wollen wir auch in der Ausstellung “Als der Krieg in die Heimat kam” am 21. März 2015 im Kreisarchiv in Altenkirchen.

Heute vor 70 Jahren versank Betzdorf in einem Bombenhagel. Der Angriff vom 12. März 1945 war der schwerste, den die Stadt an der Sieg erleiden musste. Innerhalb 11 Minuten warfen 116 Bomber zusammen 261 Tonnen Bomben ab. Nach den Detonationen der Sprengbomben verwüsteten mehrere Tausend Stabbrandbomben in einem Großbrand viele Häuser im Ortsbereich besonders nördlich der Sieg. Das evangelische Pfarrhaus wurde total zerstört und die evangelische Kirche durch Spreng- und Brandbomben sehr schwer beschädigt. Die Infrastruktur brach vollkommen zusammen; Gas, Wasser und Strom waren für lange Zeit nicht mehr verfügbar. Rund 500 Bomben trafen das Bahnhofsgelände und das Stellwerk der Reichsbahn, das Empfangsgebäude wurde komplett zerstört. Der Zugverkehr, besonders Nachschubzüge für den Remagener Brückenkopf, wurde für mehrere Tage komplett ausgeschaltet. Verschiedenen Hinweisen zufolge soll ab dem 19. März 1945 ein improvisierter Bahnverkehr für Truppenverschiebungen der Wehrmacht wieder stattgefunden haben, so wäre von einem Zug aus in den anderen umgeladen bzw. umgestiegen worden.

Da sich eine dichte Wolkendecke und Nebel über dem Ziel befinden, wird der Abwurf durch Radar gesteuert.

Da sich eine dichte Wolkendecke und Nebel über dem Ziel befinden, wird der Abwurf durch Radar gesteuert.

Innerhalb von nur elf Minuten fallen etwa

1.500 Sprengbomben von 50 bis 250 Kilogramm

250 Brandbomben bis 250 Kilogramm

mehrere Tausend Stabbrandbomben zu jeweils 4 Kilogramm,
hunderte dieser Stabbrandbomben sind zusätzlich mit einem Sprengsatz versehen, um die Löscharbeiten zu behindern.

Der Angriff forderte 63 Menschenleben, 67 % der Wohnhäuser wurden schwer beschädigt und 20 % total zerstört. Dies bedeutete, dass rund 950 Häuser Opfer der Flammen und Bomben wurden.

Das angefügte alliierte Luftbild zeigt die Schäden und die Trichterfelder der Bombenteppiche des Angriffes vom 12. März 1945.

Das angefügte alliierte Luftbild zeigt die Schäden und die Trichterfelder der Bombenteppiche des Angriffes vom 12. März 1945.

Mit den Luftangriffen war aber für die Stadt der Krieg noch lange nicht vorbei. Ab Ende März rollte die Front über Betzdorf und bringt weiter Tod und Leid. Am 29. März drangen von Alsdorf kommend amerikanische Soldaten in Betzdorf ein und überquerten die Sieg, bildeten am Molzberg einen Brückenkopf, aus dem sie am 6. April 1945 ausbrachen. Letzter Beschuss ging in Betzdorf am 7. April 1945 nieder. Artillerie der deutschen Wehrmacht beschoss hierbei die amerikanischen Nachschubwege mit einigen Salven Artilleriefeuer. Die Granaten gingen insbesondere im südlich der Sieg gelegenen Ortsteil und in Bruche nieder. Glücklicherweise kam es hierbei nur zu Sachschäden.

Blick über den zerstörten Betzdorfer Bahnhof. Hier wurde eine amerikanische Infanterieeinheit in schwerem, deutschem Artilleriefeuer getroffen.

Blick über den zerstörten Betzdorfer Bahnhof. Etwa in diesem Bereich wurde auch eine amerikanische Infanteriekompanie durch MG-Feuer aufgehalten.

Dennoch war der Krieg für Betzdorf noch immer nicht vorbei. Er sollte noch Wochen und Monate dauern und mit seinen Nachwirkungen viele Jahre später weiter an die Ereignisse erinnern. Gefallenenmeldungen von überall in der Welt brachten die traurige Sicherheit, dass der Vater, Ehemann, Bruder oder das Kind Gefallen sind oder vermisst werden. Der beste Fall war, wenn sie in Gefangenschaft geraten waren.

Auch nach Ende der Kampfhandlungen wurden noch immer viele Menschen verletzt. Oft waren es die Kinder, die Munition gefunden hatten und die Gefahren nicht als solche erkannten. Überall ereigneten sich Unglücke, in der Klingelsbach z.B. schoss sich ein Junge das Auge blind mit aufgefundener MG-Munition. In der gegenüberliegenden Hetzbach wurden mehrere Jugendliche verletzte, nachdem sie das Treibladungspulver aus mehreren Gewehrpatronen zur Zündung brachten.

Artikel in der Rheinzeitung

Obwohl es jetzt nur noch knapp 14 Tage bis zur Ausstellung sind, ist alles noch immer am “wachsen und gedeihen”. Wer also noch Materialien, egal was und gleichgültig in welchem Zustand, beisteuern möchte, darf sich gerne bei uns melden!

Während der letzten Tage haben wir bereits einige interessante Dinge erhalten, darunter befindet sich ein großformatiges Bild eines RAD-Angehörigen, der wahrscheinlich in der Region gefallen ist. Weitere Recherchen zu diesem Schicksal laufen derzeit. Weiter haben wir das Soldbuch eines in Niederfischbach gefallenen Angehörigen des Werferregiments 55 als Leihgabe bekommen. Das Soldbuch und ein zugehöriges Dokumentenkonvolut gehörte einem eben mal 18 jährigen Artilleriesoldaten und wird sicherlich ein trauriges Highlight sein.

Diverse amerikanische Flugblätter und eine Landkarte sind noch mit der Post unterwegs zu uns und gerade heute Abend erst habe ich ein patriotisches Kistchen erhalten, welches von einem früher aus Mudersbach stammenden Soldaten hergestellt wurde. Eventuell hat der Erbauer der Kiste einen Granatboden einer großkalibrigen Artilleriegranate als Grundlage verwendet. Der Deckel dieser kleinen Truhe zeigt eine Geschützbedienung, die dabei ist eine Panzerabwehrkanone zu laden.

Frau Claudia Geimer, von der Lokalredaktion der Rhein-Zeitung, hat einen interessanten Beitrag zur geplanten Ausstellung verfasst, der am 27. Februar 2015 erschienen ist.

Beitrag vom 27. Februar 2015 in der Rhein-Zeitung.

Beitrag vom 27. Februar 2015 in der Rhein-Zeitung.

Und das ganze als PDF-Dokument

Altenkirchen im März 1945

Altenkirchen – nichts weiter als eine Trümmerwüste

Was wie eine Straße aussieht, ist der Verlauf der Bahnstrecke durch Altenkirchen. Die Kreisstadt wurde im März 1945 wiederholt bombardiert, durch Tiefflieger angegriffen und mit fernreichender Artillerie beschossen, der letzte Luftangriff auf Altenkirchen erfolgte am 25. März 1945, einen Tag vor der Eroberung durch die 3. US Panzerdivision in Folge der schweren Kämpfe um die PaK-Linie bei Weyerbusch-Hasselbach. Der letzte Luftangriff sollte deutschen Nachschub bzw. Rückzug von oder an die Front unmöglich machen, wie man im Foto vom 26. März 1945 erkennen kann, war dies auch gelungen. Der Krieg hatte der Stadt so heftig zugesetzt, das nach der Eroberung Ende März 1945 kaum mehr eine Straße passierbar war.

Die Trümmerwüste der Kreisstadt Altenkirchen am 26. März 1945. Foto Signal Corps, US Army.

Die Trümmerwüste der Kreisstadt Altenkirchen am 26. März 1945. Foto Signal Corps, US Army.

Während Altenkirchens letzte Bombardierung stattfand, wurde besonders heftig um die PaK-Linie bei Weyerbusch-Hasselbach gekämpft. Dort war es Verbänden der 3. Panzergrenadier Division gelungen, den Vormarsch der 3. US Panzerdivision zu Stillstand zu bringen. Die Panzergrenadiere wurden durch jeweils einen Tiger und Königstiger der 11. Panzerdivision unterstützt, artilleristische Feuerunterstützung wurde von dem 388. Volksartillerie Korps geleistet. Die 3. US Panzerdivision verlor gleich zu Beginn des Kampfes fünf Sherman-Panzer und zog sich nach Rettersen und Fiersbach zurück. Noch während der Nachtstunden arbeitete sich amerikanische Infanterie an die deutsche Verteidigung heran und bekämpfte diese. Im verlauf der anbrechenden Morgens zogen sich die letzten deutschen Soldaten aus der Hauptkampffeld zurück.

Nachdem der Widerstand eingestellt wurde, stießen die 3. US Panzerdivision und die 104. US Infanteriedivision durch Altenkirchen bis in den Raum von Hachenburg vor.  Die gezeigte Bildsequenz entstammt einer Videoaufnahme eines amerikanischen Kriegsberichterstatters der 1. US Armee vom 26. März 1945. Zu sehen sind Infanterie und Panzer der 3. US Panzerdivision während des Durchmarsches durch die Kreisstadt Altenkirchen. Am rechten Bildrand kann man amerikanische Offiziere erkennen, die sich im Gespräch mit deutschen Krankenschwestern befinden.

Nachdem der Widerstand eingestellt worden war, stießen die 3. US Panzerdivision und die 104. US Infanteriedivision durch Altenkirchen bis nach Hachenburg vor.
Die gezeigte Bildsequenz entstammt einer Videoaufnahme eines amerikanischen Kriegsberichterstatters der 1. US Armee vom 26. März 1945. Zu sehen sind Infanterie und Panzer der 3. US Panzerdivision während des Durchmarsches durch die Kreisstadt Altenkirchen. Am rechten Bildrand kann man amerikanische Offiziere erkennen, die sich im Gespräch mit deutschen Krankenschwestern befinden.

Durch die Niederschrift eines amerikanischen Offiziers der 1. US Infanteriedivision erfahren wir:

…In einiger Entfernung kündigten sich schon durch aufsteigende Rauchsäulen die Trümmer eines zusammengeschossenen deutschen Konvois an – viele der Fahrzeuge standen noch immer in Flammen, vor allen Dingen im Bereich zwischen Rettersen und Weyerbuch säumten zum Teil verstümmelte Körper gefallener deutscher Soldaten die Wegesränder. Während Gräberkommandos der amerikanischen Division die eigenen Gefallenen einsammelten, blieben die meisten der feindlichen Soldaten einfach unbeerdigt liegen. In Hasselbach bezeugten fünf eigene Sherman-Panzer die Härte des Kampfes, zwei dieser Panzer wurden gerade repariert, während die drei anderen einen Totalverlust für die 3. Panzerdivision bedeuteten… In Weyerbusch waren Pioniere dabei, Wege frei zumachen und Minenfelder zu beseitigen.

Quellenangaben:
Kriegstagebücher der 3. US Panzerdivision und 1. US Infanteriedivision, Nationarchiv, Washington USA,
Kriegstagebuch III. Bataillon, 26. US Infanterieregiment und Veteranenaussagen, Nationarchiv, Washington USA,
 G-2 Selected Intelligence Report, 25. März 1945, 1st US Infantry Division, Nationarchiv, Washington USA.

Mikrofilme mit Gefechtsberichten aus den USA

Sammelbestellung der folgenden drei Mikrofilme:

9. US Bombardment Division

Rolle 1: enthält 29 Berichte aus der Zeit vom 14. Februar bis 31. März 1945. Die Rolle umfasst mehr als 1600 Seiten Material. Ein Bericht mindestens wird die Kreisstadt Altenkirchen betreffen, darüber hinaus werden Reports zu folgenden Ortschaften enthalten sein:

Ahus
Altenkirchen/WW
Arnsberg
Bad Munster
Biskirchen
Borken und Umland
Coesfeld
Diverse Kreuzungen, Depot und Eisenbahnknotenpunkte
Dülmen
Haiger
Haltern
Heimerzheim
Kreuztal/Sieg
Mayen
Mechernich
Neunkirchen/Seelscheid und verteidigtes Umland
Niederschelden
Pulheim
Rheine & Umgebung
Sachsenhausen
Sinnersdorf
Sinzig
Unna / Munitionslager und Umgebung
Vreden
Xanten/ Truppenkonzentrationen

Rolle 2 umfasst 49 Berichte für den Zeitraum vom 21. bis 31. März 1945. Der Mikrofilm beinhaltet rund 2000 Seiten Material! Darunter sind fünf Berichte enthalten, die nichts mit der 9. Bombardement Division zu tun haben. In diesem Material finden sich mehrfach Angriffsberichte zu den Flügen gegen Städte wie Altenkirchen und Limburg, gefolgt von Berichterstattungen der Luftangriffe gegen Weyerbusch, Dierdorf, Flammersfeld, usw.

Die dritte Mikrofilmrolle enthält Material zur 366. Fighter Group

Die 366. Fighter Group war neben anderen Truppenteilen dabei, den Brückenkopf von Remagen abzusichern. Der Mikrofilm enthält dementsprechend Material zu den Begebenheiten. Hier sind Missionsreports und Operationszusammenfassungen zu finden, darunter sind enthalten:

Landkarten,  Luftbildaufnahmen, Tabellen, Diagramme,
Berichte aus der Zeit vom 14. März 1944 bis Juni 1945 auf rund 2500!!! Seiten!!!

Heute kam der Postbote:

Gute Nachrichten, aber auch schlechte… Das lange warten hat ein Ende, die Mikrofilme sind heute mit der Post aus USA eingetroffen!!! Ich habe mir in dem Chaos aller Filme bereits mal ein paar Seiten durchgelesen! WAHNSINN! Auf Dierdorf, Altenkirchen, Weyerbusch und viele andere bekannte Orte bin ich dabei auch gestoßen!!! Eine Wahnsinnsmenge an Material… 🙂 Alles zusammen umfasst knapp 10.000 Seiten Material!!! Zudem wurden zwei weitere Filmrollen geliefert, die ich in den nächsten Tagen noch näher beschreiben muss.

Ich lade derzeit die Filme auf meinen Server hoch, durch die große Datenmenge wird dies aber noch die Nacht in Anspruch nehmen. Ab Morgen werde ich die zugehörigen Links an die Sammelbesteller verteilen.


Wer selbst die Mikrofilme erwerben möchte, kann dies gerne tun. Jede Filmrolle besteht aus mehreren Tausend Seiten Material und ist zu einem Sammelbesteller-Preis von 17,50 Euro erhältlich. 


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Abbildung oben: Ein Auszug aus den Gefechtsberichten vom 25. März 1945, die amerikanische Luftwaffe hatte den Ausbruch der 1. US Armee aus dem Brückenkopf von Remagen unterstützt und flog pausenlos Angriffe gegen die vor der Front liegenden deutschen Verbände. “Der 13. Angriff: Die Maschinen starteten um 11.12 Uhr, acht Maschinen nahmen an diesem Angriff teil. Geführte wurden die acht “P47 Thunderbolts” durch First Lieutenant Roland W. Riddell. Sechs der Flugzeuge waren mit jeweils zwei Mehrzweckbomben zu 500 Lbs bewaffnet, die beiden anderen Jäger trugen jeweils zwei Brandbomben mit einem Fassungsvermögen von knapp 275 Litern Brandflüssigkeit. Die Maschinen waren von 11.30 bis 12.50 Uhr über dem Zielgebiet und wurden auf Anforderung des Beobachters “Prizebook One” eingewiesen. Alle Bomben wurden auf fünfzehn deutsche Panzer abgeworfen, welche im Bereich südöstlich Eitorf bei (Koordinaten) Sterzenbach unterwegs waren. Hierbei wurden vier Panzer zerstört und drei beschädigt. Auf der (Koordinaten) L276 (nördlich Weyerbusch) wurden drei Lastkraftwagen durch Tiefflieger angegriffen und zerstört. Bei (Koordinaten) Sterzenbach wurde durch leichte Flak akkurates und intensives Feuer geleistet, wodurch ein P47-Flugzeug durch das Flak-Feuer getroffen wurde und hinter den eigenen Linien bei Seifen (bei Asbach) abstürzte. Gut platziertes, aber nicht zu schweres Flak-Feuer kam aus der Umgebung von Koordinaten (Neunkirchen), überall aus dem Staatsforst Siebengebirge wurde beachtliches Flak-Feuer geleistet. Feindliche LKW und Panzer wurden im Wald entdeckt. Ein Flugzeug durch Flak beschädigt. Der Bahnhof bei Weyerbusch wurde durch Tiefflieger angegriffen. Der Pilot einer Maschine berichtete, dass er durch Flak getroffen wurde, während er sich in 4500 Fuß Höhe befand und in nordwestliche Richtung flog, der Pilot und die Maschine werden vermisst. Die Wolkendecke lag oberhalb 10.000 Fuß. Die Maschinen landeten um 13.02 Uhr. Die Koordinaten wurden anhand der vorliegenden original Landkarten umgelegt.


Beispiele: Gefechtsberichte, 15. März 1945

Beispiele: Gefechtsberichte, 15. März 1945

Beispiele: Gefechtsberichte, 15. März 1945

Beispiele: Gefechtsberichte, 15. März 1945

Beispiele: Gefechtsberichte, 15. März 1945

Beispiele: Gefechtsberichte, 15. März 1945

Volkssturm Altenkirchen

Auch der Altenkirchener Volkssturm musste kurz vor Kriegsende noch blutige Verluste hinnehmen. Während sich an den meisten Orten die Angehörigen der in letzter Stunde zusammengekratzten Jungs und alten Männer buchstäblich um “fünf vor zwölf” noch absetzen konnten, wurden Teile des Altenkirchener Volkssturmbataillons noch in den Strudel der Kämpfe hereingerissen. Leider gibt es hierzu nur wenige Belege. Eine Beurteilung über ein bei Weyerbusch der kämpfenden Truppe zugeführten Bataillon möchten wir hier wiedergeben:

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General Carl Püchler: ” Reinbuttern, wer greifbar ist!”

Am 23. März 1945 traf in Weyerbusch ein im Raum Altenkirchen zusammengezogenes Volkssturmbataillon ein. Wahrscheinlich handelte es sich hierbei um die auf Befehl von General Carl Püchler zusammengezogenen, wehrfähigen Männer aus der Umgebung Altenkirchen-Stürzelbach. Püchler war Kommandeur des LXXIV. Armeekorps und hatte seinen Korps-Gefechtsstand in Stürzelbach einquartiert. Spricht man mit Veteranen, die ihm im März 1945 unterstellt waren, so erfreute sich Püchler keiner großen Beliebtheit. Püchler soll nach dem Grundsatz “Reinbuttern, wer greifbar ist” befohlen und gehandelt haben. Auffangkommandos, die durch Püchler mit weitreichenden Vollmachten ausgestattet waren, taten ihr übriges, um dessen Befehle in die Tat umzusetzen. So wurden noch unmittelbar kurz vor Kriegsende noch Hundertschaften in den sinnlosen Tot getrieben.

Das Volkssturmbataillon war in der Nacht zum 23. März bei Weyerbusch dem II. Bataillon des Panzergrenadierregiments 29 (3. Panzergrenadier Division) unter der Führung von Hauptmann Kurt Ahlers unterstellt worden. Hauptmann Ahlers berichtete über die Moral und den  Ausbildungsstand der Jungs und alten Männer:

  „…völlig mürrische kampfunlustige Soldaten, deren Kampfwert nach Urteil des Volkssturm-Bataillonsführers gleich Null ist, lediglich mit Schanz- und Tarnaufgaben vertraut – Teile haben bisher am Rhein geschanzt – ausgerüstet mit italienischen und französischen Gewehren und MG 15.

Alter der Kompanieführer liegt bei 61, 59 und 52 Jahren. Durchschnittsalter der Volkssturmsoldaten ist 40 Jahre. Nur wenige Junge haben eine infanteristische Ausbildung erhalten. Handhabung der Panzerfaust in Masse unbekannt. Zwei MG-Schützen wissen nicht in der Handhabung ihres MG Bescheid. In der Zuweisung solcher Bataillone besteht kein Grundstock für eine neu aufzubauende Kampflinie. Ein geschlossener Einsatz des Bataillons ist unmöglich, es wird beabsichtigt, die Kompanien in die Kampfgruppen der 3. Panzergrenadier-Division aufzuteilen.”

So sah Hitlers letztes Aufgebot aus. Alte Männer bei der Vereidigung. (c) Bundesarchiv Bildsignatur 146-1978-087-24.

So sah Hitlers letztes Aufgebot aus. Alte Männer während der Vereidigung.
(c) Bundesarchiv Bildsignatur 146-1978-087-24.

Alles im Zusammenhang mit dem Volkssturm war mit größten Schwierigkeiten verbunden. So wird zum Beispiel betreffend der Ausbildung angegeben: „Es standen kaum Karabiner, keinerlei Maschinengewehre und keinerlei Panzerfäuste für die Ausbildung zur Verfügung. Erst ab Ende Januar wurde in der letzten Ausbildungsstunde vor dem Einsatz MG und Panzerfaust gezeigt, allerdings nicht im Schuss. Die Schießausbildung wurde oftmals nur mit Kleinkalibergewehren durchgeführt und war in keiner Weise mit dem realen scharfen Schuss, wie er aus einem Karabiner ausgelöst wird, zu vergleichen.“

Leider konnte dieses Volkssturmbataillon nicht näher identifiziert werden, jedoch ließ sich der Weg dieser Kampfgruppe unter Hauptmann Ahlers in der Zeit vom 23.3. bis 27.3.1945 nachvollziehen. So kam die Kampfgruppe Ahlers über Weyerbusch nach Irsen, von dort von Ölsen nach Birkenbeul. In den genannten Orten wurde Ahlers Kampfgruppe immer wieder in Rückzugsgefechte mit den nachfolgenden Amerikanern verwickelt. Oberhalb Niederirsen wurde ein flüchtender Volkssturmmann durch eine amerikanische MG-Garbe getroffen, er erlitt einen Bauchschuss und sollte aus Wissen stammen. Der Volkssturmmann soll zwei Tage später an den Folgen dieser Verwundung verstorben sein; unter Umständen handelte es sich hier um den 56-jährigen Ludwig Hörle, welcher auf der Kriegsgräberstätte WISSEN bestattet ist?

Als der Untergang des Dritten Reiches bereits besiegelt war, versuchten man mit dem Volkssturm den alliierten Vormarsch aufzuhalten. An der Westfront kam dieses Aufgebot erstmalig nach der Eroberung der Brücke von Remagen zum Kampfeinsatz. Die älteren Volkssturmmännern waren bereits häufig schon Soldaten des Ersten Weltkrieges gewesen, ihnen war die Sinnlosigkeit ihrer Einsätze bewusst. Dahingegen kämpften besonders die durch NS-Ideologie aufgestachelten Hitlerjungen oft verbissen bis zu ihrem Tod. Meist standen für die Volkssturm-Soldaten keine Uniformen zur Verfügung, dafür aber sollte jeder eine Armbinde mit der Aufschrift “Deutscher Volkssturm – Wehrmacht” tragen.

 

 

Quellen:

Kriegstagebuch der 1. US. Infanteriedivision
G2-Periodic Report, 27 March 1945
National Archive, Washington, USA

Kriegstagebuch der 104. US Infanteriedivision
G2-Order of Battle Notes,
National Archive, Washington, USA

Kriegstagebuch der 104. US Infanteriedivision
413. US Infanterieregiment, 25 bis 27. März 1945
(G2-Berichte mit Auswertung der in Gefangenschaft geratenen deutschen Soldaten)
National Archive, Washington, USA

Deutscher Volkssturm. Das letzte Aufgebot 1944/45
Franz W. Seidler, München 1989

Derschener Volkssturm im Kriegseinsatz
Emil Georg

Aufzeichnungen und Mitteilungen
Erich Bäcker

Volkssturm, nichts weiter als Kanonenfutter

Bis zum Kriegsende wurden in ganz Deutschland rund 700 Volkssturm-Bataillone aufgestellt

VolkssturmIm Herbst 1944 waren in Deutschland rund fünf Millionen Männer der Jahrgänge 1895 bis 1925 noch immer “uk-gestellt”. Uk-gestellt bedeutete, dass diese Männer innerhalb der Heimat unabkömmlich für den Kriegseinsatz waren. Das waren mehr UK-Gestellungen, als die Wehrmacht im Herbst 1944 Soldaten im Feldheer zur Verfügung stehen hatte. Diese Massen wollte sich die Nazi-Führung noch kurz vor dem totalen Untergang nutzbar machen. Am 18. Oktober 1944 wurde der Volkssturm in Leipzig angekündigt und auf Führererlass vom 25. September 1944 an, wurden die ersten Bataillone aus dem Boden gestampft und aufgestellt.

Führererlass, 25. September 1944

Bildung des Deutschen Volkssturms

Nach fünfjährigem schwersten Kampf steht infolge des Versagens aller unserer europäischen Verbündeten der Feind an einigen Fronten in der Nähe oder an den deutschen Grenzen. Er strengt seine Kräfte an, um unser Reich zu zerschlagen, das deutsche Volk und seine soziale Ordnung zu vernichten. Sein letztes Ziel ist die Ausrottung des deutschen Menschen.

Wie im Herbst 1939 stehen wir nun wieder ganz allein der Front unserer Feinde gegenüber. In wenigen Jahren war es uns damals gelungen, durch den ersten Großeinsatz unserer deutschen Volkskraft die wichtigsten militärischen Probleme zu lösen, den Bestand des Reiches und damit Europas für Jahre hindurch zu sichern. Während nun der Gegner glaubt, zum letzten Schlag ausholen zu können, sind wir entschlossen, den zweiten Großeinsatz unseres Volkes zu vollziehen. Es muß und es wird uns gelingen, wie in den Jahren 1939 bis 1941 ausschließlich auf unsere eigene Kraft bauend, nicht nur den Vernichtungswillen der Feinde zu brechen, sondern ihn wieder zurückzuwerfen und solange vom Reich abzuhalten, bis ein die Zukunft Deutschlands, seiner Verbündeten und damit Europas sichernder Friede gewährleistet ist.

Dem uns bekannten totalen Vernichtungswillen unserer jüdisch-internationalen Feinde setzen wir den totalen Einsatz aller deutschen Menschen entgegen.

Zur Verstärkung der aktiven Kräfte unserer Wehrmacht und insbesondere zur Führung eines unerbittlichen Kampfes überall dort, wo der Feind den deutschen Boden betreten will, rufe ich daher allen waffenfähigen deutschen Männer zum Kampfeinsatz auf.

Ich befehle:

  1. Es ist in den Gauen des Großdeutschen Reiches aus allen waffenfähigen Männern im Alter von 16 bis 60 Jahren der deutsche Volkssturm zu bilden. Er wird den Heimatboden mit allen Waffen und Mitteln verteidigen, soweit sie dafür geeignet erscheinen.
  2. Die Aufstellung und Führung des deutschen Volkssturms übernehmen in ihren Gauen die Gauleiter. Sie bedienen sich dabei vor allem der fähigsten Organisatoren und Führer der bewährten Einrichtungen der Partei, SA, SS, des NSKK und der HJ.
  3. Ich ernenne den Stabschef der SA, Schepmann, zum Inspekteur für die Schießausbildung und den Korpsführer der NSKK, Kraus, zum Inspekteur für die motortechnische Ausbildung des Volkssturms.
  4. Die Angehörigen des deutschen Volkssturms sind während ihres Einsatzes Soldaten im Sinne des Wehrgesetzes.
  5. Die Zugehörigkeit der Angehörigen des Volkssturms zu außerberuflichen Organisationen bleibt unberührt. Der Dienst im deutschen Volkssturm geht aber jedem Dienst in anderen Organisationen vor.
  6. Der Reichsführer SS ist als Befehlshaber des Ersatzheeres verantwortlich für die militärischen Organisationen, die Ausbildung, Bewaffnung und Ausrüstung des deutschen Volkssturms.
  7. Der Kampfeinsatz des deutschen Volkssturms erfolgt nach meinen Weisungen durch den Reichsführer SS als Befehlshaber des Ersatzheeres.
  8. Die militärischen Ausführungsbestimmungen erläßt als Befehlshaber des Ersatzheeres der Reichsführer SS Himmler, die politischen und organisatorischen in meinem Auftrage Reichsleiter Bormann.
  9. Die Nationalsozialistische Partei erfüllt vor dem deutschen Volk ihre höchste Ehrenpflicht, indem sie in erster Linie ihre Organisationen als Hauptträger dieses Kampfes einsetzt.

Führer-Hauptquartier, den 25. September 1944

Der Führer: Adolf Hitler
Der Leiter der Parteikanzlei: M. Bormann
Der Chef des Oberkommandos der Wehrmacht: Keitel
Der Reichsminister und Chef der Reichskanzlei: Dr. Lammers

 

Die vier Aufgebote des Volkssturmes:

  • Das erste Aufgebot erfasste hierbei alle zum Kampfeinsatz tauglichen Jahrgänge 1924 bis 1884 (der 20- bis 60-Jährigen), die keine lebenswichtige Funktion in der Heimat erfüllten. Die Masse war älter als 50 Jahre und hatte bereits im Ersten Weltkrieg gedient. Vorgesehen war ein ununterbrochenerbis zu sechs Wochen andauernder Einsatz außerhalb der Ortsgrenzen und eine Unterbringung der Einheiten in Gemeinschaftsunterkünften. Das erste Aufgebot erfasste zusammen rund 1,2 Millionen Mann.Die Masse der Volkssturmangehörigen des ersten Aufgebotes wurde noch zum Anlegen von Verteidigungsstellungen besonders im den Bereichen bei Aachen und später am Rhein eingesetzt. Diese ersten Aufgebote waren auch die regulären Volkssturmeinheiten, die zu vorrangig eingezogen wurden.
  • Im zweite Aufgebot erfasste man die gleichen Jahrgänge wie es innerhalb des ersten geschehen war, allerdings wurden hier Männer erfasst, welche gemeinschafts- oder staatswichtige Funktionen in der Heimat erfüllten, dieses waren die “uk-gestellten”. Die Angehörigen des zweiten Aufgebotes sollten immer und generell nur in Heimatnähe und nur kurzzeitig eingesetzt werden. Das zweite Aufgebot umfasste zusammen 2,8 Millionen Mann.Erich Esch gehörte dem zweiten Aufgebot an. Er stammt aus Leverkusen und war eigentlich “uk-gestellt”, Erich Esch ist am 24. März 1945 als Angehöriger des Volkssturmbataillons 113 während der Gefechte um die B8 in der Nähe von Uckerath-Striefen gefallen. Identifiziert werden konnte er nur, weil er noch immer den an seiner Uniform (seine eigentliche Berufskleidung) angebrachten Werksausweis der IG-Farben-Fabriken in Leverkusen trug.
  • Das dritte Aufgebot erfasste die Jugendlichen der Jahrgänge von 1925 bis 1928, sofern diese nicht bereits bei der Wehrmacht oder der Waffen-SS im Dienst standen. Besonders der Jahrgang 1928 sollte noch bis zum 31. März 1945 in der Hitlerjugend (HJ) und dem Reichsarbeitsdienst (RAD) militärisch ausgebildet werden, um anschließend dem Volkssturm zugeführt zu werden. Das Groß waren 16-jährige Angehörige der Hitlerjugend, die nun endlich ihre Chance sahen, und ihren “Anteil am bevorstehenden Endsieg” haben wollten. Viele waren fanatisch und freiwillig dabei, viele von ihnen erlebten das Kriegsende nicht mehr. Das dritte Aufgebot umfasste das rund 600.000 Jungs.Der Kölner Karl Th*** war im März 1945 als 13-jähriger mit der Einverständnis seiner Eltern in Volkssturm und somit in den Krieg gezogen. Er schoss im Remagener Brückenkopf einen amerikanischen Panzer mit der Panzerfaust ab. Karl Th*** wurde bis zur Kapitulation im Ruhrkessel als ein Held gefeiert, um dann wie eine heiße Kartoffel fallen gelassen zu werden. Viele seiner Kameraden starben unmittelbar vor Kriegsende den “Heldentod”.
  • Im vierten Aufgebot wurden ab Mitte Februar 1945 alle zum Kampfeinsatz nicht (mehr) tauglichen Jahrgänge erfasst, hierzu war auch erstmalig keine ärztlichen Untersuchungen notwendig. Plötzlich verfügte man nun auch über Männer mit körperlicher Behinderung genau so wie über Männer, die an Herzkrankheiten litten. Die Angehörigen des vierten Aufgebotes sollten lediglich Wach- und Sicherungsaufgaben durchführen, trotzdem kam ein kleiner Teil dieser Volkssturmangehörigen auch noch zum Einsatz an der Front. Das letzte Aufgebot zählte 1,4 Millionen Mann.Dem vierten Aufgebot wurden auch Soldaten und Patienten aus Lazaretten zugeführt. Jeder der noch eine Waffe tragen konnte, sollte plötzlich besonders ab März 1945 noch kampffähig sein und musste in den Kriegseinsatz. So wurde auch in Wissen das im Krankenhaus eingerichtete Armeelazarett durch Feldgendarmerie durchkämmt und alle Männer, die noch in irgendeiner Weise eine Waffe tragen konnten, der kämpfenden Truppe zugeführt. Darunter befand sich auch der Soldat Karl-Heinz Israel er war als Schwerstverwundeter ins Lazarett nach Wissen gekommen und er starb am 30. März 1945 in Betzdorf während der Kämpfe um den Siegübergang.

Bekannt für den Einsatz bzw. Nachweisbar auf Grund von Vermisstenschicksalen in den Regionen des damaligen Brückenkopf von Remagen und dem Ruhrkessel sind die folgenden Bataillone und Kompanien:

Volkssturm-Bataillon Altenkirchen >>> kämpfte mit je einer Kompanie bei Flammersfeld und bei Willroth.
Volkssturm-Bataillon Bonn   >>> nur im Fragment im Brückenkopf vertreten, der Wehrmacht eingegliedert.
Volkssturm-Kompanie Derschen >>> Kampf bei Neuwied, Rückmarsch über Horhausen bis nach Döttesfeld, Seifen.
Volkssturm-Bataillon Freikorps Sauerland >>> Besondere Teilnahme an den Kämpfen in und um Siegen.
Volkssturm-Bataillon Köln >>> nur im Fragment im Brückenkopf vertreten, der Wehrmacht eingegliedert.
Volkssturm-Bataillon Leverkusen >>> während der Kämpfe um die Festung Uckerath als eigenständiges Bataillon eingesetzt, dann Unterstellung der Wehrmacht.
Volkssturmkompanie Politt >>> Gemeinsam mit der 363. Volksgrenadier Division an den Remagener Brückenkopf.
Volkssturmkompanie Troisdorf >>> Kämpfte bei Hennef-Siegburg

 

 

Der Troisdorfer Volkssturm

Der Troisdorfer Volkssturm

VolkssturmIn den mehreren Hundert Seiten der uns vorliegenden Vernehmungsprotokollen der amerikanischen 1. Armee finden sich gelegentlich auch einige mehr oder weniger detailreiche Informationen zum Einsatz des Volkssturmes im Bereich des Brückenkopf von Remagen. Nun entdeckten wir auch ein Vernehmungsprotokoll des am 23. März 1945 bei Sankt Augustin in Gefangenschaft geratenen Kompaniechefs der Volkssturmkompanie Troisdorf.

Aus dem Protokoll erfahren wir, dass der 51jährige Kompaniechef gemeinsam mit zwei Meldern entsendet worden war, um amerikanische Stellungen im Bereich südlich von Sankt Augustin zu erkunden. Man hatte die drei während der Dunkelheit mit Fahrrädern losgeschickt und so kam es, dass sie im Nachtlicht verschiedene Abzweigungen übersahen und schlussendlich den Amerikanern in die Hände fuhren.

Sie waren alles andere als über ihren Dienst im Volkssturm erfreut und schilderten dem verhörführenden Lieutenant F. Wallech, dass die Aufstellung des Volkssturmes eine Konsequenz des organisierten Wahnsinnes gewesen sei.

Die Kompanie war am 16. März auf Befehl des Ortsgruppenleiter bei Burg Wissem versammelt worden. Wer erst nach 12.00 Uhr erschien, dem wurden die Lebensmittelrationskarten der gesamten Familienmitglieder entzogen. Um 15.00 Uhr war die erste von zwei Kompanien mit rund 200 Mann zusammengekommen und in vier Züge aufgeteilt worden. Die erste Kompanie setzte sich aus den Männern im Alter von 45 bis 52 Jahren zusammen, in der zweiten Kompanie waren die Männer im Alter von 52 bis 62 Jahren zusammengefasst worden.

Beide Kompanien wurden noch auf Burg Wissem dem Kommando der 353. Volksgrenadier Division unterstellt und durch Hauptmann Petersilie übernommen. Hauptmann Petersilie führte darauf beide Volkssturmkompanien auf den Truppenübungsplatz Wahn, wo besonders die erste Kompanie während der nächsten drei Tage am Karabiner, dem Maschinengewehr und im Umgang mit der Panzerfaust ausgebildet wurde, während die zweite Kompanie lediglich eine kurze Unterweisung im Umgang mit dem Karabiner erhielt. Die erste Kompanie verfügte über vier MG und rund 100 Panzerfäuste, der Rest der Männer hatte Karabiner erhalten, die zweite Kompanie war ausschließlich mit Karabinern ausgerüstet worden, die zum großen Teil aus der Zeit des Ersten Weltkrieges stammten.

 Am Abend des 20. März 1945 kam es in Wahn zur Befehlsausgabe, wonach die erste Kompanie an den Brückenkopf marschieren sollte und die zweite Kompanie nach Troisdorf, wo sie die Klöckner-Werke, die zur Festung erklärt worden waren, verteidigen sollte.

In der Zeit vom 20. bis 23. März hatte die erste Kompanie in der Nähe von Troisdorf gelegen, ohne genau zu wissen, welche Art von Auftrag sie hatten. Befehle wurden durch das Grenadierregiment 943 der 353. Volksgrenadier Division erteilt, dessen Führer in der Zwischenzeit Hauptmann Petersilie geworden war. Die Volkssturmkompanie war damit beschäftigt, Stellungen und Panzersperren anzulegen, bis am Morgen des 23. März die vier Züge in die Reihen des Grenadierregimentes 943 in jeweils die 1. bis 4. Kompanie eingereiht wurden. Im Verlauf des Tages kam es erstmalig auch zu Gefechtsberührung mit den Vorstoßenden amerikanischen Soldaten und dem jetzt auch in der Front eingesetzten Volkssturmes. Wie sich der weitere Verlauf bis in die Nacht zugetragen hat, bleibt in dem Vernehmungsprotokoll unerwähnt. Bekannt ist jedoch, dass sich im Verlauf des Tages teils heftige Gefechte abspielten, ob der Troisdorfer Volkssturm hier auch Verluste hinnehmen musste, ist unbekannt, aber sehr wahrscheinlich. Darüber hinaus ist bekannt, dass besonders die zweite Kompanie am 6. und 7. April während der Verteidigung der Klöckner-Werke schwere Verluste erleiden musste.

Kämpfe bei Leverkusen-Schlebusch

Die Kämpfe in der Nähe von Leverkusen-Schlebusch

Kurz vor der Kapitulation der im Ruhrkessel eingeschlossenen deutschen Verbände kam es in Leverkusen-Schlebusch noch zu einem heftigen Gefecht, bei dem noch mehrere Hitlerjungen ihr Leben ließen. Die Jungs waren durch die Nazi-Propaganda aufgestachelt und wollten natürlich aus ihrer Sicht an dem immer noch bevorstehenden Endsieg ihren Anteil haben. Es kam wie es kommen musste.

Am 13. April 1945 stießen Verbände der 13. amerikanischen Panzerdivision insbesondere im Bereich bei Katterbach-Schildgen auf heftigen und nicht mehr erwarteten Widerstand. Gleich am südwestlichen Ortsrand hatte sich eine Handvoll fanatischer Hitlerjungen festgesetzt. Unterstützt wurden die HJ-Angehörigen, die dem Volkssturm eingegliedert waren, durch 8,8 und 2 cm Flak, die im Erdkampf eingesetzt wurde. Besonders das amerikanische 59. Armored Infantry Bataillon hatte während des Tages immer wieder mit heftigem Widerstand, der jedoch nur vereinzelt aufflammte, zu tun.

Knapp südlich KATTERBACH starb am Morgen des 13. April 1945 die Besatzung eines Sherman-Panzers, nachdem ihr Panzer durch einen erst 16-17 jährigen Volksturmjungen mit der Panzerfaust abgeschossen wurde. Unter den Gefallenen befand sich der Pfc. Thomas E. Briggs. Gerüchten zufolge hatten die amerikanischen Soldaten mehrfach versucht, die Hitlerjungen zum Aufgeben zu überreden. Den Leichnam des Panzerfaustschützen, welcher zuvor den US-Panzer ausgeschaltet hatte, fand man später zwischen Schildgen und Katterbach. Auf deutscher Seite starben 18 deutsche Soldaten, die Masse waren wohl Angehörige des Volkssturmes und der Hitlerjugend,  zudem haben 18 Zivilisten ihr Leben verloren. Die Verluste der amerikanischen Verbände beliefen sich auf 10 Gefallene und 29 Verwundete, zudem wurden 3 Soldaten vermisst.

Oberstleutnant Charles Yon, am

Oberstleutnant Charles Yon, am 13. April verwundet.

Nachdem die 13. US Panzerdivision durch die deutschen Linien gestoßen war, konnte im Tagesverlauf gegen immer wieder aufflammenden Widerstand Altenberg erreicht werden, wo der Kommandeur der Taskforce Yon, Lieutenant Colonel Yon, durch Verwundung ausfiel. Seine Stelle übernahm darauf Major Peters, anschließend konnte der Vorstoß bis nach Spitze ausgeweitet werden, das am Abend als feindfrei gemeldet wurde. Während der Nacht hatten besonders die bereits über die Dhünn vorgeschobenen Teile immer wieder unter gut platzierten deutschen Artilleriefeuer zu leiden.

Im Verlauf des 14. April 1945 rollten die Panzer des Combat Comand Baker gegen zum Teil heftigen Widerstand bis nach Leverkusen und kämpften sich bis zum Abend nach Schlebusch vor. Allein das Combat Comand Baker hatte während des Tages drei 8,8-Flak-Batterien, zwei 105mm Flakgeschütze und vier Nebelwerfer erobert bzw. ausgeschaltet.

Auszug aus einem After Action Report der 13. US Panzerdivision mit Angaben zu den Kämpfen im Raum Leverkusen.

Auszug aus einem After Action Report der 13. US Panzerdivision mit Angaben zu den Kämpfen im Raum Leverkusen.

Am 15. April konnte die 13. US Panzerdivision den Durchbruch durch die feindlichen Linien vervollständigen und bis an die Wupper vorstoßen, zuvor allerdings musste bei Manfort eine heftig verteidigte Straßensperre im Bereich des Autobahnkreuzes niedergekämpft werden. Dort waren 8,8cm Flak und PAK-Geschütze in Stellung gebracht worden und setzten dem vorstoßendem Combat Command A derart zu, dass der gesamte Vormarsch der Division vollends zum erliegen kam. Als der Divisionskommandeur General John B. Wogan, die Beseitigung der Straßensperre selbst in die Hand nehmen wollte, wurde General Wogan so schwer verwundet, dass er in ein Feldlazarett evakuiert werden musste. General Mathewson übernahm darauf das Kommando über die Division. Im Anschluss folgten die Kämpfe um Leverkusen und den zugehörigen Ortsteilen. Hierbei starben in der Zeit vom 15.-16.4.1945 weitere achtzehn deutsche Soldaten, wovon am 15. April 1945 bereits 12 Soldaten ihr Leben lassen mussten. Brennpunkte der infanteristischen Verteidigung auf deutscher Seite waren hier zum Beispiel die Autobahn im Bereich der Bismarkstraße und im Raum der Autobahnauffahrt Küppersteg.

Durch die 13. US Panzerdivision ausgeschaltete 8,8-Flakstellung im Ruhrkessel.

Durch die 13. US Panzerdivision ausgeschaltete 8,8-Flakstellung im Ruhrkessel.

Schicksal eines in Wissen gefallenen Soldaten

Nach beinahe 70 Jahren ein Gefallenenschicksal geklärt

 

Gestern hatte ich für rund 1 1/2 Stunden Besuch aus Wissen erhalten.

Mir wurde ein Nachlassbrief, ein Sterbebild und zwei Grabfotos zu einem Gefallenenschicksal der letzten Kriegstage vorbeigebracht.

Hierdurch konnte ein Gefallenenschicksal geklärt werden – leider sind diese Details so nicht in unserem Buch zu finden.

Das zum Nachlass gehörende Sterbebild wird noch weiter nach den Hintergründen erforscht werden müssen, jedoch steht schon jetzt mit hoher Wahrscheinlichkeit fest, dass die beiden Soldaten sich gekannt haben. Der eine, Karl Hipp, starb am 26. März 1945 in Friedewald, der andere, Rudolf Glänzel fiel währen der Kämpfe um die Sieg bei Wissen. Die ganze Geschichte finden Sie hier:  Rudolf Glänzel, Gefallen am 5.4.1945 in Wissen.

Interessant ist in diesem Zusammenhang auch die Fotografie von Hans Schneider, der 1945 als Ausbildungsoffizier in der 363. Volksgrenadier Division tätig war. Das Foto zeigt “Angehörige des I. Bataillons vom GR. 957 bei Hagdorn, die auf den Angriffsbefehl warten.” Ob sich auf der Fotografie auch der Gefreite Glänzel befindet ist unklar, aber die Möglichkeit besteht.

 

Bild 7: Hans Schneider, Ausbildungsoffizier in der 363. Volksgrenadier Division: “Angehörige des I./GR.957 sind bei Hagdorn (nördl. Wissen) in Stellung und erwarten den Angriffsbefehl.” Einige von Ihnen werden die Kämpfe um den amerikanischen Brückenkopf in Brückhöfe vermutlich nicht überlebt haben.

“Angehörige des I./GR.957 sind nördlich von Wissen bei Hagdorn in Stellung und erwarten den Angriffsbefehl.” Fotografie von Hans Schneider, damals Ausbildungsoffizier in der 363. VGD

Marinesoldaten im Erdkampf

Marinesoldaten im Erdkampf

Warum kämpfen deutsche Marinesoldaten im Brückenopf von Remagen?

1945 waren viele der im Erdkampf eingesetzte Soldaten Angehörige der Luftwaffe oder auch Marine. Darauf haben wir in unserem Buchtitel “Das Kriegsende in der Heimat” hingewiesen und auch die Kämpfe der Kampfgruppe Dänemark geschildert, in deren Reihen sehr viele Marinesoldaten gemeinsam mit Luftwaffe und Volksstürmern neben regulären Infanteristen kämpften.

Oft wurden wir gefragt, warum das so war. Die Antwort hierauf ist eigentlich ganz einfach: für Luftwaffenangehörige waren keine Flieger mehr vorhanden, die Marine musste auch kaum noch Schlachten auf dem offenen Meer schlagen, viele Schiffe waren bereits versenkt. Die meisten Kämpfe spielten sich mittlerweile auf dem Boden ab, hier war es während der letzten Monate zu erschreckend hohen Verlusten gekommen, die durch regulären Ersatz nicht mehr auszugleichen waren. So wurden immer häufiger Soldaten aller Waffengattungen innerhalb der Heerestruppen eingesetzt. Als Beispiel schauen wir uns einmal Marineverbände an, die im Brückenkopf von Remagen eingesetzt worden waren.

Bereits seit 1940 gab es diverse Marineanlagen entlang des Rheins, der Donau und den anderen größeren Flüssen. Am Rhein befanden sich z.B. in Mannheim-Sandhofen, Köln, Friedrichshafen/Bodensee usw. Marinestützpunkte innerhalb des Festlandes, die jedoch alle dem Oberbefehlshaber der Marine unterstanden. Das gesamte Personal wurde ebenfalls von der Marine gestellt. Diese Marinesoldaten sollten Seeflugzeuge, die im Süd- und im Südostraum im Einsatz waren und verlegt wurden, tanken, reparieren, warten etc. Der Rhein war, genau wie die meisten anderen großen Flüsse, sehr stark frequentierte Routen für diese Seeflugzeuge der Luftwaffe. In Folge des Zusammenbruchs der Fronten wurden überall besonders ab 1945 die Verbände, die nun nicht mehr benötigt wurden, aufgelöst und ihre Soldaten immer häufiger in frontnahen Einheiten verwendet. (1)

Nachdem am 7. März 1945 die 1. US-Armee bei Remagen über den Rhein gesetzt hatte, wurde alles und jeder der kämpfenden Truppe zugeführt. Besonders im Personalstamm der Kampfgruppe Dänemark waren ein paar Hundert Mann eingesetzte, die allesamt der Marine angehörten. Sie aber kamen nicht vom Rhein, oder der Donau sondern waren bereits in Dänemark der 160. Reservedivision zugeführt worden. Es handelte sich hierbei um mehrere Marine-Ausbildungseinheiten, die ebenfalls in Dänemark stationiert waren, deren Existenz sich aber mittlerweile erübrigt hatte und die man nun in die Infanterie überführte. Die 160. Reservedivision war die Stammeinheit, von welcher die Kampfgruppe Dänemark ausgegliedert und vom Truppenübungsplatz Oksböl aus an die Brückenkopffront verschoben wurde. Gerade die Kampfgruppe Dänemark hatte während der Verteidigung der Brückenkopffront den zahlenmäßig höchsten, durchgehenden Mannschaftsbestand an Marinesoldaten, das unterstellte Marine.Sich.Btl.1216. Insgesamt war die zahlenmäßige Kampfkraft, wenigstens bis zum Eintreffen in dem Brückenkopf, als recht hoch anzusehen, die reale Kampfkraft jedoch war über allen Maßen gering, da die Soldaten den infanteristischen Einsatzt in keiner Weise gewohnt waren. Einzig und Allein waren einige wenige Marine- und natürlich Luftwaffen-Flakabteilungen, die besonders mit 8,8cm Flak in den Erdkampf eingriffen, als kampfkräftig und kampffähig anzusehen. Ihnen waren meist auch die Eindrücke bekannt, die der scharfe Schuss auf die eigene Stellung hinterließ. Hierzu gehörte auch das Marine-Sicherungs-Bataillon 1216, das bei der Ankunft am Brückenkopf über acht 8,8cm Flakgeschütze und vier 4cm Flak-28 verfügte.(2)

Genauso wurde mit den Angehörigen der Luftwaffe verfahren. Ganze Ausbildungseinheiten, die für den Luftwaffeneinsatz nicht mehr verwendbar waren, fanden fortan ihre Verwendung innerhalb der bodenständigen Heeresverbände, in der Regel als Infanteristen.

Quellen:

(1)  National Archives, USA, G-2 Journal, 1st US Army, März 1945

(2) National Archives, USA, G-2 Journal & File, 1st US Infantry Division, 19. März 1945

       Tessin, Verbände und Truppen der deutschen Wehrmacht und Waffen-SS im Zweiten Weltkrieg 1939-1945 , Band 07

       Wolf Keilig, Das deutsche Heer, Band II.

Kriegsende für Neitersen im März 1945

Am 26. März 1945 stand bei Neitersen eine Kampfgruppe der 9. Panzerdivision. Sie war drei Tage zuvor von Kircheib über Fiersbach, Ersfeld nach Walterschen gekommen, wo sie im Wald südlich davon die Fahrzeuge instand setzte. Unter amerikanischen Druck verlegte die Gruppe weiter nach Schürdt. Ihr Führer war Leutnant Ludwg Bauer, der die nachfolgenden Ereignisse festgehalten hatte:

Wir waren am Obernauer Kopf am Morgen des 26. März 1945 in Stellung gegangen, die Kampfgruppe verfügte noch über ein Sturmgeschütz und fünf Schützenpanzer. Der amerikanische Großangriff zielte eindeutig nach Osten. Über Einhundert Panzer stießen von Flammersfeld vor, sie teilten sich auf der Höhe in zwei Gruppen. Während die eine Gruppe nach Giershausen vorstieß, rollte die andere Hälfte über Reifferscheid-Stockhausen in Richtung Neitersen. Die ersten Panzer wurden vor 10.00 Uhr bei Schürdt gesichtet und unter Feuer genommen, was nicht unbeantwortet blieb. Ich befahl darauf den Rückzug nach Neitersen – was den Amerikanern nicht unverborgen blieb. So erhöhten Sie ab ca. 13.00 Uhr das bislang nur ver­einzelt aufgetretene Artillerie- und Granatwerferfeuer an Intensität und folgten exakt den Wegen meiner Kampfgruppe von Obernau nach Kohlhardt-Neitersen und Neiterschen. Als nach 13.30 Uhr zusätzlicher Beschuss durch schwere 15cm Artillerie einsetzte, befahl ich ein sofortiges ausweichen in die Wälder hinter Niederölfen. Auf der Höhe angekommen, zeigte sich mir folgende Lage:

Von der Höhe konnte man das gesamte Tal überblicken und bis Altenkirchen sehen. Auf der Höhe südlich Neitersen und Schöneberg rollten schier unüberschaubare Mengen von Panzern, Artillerie, SPW und sonstigen Fahrzeugen. Ich fuhr darauf in eine einigerma­ßen gedeckte Stellung am Waldrand, schickte die eigenen SPW in den Wald und jagte Schuss auf Schuss mit Spreng­granaten auf ca. 2400 m Entfernung heraus. Panzer konnte ich auf diese Entfernung ja doch nicht abschießen. Die Amis nebelten sich darauf ein und es entstanden mächtige Rauchwolken. Dann ging es auch gleich los mit der feindlichen Artillerie. Ich war ganz erstaunt, wie schnell die Amerikaner dieses Mal reagierten. Es war wie ein Erdbeben mit Blitz und Donner, um nicht noch Verluste zu erleiden oder eingeschlossen zu werden, gab ich Befehl zum absetzen!

Nachdem sich die letzten deutschen Soldaten aus Neitersen und Schöneberg abgesetzt hatten, stand den Amerikanern der Weg nach Altenkirchen offen, doch noch vor Erreichen von Leuzbach kam es zu einem kurzen Feuergefecht:

Einige Volkssturm-Soldaten hatten den Auftrag eine bereits vorbereitete Straßensperre zwischen Leuzbach und Neitersen zu beziehen und zu verteidigen. Während in Schöneberg bereits Soldaten der 104. US Infanteriedivision aus Richtung Breibach – Stürzelbach her vorstießen, marschierte eine Kolonne der 3. US Panzerdivision durch Neitersen durch. In dieser Lage versuchten sechs deutschen Soldaten, die von einem Feldwebel angeführt wurden, noch buchstäblich in letzter Minute die Panzersperre zu erreichen. Die Volkssturmsoldaten waren erst seit dem 25. März in Schöneberg in Quartier, der Feldwebel, ein Pionier, hatte die Brücke über die Wied bereits zur Sprengung vorbereitet. Als die Schießereien am Vormittag losgingen, versuchten sie dem Befehl zu Folge, die Sperre im Wald zu besetzten. Auf dem Weg in den Wald wurden sie von den aus Neitersen kommenden Panzern entdeckt und unter Feuer genommen. Keiner der deutschen Soldaten konnte sein Leben retten. Sie starben zwischen 11.30 und 11.50 Uhr am 26. März 1945. Bis 1951 wurden die Gräber der Gefallenen auf dem Schöneberger Friedhof von Ortsanwohnern gepflegt, um dann nach Horhausen auf den Ehrenfriedhof umgebettet zu werden.

Nachdem der Widerstand eingestellt wurde, stießen die 3. US Panzerdivision und die 104. US Infanteriedivision durch Altenkirchen bis in den Raum von Hachenburg vor.  Die gezeigte Bildsequenz entstammt einer Videoaufnahme eines amerikanischen Kriegsberichterstatters der 1. US Armee vom 26. März 1945. Zu sehen sind Infanterie und Panzer der 3. US Panzerdivision während des Durchmarsches durch die Kreisstadt Altenkirchen. Am rechten Bildrand kann man amerikanische Offiziere erkennen, die sich im Gespräch mit deutschen Krankenschwestern befinden.

Nachdem der Widerstand eingestellt wurde, stießen die 3. US Panzerdivision und die 104. US Infanteriedivision durch Altenkirchen bis in den Raum von Hachenburg vor.
Die gezeigte Bildsequenz entstammt einer Videoaufnahme eines amerikanischen Kriegsberichterstatters der 1. US Armee vom 26. März 1945. Zu sehen sind Infanterie und Panzer der 3. US Panzerdivision während des Durchmarsches durch die Kreisstadt Altenkirchen. Am rechten Bildrand kann man amerikanische Offiziere erkennen, die sich im Gespräch mit deutschen Krankenschwestern befinden.

 

 

 

Alliiertes Flugblatt vom 28. März 1945

Am 28. März 1945 war der amerikanische Durchbruch durch die Frontlinie des Remagener Brückenkopf durch nichts mehr aufzuhalten. Marburg und Dillenburg wurden durch die schnellen US-Verbände erobert, im Bereich der Sieg schwenkten die Infanteristen in nördliche Richtung, um noch südlich des Flusses stehende deutsche Resteinheiten zu zerschlagen. Biersdorf und Daaden wurden dabei erobert. In der Nähe von Emmerzhausen kam es zu kleineren Gefechten. Das Volksartilleriekorps 388 bezog im Bereich nördlich der Sieg Stellungen.

Die deutsche Frontlinie verlief nach Aufzeichnungen des VII US-Korps um 24.00 Uhr Nachts etwa enlang:

Siegmündung – Nordufer der Sieg bis Wissen – Nordrand Herdorf – 1,5 Km nördl. Derschen – Haiger – Dillenburg.

Die Tagesereignisse nach Daily Chronology, aus den Niederschriften der 1. US-Army:

Im Bereich des VII. US-Korps stieß die 3. US Panzerdivision, praktisch ohne auf nennenswerten Widerstand zu treffen, weiter vor, MARBURG und DILLENBURG wurden erobert, worauf die Division auf Paderborn schwenkte, um das Ruhrgebiet einzuschließen.

Die 1. Infantry-Division bekämpfte letzten Widerstand bei Breitscheid und stieß weiter bis Biersdorf und Daaden vor.

Die 4. Cavalry Group löste die 1. Infantry-Division bei Oberalsen-Leuscheid und Kuchhausen ab und fühlte bis nach Au vor.

Deutsche Gegenangriffe, die noch geplant worden sind, blieben entweder durch die sich selbst überholte Lageentwicklung Wunschdenken oder aber liefen sich gleich unter ersten Bemühungen fest. So auch ein Angriff von Teilen des LIII. Armeekorps unter General Bayerlein, der im Bereich von Rödgen und Wilgersdorf auf starke amerikanische Kräfte stieß und unter schweren Verlusten zum erliegen kam.

Skizze zur allgemeinen Kriegslage am 28. März 1945. Dieses Flugblatt wurde ebenfalls in Siegen abgeworfen.

Skizze zur allgemeinen Kriegslage am 28. März 1945.
Dieses Flugblatt wurde ebenfalls in Siegen abgeworfen.

Allgemeine Kriegslage am 28. März 1945.

Allgemeine Kriegslage am 28. März 1945.

Im März 1945 wurde Rimbach zum Gerichtsort

Im März 1945 wurde Rimbach zum Gerichtsort

 

Als die Amerikaner am 7. März 1945 die Ludendorffbrücke in Remagen eroberten, besiegelte sich hierdurch das Schicksal für vier deutsche Offiziere. Das waren die Majore Scheller, Kraft und Strobel, der Hauptmann Bratge und Oberleutnant Peters. Sie alle wurden in Rimbach und Oberirsen durch ein Exekutionskommando standrechtlich erschossen. Zwei der Soldaten nach Urteilsverkündigung in Rimbach, die beiden anderen in Oberirsen.

Die Verhandlungen gegen die Soldaten wurden in Rimbach und in Oberirsen durchgeführt. Leiter war Generalmajor Rudolf Hübner, der das sogenannte „Fliegendem Standgericht West“ als Oberster Richter führte. Hübner hatte hierzu von Hitler persönlich Vollmachten und Freiheiten erhalten, wie es sie in der Kriegsgeschichte noch nie gegeben hatte. Die Beisitzer während der Kriegsgerichtsverhandlungen waren Oberstleutnant Anton Ehrnsperger und Oberstleutnant Paul Penth, alle drei Männer waren überzeugte Nationalsozialisten.

Die Ludendorff-Brücke in Remagen. Hier steht sie noch unbeschädigt.

Die Ludendorff-Brücke in Remagen.
Hier steht sie noch unbeschädigt.

 Am 11. März 1945 kamen sie in Rimbach im Westerwald an, wo sich auch das Hauptquartier der Heeresgruppe B befand. Nach kurzer Besprechung der Kommandeure untereinander wurden Schuldige gesucht, die man nach einigen Hin- und Her auch schnell gefunden hatte. Die beschuldigten Offiziere waren die eingangs erwähnten fünf Offiziere. Für die Verhandlungen der nächsten Tage erhielten sie keine Verteidiger, ihnen standen nur wenige Minuten zur Verfügung, in denen sie sich zur Lage äußern konnten und ihre Unschuld beweisen sollten. Das war natürlich zwecklos. Dadurch, dass die Brücke von Remagen nicht im Explosionsknall untergegangen war, warf man den beschuldigten Offizieren Feigheit vor dem Feind, Dienstpflichtverletzungen und Versagen vor. Die Verhandlungen dauerten lediglich bis zum 14. März 1945, in deren Verlauf wurden die Majore Hans Scheller, August Kraft und Herbert Strobel, Hauptmann Bratge und Oberleutnant Peters zum Tod durch Erschießen verurteilt. Die Urteile gegen vier dieser Soldaten wurden unmittelbar nach der Verkündigung durch Erschießen vollstreckt, das Urteil gegen Bratge konnte nicht vollstreckt werden, da er sich zu jenem Zeitpunkt bereits in alliierter Kriegsgefangenschaft befunden hatte. Lediglich Hauptmann Friesenhahn wurde durch das Fliegende Standgericht West freigesprochen. Heute bestehen keinerlei Zweifel daran, dass die Offiziere der Remagener Brücke unschuldig hingerichtet wurden.

Zeitungsbericht vom 17. März 1945 mit der Verkündung der Hinrichtungen.

Zeitungsbericht vom 17. März 1945 mit der Verkündung der Hinrichtungen.

Hans Scheller. Im März 1945 unschuldig hingerichtet.

Major Hans Scheller.
Im März 1945 unschuldig hingerichtet.

 

August Kraft,  Im März 1945 unschuldig hingerichtet.

Major August Kraft.
Im März 1945 unschuldig hingerichtet.

 

Major Herbert Strobel. Im März 1945 unschuldig hingerichtet.

Major Herbert Strobel.
Im März 1945 unschuldig hingerichtet.

 

Oberleutnant Karl Heinz Peters. Im März 1945 unschuldig hingerichtet.

Oberleutnant Karl Heinz Peters.
Im März 1945 unschuldig hingerichtet.

 

Hauptmann Willi Bratge. Im März 1945 zum Tode verurteilt. Da er sich in Gefangenschaft befunden hatte, konnte das Urteil nicht vollstreckt werden.

Hauptmann Willi Bratge.
Im März 1945 zum Tode verurteilt. Da er sich in Gefangenschaft befunden hatte, konnte das Urteil nicht vollstreckt werden.

Die am 15. Februar 1945 erlassene Verordnung für Standgerichte ermöglichte nun auch ein Aburteilen von Zivilpersonen, die die "deutsche Kampfkraft und Kampfentschlossenheit gefährden würden". Somit befand sich jeder in Lebensgefahr, der deutsche Soldaten zum Schlussmachen überreden wollte.

Die am 15. Februar 1945 erlassene Verordnung für Standgerichte ermöglichte nun auch ein Aburteilen von Zivilpersonen, die die “deutsche Kampfkraft und Kampfentschlossenheit gefährden würden”. Somit befand sich jeder in Lebensgefahr, der deutsche Soldaten zum Schlussmachen überreden wollte.