Im Gedenken an meinen alten Freund Johannes Baczewski

Manchmal stößt man in Zeitungsberichten über die Ereignisses des Zweiten Weltkriegs auf bekannte Namen, auf Spuren von Menschen, die man selbst gut gekannt hat. So kommt es, dass hier und dort dann auch schon einmal der Name eines bereits länger verstorbenen Freundes auftaucht. Natürlich freut man sich dann immer wenn die Erinnerungen an einen alten Freund wachgerufen werden. Tot ist nur, wer vergessen ist! – Heute war meine Freude ganz besonders groß!

In bester Erinnerung an meinen guten Freund Johannes Baczewski, der sich als Allensteiner Ostpreuße im Grenadierregiment 62 der 7. bayrischen Infanteriedivision zunächst die II Stufe der Nahkampfspange und wenig danach das Deutsche Kreuz in Gold erwarb. 
Nach erneuter Verwundung und erfolgter Genesung wurde er als Führer der 4. Kompanie des Feld-Ersatz-Bataillon 162 in die 62. Volksgrenadier-Division versetzt. Mit dieser Kompanie nahm er an der Ardennenoffensive teil. Bei Auel wurde am 16. Dezember 1944 die Our überschritten und der Vorstoß in die hart und tapfer verteidigte Linien der 106. US-Infanteriedivision gewagt. Am 21. Dezember wurde Maspelt erreicht, das mehrfach den Besitzer wechselte, hiernach folgten die schweren Waldkämpfen innerhalb des Grüfflinger Forsts.
Nach dem Scheitern der Offensive und dem Tod des Bataillonskommandeurs, Hauptmann Kluge, übernahm Johannes am 4. März 1945 das Feld-Ersatz-Bataillon und führte dieses mit Willen und Wissen einvernehmlich des Divisionskommandeurs, dem Schwerterträger Oberst Arthur Jüttner und dessen IIa, Major Heinz Hübner, bis zur Kapitulation im Ruhrkessel – und zwar mit dem Auftrag “Menschenleben retten, schonen und raushalten, was man raushalten kann!”
Während die Stärke der Division im Kampfwert stetig abnahm, wuchs das FEB bis zum 7. April 1945 auf eine Stärke von knapp 600 Mann an, darunter 18 Offiziere und 94 Unteroffiziere und zahlreiche Hitlerjungen, die somit der Dienstpflicht entzogen werden konnten und, bei passender Gelegenheit, nach Hause in “befehlserwartende Stellung” geschickt wurden. “Die Chance zum Überleben gegeben!”
In Gruiten entschied sich Johannes zur Kapitulation seines Bataillons und bewahrte die Stadt hierdurch vor weiterer Zerstörung. Ohne Verluste hinzunehmen marschierte das FEB 162 geschlossen in Gefangenschaft, aus der sich Johannes “durch Flucht selbst entlassen hatte!”
Ehrenbayer nannten ihn die Kameraden der 7. ID! 
Mir war es eine außerordentliche Ehre, dich als meinen Freund gehabt zu haben! In zahlreichen Gesprächen und ab 1998 nahezu täglich geführter Telefongesprächen hat er mich an seinem Leben teilhaben lassen und während Besuche in Rangsdorf bei Berlin wärmstens und freundlich empfangen! 
Aus einfachen Freunden, die zu Familien werden… Unvergessen!
geboren am 3. Januar 1921 in Allenstein, Ostpreußen
Verstorben am 18.06.2004 im Alter von 83 Jahren 
Im Haus Schlesien in Heisterbacherrott. Als Zeichen der Versöhnung reichen sich 1995 Johannes Baczewski und ein ehemaliger Sergeant der 78. US-ID die Hände. Im Hintergrund ein Teller mit Wappen der 62. ID/VGD.

Im Haus Schlesien in Heisterbacherrott. Als Zeichen der Versöhnung reichen sich 1995 Johannes Baczewski und ein ehemaliger Sergeant der 78. US-ID die Hände. Im Hintergrund ein Teller mit Wappen der 62. ID/VGD.

Während meines Besuches in Rangsdorf

Während meines Besuches in Rangsdorf

1944 auf Genesungsurlab in Rangsdorf

1944 auf Genesungsurlab in Rangsdorf

Der von mir eingekürzte Zeitungsartikel aus der Bergischen Landeszeitung vom 14. März 1945

Der von mir eingekürzte Zeitungsartikel aus der Bergischen Landeszeitung vom 14. März 1945

Siehe auch:

Ralf Anton Schäfer
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