Im März 1945 wurde Rimbach zum Gerichtsort

Im März 1945 wurde Rimbach zum Gerichtsort

 

Als die Amerikaner am 7. März 1945 die Ludendorffbrücke in Remagen eroberten, besiegelte sich hierdurch das Schicksal für vier deutsche Offiziere. Das waren die Majore Scheller, Kraft und Strobel, der Hauptmann Bratge und Oberleutnant Peters. Sie alle wurden in Rimbach und Oberirsen durch ein Exekutionskommando standrechtlich erschossen. Zwei der Soldaten nach Urteilsverkündigung in Rimbach, die beiden anderen in Oberirsen.

Die Verhandlungen gegen die Soldaten wurden in Rimbach und in Oberirsen durchgeführt. Leiter war Generalmajor Rudolf Hübner, der das sogenannte „Fliegendem Standgericht West“ als Oberster Richter führte. Hübner hatte hierzu von Hitler persönlich Vollmachten und Freiheiten erhalten, wie es sie in der Kriegsgeschichte noch nie gegeben hatte. Die Beisitzer während der Kriegsgerichtsverhandlungen waren Oberstleutnant Anton Ehrnsperger und Oberstleutnant Paul Penth, alle drei Männer waren überzeugte Nationalsozialisten.

Die Ludendorff-Brücke in Remagen. Hier steht sie noch unbeschädigt.

Die Ludendorff-Brücke in Remagen.
Hier steht sie noch unbeschädigt.

 Am 11. März 1945 kamen sie in Rimbach im Westerwald an, wo sich auch das Hauptquartier der Heeresgruppe B befand. Nach kurzer Besprechung der Kommandeure untereinander wurden Schuldige gesucht, die man nach einigen Hin- und Her auch schnell gefunden hatte. Die beschuldigten Offiziere waren die eingangs erwähnten fünf Offiziere. Für die Verhandlungen der nächsten Tage erhielten sie keine Verteidiger, ihnen standen nur wenige Minuten zur Verfügung, in denen sie sich zur Lage äußern konnten und ihre Unschuld beweisen sollten. Das war natürlich zwecklos. Dadurch, dass die Brücke von Remagen nicht im Explosionsknall untergegangen war, warf man den beschuldigten Offizieren Feigheit vor dem Feind, Dienstpflichtverletzungen und Versagen vor. Die Verhandlungen dauerten lediglich bis zum 14. März 1945, in deren Verlauf wurden die Majore Hans Scheller, August Kraft und Herbert Strobel, Hauptmann Bratge und Oberleutnant Peters zum Tod durch Erschießen verurteilt. Die Urteile gegen vier dieser Soldaten wurden unmittelbar nach der Verkündigung durch Erschießen vollstreckt, das Urteil gegen Bratge konnte nicht vollstreckt werden, da er sich zu jenem Zeitpunkt bereits in alliierter Kriegsgefangenschaft befunden hatte. Lediglich Hauptmann Friesenhahn wurde durch das Fliegende Standgericht West freigesprochen. Heute bestehen keinerlei Zweifel daran, dass die Offiziere der Remagener Brücke unschuldig hingerichtet wurden.

Zeitungsbericht vom 17. März 1945 mit der Verkündung der Hinrichtungen.

Zeitungsbericht vom 17. März 1945 mit der Verkündung der Hinrichtungen.

Hans Scheller. Im März 1945 unschuldig hingerichtet.

Major Hans Scheller.
Im März 1945 unschuldig hingerichtet.

 

August Kraft,  Im März 1945 unschuldig hingerichtet.

Major August Kraft.
Im März 1945 unschuldig hingerichtet.

 

Major Herbert Strobel. Im März 1945 unschuldig hingerichtet.

Major Herbert Strobel.
Im März 1945 unschuldig hingerichtet.

 

Oberleutnant Karl Heinz Peters. Im März 1945 unschuldig hingerichtet.

Oberleutnant Karl Heinz Peters.
Im März 1945 unschuldig hingerichtet.

 

Hauptmann Willi Bratge. Im März 1945 zum Tode verurteilt. Da er sich in Gefangenschaft befunden hatte, konnte das Urteil nicht vollstreckt werden.

Hauptmann Willi Bratge.
Im März 1945 zum Tode verurteilt. Da er sich in Gefangenschaft befunden hatte, konnte das Urteil nicht vollstreckt werden.

Die am 15. Februar 1945 erlassene Verordnung für Standgerichte ermöglichte nun auch ein Aburteilen von Zivilpersonen, die die "deutsche Kampfkraft und Kampfentschlossenheit gefährden würden". Somit befand sich jeder in Lebensgefahr, der deutsche Soldaten zum Schlussmachen überreden wollte.

Die am 15. Februar 1945 erlassene Verordnung für Standgerichte ermöglichte nun auch ein Aburteilen von Zivilpersonen, die die “deutsche Kampfkraft und Kampfentschlossenheit gefährden würden”. Somit befand sich jeder in Lebensgefahr, der deutsche Soldaten zum Schlussmachen überreden wollte.

 

Ralf Anton Schäfer

Ralf Anton Schäfer

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ich bin als Gründer für diese Seiten verantwortlich.
In den Jahren meiner Recherchen habe ich umfangreich Materialien zusammengetragen zu den Infanteriekämpfen der Endphase im Zweiten Weltkrieg. Der Archivbestand umfasst viele Tausend Seiten und deckt im Groß den Westen für die Zeit von der Landung der Alliierten in der Normandie bis zu den letzten Kämpfen um den Ruhrkessel.
Ralf Anton Schäfer

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