Exkursion nach Öttgesborn…

Ich muss mal an die aufgefallene Exkursion nach Öttgesborn erinnern – Für die, die den Hof nicht kennen: Öttgesborn liegt an der alten Poststraße nördlich der Sieg zwischen Katzwinkel und Wissen im Bereich oberhalb Oberhövels…

Nachdem die Amerikaner im März bei Wissen die Sieg überquert hatten fühlten sie mit einer vorderen Spitze der 8. US Infanteriedivision in Richtung Katzwinkel vor und richteten bei Öttgesborn einen Gefechtsstand ein. Es war der vorgeschobene Bataillonsgefechtstand des II. Bataillons. Die 62. Volksgrenadier Division setzte zum Angriff gegen den Hof an und es kam zu einem heftigen Gefecht, in dessen Verlauf 19 deutsche- und eine unbekannte Anzahl amerikanischer Soldaten ihre Leben verloren.

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Frontstellung eines deutschen MG-Trupps. Während einer der beiden das Gefechtsfeld beobachtet, ruht sich der Schütze aus. Gut zu erkennen ist der vor der Stellung abgelegte Baumstamm, um für zusätzlichen Splitterschutz zu sorgen.

Diese Exkursion befasst sich mit den Ereignissen der letzten Kriegstage rund um den Hof und dem Kampf um die Siegfront bei Niederhövels. Die geplante Runde findet am 20. August 2016 statt.

Wir treffen uns bereits um 14.30 Uhr am Haus Eichenhof in Oberhövels, siehe anhängende Karte. Die Teilnehmergebühr in Höhe von 5 Euro wird vor Ort eingesammelt. Dauer der Exkursion wird ca. 3 Stunden betragen, eher länger denn kürzer. Wenn entsprechendes Interesse vorhanden, kann im Anschluss im Haus Eichenhof noch eine Nachbesprechung in gemütlicher Runde erfolgen.

Als Oberstleutnant Hermann Grusche in Gefangenschaft geriet

Am 25. März 1945 wurde Hermann Grusche, Oberstleutnant und Kommandeur des Volksartillerie Korps 388, bei den Kämpfen während des alliierten Ausbruches aus dem Brückenkopf von Remagen verwundet. Bis vor wenige Wochen suchte ich nach dem Ort des Geschehens. Grusche geriet an eben diesem Ort nämlich auch in Gefangenschaft.

Das hier ist keine Berichterstattung, sondern will ich das folgende jetzt einfach los werden, da ich mich über das was unten geschrieben steht, sehr gefreut habe!

Wie das Leben so manchmal spielt – Erster Akt!

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Oberstleutnant Grusche

Erst vor kurzer Zeit kam ich in Kontakt mit Herrn Bernd Wilz, dem Enkel Grusches. Dank seiner Hilfe war es Möglich, Hermann Grusche endlich ein Gesicht zu geben. Gehört hatte ich bereits öfters von und über ihn. Seine damaligen Kameraden berichteten mir schon vor rund 20 Jahren von dem stets um das Wohl seiner Männer besorgten Offiziers. Eine Fotografie, Dokumente und ein kompletter Werdegang runden das mir bekannte Bild ab. Das ich noch näher “ran kommen” würde, hätte ich mir nicht erträumen lassen!

Zweiter Akt!

Am vergangenen Samstag während der Exkursion in die PaK-Linie bei Hasselbach lernte ich Herrn Karl Werkhausen kennen, einen Zeitzeugen, der sich noch bildhaft an 1945 erinnern kann. Zwischenzeitlich sind bereits zwei Telefonate geführt worden, das letzte gerade vor einem Moment. Gerade telefonierten wir mal eben 3/4 Stunde!

 “Einen Volltreffer habe ich für Sie”, erzählte Karl Werkhausen

Bei dem vergangenen Telefonat sprach ich Werkhausen darauf an, dass ich seit einigen Jahren versuchen würde das “Rätsel Grusche” zu lösen und erzählte ihm von den mir bekannten Einzelheiten. “Naja, mal schaun, ob ich da was in Erfahrung bringen kann? Ich glaubs aber eher nicht!” Ich glaubte es auch nicht, dass sich nach so vielen Jahren noch was in der Sache tun würde… Trotzdem hat Karl Werkhausen mir vorhin auf die Sprünge geholfen und dabei haben wir gemeinsam zwei buchstäbliche Stecknadeln im Heuhaufen gefunden! Durch diese wertvolle Unterstützung ist es jetzt nach so vielen Jahren endlich Möglich, das exakte Haus zu bestimmen, im dem Oberstleutnant Grusche verwundet in amerikanische Gefangenschaft geraten ist. Zudem ist eine Verbindung zu einem damaligen Schulkameraden entstanden, in dessen Elternhaus Grusche stark blutend gebracht wurde.

Werkhausen hatte nicht nur einen Volltreffer für mich, da waren eine ganze Reihe weiterer, hoch interessante Informationen ausgetauscht worden! Zum Beispiel von amerikanischen Sherman-Panzern, die in Reihenformation durch die Büsche gefahren sind, bevor sie zum Angriff übergingen, oder aber die erste Grablage des in Mehren bestatteten Soldaten König, das Erstgrab war 1945 direkt vor dem Elternhaus gelegen. Demnächst gibt es alle Informationen auf diesen Seiten, auf einen Kaffee bin ich auch noch eingeladen! Mensch! Was will man da noch mehr! Also ich freu mich!

24. März 1945 – Der alliierte Ausbruch aus dem Brückenkopf steht unmittelbar bevor

Der 24. März 1945 war im Remagener Brückenkopf ein besonderer Tag; es war der Tag, an dem sämtliche Vorbereitungen für den Ausbruch auf höchsttouren liefen. Erreichte Stellungen wurden ausgebaut, wichtige Punkte mussten erobert werden. Weitere Verstärkungen wurden nachgeholt und die amerikanische Artillerie belegte sämtliche Wege an die deutschen Frontlinien mit noch heftigerem Störfeuer. Installierte PluginsDie amerikanische Luftwaffe tat das, was sie am besten konnte, sie griff alles an, was sich durch Bewegungen am Boden zeigte.

Drei Rheinübergänge binnen drei Tagen

Am 22. März 1945 konnte die 5. US-Infanteriedivision von Pattons 3. Armee bei Mainz und Oppenheim kurz vor Mitternacht den Rhein überqueren, Widerstand wurde kaum geleistet und die Division konnte innerhalb der nächsten 24 Stunden ihre gesamten Truppen auf das Ostufer nachziehen. Hitlers Befehle, sofortige Gegenangriffe durchzuführen, scheiterten daran, dass keinerlei Reserven greifbar waren. Schon am 23. März setzte die 3. US Armee bei Worms erneut über den Rhein.

Bei Wesel und Rees erfolgte am 24. März 1945 ein umfangreiches Luftlandeunternehmen (Operation Varsity). Nördlich von Xanten konnte die 15. Infanteriedivision Haffen und Mehr überrennen. Im Tagesverlauf wurde Hamminkeln durch die 6. britt. Fallschirm-Jäger-Division erobert, die 17. US Fallschirm-Jäger-Division erreichte Diersfordt und besetzte die östlich gelegenen Höhen. Bis zum Einbruch der Nacht zum 25. März brachten die Deutschen, besonders bei Wesel, viele Gegenangriffe vor. Zur gleichen Zeit ereigneten sich im Brückenkopf von Remagen nicht minder heftige Gefechte.

Auf dem Ostufer des Rheins befinden sich Infanteriekräfte und ein Shermanpanzer auf dem Weg zur Front. Die Ludendorff-Brücke steht noch, demnach kann man das Foto vor den 17. März 1945 datieren. Vorne links im Bereich befindet sich ein ehemaliger Unterstand einer Flak-Stellung. Foto SIgnal-Corps, National-Archiv Washington, USA.

Auf dem Ostufer des Rheins befinden sich Infanteriekräfte und ein Shermanpanzer auf dem Weg zur Front. Die Ludendorff-Brücke steht noch, demnach kann man das Foto vor den 17. März 1945 datieren. Vorne links im Bereich befindet sich ein ehemaliger Unterstand einer Flak-Stellung. Foto SIgnal-Corps, National-Archiv Washington, USA.

Angriffe der 1. US Armee

Das VII. US Armeekorps hatte den Auftrag, mit der 104. und der 1. US Infanteriedivision den für den Ausbruch benötigten Raum vom Feind zu befreien. Hierbei stießen die amerikanischen Verbände zum Teil auf heftigsten Widerstand, der erst durch koordinierte Luftangriffe niedergekämpft wurde. In der Nacht zum 25. März wurde der Hanfbach an mehreren Stellen überschritten und das 16. US-Infanterieregiment konnte in Hennef-Geisbach und Lichtenberg eindringen, während das benachbarte 18. Infanterieregiment nach Hüchel vorstieß und mit den Spitzen in Uckerath eindringen konnte. Besonders um Uckerath, das in letzter Stunde zur Festung erklärt worden war, entbrannten schwerste Gefechte, in deren Verlauf mehr als 250 deutsche Soldaten ihr Leben verloren. Am Tagesende notierte die 1. US- Infanteriedivision in ihrem Kriegstagebuch, den schwersten Kampftag seit Beginn der Kämpfe durchgestanden zu haben, der Tag wird mit seiner Härte und Heftigkeit mit denen, die während der Landung in der Normandie in Nordfrankreich stattfanden, verglichen.

Die 104. US Infanteriedivision war dazu in der Lage den Flugplatz Eudenbach zu erobern, wo Reste der 9. Panzerdivision und der 340. Volksgrenadier Division versuchten, die Verteidigung aufrecht zu erhalten. Um Brungsberg, wo sich Teile des 415. US-Infanterieregiments festrannten, ereigneten sich schwere Kämpfe. Dennoch musste die schwache 9. Panzerdivision unter Verlust von mehreren Panzern und Halbkettenfahrzeugen den Widerstand aufgeben und zog sich langsam zurück, wonach die Front in diesem Bereich zusammenbrach.

An der Nordflanke des Korps war das 1. Bataillon vom 310. US Infanterieregiment (78. US Infanteriedivision) dazu in der Lage, die deutsche Verteidigung nordwestlich Menden zu zerschlagen und drang bis an die Sieg vor.

Der Frontverlauf im Brückenkopf von Remagen zwischen dem 7. und 24. März 1945. Grafik aus "The Last Offensive", Washington D.C., Government Printing Office.

Der Frontverlauf im Brückenkopf von Remagen zwischen dem 7. und 24. März 1945. Grafik aus “The Last Offensive”, Washington D.C., Government Printing Office.

Im mittleren Bereich des Brückenkopfes waren die Verbände des III. US-Armeekorps dabei, den Angriff gegen die Wied auszuweiten. Bei Fernthal wurde durch die 9. US Infanteriedivision die Autobahn überschritten und Borscheid erobert, mehrfach vorgebrachte deutsche Gegenangriffe blieben im Abwehrfeuer liegen. Etwa gegen 22.00 Uhr am Abend wurden die Regimenter 39. und 47 durchgeschoben, um den Angriff bis zur Wied auszuweiten.

Das V. US Armeekorps war im südlichen Brückenkopf mit der 99. US Infanteriedivision gegen die Autobahn vorgegangen, die 2. US-Infanteriedivision konnte den zuvor eroberten Wied-Brückenkopf festigen und weiter ausbauen. Gladbach und Oberbieber wurden im Tagesverlauf erobert.

In unserer Gefallenendatenbank finden sich derzeit 54 deutsche Kriegsopfer, die am 24. März 1945 gefallen sind. Bitte beachten Sie, dass diese Datenbank auch nur einen Bruchteil der tatsächlichen Gefallenenzahlen widerspiegelt. Darüberhinaus umfassen die Einträge der Datenbank in aller Regel meist nur die Opfer des nördlichen Kriegsschauplatzes im Remagener Brückenkopfes.

Frühjahrsexkursionen 2016

In Kürze geht es wieder los! Ich freue mich, heute mitteilen zu können, das die nächsten Termine feststehen. Erneut werden elf Veranstaltungen in Kooperation mit der KVHS (Kreisvolkshochschule) Altenkirchen und der VHS (Volkshochschule) Betzdorf durchgeführt.

Elf Termine, für die Sie sich die Samstage freihalten sollten. Natürlich darf und soll jeder teilnehmen, aber ab sofort nehme ich mir die Freiheit, speziell auf die Fragen derjenigen weniger einzugehen, die sich nicht offiziell zu den Terminen angemeldet haben. Die notwendige Anmeldung ist vollkommen unkompliziert und kann entweder telefonisch oder direkt online bei der zuständigen VHS durchgeführt werden. Die Kontaktinformationen dazu entnehmen Sie bitte den einzelnen Veranstaltungen.

Den aktuellen Sonderflyer können Sie sich durch Klick auf das Bild direkt herunterladen.

Den aktuellen Sonderflyer können Sie durch Klick auf das Bild gleich herunterladen. Dann haben Sie stets alle Termine zur Hand.


Kriegsende in der Region „Was will ich darüber wissen?“

Videovortrag, circa 45 Minuten, mit anschließender Themenrunde „Kriegsende in der Region“. Hierbei werden die Teilnehmer Gelegenheiten finden, persönliche Fragen zu den Bodenkämpfen zu stellen die sich im März und April 1945 in der Region ereigneten. Zudem werden diverse Gegenstände und Dokumente aus der Zeit des Kriegsendes gezeigt.

Wann: Samstag, 19. März 2016, 14.30 Uhr,

Wo: Kreisvolkshochschule, Rathausstraße 12 in Altenkirchen

Dauer: Video etwa 45 Minuten, anschließende Gesprächsrunde mit offenem Ende.

Anmeldung: KVHS Altenkirchen, Tel.: 02681-812212 oder via Email
kvhs@kreis-ak.de


PictogrammWandernVorstoß in die deutsche Pak-Linie bei Rettersen-Hasselbach

Nachdem die 3. US Panzerdivision am 25. März 1945 über Uckerath-Kircheib aus dem Brückenkopf von Remagen ausgebrochen war, stieß sie bei Rettersen auf die hastig errichtete PaK-Linie (PaK=Panzerabwehrkanonen) des deutschen LIII. Armeekorps. Bei Hasselbach verloren die Amerikaner mehrere Sherman-Panzer und es entwickelten sich schwere Gefechte zwischen der deutschen und amerikanischen Infanterie. Dieser Zusammenstoß zwischen deutscher und amerikanischer Verbände gipfelte in einem blutigen Kampf, der später unter Einsatz von Spaten und Bajonett ausgetragen wurde.

Wann: Samstag, 2. April 2016, 14.30 Uhr

Wo: An der Witthecker Straße in Rettersen.

Wegstrecke: Ca. 3,8 Kilometer.

Dauer: In der Regel dauert jede Exkursion etwa 3 Stunden.

Anmeldung: KVHS Altenkirchen, Tel.: 02681-812212 oder via Email
kvhs@kreis-ak.de


PictogrammWandernKampf um die Pak-Linie bei Weyerbusch-Hasselbach

Nachdem bei Hasselbach die Panzerspitze der 3. US Panzerdivision zum Stehen gebracht wurde, wobei sie mehrere eigene Sherman-Panzer verlor. Ihnen gegenüber lagen am Horizont zwischen Werkhausen und Heuberg Panzerabwehrkanonen, dahinter war schwere Artillerie in Stellung gebracht worden; sie nahmen jede feindliche Bewegung unter Feuer. Darauf musste sich die amerikanische Infanterie den Weg bis Hasselbach erkämpfen und kann erst darauf gegen die PaK-Linie bei Weyerbusch weiter vorgehen. Deutsche Flak- und PaK macht jegliche Panzerunterstützung nahezu unmöglich, teils ist die amerikanische Infanterie währen des Vormarsches auf sich allein gestellt.

Wann: Samstag, 9. April 2016, 14.30 Uhr

Wo: Parkplatz hinter dem Sportplatz in Weyerbusch.

Wegstrecke: Ca. 3 Kilometer, je nach Entscheidung der Gruppe evtl. mit Umweg bis nach Heuberg-Hilkhausen auch 5 Km.

Dauer: In der Regel dauert jede Exkursion etwa 3 Stunden.

Anmeldung: KVHS Altenkirchen, Tel.: 02681-812212 oder via Email
kvhs@kreis-ak.de


PictogrammWandernKampf und Rückzug des Altenkirchener Volkssturms

Nachdem die Amerikaner die Ludendorff-Brücke in Remagen erobert hatten, wurde auf Befehl des Gauleiters Gustav Simon der Altenkirchener Volkssturm mobilisiert. Nach einer kurzen Ausbildung bei Molzhain wurden die Männer nach Neustadt an der Wied verlegt, wo sie kurz nach der Ankunft bereits in die Kämpfe verwickelt wurden. Als die Wehrmacht abzog, sollte der Volkssturm die Stellungen an der Wied weiter halten und verteidigen, angesichts der amerikanischen Übermacht mussten sich die vorrangig alten Männer dann jedoch über Burglahr bis nach Seifen zurückziehen, wo ein Teil des Bataillons kapitulierte.

Wann: Samstag, 23. April 2016, 14.30 Uhr

Wo: Seifen, In der Hohl (Am Friedhof)

Wegstrecke: etwa 3,5 Kilometer.

Anmeldung: KVHS Altenkirchen, Tel.: 02681-812212 oder via Email
kvhs@kreis-ak.de 


PictogrammWandernUntergang des Altenkirchener Volkssturmbataillons

Auf Befehl von General Carl Püchler wurde bei Stürzelbach ein weiteres Bataillon Volkssturm aus dem Boden gestampft. Als Flammersfeld unmittelbar bedroht wurde, wurde die schwache Einheit der Wehrmacht unterstellt und sollte in der Nähe von Kescheid die Straße sperren. Ein geplanter Angriff am 24. März wurde abgesagt, worauf die Einheit am 25. März zwischen Rott und Flammersfeld eingesetzt und in den Strudel der Kämpfe gezogen wurde, als die Amerikaner aus Richtung Asbach vorstießen und nach Flammersfeld vorfühlten.

Wann: Samstag, 30. April 2016, 14.30 Uhr

Wo: Wanderparkplatz in Rott (Walter-Bartels-Weg, Richtung Grillhütte)

Wegstrecke: Ca. 3 Kilometer, eine kurze Strecke führt Querfeldein.

Anmeldung: KVHS Altenkirchen, Tel.: 02681-812212 oder via Email
kvhs@kreis-ak.de 


Kriegsende in der Region „Was will ich darüber wissen?“

Da die Veranstaltung während der letzten Termine in Altenkirchen jeweils ausgebucht war und viele den Film noch sehen wollten, haben wir uns gemeinsam mit den Volkshochschulen Altenkirchen und Betzdorf dazu entschieden, den Film auch in Betzdorf vorzuführen.

Videovortrag mit anschließender Themenrunde „Kriegsende in der Region“. Der Dokumentarfilm behandelt die Ereignisse zwischen dem 7. März und dem 16. April 1945. Gezeigt werden seltene und zum Teil unveröffentlichte Aufnahmen aus der Region.

In der dem Film folgenden Themenrunde finden die Teilnehmer die Gelegenheit eigene Fragen zu den Bodenkämpfen zu stellen, die sich im März und April 1945 in der Region ereigneten.

Zudem werden diverse Fotografien, Dokumente, Landkarten mit Frontverläufen und Gegenstände aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges ausgestellt.

Wann: Samstag, 7. Mai 2016, 14.30 Uhr

Wo: Jugendraum Betzdorf (Seminarraum), Schulstraße 4 in Betzdorf

Dauer: Video etwa 45 Minuten, anschließende Gesprächsrunde mit offenem Ende.

Anmeldung: VHS Betzdorf, Telefon 02741 – 291-411 oder
via Email an vhs@betzdorf.de


Deutsche Infanteristen in der Nähe von Biersdorf. Beachten Sie den Soldat rechts, er trägt einen Kopfverband.

Deutsche Infanteristen in der Nähe von Biersdorf. Beachten Sie den Soldat rechts, er trägt einen Kopfverband.


PictogrammWandernDer Molzberg als Frontgebiet

Ende März 1945 sollten Verbände des 28. US Infanterieregiments die südlich der Sieg gelegenen Ortsteile erobern und anschließend in Betzdorf über die Sieg gehen. Am Molzberg waren die Amerikaner nach schweren Kämpfen um Oberbetzdorf in der Lage, einen Brückenkopf zu bilden, der als Ausgangspunkt für den Großangriff am 6. April diente.

Wann: Samstag, 14. Mai 2016, 14.30 Uhr

Wo: Schützenplatz, Martin-Luther-Straße in Betzdorf

Wegstrecke: Ca. 3,5  Kilometer, teilweise mit Steigung von etwa 10 %. Trotzdem lässt sich die Runde bequem laufen.

Anmeldung: VHS Betzdorf, Telefon 02741 – 291-411 oder
via Email an
vhs@betzdorf.de


PictogrammWandernGroßangriff der Amerikaner über die Sieg

Nach Waldkämpfen auf dem Molzberg eroberten Einheiten des 310. US Infanterieregiments am 6. April 1945 Katzwinkel und Wingendorf. Erst nachdem Wingendorf gefallen war, konnte der weitere Angriff in den so genannten Ruhrkessel vorgetragen werden.

Wann: Samstag, 21. Mai 2016, 14.30 Uhr

Wo: Alte Poststraße bei Kalteich zwischen Wallmenroth und Katzwinkel

Wegstrecke: Ca. 4  Kilometer.

Anmeldung: VHS Betzdorf, Telefon 02741 – 291-411 oder
via Email an
vhs@betzdorf.de


PictogrammWandernBildung des amerikanischen Brückenkopfes nördlich der Sieg und Gefechte um den Sandberg

In der Nacht zum 1. April 1945 setzten amerikanische Truppen bei Wissen-Frankenthal über die Sieg und stießen im Bereich des Walzwerkes und in der Nähe des Zwangsarbeiterlagers auf deutschen Widerstand. Im Verlauf des Tages entwickelten sich im Bereich des Kucksberg und dem Sandberg wechselvolle Gefechte zwischen deutschen und amerikanischen Soldaten. Der gesetzte Zeitplan wurde verworfen und die Amerikaner mussten sich am Sandberg eingraben, obwohl sie zu dieser Zeit bereits die Brückhöfe erobert haben sollten.

Wann: Samstag, 4. Juni 2016, 14.30 Uhr

Wo: Hotel Frankenthal in Wissen

Wegstrecke: Ca. 5  Kilometer, etwa die Hälfte des Weges führt leicht bergauf. Dennoch lässt sich die Runde bequem laufen.

Anmeldung: KVHS Altenkirchen, Tel.: 02681-812212 oder via Email
kvhs@kreis-ak.de 


PictogrammWandernWechselvolle Kämpfe um die Brückhöfe

Der Ortsteil Brückhöfe sollte als amerikanischer Brückenkopf bis zum 6. April 1945 zum Schauplatz von erbitterten Gefechten werden. Am 4. April wurde dem Grenadierregiment 957 von der 363. Volksgrenadier Division befohlen, den Brückenkopf im Gegenstoß zu bereinigen. Es kam zu einem Gefecht, in dessen Verlauf sich die Amerikaner wieder auf das andere Siegufer zurückziehen mussten.

Wann: Samstag, 11. Juni 2016, 14.30 Uhr

Wo: Am Mühlengraben in Wissen

Wegstrecke: Ca. 3,5 Kilometer.

Anmeldung: KVHS Altenkirchen, Tel.: 02681-812212 oder via Email
kvhs@kreis-ak.de 


PictogrammWandernAmerikanischer Stützpunkt in Öttgesborn

Entfällt: aus gesundheitlichen Gründen muss ich die Runde absagen. Absagen bedeutet in dem Moment nicht gestrichen, sondern lediglich verschoben.

Ein neuer Termin wird in Kürze bekanntgegeben.

Während die Amerikaner in Wissen über die Sieg gingen und auf den Sandberg und in den Wissener Ortsteil Brückhöfe vordrangen, schickten sie eine Kompanie nach Öttgesborn, um von dort die deutschen Verbindungswege zu dem Brückenkopf bei Wissen zu unterbrechen. Es kam zu einem Gefecht, in dessen Verlauf 19 Soldaten ihr Leben lassen mussten.

Wann: Samstag, 18. Juni 2016, 14.30 Uhr

Wo: Am Waldrand oberhalb Oberhövels

Wegstrecke: Ca. 4,5  Kilometer

Anmeldung: KVHS Altenkirchen, Tel.: 02681-812212 oder via Email
kvhs@kreis-ak.de 


Rote Marker = Veranstaltung steht bevor, Blau = Veranstaltung wurde bereits durchgeführt.
Sie können sich in der Karte die Routen zu den Veranstaltungen gleich anzeigen lassen.


Das Los hat entschieden!

Die Verlosung wurde eben zu Ende gebracht…

Heute Nachmittag war dann erst einmal Lose basteln angesagt. Ging ganz schnell und einfach… Namen der Interessenten in ein Word-Dokument kopiert, ausgedruckt, zurechtgeschnitten und zusammengefaltet.

Die Los-Rohlinge. Jeder sollte die gleiche Chance erhalten.

Die Los-Rohlinge. Jeder sollte die gleiche Chance erhalten.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die fertigen Lose. Alle auf gleiche Größe gefaltet.

Die fertigen Lose. Alle auf gleiche Größe gefaltet.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Jetzt fehlte nur noch ein geeigneter Behälter für die Ziehung der Lose. Zweckmäßig fand ich dafür diesen alten Stahlhelm.

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Die im Helm befindlichen Lose, gut gemischt… “Geschüttelt, nicht gerührt!”

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Aber was nutzen die besten Lose und der dazugehörige Behälter, wenn keine Glücksfeen anwesend sind, welche die Lose ziehen und drei Leuten zum Glück verhelfen würden? Ohne die beiden Damen wäre der ganze Aufwand zwecklos geworden und darum musste ich meine beiden Mädels einspannen, Euch zum Glück zu verhelfen!

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Die beiden Glücksfeen tragen eine große Verantwortung!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das haben sie auch sehr zuverlässig getan. Ein Los nach dem anderen, drei an der Zahl, wurden von den beiden Mädels gezogen, und zwar in der Reihenfolge, wie sie hier liegen:

  1. Munin – die 13 war wohl eine Glückszahl? 🙂
    Ich wünsche viel Spaß mit dem Buch!
    (Kann man das so sagen, `Viel Spaß´ bei so einem Thema?
  2. Mauela – Herzlichen Glückwünsch und frohe Weihnachten!
  3. Lenicool11 – Auch Ihnen herzlichen Glückwunsch!

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Sobald die Gewinner der Bücher mir ihre Adressen mitteilen, gehen  die Bücher auch schon auf die Reise, sie sollten dann auch noch rechtzeitig zum Weihnachtsfest eintreffen. Nun wünsche ich allen, auch denen, die dieses Mal leider kein Glück hatten, eine schöne und besinnliche Weihnachtszeit. Vielleicht senden mir die Gewinner ja auch noch eine Rezension des Buches zu, worüber ich mich aber auf jeden Fall freuen würde, wäre ein Bild vom Empfänger zusammen mit dem Buch!

Exkursion 7 – Erste Gefechte südlich Betzdorf

Am 24. Oktober 2015 führte ich die nächste Exkursion in die ehemaligen Frontbereiche südlich Betzdorf. Hierbei befassten wir uns mit den Ereignissen, die sich Ende März zwischen Betzdorf, Steineroth und Scheuerfeld zutrugen. Da die Gruppe mit 8 Personen recht überschaubar war, konnte man zum Teil detaillierter Berichten, als es in den größeren Gruppen meist der Fall ist.

Der amerikanische Vorstoß auf Richtung Bruche

Am Abend des 29. März verlief die Front etwa von Elkenroth nach Steineroth über die Kohlhardt nach Dauersberg, von dort entlang der Angsthardt nach Mittelhof bis Wissen. Um bei Betzdorf die Ausgangslage für das I. Bataillon des 28. US Infanterieregiments für den bevorstehenden Angriff zu schaffen, musste zuvor die dem Bataillon zugewiesene Ausgangslinie von feindlichen Truppen bereinigt werden, denn, den Fall gesetzt in dem Bereich würden sich noch feindliche Truppen befinden, könnten diese die amerikanischen Bemühungen bei einem einsetzendem Angriff empfindlich in Gefahr bringen. Durch die eigene Aufklärung war bekannt, dass sich vor der Front mindestens ein deutsches Sturmgeschütz und zwei Flak-Stellungen (Flak=Fliegerabwehrkanonen) befunden hatten. Besonders die Feuerkraft der Flak, die im Erdkampf einsetzbar war, war eine große Gefahr für die Amerikaner, weshalb eine kampfstarke Patrouille in die Wälder gesendet wurde, um:

a) die Flak auszuschalten und
b) den Verbleib des Sturmgeschützes zu lokalisieren

Während des ersten Vorstoßes in Richtung Bruche wurde darauf eine der beiden Patrouillen durch das Sturmgeschütz angegriffen, weshalb sich die Männer dann zurückzogen. Ein direkter Vorstoß auf Bruche wurde dadurch versagt. Zur gleichen Zeit eroberten die Kompanien links Scheuerfeld und rechts Alsdorf. Aus Alsdorf heraus wurde der Vormarsch auf Betzdorf über Hofacker in Richtung Kettlerstraße ausgeweitet, zwischen Kapelle, Eisweiher und der Eisenbahnstraße kam es zu mehreren, lokal ausgetragenen Gefechten. In Scheuerfeld kam es ebenfalls zu einem Gefecht, bei dem mehrere deutsche und amerikanische Soldaten ihr Leben verloren. Betzdorf und Bruche waren nun unmittelbar bedroht. Eine weitere Patrouille wurde in den Bereich der Flak entsendet, fand diese jedoch nicht mehr vor und ging darauf weiter in Richtung Engelstein und Eisweiher vor, wo sie sich am Ortsrand festsetzten. Ein Sicherungsposten wurde in Richtung Bruche zur Flankensicherung herangeschoben, später wurden Granatwerfer nachgezogen und in Stellung gebracht. Den restlichen Tag verbrachten die Soldaten damit, die Region weiter auszukundschaften und den südlich der Sieg gelegenen Ortsrand von Betzdorf zu erobern.

Zur Stellung umfunktionierter Bombentrichter. Steht man vor Ort, kann man den ehemaligen Zugang erkennen und deutlich sehen, dass die Seitenwände des Trichters bearbeitet wurden.

Zur Stellung umfunktionierter Bombentrichter. Steht man vor Ort, kann man den ehemaligen Zugang erkennen und deutlich sehen, dass die Seitenwände des Trichters bearbeitet wurden.

Die Exkursion führte entlang einiger noch sichtbaren Spuren und Stellungen. Gleich im Bereich der Grillhütte befand sich eine Feuerstellung amerikanischer Granatwerfer, die nach 70 Jahren noch sehr deutlich zu erkennen war. Weiter ging es vorbei an einer Stellung, an der sich ein vorgeschobener Wachposten der amerikanischen Infanterie während der Nacht befunden hatte. In nächster Nähe befand sich die ehemalige “Fluwa”, die Flugwachstelle, an der eingehende feindliche Fliegerverbände beobachtet und nach Betzdorf gemeldet werden sollten, um dann rechtzeitig Fliegeralarm geben zu können.

Besonders interessant anzusehen war ein zur Verteidigungsstellung ausgebauter ehemalige Bombentrichter südlich der Tennisplätze. Hier sollten einige Volkssturmleute zusammen mit einer 2cm-Flak den Zugang nach Betzdorf-Bruche sperren. Eine amerikanische Patrouille war darauf angesetzt worden.

Ein Abstecher, der so nicht geplant war, führte auf Wunsch eines Teilnehmers noch ein gutes Stück in Richtung Dauersberg weiter. Auf dem Weg dort hin waren noch deutlich die Spuren vom letzten Einsatz des Kampfmittelräumdienstes zu erkennen, der gleich links des Weges vor einiger Zeit zwei Bombenblindgänger geborgen und unschädlich gemacht hatte. Unseren Rückweg traten wir dann oberhalb des Eisweihers an und marschierten nach gut drei Stunden Wegstrecke zurück an den Ausgangspunkt bei der Grillhütte.

Der Frontbereich zwischen Betzdorf - Scheuerfeld und Alsdorf mit dem geplanten deutschem Brückenkopf, angefertigt nach Overlay der 1. US Infanteriedivision. Rot = deutsche Stellungen und Bewegungen. Blau = amerikanische Stellungen und Bewegungen.

Der Frontbereich zwischen Betzdorf – Scheuerfeld und Alsdorf mit dem geplanten deutschem Brückenkopf, angefertigt nach Overlay der 1. US Infanteriedivision. Rot = deutsche Stellungen und Bewegungen. Blau = amerikanische Stellungen und Bewegungen.

Buchverlosung „Das Kriegsende in der Heimat“

Liebe Freunde der Geschichte und Heimatgeschichte,

cover_001da die Weihnachtsfeiertage vor der Türe stehen dachte ich mir, ich mache jemandem vielleicht mal eine kleine Freude. Genaugenommen möchte ich nicht nur einer Person eine Freude mache, sondern gleich drei Leuten auf einmal. Aus diesem Grunde habe ich mich dazu entschieden, drei Exemplare meines Buches zu verlosen. Tag der Auslosung wird der 17. Dezember 2015 sein.

Das Buch behandelt die Kämpfe im Bereich des Brückenkopfes von Remagen und dem Südrand des Ruhrgebietes am Beispiel des Rhein-Sieg-Kreises, Teilen des Westerwaldes und dem Siegerland. Innerhalb rund 20 Jahre Recherchen konnte ich eine Vielzahl Kriegstagebücher aus den Archiven zusammengetragen, zudem war ich in der Lage viele Veteranen beider Seiten, ehemalige deutsche und amerikanische Soldaten, zu ihren Erlebnissen in der Region zu befragen. Von weiterer Bedeutung sind erhaltene Gefangenenaussagen, die eine besondere Nähe zu dieser schicksalshaften und ereignisreichen Zeit herstellen, da diese Vernehmungsprotokolle unmittelbar nach der Gefangennahme der Soldaten verfasst wurden. Es ist ein über 500 Seiten zählendes Buch entstanden, das die Sicht der damaligen Soldaten aus den vordersten Linien wiedergibt.

Nun fragen Sie sich sicherlich, was Sie dafür tun müssen! Die Antwort ist schlicht und einfach zu beantworten: Nichts! Denn am Ende des Zeitraumes entscheidet das Los.

Wer aber dennoch etwas tun möchte, den würde ich darum bitten, einmal in der eigenen Familiengeschichte zurückzublicken. Vielleicht befindet sich ja ein Angehöriger darunter, der selbst noch kurz vor Kriegsende in der Region in den Kampf ziehen musste. Wenn dem so sein sollte, würde ich mich außerordentlich freuen, wenn Sie mir evtl. vorhandene Dokumente, Fotos oder Tagebuchaufzeichnungen, natürlich leihweise, zukommen lassen würden. Das hat jedoch keinen Einfluss auf die Los-Ziehung am Ende der Aktion.

Wer jetzt noch mehr erfahren möchte, den lade ich dazu ein, sich doch weiter auf diesen Internetseiten umzusehen, hier liegen mir die beiden Projekte „Gefallenendatenbank“ und das Mitmach-Projekt „Einzelschicksale“ besonders am Herzen.

Am 17. Dezember 2015 wählt der Zufall die glücklichen Gewinner aus, am Folgetag werden die Bücher mit der Post in den Versand gehen und sollten so noch rechtzeitig zum Weihnachtsfest eintreffen. Selbstverständlich würde ich mich freuen, wenn die Gewinner später eine Rezension zu dem Buch abgeben. Um an der Verlosung teilzunehmen folgen Sie bitte diesem Link.

Bereits an dieser Stelle freue ich mich über Ihr Feedback und sage

Viel Glück!

Ralf Anton Schäfer

Exkursion 6 – Eroberung von Alsdorf im März 1945

Am Samstag, den 17. Oktober 2015, war es wieder so weit. An diesem Tag wollten wir uns über die Vorgänge und Ereignisse unterhalten, als die amerikanische Infanterie ihren Vorstoß über Alsdorf nach Betzdorf und Kirchen in Richtung zur Sieg ausweitete. Nachdem die Amerikaner mit einer ersten Patrouille bei Alsdorf zum Stehen gebracht worden waren, stießen sie anschließend nach Alsdorf vor, erreichten die Heller, wonach es zu einigen Schießereien gekommen war. Bei diesen Kampfhandlungen mussten mehrere deutsche und amerikanische Soldaten ihre Leben lassen.

Da die ersten Hinweise auf diese Veranstaltung schon mehrere Wochen zuvor in den Ankündigungen der VHS und K-VHS enthalten waren, geriet diese Exkursion bei den Interessenten später ins Vergessen. Dadurch kamen schließlich bei der Volkshochschule in Betzdorf lediglich vier Anmeldungen zusammen. Kurz entschlossen wurde ein erneuter Aufruf in den Mitteilungsblättchen veröffentlicht und erneut auf die Exkursion hingewiesen, die uns durch das Imhäuser Tal in Richtung Kirchen – Herkersdorf führen sollte. Trotzdem blieben weitere Anmeldungen bei der Volkshochschule aus, es kam sogar noch schlimmer, denn von den vier Personen, die sich angemeldet hatten, sagten dann schließlich noch zwei Leute ab! Am Freitagmorgen standen wir beinahe davor, diese Veranstaltung im letzten Augenblick abzusagen – es wäre das erste Mal gewesen.

Mit dem Wissen, dass die Liste nun leider nur zwei Interessenten umfasste, dazu kamen zwei weitere Leute, die ich via Facebook erreichte, fuhr ich dann nach Alsdorf. Als ich dort eintraf, traute ich meinen Augen nicht! Es waren bereits vor meiner Ankunft schon acht Personen vor Ort und weitere sechs sollten in den nächsten Minuten eintreffen. Unter unseren vierzehn Interessenten waren auch wieder drei Zeitzeugen anwesend. Darunter befand sich auch ein älterer Herr aus Wallmenroth, mit dem ich erst einige Tage zuvor telefoniert hatte. Herr Josef Herrmann  berichtete mir davon, dass sein Vater als Angehöriger des hiesigen Volkssturmes im März 1945 bei Flammersfeld sein Leben verlor. Mit ihm sollte ich mich besonders intensiv unterhalten; ein Versprechen gibt es auch noch einzulösen: Er wird einen Ausflug auf den Spuren des Volkssturmes erhalten, das ist aber ein Thema für sich. Bei dieser Exkursion wollten wir uns schließlich über die Eroberung Alsdorfs und dem weiteren Vorstoß der amerikanischen Streitkräfte unterhalten.

Angriff auf Alsdorf

Nachdem der amerikanische Ausbruch aus dem Brückenkopf von Remagen vollendet war, begonnen die amerikanischen Infanteriedivisionen damit, ihre Vorstöße in Richtung zur Sieg auszuweiten und hierbei die Bereiche von deutschen Resteinheiten zu bereinigen. Die wenigen deutschen Brückenköpfe, die noch südlich der Sieg für die sich immer noch zurückflutenden Truppen offen gehalten wurden, konnten von den Amerikanern zerschlagen werden.

Die Eroberung Alsdorfs Ende März 1945.

Die Eroberung Alsdorfs Ende März 1945.

  1. Bereits während der Nachtstunden vom 29. zum 30. März 1945 richteten Soldaten der 8. US In­fanteriedivision in der Nähe der Alsdorfer Grillhütte einen Beobachtungsposten ein und meldeten an den Regimentsstab, dass seit etwa 2.45 Uhr immer wieder Motorengeräusche im Ortskern zu hören waren. Am frühen Morgen wurde gegen 4.30 Uhr eine heftige Detonation gemeldet, deren Ursache jedoch unklar blieb (Anmerkung: Sprengung der Hellerbrücke).
  2. Da man im Ortskern noch deutsche Truppenansammlungen vermutete, sollte ein verstärkter Zug der Baker-Kompanie des 28. US Infanterieregiments etwa um 3.30 Uhr aus Richtung Daaden über den Bahnhof zum Angriff antreten, um die im Ort vermutete Verteidigung aufzurollen. Hierbei kam es zu einem rund 30-minütigen Gefecht um den Bereich des Bahnhofgeländes, in dessen Verlauf ein Jeep durch Panzerfaust abgeschossen wurde und jeweils zwei amerikanische Soldaten getötet bzw. verwundet wurden. Auf deutscher Seite war die 59. Infanteriedivision dabei, einen Brückenkopf zu errichten; der Bahnhof war Teil eines Stützpunktes der gerade befestigt wurde. Noch während die Amerikaner sich dem Bahnhof näherten, wurden deutsche Verstärkungen herange­bracht. Der Bereich des Bahnhofes wurde darauf mit Artilleriefeuer belegt, die deutschen Soldaten zogen sich dann zurück.
  3. Nachdem der Vorstoß am Bahnhof liegengeblieben war, wurden die verbliebenen Züge der Kompanie zum Angriff befohlen. Sie gingen etwa ab 5.00 Uhr entlang des Steinebachs in Alsdorf vor und überraschten etwa um 6.25 Uhr südlich der gesprengten Hellerbrücke einen MG-Posten, der in Gefangenschaft geriet. Dies war die erste Feindberührung, durch das kurz aufflammende Feuer wurde letzte deutsche Soldaten alarmiert, dennoch kam es zu keinen größeren Kampfhandlungen, da die Masse der deutschen Truppen bereits abgezogen war. Als die gesamte Kompanie an der Heller stand, wurden Vorstöße über die gesprengte Brücke vorgenommen, die für Infanterie passierbar war. Im Bereich des heutigen Betonlagers an der Hauptstraße versuchte ein deutscher Leutnant noch letzten Widerstand zu organisieren, dazu hatte er einen jungen MG-Schützen oberhalb des Steinbruches in Stellung gehen lassen und weitere deutsche Soldaten hatten sich in einigen Häusern verschanzt. Dazu kamen mehrere Soldaten, die sich auf dem Burg-Berg eingegraben hatten. Nach kurzen Gefechten, die sich besonders im Bereich der Hauptstraße ereigneten, stellten die letzten deutschen Soldaten das Feuer ein. Auf deutscher Seite starben sechs Mann, darunter ein Feldwebel in der Hauptstraße und der MG-Schütze oberhalb des Steinbruches.
  4. Noch während in Alsdorf vereinzelte Schüsse fielen, wurde der Vorstoß auf Betzdorf ausgeweitet. Über Hofacker stieß man in Richtung Kettlerstraße, wo es jenseits der Kapelle zu Kampfhandlungen mit deutschen Soldaten kam. Die Angriffe wurden in Richtung Eisenbahnstraße ausgeweitet.
  5. Erst durch einen Feuerschlag der amerikanischen Artillerie auf den Burg-Berg wurde der deutsche Widerstand in Alsdorf zum Schweigen gebracht. Im Anschluss konnte der dritte Zug der Baker-Kompanie bis zum Abzweig nach Herkersdorf-Kirchen vorgehen, wo eine Straßensperre eingerichtet wurde.
  6. Der Bahnhof sollte als Stützpunkt für den befohlenen Brückenkopf dienen. Teile des Grenadierregiments 1034 hatten Befehl, den Brückenkopf offen zu halten, damit zurückflutende Soldaten noch Anschluss zur Truppe finden könnten. Da man jedoch bereits bei der Einrichtung auf amerikanische Soldaten stieß, wurde das Vorhaben aufgegeben und die restlichen Truppen nach Betzdorf abgezogen.

  7. Der deutsche Widerstand in Alsdorf wurde nur von etwa 25 Mann geleistet, es waren in der Masse Soldaten, die seit einiger Zeit versprengt waren und durch einen Leutnant in den Kampf befohlen wurden.

  8. Erst nachdem die Amerikaner in Betzdorf die Sieg erreichten, kam es zu ernsthaften Gefechten um die deutschen Stellungen jenseits des Flusses.
Zahlreiches Erscheinen am Treffpunkt im Imhäuser Tal bei Alsdorf. Die Leute kommen nicht einfach nur aus Betzdorf und Umgebung, sondern zieht es sie sogar (wiederholt) aus dem Westerwald her. Vielen Dank an den Stammgast! :-)

Zahlreiches Erscheinen am Treffpunkt im Imhäuser Tal bei Alsdorf. Die Leute kommen nicht einfach nur aus Betzdorf und Umgebung, sondern zieht es sie sogar (wiederholt) aus dem Westerwald her. Vielen Dank an den Stammgast! 🙂

In eigener Sache! Aus gegebenen Anlass!

So, 

jetzt mal Klartext! Kein Sondengänger, Schatzsucher, Militariasammler oder sonst welche Person wird von mir mit Suchstellen versorgt, an denen sich evtl. Hinterlassenschaften aus dem Zweiten Weltkrieg finden lassen! Einzig und allein stelle ich entsprechende Informationen den Kampfmittelräumdiensten, einem Ingenieursbüro zur Altlastenerfassung bzw. Kampfmittelerkundung und sonstigen, offiziellen Institutionen zur Verfügung.  

Wer mit dem Metalldetektor etwas sucht und findet, macht diese Entdeckungen unabhängig von mir, aber hat sich dazu oft meines Buches bedient. Da fällt mir auf, es gibt sogar Sondengänger, die können Lesen und brauchen keine speziellen Hinweise von mir!

 Die Informationen, die man erlangt, wenn man an meinen VHS-Exkursionen teilnimmt, dienen ebenfalls nicht als „Freibrief mit der Aufforderung `Graben Sie hier“, besonders auch deshalb, weil ich bereits während der Planung darauf achte, die direkten ehemaligen Fronten nach Möglichkeit auszusparen. Unsere Exkursionen richten sich eher an Personen, die wissen möchten, was sich zum Kriegsende vor unseren Haustüren ereignete und nicht an Militariasammler.

Heute Morgen wurden mir exakt diese Vorwürfe gemacht, zudem würde ich einen besonderen Kreis „auserwählter Personen“ um mich versammeln, denen ich im Tausch gegen Bodenfunde, besonders Stahlhelme, die „besten Suchstellen in der Gegend“ zeigen würde. Das ist totaler Quatsch und dürfte eben darauf beruhen, dass ich dauerhaft von irgendwelchen Leuten angesprochen werde, mit der Frage, „Wo kann ich denn mal Suchen gehen?“ Da ich keine solchen Informationen weitergebe, wird also eben gerne unterstellt, dass ich nur bestimmte Leute, besondere Freunde, „vom heiligen Gral“ kosten lasse.

Trotzdem wurden mir in der Tat während der vergangenen ca. 5 Jahre vier Stahlhelme geschenkt. Bei all diesen Helmen handelt es sich um Bodenfunde, von denen drei durch Sondengänger aufgefunden und der vierte Helm durch einen Landwirt zum Vorschein befördert wurde. Da einige der Sondengänger da draußen sich wahrscheinlich etwas schwer im eigenen Denken tun, gehe ich hier näher drauf ein und erkläre das mal mit einfachen und verständlichen  Worten:

Zwei Helme stammen von einem Finder, mit diesem bin ich seit einigen Jahren sehr eng befreundet; ja, man mag es kaum glauben, ich habe auch Freunde! Er wurde erst durch den Fund der Stahlhelme zum Sondengänger, befreundet waren wir als ehemalige Arbeitskollegen schon seit mehreren Jahren zuvor. Gruß nach Katzwinkel! An dieser Stelle muss ich dann auch mal jemand aus dem Windecker Land grüßen J, abenfalls einen Sondengänger, der es geschafft hat, ein enger Freund zu werden, ohne meinen zu müssen, mir einen Helm zu schenken oder sich sonst irgendwie „mein Vertrauen erschleichen zu müssen“. Ihn habe ihn durch mein Buch kennengelernt und er hat mich noch NIE mit irgendwelchen Fragen gelöchert!!! Ja, es gibt sogar auch Freunde, die nicht nachts um halb Zwölf anrufen und nach potentiellen Suchgebieten fragen!

Weiter wurde mir ein Stahlhelm durch einen Landwirt geschenkt. Landwirte sind diese Menschen mit den Traktoren (so eine Art geländegängiges Auto mit meist ganz großen Reifen). Der Mann wusste von der Existenz des Helms, weil er ihn bereits 1945 als Kind an der Stelle hat liegen gesehen.

Der letzte Helm wurde mir ganz ohne Versprechen von irgendwelchen Gegenleistungen überlassen!

Abschließend bedarf es noch der Aufklärung, dass die Suche mit Metalldetektoren in Rheinland Pfalz, genehmigungspflichtig ist und besonders bei der Anwesenheit von Bodendenkmälern werden KEINE Suchgenehmigungen erteilt, (obwohl man in RLP ohne wenn kaum mal eine Genehmigung erhält). Es gibt hier auch keine Ausnahme für Polizisten, selbst nicht mit den Worten „Ich bin Polizist, ich darf das!“. Darüber hinaus ist die Suche in Wäldern generell verboten.

Die eingeleitete Anzeige bei der Polizei in Betzdorf wird genaueres ergeben.

Exkursion 5 – Amerikanischer Sicherungsposten im Niemandsland

Am 10. Oktober 2015 führte unsere Exkursion in die Wälder bei Gebhardshain. Die Teilnehmer sollten während unserer Wanderung rund 2,7 Kilometer laufen und hierbei einen Einblick in die Ereignisse von Ende März 1945 erhalten. Die überschaubare Runde von sechs Personen wurde durch Bürgermeister Jürgen Giehl, begleitet. Es war ihm sehr daran gelegen, zu erfahren wie sich die Besetzung der Ortschaft am 29. März 1945 zugetragen hatte und wie der amerikanische Vormarsch im Anschluss weiter geführt wurde.

Die militärische Lage

Das 26. US Infanterieregiment stieß im Verlauf des 28. März 1945 kaum auf nennenswerten Widerstand. Von einer durchgehenden Frontlinie konnte nirgends mehr gesprochen werden, die deutschen Versuche noch eine Verteidigungslinie südlich der Sieg zu errichten, scheiterten. Generalleutnant Hans-Kurt Höcker, Kommandeur der 59. Infanteriedivision, hielt in seinem Bericht zur Lage südlich des Flusslaufes fest, „dass kaum mehr als fünf Soldaten einen Kilometer Frontlinie verteidigen würden“, Gerhard Bongers, damals Leutnant und Regimentsadjutant im Grenadierregiment 1034 erwähnte, dass die Verbindung untereinander nicht unter 500 Metern lag, teilweise sogar weit darüber. Die 59. Infanteriedivision hatte zwar nicht Gebhardshain verteidigt, jedoch dürfte dieses Bild der Kräfteverhältnisse ähnlich gewesen sein. Die Wehrmachtsteile südlich der Sieg befanden sich auf der Flucht, so auch in Gebhardshain und Umgebung. Seit mehreren Stunden bewegten sich Massen von deutschen Soldaten in östliche und nordöstliche Richtung, weg vom Feind. Darunter waren auch etwa 20 Soldaten, die der ukrainischen Waffen-SS angehörten. Einige von diesen Soldaten hatte man bei Gebhardshain aufgefangen und den schnell folgenden Amerikanern entgegen geworfen.

Der amerikanische Vorstoß

Aus Richtung Ober-Mörsbach marschierte der I&R-Zug des 26. Infanterieregiments in Richtung Gebhardshain los. Zur gleichen Zeit kam es im Bereich zwischen Gebhardshain und Hommelsberg zu einem kurzen Gefecht, bei dem deutsche Soldaten und ein Panzer noch versuchten Widerstand zu leisten. Dieser Angriff kam erst gar nicht zum Tragen und wurde direkt im Keim erstickt, worauf die amerikanischen Kräfte weiter gegen Gebhardshain vorgingen, das noch vor Mittag erreicht wurde. Zuvor sprengten deutsche Soldaten unweit des Forsthauses eine größere Munitionsmenge um den Vormarsch zu behindern, danach schlug dem I&R-Platoon (Aufklärungszug) aus dem Forsthaus leichtes Feuer entgegen. Da sich in Steinebach noch deutsche Soldaten befanden, schwenkte der Zug auf Gebhardshain, um den Ort auszukundschaften und, wenn keine Feinde angetroffen würden, zu besetzen. Noch vor Erreichen des Ortsrandes wurden die Amerikaner entdeckt und mit heftigem Feuer aus Richtung Wolfsweg belegt. Hierbei wurden gleich drei amerikanische Soldaten getötet und weitere drei verwundet. Angesichts dieses nicht erwarteten Widerstands mussten sich die Amerikaner zurückziehen. Kurzes Artilleriefeuer wurde auf den Ortsrand gelegt und gleichzeitig trat die Charly-Kompanie über das Spielstück zum Angriff an und konnte wenig später in Gebhardshain eindringen, wobei noch zwei deutsche Soldaten im Ort und ein Soldat in der Nähe des Bahnhofes, wo letzte Schüsse fielen, getötet wurden. Gegen frühen Nachmittag war der Ort fest in amerikanischer Hand.

Die Eroberung von Gebhardshain - die Karte in der vollständigen Größe mit sämtlichen Eintragungen bleibt den Exkursionsteilnehmern vorbehalten.

Die Eroberung von Gebhardshain – die Karte in der vollständigen Größe mit sämtlichen Eintragungen bleibt den Exkursionsteilnehmern vorbehalten.

Sicherungsposten im Niemandsland

Nachdem Gebhardshain erobert war, schoben die Amerikaner Patrouillen vor und errichteten Sicherungsposten, sogenannte „Strongpoints“. Der erste wurde im Bereich des „Hümmerich“ eingerichtet. Hier gingen drei Halbkettenfahrzeuge und Infanterie in Stellung. Als man später am Abend aus Richtung Altenbrendebach Motorengeräusche hören konnte, sollte ein weiterer Posten im Bereich des „Steimel-Berges“ eingerichtet werden. Da die Wegeverbindung über den „Steimel-Berg“ einen deutschen Panzervorstoß auf Gebhardshain ermöglichte, wurde sofort befohlen, Infanterie mit Panzerabwehr am Steimel-Berg in Stellung zu bringen. Die Infanteristen marschierten los, verliefen sich jedoch in der Dunkelheit. In der Vermutung, den befohlenen Punkt erreicht zu haben, gingen sie bei Sonnenhof in Stellung. Mit zunehmendem Tageslicht zeigten sich immer wieder deutsche Soldaten, die alle kampflos in Gefangenschaft gingen. Trotzdem wurde der Fehler mit der falsch bezogenen Stellung erst bekannt, nachdem der eigene Nachschub mit Verpflegung den Weg von Oberhombach heraufkam und sich dadurch plötzlich vor der eigenen Linie zeigte. Da die Soldaten sich vorsichtig vor der Stellung bewegten, wurden sie gleich mit deutschen Soldaten verwechselt und unter Feuer genommen. Obwohl sie sich rechtzeitig in Deckung bringen konnten, eröffneten die Amerikaner am Sonnenhof immer wieder ihr Feuer und machten beinahe jede Bewegung unmöglich. Der Beschuss wurde erst eingestellt, nachdem sich einige der Nachschubsoldaten vom Feuer loslösen und Verbindung herstellen konnten. Es kam zwar niemand zu Schaden, aber warme Verpflegung gab es auch keine, da die Behälter zerschossen waren.

Blick aus der der deutschen Front in Richtung des amerikanischen Vormarsches. Aus dem gegenüberliegenden Wald marschierten amerikanische Soldaten den deutschen Stellungen entgegen und wurden unter Feuer genommen.

Blick aus der der deutschen Front in Richtung des amerikanischen Vormarsches. Aus dem gegenüberliegenden Wald marschierten amerikanische Soldaten den deutschen Stellungen entgegen und wurden unter Feuer genommen.

Bürgermeister Giebel besichtigt das, was einmal die deutsche Front ausgemachte. An dieser Stelle sollten weniger als 15 Mann den amerikanischen Vormarsch aufhalten. Sie begaben sich natürlich lieber in Gefangenschaft, als in den sicheren Tod.

Bürgermeister Giehl besichtigt das, was einmal die deutsche Front ausgemachte. An dieser Stelle sollten weniger als 15 Mann den amerikanischen Vormarsch aufhalten. Sie begaben sich natürlich lieber in Gefangenschaft, als in den sicheren Tod.

Exkursion 4 – Kampf um den amerikanischen Sieg-Übergang bei Wissen

Bereits am 11. April diesen Jahres hatten wir die erste Begehung des Kampfgebietes rund um den Kucksberg und die Brückhöfe bei Wissen durchgeführt. Schon damals war das Interesse recht ordentlich, im Frühjahr kamen 21 Leute zusammen, die erfahren wollten, wie sich 1945 die Kämpfe um die Brückhöfe ereignet hatten. Bei der nun am 4. Oktober 2015 wiederholten Runde waren wieder zahlreiche Interessenten erschienen, dieses Mal waren es sogar 32 Leute. Obwohl diese Runde knapp mehr als 6 Kilometer misst, hat der älteste Teilnehmer keine Mühen gescheut und ist den gesamten Weg mitgelaufen.

Günter Hilger war in seine Geburtsstadt gekommen, um die eigenen Erinnerungen mit den Überlieferungen der Kriegstagebücher und der damaligen Veteranen abzugleichen. Die Erinnerungen Hilgers waren noch sehr wach, besonders gut konnte er sich an die Ereignisse erinnern, die er aus eigener Beobachtung miterlebt hatte, so z.B. erlebte Hilgers den Angriff eines deutschen Sturmgeschützes in der Brückhöfe etwa Anfang April 1945, zudem konnte er über mehrere tote Volkssturmsoldaten berichten, die auf dem Alserberg im Bereich der Pirzenthaler Straße in amerikanischem Artilleriefeuer gefallen waren.

Nachdem ich die Teilnehmer in Frankenthal begrüßt hatte, nutzte ich die Gelegenheit, Dinge herumzureichen, die in den letzten Kriegstagen in Wissen zurückgeblieben waren. Darunter befand sich auch eine Zeltbahn, die einem deutschem Soldaten gehörte, der während der Kampftage um den amerikanischen Übergang über die Sieg gefallen war. Nachdem wir abstimmten, ob die Teilnehmer die größere Runde, also mit Rückweg durch die Brückhöfe und zugehöriger Schilderung zu den Gefechten um den eigentlichen Sieg-Brückenkopf, oder aber die kürzere Runde laufen möchten, machten wir uns auf den Weg. Im Bereich des ehemaligen Zwangsarbeiterlagers räumte ich Bruno Wagner, der seit Jahren die Geschichte des Lagers erforscht, die Gelegenheit ein, selbst etwas aus seinen Forschungen zu erzählen. Im Anschluss folgten wir dem Weg der amerikanischen Infanterie, die sich durch den Bereich des Gefangenenlagers kämpfen musste und sich anschließend besonders um den Kucksberg und den Sandberg in Gefechte verwickelte.

Unsere Route führte vorbei an ehemaligen Granatwerferstellungen und Schützenmulden bis an den Sandberg heran, der im März 1945 noch Teil der Frontlinie war. Eine der Höhen diente dem Generalfeldmarschall Model eine Besichtigung der Siegfront durchzuführen. Bei diesem Anlass kam es auch zur Sprengung des Postamtes durch ein Himmelsfahrtkommando. Da mittlerweile die Zeit doch schon stark vorangeschritten war, teilte sich die Gruppe am Sandberg auf, während die eine Hälfte den Rückweg antrat, marschierten die restlichen weiter, darunter auch Günter Hilger, der so kurz vor dem eigentlichen Ziel nicht aufgeben wollte.

Der weitere Weg führte uns in die Brückhöfe, wo es zu einigen Gefechten gekommen war. Besonders heftig war am 5. April gekämpft worden, als die deutschen Soldaten versuchten, den amerikanischen Brückenkopf zu bereinigen. Unter hohen Verlusten gelang dieses Unternehmen auch kurzfristig, aber hierdurch wurden sämtliche Reserven aufgebraucht. Einem neuen amerikanischen Angriff war nichts mehr entgegenzusetzen, die Brückhöfe wurde darauf wieder “amerikanisch”. Da sich viele der Teilnehmer, das kristallisierte sich bereits im Frühjahr heraus, auch besonders für die Gefechte um die Brückhöfe interessierten, haben wir uns nun dazu entschlossen eine weitere Runde, die dann nicht so viele Stunden dauern wird, anzubieten. Die Planungen hierzu laufen bereits an. Als wir später endlich wieder am Startpunk angelangt waren, zeigte die Uhr mittlerweile gut 19.30 Uhr an, das waren rund “5 1/2 Stunden, die spannende und aufschlussreiche Details über die Gefechte an der Sieg wiedergaben”, wie es einer der Teilnehmer erklärte.

Mein besonderer Dank gilt den vier Zeitzeugen! Hier wären viele Stunden Gespräche möglich, denn da ist Masse an Erinnerung vorhanden, die das Erzählte zusätzlich belegen konnte. Vielen Dank auch an Markus Hauf und Werner Weitz für die Überlassung der Fotos, ohne die dieser Beitrag nun sonst bilderlos ausgefallen wäre!

Die Latrinen des Zwangsarbeiterlagers. Foto Werner Weitz.

Die Latrinen des ehemaligen Zwangsarbeiterlagers. Foto Werner Weitz.

Die Latrinen des Zwangsarbeiterlagers. Foto Werner Weitz.

Die Latrinen des Zwangsarbeiterlagers. Foto Werner Weitz.

Im Gespräch mit Zeitzeugen. Bruno Wagner berichtete davon, dass einige Zeitzeugen die Gefangenen manchmal schreien hören könnten, während man sie folterte. Foto Werner Weitz.

Im Gespräch mit Zeitzeugen. Bruno Wagner berichtete davon, dass einige Zeitzeugen die Gefangenen manchmal schreien hören könnten, während man sie folterte. Foto Werner Weitz.

Der Gedenkstein für die Opfer des Lagers. Foto Werner Weitz.

Der Gedenkstein für die Opfer des Lagers. Foto Werner Weitz.

Bereits im Bereich des Zwangsarbeiterlagers, in dem nach dem Krieg noch deutsche Kriegsgefangene untergebracht waren, ereigneten sich erste Kampfhandlungen mit den Amerikanern. Foto Werner Weitz.

Bereits im Bereich des Zwangsarbeiterlagers, in dem nach dem Krieg noch deutsche Kriegsgefangene untergebracht waren, ereigneten sich erste Kampfhandlungen mit den Amerikanern. Foto Werner Weitz.

Auf halben Weg passiert man die ehemalige Stellung eines deutschen Granatwerfers, unweit der Stelle sollte noch einer der Soldaten fallen, während er Munition besorgte. Foto Werner Weitz.

Auf halben Weg passiert man die ehemalige Stellung eines deutschen Granatwerfers, unweit der Stelle sollte noch einer der Soldaten fallen, während er Munition besorgte. Foto Werner Weitz.

Ein unscheinbares Loch am Wegesrand - die zuvor erwähnte Granatwerferstellung. Ist man persönlich vor Ort, kann man den damaligen Zugang noch deutlich erkennen. Foto Werner Wagner.

Ein unscheinbares Loch am Wegesrand – die zuvor erwähnte Granatwerferstellung. Ist man persönlich vor Ort, kann man den damaligen Zugang noch deutlich erkennen. Foto Werner Wagner.

Blick vom Sandberg aus amerikanischer Perspektive in Richtung der damaligen deutschen Stellungen. Foto Werner Weitz.

Blick vom Sandberg aus amerikanischer Perspektive in Richtung der damaligen deutschen Stellungen. Foto Werner Weitz.

In der Nähe vom Sandberg wurde amerikanische Infanterie durch deutsches Feuer festgenagelt, an diesem Gebäudeteil waren sie in Sicherheit, da das feindliche Maschinengewehr auf Lafette nicht so tief abschwenken und dadurch die Soldaten unter Beschuss nehmen konnte. Foto Markus Hauf.

In der Nähe vom Sandberg wurde amerikanische Infanterie durch deutsches Feuer festgenagelt, an diesem Gebäudeteil waren sie in Sicherheit, da das feindliche Maschinengewehr auf Lafette nicht so tief abschwenken und dadurch die Soldaten unter Beschuss nehmen konnte. Foto Markus Hauf.

Der Sandberg war in seinen kompletten Ausmaßen damaliges Frontgebiet. Schutz bot er dabei mit seinen Hügeln und Halden mehr als genug. Nachdem die Amerikaner auf den Sandberg stürmten, zogen sich die deutschen Soldaten auf die gegenüberliegenden Hänge zurück, wo sie sich erneut festsetzten. Deutsche Verstärkung kam von der in der angrenzenden Linie liegenden Truppe oberhalb der Sieg. Foto Markus Hauf.

Der Sandberg war in seinen kompletten Ausmaßen damaliges Frontgebiet. Schutz bot er dabei mit seinen Hügeln und Halden mehr als genug. Nachdem die Amerikaner auf den Sandberg stürmten, zogen sich die deutschen Soldaten auf die gegenüberliegenden Hänge zurück, wo sie sich erneut festsetzten. Deutsche Verstärkung kam von der in der angrenzenden Linie liegenden Truppe oberhalb der Sieg. Foto Markus Hauf.

Um 7.20 Uhr erreichten die Amerikaner die Kreuzung Öttgesborn/Eisenstraße. Um diese Zeit sollte eigentlich die gesamte Brückhöfe bereits von letzten deutschen Soldaten bereinigt sein, doch hatten die Amerikaner noch nicht einmal den Sandberg erobert. Bis die Brückhöfe fallen sollte, sollten noch viele Soldaten beider Seiten sterben. Foto Markus Hauf.

Um 7.20 Uhr erreichten die Amerikaner die Kreuzung Öttgesborn/Eisenstraße. Um diese Zeit sollte eigentlich die gesamte Brückhöfe bereits von letzten deutschen Soldaten bereinigt sein, doch hatten die Amerikaner noch nicht einmal den Sandberg erobert. Bis die Brückhöfe fallen sollte, sollten noch viele Soldaten beider Seiten sterben. Foto Markus Hauf.

Blick auf Wissen, im Waldstreifen davor befand sich der Gefechtsstreifen einer Kompanie, die die deutschen Soldaten, die im links angrenzenden Sandberg kämpften, unterstützten. Foto Markus Hauf.

Blick auf Wissen, im Waldstreifen davor befand sich der Gefechtsstreifen einer Kompanie, die die deutschen Soldaten, die im links angrenzenden Sandberg kämpften, unterstützten. Foto Markus Hauf.

Die zur Sieg hin gewandten Häuser in der Brückhöfe glichen 1945 Festungen, erwarteten die deutschen Soldaten schließlich den amerikanischen Angriff gleich über die bereits gesprengten Brücken. Mit einem Angriff über den Sandberg hatte man gar nicht gerechnet. Foto Markus Hauf.

Die zur Sieg hin gewandten Häuser in der Brückhöfe glichen 1945 Festungen, erwarteten die deutschen Soldaten schließlich den amerikanischen Angriff gleich über die bereits gesprengten Brücken. Mit einem Angriff über den Sandberg hatte man gar nicht gerechnet. Foto Markus Hauf.

 

Exkursion 3 – Letztes Aufbäumen der 9. Panzerdivision bei Altenkirchen

Unsere dritte Exkursion sollte sich neben der Eroberung der Kreisstadt Altenkirchen damit befassen, wie die Führung der sich zurückziehenden Truppen noch versucht hatte, nördlich von Altenkirchen eine Sicherungslinie von Mammelzen über Sörth bis nach Giesenhausen einzurichten. Die Amerikaner verloren an diesem Tag zwei Sherman-Panzer, mindestens zwei weitere wurden beschädigt, auf deutscher Seite wurden in Tiger-, ein Panther und eine 2-cm-Flak zerstört, an der B414 in Richtung Hachenburg wurde zudem ein schwerer Jagdpanzer ausgeschaltet. Die Exkursion am 26. September 2015 sollte die Teilnehmer auf die Spuren dieser Ereignisse des 2. März 1945 führen.

Das Interesse an dieser Runde war groß. Insgesamt kamen am Friedhof 21 Teilnehmer zusammen. Ein Teilnehmer war extra aus Hohrhausen angereist. Er war mit 83 Jahren auch der älteste Teilnehmer der Exkursion. Sein Interesse war es, zu erfahren, wie sich die Kämpfe der 3. US-Panzerdivision hier bei uns im Westerwald zugetragen haben, denn Rudi Brauer hatte die Befreiung Weimars durch die 3. US-Panzerdivision erlebt und diese Ereignisse hatten ihn und sein ganzes späteres Leben geprägt. Dann war da noch eine ältere Dame, die sich sehr dafür interessierte, was sich 1945 in Sörth zugetragen hatte. Die Aussage der älteren Erlebnisgeneration: „Man muss daran erinnern, gerade weil kaum bekannt ist, was sich zum Kriegsende ereignete!“ Rudi Brauer sagte zu mir, als er sich am Ende der Runde verabschiedete: „Sie leisten eine sehr wichtige Arbeit und tragen dadurch dazu bei, dass sich so etwas nicht mehr wiederholen wird!“ Und für die, die mit offenen Augen durch die Wälder gingen, gab es auch noch was zu entdecken und mitzunehmen: Drei wunderbare und recht große Steinpilze! 😉

Die Einnahme Altenkirchens

  1. Gegen Mittag des 26. März 1945 marschierten etwa um 13.30 Uhr erste Infanteristen des I. Bataillons vom 415. Infanterieregiment der 104. US Infanteriedivision über Leuzbach nach Altenkirchen ein, sie erhielten zu diesem Zeitpunkt nur Feuer von Granatwerfern und Infanteriewaffen aus nördlicher Richtung. Mit Erreichen der Kreisstadt schlief der deutsche Widerstand ein, nur noch hier und dort fielen obligatorische Schüsse, damit auch die letzten deutschen Soldaten dem Führerbefehl gefolgt waren und „Widerstand bis zum Letzten“ geleistet hatten.
  2. Nachdem die Hälfte der Ortschaft besetzt worden war, erwartete man die Infanteristen des II. Bataillons, welche aus Richtung Fluterschen nach Almersbach gegen leichten Widerstand vorgingen. Sie mussten erst den angrenzenden Wald südlich der Wied von deutschen Soldaten bereinigen, die sich dort noch in größerer Zahl aufhielten und immer wieder auf die amerikanischen Soldaten in Altenkirchen feuerten. Zu größeren Kampfhandlungen kam es hierbei jedoch nicht mehr. Der Waldrand war gegen 14.30 Uhr gesichert und die weitere Besetzung Altenkirchens konnte vorangetrieben werden. Etwa zur gleichen Zeit ereignete sich das Gefecht um Oberwambach, wo die Amerikaner einen Sherman-Panzer verloren und eine 8,8cm-Flak ausschalteten. Dieser Kampf steht mit der Einnahme von Altenkirchen in keinem Zusammenhang, sondern war dies die südlich vorgehende Kampfgruppe der 3. US.-PD.
  3. Noch während die Amerikaner gegen 15 Uhr dabei waren, die restlichen Ortsteile zu sichern, schickten Geschütze der 277. Heeres-Flak-Abteilung vom Bereich oberhalb Kumphof einen letzten „Abschiedsgruß“ den aus Richtung Weyerbusch vorstoßenden Kräften (36. Armored Infantry Bataillon) der 3. US Panzerdivision entgegen, dies waren vermutlich die letzten Schüsse, die gefallen sind, bis Altenkirchen komplett besetzt war.
  4. Unter den Augen amerikanischer Soldaten rückten am späten Nachmittag noch letzte deutsche Panzer und Infanterie hastig in nordöstliche Richtung ab, es waren die Reste der 9. Panzerdivision, die auf dem Rückzug selbst erst kurz vor den Amerikanern in Altenkirchen eingetroffen waren. Wahrscheinlich waren dieses auch die Verteidiger, die General Bayerlein mobilisieren konnte und in der umkämpften Linie in Stellung brachte.
Der Einmarsch in Altenkirchen am 26. März 1945 - Karte National Archives, Washington, USA

Der Einmarsch in Altenkirchen am 26. März 1945 – Karte National Archives, Washington, USA

Letzter Widerstand der 9. Panzerdivision

Generalleutnant Fritz Bayerlein, der sich am Morgen des 26. März 1945 auf dem Gefechtsstand der Panzer-Lehr-Division in Hilgenroth befand, erhielt von Generalfeldmarschall Model den Befehl, alle erdenklichen Maßnahmen einzuleiten, um eine Sicherungslinie zu errichten, die den Vorstoß nach Norden zur Sieg hin abriegeln würde, damit sich die Masse der Einheiten hinter den Fluss zurückziehen könnte. Dazu wurde Bayerlein die Reste der 9. Panzerdivision zugesagt. Da jedoch die Masse der Division bereits zerschlagen worden war und sich der Rest auf der Flucht befand, standen Bayerlein hierzu kaum Kräfte zur Verfügung. Trotzdem war er dazu in der Lage, mehrere sich zurückziehende Panzer zu mobilisieren. Er ließ bei Giesenhausen einen Tigerpanzer in Stellung gehen und die Linie Südrand Mammelzen bis östlich Sörth durch einen Panther bei Mammelzen, einen Panzer IV und ein Sturmgeschütz zwischen Mammelzen und Sörth sichern. Hinzu kam ein Jagdpanzer , der aus Michelbach kam und sich über Ingelbach in Richtung Hachenburg zurückzog. Am Waldrand oberhalb Reuffelbach befand sich eine 8,8cm Flak der 277. H.Flak.Abt., die nach Verschuss der letzten Granaten gesprengt wurde. Ein weiteres, unbekanntes Geschütz, war in der Nähe von Giesenhausen in Stellung, weitere Flak lag im Bereich zwischen Giesenhausen und Bahnhof Ingelbach. Nur entlang des südlichen Ortsrands von Mammelzen befanden sich schwache Infanterieeinheiten, Wehrmachtssoldaten und Volkssturm.

Am späten Nachmittag nahm die 3. US Panzerdivision ihren Angriff wieder auf. Mit dem Vorstoß in Richtung Hachenburg erhielten sie heftiges Feuer in der linken Flanke. Um dieser Gefahr zu begegnen, wurden Panzervorstöße aus Altenkirchen in Richtung Mammelzen und Sörth vorgeschoben, worauf sie zwei Sherman-Panzer verloren. Um sich hier nicht weiter zu verzetteln und Verluste zu vermeiden, musste der deutsche Widerstand durch konzentrierte Luftangriffe ausgeschaltet werden. Im Verlauf der rund zweistündigen Gefechte wurde der Tigerpanzer, der von Giesenhausen aus in Richtung Mammelzen verlegte, um dort Unterstützungsfeuer zu leisten, oberhalb Sörth ausgeschaltet. Der Panther war zusammen mit einer 2cm Flak am Weg nach Hüttenhofen zerstört worden, nur der Panzer IV und das Sturmgeschütz konnten sich noch restzeitig absetzen. 1947 mussten zwei der um Sörth zurückgebliebenen Panzer gesprengt werden, hierbei kam es noch einmal zu Ortsschäden, zudem wurde das Stromnetz in Mitleidenschaft gezogen.

Skizze von General Bayerlein zu den Kämpfen des LIII. Armeekorps Ende März 1945. Farbig dargestellt sind die eingefügten Ergänzungen.

Skizze von General Bayerlein zu den Kämpfen des LIII. Armeekorps Ende März 1945. Farbig dargestellt sind die eingefügten Ergänzungen.

Eine der noch sichtbaren Schützenmulden. Vor rund 20 Jahren waren noch sehr viel mehr der ehemaligen Verteidigungsstellungen in den Wäldern sichtbar, doch die Natur holt sich langsam zurück, was ihr gehört.

Eine der noch sichtbaren Schützenmulden. Vor rund 20 Jahren waren noch sehr viel mehr der ehemaligen Verteidigungsstellungen in den Wäldern sichtbar, doch die Natur holt sich langsam zurück, was ihr gehört.

Nach gut 80 % der doch recht anstrengenden Wegstrecke haben sich einige von der Gruppe verabschiedet und sind den Rückweg nach Sörth angetreten. Wir restlichen sollten noch an den Ort marschieren, wo der Panther abgeschossen wurde. Am Waldrand hinter uns wurde vor über 70 Jahren der Tiger-Panzer ausgeschaltet.

Nach gut 80 % der zum Teil doch recht anstrengenden Wegstrecke haben sich einige von der Gruppe verabschiedet und sind den Rückweg nach Sörth angetreten. Wir restlichen sollten noch an den Ort marschieren, wo der Panther abgeschossen wurde. Am Waldrand hinter uns wurde vor über 70 Jahren der Tiger-Panzer ausgeschaltet.

Exkursion 2 – Kampf und Untergang des Volkssturmbataillons Altenkirchen

Nachdem die 1. US-Armee am 25. März 1945 überall entlang der Remagener Brückenkopffront ihre schweren Angriffe vorantrieb,  wurde der Volkssturm des Kreises Altenkirchen in der Nähe von Neustadt aus der Stellung gedrückt. Dieses Bataillon, es war das erste von zwei im Kreis Altenkirchen aufgestellten, zog sich bis in den Raum Rott-Flammersfeld zurück, wo es zu einem letzten größeren Einsatz kam. Während unserer Exkursion sollten wir uns am 19. September 2015 in der Umgebung von Rott mit der Geschichte der beiden im Kreisgebiet aufgestellten Bataillone befassen und auf noch sichtbare Spuren stoßen, welcher dieser sinnlose Kampf hinterlassen hatte.

Ein gutes Bild darüber, wie der Volkssturm aufgestellt wurde, der im Brückenkopf von Remagen zum Einsatz kommen sollte, hat Hans Schneider, der 1945 als Fahnenjunker im Stab der 363. Volksgrenadier Division seinen Dienst versah, festgehalten. Ihm oblagen die Aufgaben und Ausbildung des Volkssturmes innerhalb der Division.

„…Es gab zwei grundlegende Kriterien: die Jahrgänge und die Diensttauglichkeit. Während man bei den Jahrgängen nicht viel machen konnte, so wurde aber bei der durch den Truppenarzt ermittelten Tauglichkeit gerne mal ein oder gar auch zwei Augen zugedrückt! Es musste schließlich ein Mannschaftsbestand von Summe X erschaffen werden mit allen Männern, die greifbar wurden. Hinzu kam natürlich auch der Werdegang von jedem, Teilnehmer des 1. WK… wurden nahezu alle als tauglich eingestuft – sofern nicht ein schweres Leiden aus dieser Zeit vorlag – wie ein fehlendes Bein oder ähnliche Verwundungen…Während die Zuziehung der jüngsten Jahrgänge eher unproblematisch war, so gab es gerade aber bei den Alten Probleme. Die Jungen hatten meist schon eine entsprechende Ausbildung während der Dienstzeit in der Hitlerjugend erhalten und wären öfters auch gerne dazu bereit gewesen, am letzten großen Waffengang ihren Teil zu haben – natürlich gegen den Willen der Eltern…Problematisch war der fanatische Wille vieler junger Burschen. Man hatte ihnen die Panzerfaust mit einem bestimmten Auftrag an die Hand gegeben, die militärische Entwicklung jedoch erforderte wenig später Anderes – dann gab es größere Schwierigkeiten, diese Jungs zu überzeugen, doch noch den Rückzug anzutreten. Man hatte gelernt, den Feind zu hassen und nötigenfalls auch zu bekämpfen!“

Unser Treffpunkt für diese Exkursion war der Wanderparkplatz in Rott am Walter-Bartels-Weg. Zwölf Personen, die sich für die Geschichte des Altenkirchener Volkssturmes interessierten, sollte ich während dieser Runde durch die Wälder rund um Rott führen. Großes Interesse fanden auch die immer wieder stattfindenden Diskussionen, da bei dieser Runde ebenfalls auch zwei Zeitzeugen anwesend waren. Während der eine das Kriegsende als Jugendlicher in Rott erlebte, hat der andere als elfjähriger nur fünf Kilometer hinter der Front im Bereich südlich von Berlin mithelfen müssen, deutsche Panzer aufzumunitionieren, die anschließend in den Kampf gefahren waren.

Besonders die Geschichte des Volkssturmes im Westen hinterlässt heute weitreichende Lücken in der Geschichtsschreibung. Bevor wir uns den wenigen Einsätzen des Altenkirchener Volkssturmes widmen, muss man sich mit der militärischen Situation in der Region beschäftigen, da erst nach überschreiten des Rheins der hiesige Volkssturm mobilisiert und in den Einsatz geworfen wurde. Bekannt ist heute, dass bis auf wenigste Ausnahmen an der gesamten Westfront kaum Volkssturmeinheiten zum organisierten Einsatz gekommen sind. Bis zum alliierten Vormarsch an den Rhein hatte der Volkssturm des westdeutschen Reiches meist nur Sicherungsaufgaben zu versehen oder wurde abkommandiert zum Stellungsbau. Bei Einmarsch der Amerikaner in die Millionenstadt Köln wurde erstmals versucht, die Volkssturmpflichtigen in größerem Umfang an die Waffen zurufen und in den Kampfeinsatz zu schicken. Diese Bemühungen, besonders durch Gauleiter Grohe, waren größtenteils zwecklos und vom taktischen Standpunkt betrachtet vollkommener Unsinn. Nur die wenigsten folgten diesen Befehlen, einige wurden durch die Kommandeure heimgeschickt. Trotzdem kam es aber zu einigen Kampfeinsätzen des Volkssturmes in Köln. An der Ostfront, bzw. in Breslau oder Königsberg, starben zur gleichen Zeit Hundertschaften junger Burschen und alter Männer, die man Seite an Seite mit Wehrmachtseinheiten in den Kampf gezwungen hatte. In Westdeutschland hatte die gesamte Mobilisierung des Volkssturmes einfach nicht funktioniert, sie hatte versagt, weil den Bürgern trotz der deutschen Propaganda bewusst und bekannt war, dass der alliierte Feind nicht das „menschenhassende Monstrum“ war, wie es durch die Propaganda gleichermaßen über den Russen behauptet wurde. Im Westen hatte die Bevölkerung einfach weniger Angst vor den Alliierten.

Erst nachdem die Amerikaner überall an den Rhein herangestoßen waren und am 7. März 1945 die Ludendorff-Brücke in Remagen eroberten, änderte sich die gesamte Situation. „Der Ami ist über´n Rhein“ war die Parole. Deutsche Truppen, die über den Fluss gesetzt hatten, waren seit Monaten in ununterbrochenen Gefechten eingesetzt und ausgeblutet bis zum letzten Mann. Auffrischung kam meist nur in Form von kaum ausgebildeten oder versprengten Soldaten, die meist noch anderen Waffengattungen, wie der Luftwaffe oder Marine, angehörten. Nachdem die Amerikaner den Remagener Brückenkopf bildeten, wurde deutscherseits alles versucht, diesen Brückenkopf zu beseitigen. Dazu wurden Soldaten benötigt, die es kaum noch gab. Erstmalig ging überall entlang der Westfront eine Art Ruck durch die Truppe, in dem man versuchte die Truppen durch greifbare und fast überall befindliche Volkssturmpflichtige oder bedingt kriegsverwendungsfähige Soldaten aufzufrischen. Wer gestern noch UK-Gestellt (unabkömmlich im Sinne von Arbeit in wehrwirtschaftlichen Betrieben etc.), der musste heute bereits um sein Leben fürchten und damit rechnen, sich innerhalb kürzester Zeit beim Volkssturm einzufinden und/oder durch die Wehrmacht vereinnahmt zu werden.

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Im Raum Leverkusen-Solingen befand sich die 363. Volksgrenadier Division zur Auffrischung, nachdem die Division gerade aus Köln über den Rhein gesetzt hatte. Diese Auffrischung ging so vonstatten, dass jeder wehr- und volksturmpflichtige in die Truppe befohlen wurde. Ärztliche Untersuchungen wurden meist zum Nachteil der Untersuchten durchgeführt. Wer sich der Musterung im Schloss Morsbroich entziehen wollte, begab sich in die Gefahr durch Militärpolizei zwangsvorgeführt zu werden, oder aber noch schlimmer, konnte erschossen werden. Der aus Wiesdorf stammende, erst 16-jährige Günter Julius Wehrmeister sollte am 12. März 1945 im Schloss Morsbroich gemustert werden und wurde während eines Fluchtversuches um 15.30 Uhr im angrenzenden Wald erschossen. Männer, die eigentlich unabkömmlich waren, wurden aus den Betrieben, Bunkern oder Wohnungen herausgeholt und man vernichtete den Bescheid über die Unabkömmlichkeit. Dies waren nur einige der Praktiken, die die Armee nutze, wenn sie über den Mannschaftsbestand des Volkssturmes verfügen wollte; sie hat ihn einfach vereinnahmt. Aufgestellt wurden nach dem Rheinübergang im Kreis Altenkirchen mindestens zwei Bataillone:

Bataillon Schäfer mit drei Kompanien – hierzu gehörte auch die Kompanie Derschen

Aufgestellt am 12.3.1945 auf Befehl des Kreisleiters Venter vom 7. März 1945. Die Masse der Kompanie „Derschen“ setzte sich aus „UK“-gestellten Arbeitern zusammen, von denen viele bei der Firma Wolf-Geräte in Betzdorf tätig waren. Die Kompanie wurde in das Schulgebäude nach Molzhain verlegt, wo sie bis zum 15. März eine Ausbildung an Panzerfaust, Maschinengewehr und Karabiner erhielt. Am 16. März erfolgte mittels LKW der Transport in den Raum Neustadt/Wied, wo sich ab dem 19. März Gefechte um die Wied-Übergänge ereigneten. Zwischen dem 22. und 25. März stand die Kompanie in direkten Gefechten mit den amerikanischen Verbänden, wobei der 22. März besonders hohe Verluste forderte. Am 25. März 1945 überwand die 9. US Infanteriedivision die Wied und drängte scharf gegen die Reste der 340. Volksgrenadier Division vor, der die Volkssturmkompanie unterstellt worden war. Die Wehrmacht setzte sich vor den Amerikanern fluchtartig ab und befahl dem Bataillon Schäfer die Stellungen zu übernehmen. Die Einheit war diesem Druck in keiner Weise gewachsen und musste sich ebenfalls zurückziehen. Hierbei ist bekannt, dass die Derschener Kompanie über Peterslahr-Döttesfeld nach Seifen zurückging, wo noch einmal Verteidigungsstellungen bezogen wurden. Am 26. März setzten die Amerikaner erneut nach, so dass sich die nicht direkt in den Kampf eingebundenen Männer nach Brubbach zurückzogen. Dort wurde die Volkssturmkompanie überrannt und geriet am Mittag in Gefangenschaft.

Bataillon Altenkirchen – Bestehend aus drei Kompanien

Etwa am 22. März 1945 auf direkten Befehl von General Carl Püchler, Chef des LXXIV. Armeekorps in Stürzelbach, aufgestellt. Püchler soll zum Ausdruck gebracht haben, dass sich noch Hunderte Volkssturmleute in der Gegend vor dem Einsatz drücken und mit Nachdruck der kämpfenden Truppe zuzuführen sind! Zwei Kompanien wurden der 3. Panzergrenadier Division bei Weyerbusch unterstellt, der genaue weitere Einsatzweg ist leider unbekannt. Hauptmann Kurt Ahlers hält über den in Weyerbusch eingetroffenen Volkssturm fest:„…völlig mürrische des Kampfes unlustige Soldaten, deren Kampfwert gleich Null ist!… Durchschnittsalter ist 40 Jahre. Nur wenige haben eine infanteristische Ausbildung erhalten. Handhabung der Panzerfaust in Masse unbekannt. Zwei MG-Schützen wissen nicht in der Handhabung ihres MG Bescheid. In der Zuweisung solcher Bataillone besteht kein Grundstock für eine neu aufzubauende Kampflinie. Ein geschlossener Einsatz des Bataillons ist unmöglich…“Die dritte Kompanie wird am 23. März in der Nähe von Flammersfeld dem direkten Kommando des LXXIV. Armeekorps unterstellt. Sie soll den Weg von Kescheid nach Flammersfeld sperren. Am 24. März erhält die Truppe im Raum Püscheid Befehl sich für einen bevorstehenden Gegenangriff vorzubereiten, weitere Verstärkungen sollen während der Nacht zugeführt werden. Der Angriff soll am nächsten Tag beginnen. Durch den amerikanischen Großangriff am 25. März wird der Angriff vereitelt, die Verbände ziehen sich bis nach Rott-Flammersfeld zurück, zwischen Asbach und Diefenau wird gekämpft und die Truppe erahnt nun, das der nächste Einsatz bevorsteht. Am Nachmittag erscheinen dann aus Richtung Asbach kommend die ersten amerikanischen Panzer, es kommt zu einem kurzen Gefecht, wobei die Kampfgruppe verlustreich zerschlagen wird. Hier sterben mindestens drei Volkssturmleute, zwei davon stammen aus Fluterschen, der dritte aus Berzhausen. Hiernach verblasst die Spur des Altenkirchener Volkssturmes, weitere Einsätze sind nachgewiesen bspw. für Pracht, Betzdorf, Herdorf, Mudersbach etc. Ungewiss bleibt jedoch, ob sich Altenkirchener Volkssturm an diesen Gefechten beteiligte.

 

Exkursion 1 – Einbruch in die PaK-Linie bei Hasselbach

Bereits im Frühjahr haben wir uns die Ereignisse des Gefechtes um die PaK-Linie (PaK = Panzerabwehrkanone) bei Hasselbach aus der deutschen Perspektive angeschaut und liefen dabei den Frontverlauf dieser Kampflinie ab. Dahingegen sollte uns diese Exkursion auf den Pfaden der amerikanischen Soldaten den Einbruch in den Ort Hasselbach näherbringen und  zeigen, wie der amerikanische Angriff abgewehrt wurde, wo die Panzer der 3. US Panzerdivision ausgeschaltet wurden und wie sich der anschließende Häuserkampf um das kleine Dorf an der B8 zugetragen hatte.

Unser Treffpunkt am Witthecker Weg war gut gewählt, stand doch etwa an gleicher Stelle der Königstiger, der im März 1945, noch bevor sich der eigentliche Kampf um die PaK-Linie ereignete, von der eigenen Truppe aufgegeben wurde.

Dreizehn Personen sollten dieses Mal zusammen kommen. Während z.B. die einen wissen wollten, warum sich was und wie zugetragen hatte, wollten die anderen die Erzählungen von z.B. der Eltern belegt haben. Besonders hervorheben muss man aber auch, dass schon einiges über die Kampfhandlungen bekannt war, so konnten die beiden Weyerbuscher Walter Marenbach und sein Freund Friedhelm Weller immer wieder bestätigen und aus eigener Erfahrung berichten. Roland Oppermann aus Forstmehren erzählte: „dass man in der Familie früher oft von den schweren Kampfhandlungen gesprochen hat, dass z.B. auch am Ortseingang von Forstmehren ein amerikanischer Panzer abgeschossen worden war.“

Da uns das Wetter während der vergangenen Tage einen „Strich durch die Rechnung“ gemacht hatte, musste ich eine alternative Runde wählen. Das war auch gut so, denn sonst hätten die beiden ältesten Teilnehmer, Walter Marenbach und sein Freund Friedhelm Weller, diese Runde nicht begleiten können, denn die Wege wären trotz Einsatz des Geländewagens, in dem die beiden die Gruppe begleiteten, größtenteils nicht befahrbar gewesen.

Nach der Begrüßung schilderte ich die Ereignisse des 25. und 26. März 1945. Erzählte, wie der erwähnte Königstiger nach Witthecke gekommen war. Er gehörte der schweren Panzerabteilung 506 an und hat entgegen der häufig aufgestellten Behauptung, nicht an den Gefechten um die PaK-Linie teilgenommen.

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Stellung eines amerikanischen Beobachtungsposten am Waldrand oberhalb Hasselbachs.

Während unserer Wanderung entlang der Felder und Waldränder konnte man den Frontverlauf der damaligen PaK-Linie sehr gut deuten und es wurde bewusst, warum diese Linie bei den Amerikanern so hohe Verluste verursachte. Die Linie wurde schließlich nicht nur durch Geschütze am fernen Waldrand verteidigt, besonders in Hasselbach hatten sich Panzergrenadiere eingegraben, die den amerikanischen Angriff erwarteten. Im Bereich der Bergstraße befand sich ein PaK-Geschütz. Weitere Unterstützung leistete schwere Artillerie, die bei Hilkhausen und Marenbach in Stellung waren. Dann waren da noch mehrere Panzer zwischen Werkhausen und Heuberg im Einsatz. Als am Morgen die ersten amerikanischen Panzer aus dem künstlichen Nebel hervortraten, entbrannte der schwere Kampf. Innerhalb weniger Minuten waren die ersten amerikanischen Panzer ausgeschaltet und der Rückzug auf die Ausgangsstellung angetreten. Der deutsche Widerstand musste dann später durch amerikanische Infanterie niedergekämpft werden. Diese setzte sich am Ortsrand von Hasselbach fest. Dies war einer der der Punkte, den wir während der Exkursion aufsuchen sollten.

Am Ortsrand befand sich wenige Tage lang das Grab eines amerikanischen Soldaten. Dort war ich bereits schon einmal zu Mitte der 1990er Jahre. Damals wurde ich vom Sohn des Gefallenen begleitet. Die Schilderungen zu den Todesumständen, den Aussagen des Sohnes und der Kameraden, die mir damals vorlagen und die ich während dieser Exkursion vorbrachte, hatten etwas bewirkt. Heute steht die alte Eiche wie ein Mahnmal am Ort des ehemaligen Grabes.

Filmvortrag und Diskussionsrunde

Am 5. September 2015 eröffneten wir unsere neue Exkursions-Reihe „Auf den Spuren des Zweiten Weltkrieges“ mit einem Filmvortrag in den Räumlichkeiten der Kreisvolkshochschule in Altenkirchen. Es war eine Themenrunde, bei der viele während der anschließenden Gesprächsrunde die Zeit und die Möglichkeit finden sollten, direkte Fragen zu den Ereignissen der schicksalshaften Tage zu stellen.

Es sind kurz nach 14 Uhr und ich erwarte bereits die ersten Besucher, darunter auch Marcel Recke aus Windeck, der bereits angesagt hatte, noch ein paar interessante Leihgaben mitzubringen. Noch ist niemand da. Nur die verantwortliche Dame von der Kreisvolkshochschule, die mich empfängt, den Laptop erklärt und bereits die Stühle im Vortragsraum aufgestellt hat. Meinen besten Dank möchte ich an dieser Stelle dann auch einmal an Frau Wiedenhöfer-Becker aussprechen, denn ohne ihre Hilfe und die Organisation wäre das geleistete nicht möglich gewesen! „Na, da kann doch nichts schief gehen!“

Angemeldet waren lediglich 12 Personen, allerdings sollten später mehr als 30 Leute eintreffen, den Film sehen und einige würden auch noch die Gelegenheit finden, ihre Fragen an mich zu richten, Fragen, die seit mehr als 70 Jahren auf Antworten warteten.

Gut zwei Drittel der Besucher gehörten der Erlebnisgeneration an, sie hatten selbst das Kriegsende erlebt, entweder als kleines Kind, das sich kaum an 1945 erinnern konnte, aber trotzdem durch die Ereignisse im weiteren Leben stark geprägt wurde oder aber bereits als Jugendlicher oder junger Erwachsener, wo die Erinnerungen an das Kriegsende mit allen Schrecken noch recht ungetrübt vorhanden sind. Insgesamt waren mehrere Menschen zusammengekommen, die aus ihren eigenen Erlebnissen zusätzlich zum Film beitragen konnten und einige Jüngere waren da, die wissen und erfahren wollten; genau wie die meisten der älteren Generation, warum zum Kriegsende unsere Heimat in Bomben untergegangen ist und warum sich die damaligen Feinde in aufreibenden Infanteriekämpfen hier vor unserer Haustüre gegenseitig töteten. Durch das zum Teil unbekannte Filmmaterial und die anwesenden Zeitzeugen war es möglich, eine gewisse Art von Nähe zu den Ereignissen der letzten Kriegstage herzustellen, die besonders für die jüngere Nachfolgegeneration einen Blick auf den Untergang und die Kriegsereignisse zuließen.

Nachdem der Filmbeitrag am Ende war, hatte ich viele Fragen zu den Ereignissen während der letzten Kriegswochen im Kreis Altenkirchen zu beantworten. Hierbei war besonders der Kampf um Hasselbach ein wichtiges Thema, gerade auch dadurch, weil sich gleich zwei Zeitzeugen noch recht gut an die Schicksalstage erinnern konnten. Hierbei waren auch die Leihgaben von Marcel Recke ein wichtiges Beleg der damaligen Zeitgeschichte, denn Marcel Recke brachte extra einige Fundstücke mit, so z.B. ein Stahlhelm der damaligen Hitlerjugend in Kindergröße, der durch anbringen einer Tarnfarbe fronttauglich gemacht wurde. Ein Beleg für den Einsatz von Kindern und Jugendlichen, die man „viertel vor Zwölf“ noch verheizt hat. Weiter hatte Recke eine großkalibrige Hülse der Artillerie im Gepäck, 170 mm Artilleriegeschütze, die bei Marenbach und Hilkhausen in Stellung waren, leisteten die Feuerunterstützung während des Kampfes um die Hasselbacher PaK-Linie. Diese Hülse war von russischer Bauart und war zugehörig zu den vielen Beutewaffen, die in der Region eingesetzt wurden. Beides waren Fundstücke, die vor einigen Jahren während des Abrisses einer Scheune in Oberirsen zum Vorschein kamen. Eine weitere Hinterlassenschaft aus den Kämpfen um die Weyerbuscher Gegend stellte eine abgefeuerte 76mm Hülse vom Sherman-Panzer dar. Auch hierbei handelte es sich um einen Scheunenfund, der erst kürzlich in Weyerbusch auftauchte und Marcel Recke leihweise für unseren Vortrag zur Verfügung gestellt wurde. Abgerundet wurden die Ausstellungsstücke durch zwei Stahlhelme, die ich mitgebracht hatte. Zum einen der Helm von Wachtmeister Rheinhold Schmidt, der als Angehöriger des Flak-Sturm-Regiment 4 noch in Nahkämpfe verwickelt wurde. Dann war da noch der Stahlhelm von Joshua Bennet, der als Angehöriger der amerikanischen 104. US Infanteriedivision im März in der Nähe von Heuberg verwundet wurde. Beide Helme wurden mir seinerzeit von den ehemaligen Besitzern geschenkt und werden von mir heute als greifbare Erinnerungsstücke an diese Kriegsereignisse aufbewahrt. Ein gewisses Highlight war auch ein sich erst ganz neu in meiner Archivsammlung befindliche Fotografie. .

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25. März 1945 – bei Horhausen. Das Infanterieregiment 60 der 9. US-Infanteriedivision erobert Horhausen. Ein Verwundeter ist am Bahndamm in Deckung gegangen, zwei Sanitäter kümmern sich derweil um einen weiteren Verwundeten Soldaten. Im Hintergrund kann man schwach ein stehengebliebenes Fahrzeug erkennen und weitere Soldaten, die gerade nach vorne laufen. In unmittelbarer Nähe der Aufnahme ereigneten sich zur gleichen Zeit heftige Gefechte im Ortsbereich, man kann förmlich den Pulverdampf riechen, Gewehrfeuer und Artillerieeinschläge hören. Leider ist das Foto von sehr schlechter Qualität.

Einige derer, die nicht die Gelegenheit hatten, ihre Fragen an mich zu richten, nutzten dafür die Gelegenheit und sprachen direkt mit den anwesenden Zeitzeugen über die Ereignisse. So entstand eine Diskussionsrunde, die zwar nicht alle Fragen beantworten konnte, aber doch einige der Anwesenden mit Antworten heimkehren ließ. Darüber hinaus wollten besonders einige der Jüngeren selbst dazu übergehen, die Geschichte der Vorfahren zu erforschen. Es gab also noch einiges zu erfahren, auch mehr als 70 Jahre später sind noch eine Menge Fragen offen und noch immer eine Menge Antworten zu geben!

Herbst-Exkursionen “Auf den Spuren des Kriegsendes 1945”

Die Herbst-Exkursionen

Die kreisweite Veranstaltungsreihe erinnert an das Kriegsende vor 70 Jahren. Bereits im Frühjahr führten zahlreiche Exkursionen an die Schauplätze des Zweiten Weltkrieges angeboten. Aufgrund der großen Nachfrage werden im Herbst zehn weitere Termine angeboten.

Amerikanische Sherman-Panzer rollen am 26. März 1945 durch Altenkirchen. Foto Signals Corps, USA.

Amerikanische Sherman-Panzer rollen am 26. März 1945 durch Altenkirchen. Foto Signals Corps, USA.

Geschichte ist kein Fall fürs Museum, sie ist ein Schlüssel zur Zukunft. Erinnern bedeutet zugleich die Aneignung der eigenen Vergangenheit als ein Mittel gegen das Verdrängen und Vergessen. Denn wer sich erinnert, hat die Chance, aus der Geschichte zu lernen.  Grund genug für die Volkshochschule Betzdorf sowie die Kreisvolkshochschule und das Kreisarchiv sich dem Thema mit zahlreichen Exkursionen zu Schauplätzen des Krieges hier im Kreisgebiet zu widmen. Nach der Ausstellung „Als der Krieg zu uns in die Heimat kam“ im Frühjahr in den Räumlichkeiten des Kreisarchivs im Frühjahr fanden bereits zehn verschiedene Exkursionen im Landkreis Altenkirchen bis Mitte Juni statt. Aufgrund der großen Nachfrage wird die Kreisvolkshochschule ab September weitere Exkursionen unter der Leitung von Ralf Anton Schäfer aus Betzdorf anbieten, die sich auf die Spuren der letzten Kriegsmonate in der Region begeben. Aufgrund der günstigeren Quellenlage auf alliierter Seite, orientiert sich die Führung am Vorrücken einzelner amerikanischer Truppenkontingente.

Für den Herbst haben wir zum Teil neue Runden geplant, zudem werden noch einmal einige der bereits durchgeführten Exkursionen wiederholt. Beginnen werden wir am 5. September 2015 in der Kreisvolkshochschule Altenkirchen mit einem Filmvortrag und anschließender Themenrunde, zu der ich versuchen werde, alle Fragen rund um die Bodenkämpfe in März und April 1945 zu beantworten. Dies wird der Auftakt für die erneute kreisweite Veranstaltungsreihe, in der wir an das Kriegsende vor 70 Jahren erinnern wollen.

  1. Altenkirchen
    (Film)-Vortrag über die Ereignisse von März & April 1945 mit abschließender Themenrunde „Kriegsende in der Region „Was will ich über das Kriegsende wissen?“

    Kreisvolkshochschule Altenkirchen, Raum 4
    Samstag, 5. September, 14.30 Uhr
  2. Rettersen-Hasselbach
    Vorstoß in die deutsche PaK-Linie bei Hasselbach
    Im Frühjahr haben wir uns die Ereignisse dieses Gefechtes um die deutsche PaK-Linie (PaK = Panzerabwehrkanone) aus der deutschen Perspektive angeschaut und sind dann dem amerikanischen Einbruch nach Weyerbusch gefolgt. Bei dieser stattfindenden Runde werden wir uns die Lage aus den Bereichen der 3. US Panzerdivision ansehen und die Ereignisse
    Samstag, 12. September, 14.30 Uhr
    Treffpunkt am Witthecker Weg in Witthecke
  3. Rott-Flammersfeld
    Kampf und Untergang des Volkssturmbataillons Altenkirchen
    In Rott hatte der Volkssturm des Kreises Altenkirchen seinen letzten größeren Einsatz, nachdem die meist alten Männer aus der Front in der Nähe von Neustadt an der Wied herausgedrückt worden waren. Wir werden wir uns über bislang unbekannte Details aus der Geschichte des Volkssturmes unterhalten.
    Samstag, 19. September, 14.30 Uhr
    Treffpunkt am Wanderparkplatz in Rott (Walter-Bartels-Weg, Richtung Grillhütte)
  4. Altenkirchen-Sörth
    Letztes Aufbäumen der 9. Panzerdivision zwischen Mammelzen und Sörth
    Altenkirchen fällt am 26. März 1945 in amerikanische Hand. Reste der 9. Panzerdivision werden in der Nähe aufgefangen und sollen eine letzte Widerstandlinie beziehen. Bei dem anschließendem  Gefecht werden hierbei die meisten deutschen Panzer ausgeschaltet.
    Samstag, 26. September, 14.30 Uhr
    Treffpunkt Parkplatz am Friedhof, Friedhofsweg in Sörth
  5. Wissen-Sandberg
    Bildung des amerikanischen Brückenkopfes und Gefechte um die Brückhöfe
    Soldaten der 8. US Infanteriedivision gehen von Schönstein kommend bei Wissen über die Sieg und müssen sich den Weg durch das zum Teil noch immer belegte Zwangsarbeiterlager freikämpfen. Zur gleichen Zeit ereignen sich bereits Gefechte um die Stahlhütte am Fuße des Berges.
    Sonntag, 4. Oktober, 14 Uhr
    Treffpunkt Parkplatz am Hotel Frankenthal an der B62
  6. Gebhardshain-Hümmerich
    Amerikanischer Sicherungsposten im Niemandsland
    Die amerikanischen Soldaten sollen mit Patrouillen das Waldgebiet am Hümmerich durchkämmen und eine Stellung errichten. Erst mit dem nächsten Tag zeigt sich, dass sich die Männer verlaufen haben und sich mitten im “Niemandsland” befinden.
    Samstag, 10. Oktober, 14.30 Uhr
    Treffpunkt bei Netto, Wissener Straße in Gebhardshain
  7. Alsdorf-Imhäusertal
    Vorstoß durch Alsdorf auf Betzdorf und nach Herkersdorf-Kirchen
    Nachdem die Gefechte um den Bahnhof beendet waren, durchkämmen amerikanische Soldaten Alsdorf, nach der Überquerung der Heller kommt es zu einigen Schießereien. Mehrere deutsche und amerikanische Soldaten fallen.
    Samstag, 17. Oktober, 14.30 Uhr
    Treffpunkt am Wanderparkplatz im Imhäusertal (in Fahrtrichtung Herkersdorf gleich ach Bahnübergang links ab)
  8. Betzdorf
    Erste Gefechte südlich der Sieg
    Deutsche Soldaten sollen südlich Bruche eine Verteidigungslinie einrichten, dazu stehen ein 2cm-Flak-Geschütz (Flak=Fliegerabwehrkanone) und rund 25 Mann zur Verfügung.
    Samstag, 24. Oktober, 14.30 Uhr
    Treffpunkt an der Grillhütte in Betzdorf-Bruche, Am Scheuerberg
  9. Niederfischbach-Giebelwald
    Gefechte im Bereich des Hellbachskopf im April 1945
    Aus Niederfischbach marschiert ein deutsches Bataillon über den Hellbachskopf auf den Giebelwald, es kommt zu verlustreichen Gefechten, die erst mit dem Fall von Niederfischbach beendet werden.
    Samstag, 31. Oktober, 14 Uhr
    Treffpunkt am Sportplatz (beim Tierpark Niederfischbach)
  10. Forsthaus Rübengarten
    Waldkämpfe im Revier Rübengarten – östlich Morsbach
    Nachdem die Reste der 62. Volksgrenadier Division aus der Siegfront herausgedrückt wurden, haben die schwachen Regimenter eine weiter rückliegende Linie bezogen. Hier und da kommt  es mit den nachstoßenden Soldaten der 78. US Infanteriedivision zu Gefechten. Im Bereich des Revier Rübegarten wird dabei heftiger Widerstand geleistet.
    Samstag, 7. November, 14.30 Uhr
    Treffpunkt Landstraße zwischen Stockshöhe und Stentenbach

Es wird jeweils eine Teilnehmergebühr in Höhe von 5 Euro erhoben.
Anmeldungen nimmt die Kreisvolkshochschule unter Telefon (02681) 81-2212 oder per E-Mail unter kvhs@kreis-ak.de entgegen.

Rote Marker = Veranstaltung steht bevor, Blau = Veranstaltung wurde bereits durchgeführt.

Exkursion 9 – Schüsse im Wald

Am 15. Juni 2015 fand unsere letzte Exkursion der vergangenen Veranstaltungsreihe statt. “Schüsse im Wald” veranlassten am 29. März 1945 die Amerikaner in der Nähe von Molzhain eine Patrouille in die Wälder zu entsenden, die der Ursache dieser Schießereien auf den Grund gehen sollte. Diese Patrouille wurde mit knapp 25 Mann kampfstark aufgestellt und hatte zusätzlich den Auftrag, erkannte Feindkräfte zu bekämpfen. Unsere Exkursion sollte größtenteils den Pfad dieser Patrouille vom 28. US Infanterieregiment folgen und nachempfinden, wie sich die Soldaten während dieser Erkundung vor gut 70 Jahren gefühlt haben müssen.

Da der Wetterbericht für diesen Tag mehrfach Regenschauer und kräftigen Wind vorausgesagt hatte, waren leider auch nur vier Personen erschienen, obgleich sich die doppelte Anzahl angemeldet hatte. Dafür hatte einer der Teilnehmer eine einfache Wegstrecke von mehr als 50 Kilometern auf sich genommen! Diesem Umstand der kleinsten Gruppe kann man es danken, dass wir eine Route liefen, die mit einer größeren Gruppe nicht oder kaum umsetzbar gewesen wäre. Dennoch folgten wir im Groß der geplanten Strecke, machten aber zusätzlich den einen oder anderen Abstecher zu Orten, die im Kriegsgeschehen der letzten Märztage 1945 eine bestimmte Rolle gespielt hatten. Besonders durch die kleine Gruppe wurde diese Runde dann doch ein großer Erfolg, die Teilnehmer waren begeistert und mit das Beste an der Aktion: Petrus hatte entgegen der Wettervorhersage nicht einen Tropfen regnen lassen; im Gegenteil, wir wurden noch mit schönstem Wetter bei gut 20 ° Sonnenschein belohnt.

Im Tagesverlauf des 29. März 1945 stießen zwei Kompanien vom I. Bataillon des 28. US Infanterieregiments über Biesenstück nach Dickendorf vor und eroberten anschließend Molzhain und Kausen. Die einzige Kampfhandlung, die sich ereignete, fand noch vor der Einnahme Dickendorfs statt. In der Nähe vom „Weißer Gaul“ waren zurückgehende Wehrmachtssoldaten von den schnell vorstoßenden Amerikanern überrascht worden, es kam zu einem beinahe zweistündigen Waldgefecht, in dessen Verlauf jeweils ein deutscher und amerikanischer Soldat getötet wurden. Nachdem dieser Widerstand niedergekämpft worden war, wurden die weiteren Ziele ohne auf nennenswerten Widerstand zu stoßen, eingenommen. Im Laufe des Nachmittags wurden Verstärkungen nachgeführt und in Molzhain richtete sich der Gefechtsstand des Bataillons ein. Am frühen Nachmittag zeigten sich mehrere amerikanische LKW, die von Elkenroth kommend Nachschub nach Molzhain bringen sollten. Da diese Fahrzeuge jedoch nicht den Weg über Kausen-Dickendorf genommen hatten, sondern entlang der Betzdorfer Landstraße fuhren, eröffnete etwa um 17.40 Uhr ein deutsches MG aus nordwestlicher Richtung das Feuer auf die Kolonne.

Unser Treffpunkt für diese Exkursion befand sich ziemlich genau zwischen der beschossenen Fahrzeugkolonne und dem deutschen Maschinengewehr. Die amerikanischen Verbände hatten erst damit begonnen, das Gelände von zurückgebliebenen Soldaten zu bereinigen, in die Wälder in Richtung „Alter Bornskopf“ waren zu diesem Zeitpunkt noch keinerlei Patrouillen entsendet worden. Da die Fahrer sofort auf das Feuer reagierten, konnten sie Verluste vermeiden und sich und die Fahrzeuge in Sicherheit bringen. Nun aber stand fest: „Da oben ist Indianerland!“ – Indianerland war im amerikanischen Sinne der Raum, an dem sich noch deutsche Soldaten befanden, die dazu bereit sein würden, noch Widerstand zu leisten. Als später am Tag, gerade nachdem es begann Dunkel zu werden, ein weiteres Mal Schüsse aus den Wäldern zu hören waren, wurde in Kausen eine Patrouille aufgestellt, die unter der Leitung eines Sergeant die Wälder durchkämmen sollte.

Es war mittlerweile nach 20 Uhr, eine Patrouille, die in Steineroth in ein Gefecht verwickelt war, kehrte etwa zu dieser Zeit nach Molzhain zurück, während die Patrouille aus Kausen gerade losmarschierte. Im Moment waren es 50 Mann, die Patrouille und eine Reservegruppe, die im Falle einer Eskalation folgen und den Feuerkampf dann mitaufnehmen sollte.

Es war eine stockfinstere Nacht und man befand sich mitten in Feindesland, der gerade abnehmende Vollmond wurde immer wieder durch Wolken verdeckt, wodurch das wenige Licht weiter gemindert wurde. Auf Höhe des Abzweiges zum „Käuser Steimel“ sollte sich die Gruppe teilen. Während die eine Hälfte in beobachtende Stellung gehen sollte und die Wege in Richtung „Käuser Steimel“ sperren und dadurch der Patrouille den Rücken offen halten würde, wird die restliche Halbgruppe den Ort passieren, an dem nachmittags die Dodge WC63 unter Feuer genommen wurden. Von diesem Punkt an war jegliches Licht verboten, genauso wie Rauchen oder auch nur das gedämpfte Gespräch! Die Patrouille würde für den gesamten Weg, der zwischen 3 und 4,5 Kilometer (je nach Lage sollte auch der „Alte Bornskopf“ erkundet werden) betragen sollte, mehr als 5 Stunden benötigen, geplant waren lediglich 2,5 Stunden.

Auf dieser Exkursion folgten wir dem Weg der Patrouille, zwar waren wir mit rund 70 Jahren Abstand später unterwegs, aber die Eindrücke, die im März 1945 auf die Angehörigen der Patrouille gewirkt haben müssen, ließen sich auf dem Weg zum Teil recht gut erahnen. Wir machten bei unserer Wanderung an den verschiedenen Stationen halt, an denen die Patrouille ihre Entdeckungen machten und an den Stab meldeten. 1945 wurden Ausrüstung, Uniformteile, Stimmen und Motorengeräusche entdeckt, so hieß es in den Funksprüchen, diese fanden wir zwar 70 Jahre später nicht mehr vor, aber wir waren direkt am Ort des Geschehens und die Teilnehmer erahnten, wie Nervenzerreißend die Situation für die amerikanischen Soldaten gewesen sein muss.

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Trotz der Vorhersage von Regen kamen wir unterwegs ganz schön ins Schwitzen. Im Gespräch war zu erfahren, dass die Masse der Ereignisse im Großteil unbekannt waren. Den Auslöser der Kamera drückt gerade Heinz-Werner Sondermann, der als Dauergast kaum eine meiner Exkursionen verpasst hat! Vielen Dank dafür, es hat mich sehr gefreut!

Während ein Funkspruch über Geräusche in der Nacht informiert, lässt ein weiterer erahnen, dass der Krieg noch nicht vorbei ist. Mehrere Schüsse peitschten durch die Nacht. Im ersten Moment war unklar, ob die Schüsse der Patrouille galten oder wem anderen? Fest stand: das Feuer kam aus einer Richtung, wo sich die Soldaten der Patrouille bereits vor gut zwei Stunden zuvor befunden hatten. Dadurch wurde klar, dass sich hinter ihrem Rücken noch immer feindliche Soldaten aufhielten. Die weitere Nachsuche brachte einen stark eingebluteten, zivilen Mantel zum Vorschein, eine Blutspur deutete den weiteren Weg in den Bereich des so genannten „Hümmersteines“, wo man Hinweise darauf entdeckte, dass jemand dem Anschein nach schwer verwundet worden war. Mehrere Verbandspäckchen lagen verstreut auf dem Boden, eine zerfetzte Hose, die dem Opfer von den Beinen heruntergeschnitten sein musste und daneben eine Armbinde, welche das Oper als einen Angehörigen des deutschen Volkssturmes auszeichnete. Die weiteren Ergebnisse der Patrouille blieben ohne Resultate.

Unbekannt  bleibt, ob der angeschossene Mann überlebt hat, ob er vielleicht noch von der eigenen Truppe in ein Lazarett gebracht werden konnte? Warum die Schüsse gefallen sind und wem sie gegolten haben? Diese Ereignisse des 29. März 1945 hinterlassen uns heute ein Rätsel. Vor allen Dingen wird immer unklar bleiben: Wer war das Opfer – was ist ihm geschehen? Eine Frage, die man heute wahrscheinlich nicht mehr beantworten kann. Fest steht nur, dass in der Nacht wahrscheinlich ein Angehöriger des Volkssturmes angeschossen wurde. Ob aus Leichtsinn, aus einem Versehen heraus oder mit voller Absicht, das lässt sich nicht mehr nachvollziehen.

Die vergangenen Exkursionen waren so erfolgreich und teilweise mehr als ausgebucht, dass wir uns dazu entschlossen haben, im zweiten Halbjahr 2015 eine weitere Reihe mit Exkursionen auf die Beine zu stellen. Informationen dazu finden Sie unter diesem Link.

Exkursion 8 von 9 – Gefechte in Steineroth

Unsere vorletzte Frühjahrs-Exkursion sollte die Teilnehmer durch Steineroth führen, wo sich Ende März 1945 noch Gefechte zwischen zwei Patrouillen abspielen sollte. Eine deutsche Patrouille sollte in Erkundungen herausfinden, wo sich die Amerikaner derzeit aufhalten würden, die amerikanische Patrouille sollte ihrerseits einen Vorstoß nach Steineroth wagen. Obwohl nur drei Leute angemeldet waren, wären wir am 30. Mai 2015 dann trotzdem knapp mehr als 10 Personen gewesen. Eine ältere Familie war extra aus Siegen hergekommen, verlor aber leider den Anschluss zur Gruppe. Eine Nachsuche wo diese Personen verblieben waren, blieb leider ohne Erfolg, so mussten wir dann mit einer sehr viel kleineren Gruppe losziehen, als es geplant war.

Während wir auf den letzten Teilnehmer warteten, wir waren zu dem Zeitpunkt seit gut 30 Minuten überfällig, beschlossen wir dann endlich loszugehen, als der letzte Teilnehmer aus Windeck eintraf. Der Treffpunkt war wohl etwas unglücklich gewählt, denn genau wie die Siegener Familie, hatte der Windecker und ein weiterer Teilnehmer den Treffpunkt (Parkplatz am Friedhof Steineroth) suchen müssen bzw. nicht gefunden. Während wir warteten, entschieden wir uns, die Runde komplett zu ändern. Ich schilderte also vom Parkplatz aus die Kampfhandlungen während des amerikanischen Vorstoßes nach Steineroth und wir unterhielten uns über die Vormarsch- und Rückzugswege während der Kampfhandlungen Ende März 1945.

Wir einigten uns also darauf, den Weg der Able-Kompanie zu folgen, die im März 1945 an Steineroth vorbei in Richtung Scheuerfeld vorstoßen würde. Der Weg sollte uns vorbei an einigen Orten führen, an denen sich mal nur kleinere Plänkeleien ereigneten oder aber am Ort, wo sich ein zweistündiges Gefecht, bei dem zwei Amerikaner und ein Deutscher starben, ereignet hatte. Auf dem Rückweg machten wir noch einen Abstecher an den Ort, wo ein Sturmgeschütz der 9. Panzerdivision sich den Amerikanern entgegenstellte. Der Exkursionsteilnehmer Heiz-Werner Sondermann wusste über diese Zusammenkunft vor gut 70 Jahren ebenfalls zu berichten, denn er kennt den Panzerkommandant bereits seit vielen Jahren, “er erzählt oft davon, wie er zwischen Betzdorf und Dauersberg den vorfühlenden Amerikanern seine letzten Granaten entgegenschickte!”

Die Tochter eines Teilnehmers interessierte sich besonders auch für das “Warum” hier noch dermaßen hartnäckig gekämpft wurde und stellte viele interessierte Fragen, zu denen auch die anderen Teilnehmer oft Antworten parat hatten. Sie wollte auch wissen, was das Menschen waren, die noch kurz vor Kriegsende 1945 in der Region gefallen waren oder hier gekämpft hatten. Selten war eine Gruppe so interessiert und Hinterfragte das Geschehen, wie es bei dieser Runde der Fall gewesen ist.

Bis wir nach rund 3 ½ Stunden wieder am Ausgangspunkt angekommen waren, hatten wir mit rund 7,5 Kilometern mehr als das doppelte der geplanten Runde hinter uns gebracht.

Im Hintergrund hinter uns befand sich vor 70 Jahren das Sturmgeschütz des Leutnant Ludwig Bauer, der seine letzte Munition den vorstoßenden Amerikanern entgegenschickte.

Im Hintergrund hinter uns befand sich vor 70 Jahren das Sturmgeschütz von Leutnant Ludwig Bauer, der seine letzte Munition den vorstoßenden Amerikanern entgegenschickte, worauf sich die Amerikaner zurückzogen.

Die Lage in der Region zu Monatsende

Der Ausbruch der 1. US Armee war Ende März 1945 durch nichts mehr aufzuhalten, die Amerikaner hatten bereits damit begonnen, letzte noch südlich der Sieg stehende Truppen zu zerschlagen, hierbei bildeten die deutschen Brückenköpfe südlich des Flusslaufes einen Schwerpunkt, den es für die amerikanische Infanterie auszuschalten galt. Am Abend des 29. März 1945 führte eine dünne deutsche Sicherungslinie etwa von Elkenroth über Steineroth, streifte die Kohlhardt vorbei an Dauersberg und führte über die Angsthardt in Richtung Mittelhof-Köttinger Höhe. In diesem Bereich zur Sieg hin hielt die Wehrmacht noch zwei Brückenköpfe offen, einmal in Wissen und, noch im Aufbau befindlich, den Brückenkopf bei Betzdorf. Zudem war in Herdorf ein Sperrriegel gebildet worden, der gehalten werden musste. Zur dieser Zeit wurde bereits um den Brückenkopf Wissen gekämpft und die Amerikaner drangen in Herdorf ein.

In dieser Lage war man dabei, bei Betzdorf-Steineroth den Brückenkopf einzurichten. Hierzu war das I. Bataillon vom Grenadierregiment 1035 auf den Höhen bei Dauersberg und mit Anlehnung an den Alsberg in Stellung gegangen. Verstärkungen sollten noch während der Nacht nachgeführt werden. Zudem war dem Bataillon befohlen worden, falls Steineroth nur schwach besetzt sein sollte, während der kommenden Nacht den Ort anzugreifen und zu besetzten. Dieses Unternehmen war jedoch nur umsetzbar, wenn man sich über die Lage in Steineroth und der Umgebung im Klaren war. Um sich von der Lage ein Bild zu machen, wurde vom vorgeschobenen Bataillonsgefechtsstand (etwa im Kreuzungsbereich Steinerother Straße – Abzweig Dauersberg) eine Patrouille entsendet. Diese Patrouille führte der Feldwebel Willi Fritz Löser an, er sollte wenig später einer der ersten Gefallenen sein, die es in Steineroth zu beklagen geben würde.

Zu dieser Zeit war Steineroth noch immer feindfrei, jedoch hatten die Amerikaner, die bereits in Molzhain standen, um 17. Uhr mehrere kampfstarke Patrouillen entsendet. Eine dieser Patrouillen sollte Steineroth ebenfalls erkunden und, falls sich der Ort nicht in deutscher Hand befinden würde, Sicherungsposten einrichten. Danach sollte Erkundung betrieben werden, ob die Wälder zur Sieg hin durch die Wehrmacht besetzt sein würden. Im Kriegstagebuch des 28. US Infanterieregiment heißt es um 20.00 Uhr:

28 Mann starke Patrouille der Baker-Kompanie marschierte um 17.00 Uhr aus Molzhain in nördliche Richtung los und erreichte durch den Wald Steineroth, wo sie in beobachtende Stellung ging. Dort konnten sie 2 deutsche Soldaten gefangen nehmen, die den Auftrag hatten, die amerikanische Stärke und Stellungen zu erkunden. Darauf ging die Patrouille weiter über Steineroth entlang der Straße in Richtung Betzdorf vor, als sie plötzlich von der Höhe mit MGs und Panzerfäusten beschossen wurden. Der Feind, etwa 12 Mann stark, kam runter von der Höhe und rief „Kamerad“, als sie dann an der Straße angelangt waren, eröffneten sie erneut das Feuer. Die Patrouille trat den Rückzug an und hatte einen Verwundeten zu beklagen.“

Nach diesem Vorfall würde Steineroth besetzt. Zurück blieben sechs Gefallene, am Morgen des 30. März 1945 wurde der amerikanische Vormarsch erneut aufgenommen. Dabei kam es zu einem heftigen Gefecht um die Dauersberger Höhe. Hier stießen die Amerikaner auf heftigen Widerstand, in dessen Verlauf acht deutsche Soldaten starben. Danach aber war der Weg an die Sieg frei. Der Brückenkopf südlich Betzdorf kam erst gar nicht zur Wirkung, da man viel zu spät mit der Einrichtung begonnen hatte und die Truppen nur “tropfenweise” eintrafen. Die Amerikaner hatten sich mit starken Kräften in Steineroth festgesetzt und gingen zum einen durch das Alsdorfer Tal über Alsdorf gegen Betzdorf vor und marschierten mit der Able-Kompanie über Dauersberg auf Richtung Scheuerfeld.

Exkursion 7 – Gefechte auf der Muhlau

Am 9. Mai 2015 führte uns die siebte Exkursion nach Wallmenroth auf die Muhlau, wo die Amerikaner Anfang April 1945 auf deutschen Volkssturm traf. Während dieser Runde befassten wir besonders auch mit dem Vormarsch der Amerikaner von Dauersberg nach Scheuerfeld den sich dadurch ereigneten Gefechten. Begleitet wurde die Runde durch Georg Keßler von der Siegener Zeitung, die im Anschluss über unsere Exkursion berichten würde.

Mehr als 20 Interessenten kamen zusammen, darunter befanden sich gleich mehrere Zeitzeugen; eine Dame aus Katzwinkel zum Beispiel, die im April 1945 während des Artilleriebeschuss an ihrem Fuß verletzt wurde, Ulrich Theis aus Betzdorf schilderte, wie sein Elternhaus durch deutschen Artilleriebeschuss stark in Mitleidenschaft gezogen wurde oder Leo Rettler, der in Katzwinkel das Kriegsende erlebte, schilderte wie die Amerikaner in den Ort einzogen und erinnerte sich noch gut an die Schrecken des Krieges, wie zum Beispiel die Gefallenen aus der Katzwinkler Umgebung im in der Scheune nahe des Elternhaus gesammelt und aufgebahrt wurden.

Am 30. März 1945 hatte sich die Front bereits weit nach Osten bewegt, die meisten Wehrmachtseinheiten waren hinter die Sieg abgedrängt worden. Während unserer Exkursion wollten wir uns die noch sichtbaren Spuren dieser Ereignisse im Bereich der Muhlau ansehen. Geht man mit offenen Augen durch die Welt, erkennt man noch vieler Orts die ehemaligen Stellungen der deutschen Wehrmacht oder der amerikanischen Soldaten. So auch im Bereich der Eisenbahnbrücke und an der Siegschleife. Stellungen, die durch den so genannten Volkssturm angelegt worden waren. Hitlerjungen im Alter von 16 und 17 Jahren, die plötzlich die Heimat verteidigen sollten.

Keßler hielt in seinem Artikel fest:

Man müsse sich einmal vorstellen, verdeutlichte Schäfer, dass jene Jungen mit Karl-May-Romanen ausgebildet worden seien. „Als abzusehen war, dass die GIs an die Sieg heranrücken würden, wurden die Bücher verteilt, um sich die Guerilla- Taktik der Indianer anzueignen.“ Daneben ist die Tatsache, dass gerade diese Einheit von einem alten Veteran des Ersten Weltkriegs kommandiert wurde, der in preußischer Uniform und Paradesäbel in den Kampf zog, fast nebensächlich. Schäfer versuchte dabei den nicht ganz einfachen Spagat zu meistern zwischen historisch belegbaren Tatsachen und was man so vom Hörensagen aufschnappte bzw. an Vorwürflichem kursierte.

Viele Legenden von „bösen Besiegten oder Siegern“, konnte er entkräften. „Deutsche Offiziere haben hier keine eigenen Leute erschossen, und auch haben die Amerikaner hier keine Gräuel angerichtet“, sagte Schäfer. Vielmehr konnte er belegen, dass sich viele deutsche Soldaten freiwillig den Amerikanern ergaben und das mit Billigung deutscher Offiziere, denen es im Regelfall darauf ankam, möglichst viele Leben zu retten. Schäfer vermittelte einerseits detailliertes historisches Wissen, er beleuchtete aber auch die menschlichen Aspekte der größten Katastrophe des 20 Jahrhunderts. Unzählige Anekdoten komplettierten das Bild in Wallmenroth und Scheuerfeld. Wer drei oder vier Tage nichts gegessen hatte und dann endlich in die Feldküche kam, die Lauchsuppe ausgeben sollte, in Wirklichkeit aber dem Volkssturm nur gesalzenes Wasser anbot, weil der Lauch „vergessen“ worden war, der dürfte einen Sinn für Realismus bekommen haben. Die jungen Menschen hatten vor allem eines: den Willen zu überleben.”

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Blick aus einer deutschen MG-Stellung. An diesem Ort war vor 70 Jahren eine deutsche MG-Stellung eingerichtet worden, die den amerikanischen Vormarsch aufhalten sollte. Entgegen des Befehls gab sich die Bedienung nur zu Bereitwillig in alliierte Gefangenschaft. Foto: Georg Keßler.

Der Vorstoß auf Scheuerfeld

Am 30. März 1945 marschierte das 28. US Infanterieregiment aus Richtung Dauersberg-Steineroth gegen Betzdorf und Scheuerfeld vor. Noch vor Erreichen des südlichen Ortsrandes von Scheuerfeld kam es zu einem beinahe zweistündigem Gefecht in der Nähe der Angsthardt, wo man auf eine deutsche Patrouille gestoßen war. Zur gleichen Zeit eröffnete ein deutsches MG aus Richtung Taubenstock das Feuer. Nachdem der Widerstand niedergekämpft worden war, hatten ein deutscher und zwei amerikanische Soldaten ihr Leben verloren und der Rest der Kompanie war nachgerückt und die Verwundeten konnten versorgt werden. Der Krieg stand damit unmittelbar vor Scheuerfelds Haustüre.

Ab ca. 6.30 Uhr versammelte sich die amerikanische Kompanie südlich des Ortes und eine Patrouille wurde entsendet. Nachdem die Patrouille zurückkehrte, sickerte die Kompanie mit zwei Zügen nach Scheuerfeld ein. Im Bereich des Friedhofes kam es zur ersten Feindberührung, wodurch die deutsche Besatzung in Scheuerfeld alarmiert wurde. Innerhalb weniger Minuten entwickelte sich ein Gefecht, worauf sich die Amerikaner zurück in die Ausgangsstellungen zogen. Die deutschen Soldaten setzten sich darauf im Bereich des Friedhofes an der Bahnlinie fest und mussten in einem erneut angesetzten Gegenangriff bekämpft werden. Während dieses Gefechts wurden mehrere deutsche und amerikanische Soldaten verwundet, zudem starben neun deutsche Soldaten. Im weiteren Tagesverlauf flammte nur hier und da noch vereinzeltes Feuer auf.

Gefechte auf der Muhlau

In den späten Abendstunden des 31. März 1945 wurde der Able-Kompanie befohlen, von Scheuerfeld aus eine Patrouille auf die Muhlau bei Wallmenroth zu entsenden und, wenn die Muhlau feindfrei sein sollte, das Gebiet direkt zu sichern. Gegen 23.00 Uhr ging die Patrouille im Bereich der Siegschleife in Stellung, ein Sicherungsposten wurde eingerichtet und die Männer überquerten die Sieg. Noch vor erreichen des Bereiches des heutigen Schützenhauses erhielten sie deutsches Feuer, das aber gleich nach einer kurzen Salve eingestellt wurde. Das Sicherungskommando des Volkssturmes für die Siegbrücke, drei Mann mit einem MG aus dem Ersten Weltkrieg, hatte die amerikanische Ankunft erwartet und begab sich nur bereitwillig in alliierte Gefangenschaft. Ohne weitere Zwischenfälle erreichte die amerikanische Patrouille das Höhengelände der Muhlau und beobachtete, wie vier deutsche Soldaten sofort die Flucht nach Norden antraten. Im Bereich des Eisenbahntunnels befanden sich mehrere frisch angelegte Stellungen, wo eigentlich der Volkssturm die Verteidigung übernehmen sollte. Ein deutsches Feldtelefon, dessen Leitung nach Wallmenroth führte, war von den fliehenden Soldaten im letzten Moment zerstört worden.

Eine weitere amerikanische Patrouille stieß bis zum westlichen Eingang des Eisenbahntunnels vor, wo sie eine große Menge Munition erbeutete, die sich in Eisenbahnwaggons befand. Auch diese Patrouille stieß auf keinen Widerstand, konnte aber die Volkssturm-Angehörigen in Gefangenschaft nehmen, welche die auf dem Höhenrücken liegenden Stellungen verteidigen sollten. Im Verhör der Gefangenen stellte sich heraus, dass der regionale Volkssturm den Auftrag hatte, die Eisenbahnbrücke in Richtung Durwittgen und die Siegschleife zu verteidigen. Die Angehörigen des Volkssturms waren Hitlerjungen zwischen 16 und 17 Jahre alt und wurden durch einen alten Feldwebel angeführt, einem Teilnehmer des Ersten Weltkrieges, der mit preußischer Uniform, Dienstpistole und Paradesäbel die Einheit befehligte.

Um ca. 1.45 Uhr besetzen erste amerikanische Soldaten den Bereich des Eisenbahntunnels und wurden schon bald darauf aus Richtung der Krageswerke unter Feuer genommen. Etwa um 2.15 Uhr stieß eine deutsche Patrouille von Norden kommend gegen die amerikanischen Stellungen vor, dieser Vorstoß wurde abgewehrt, ein deutscher Soldat getötet und zwei weitere Soldaten gerieten in Gefangenschaft. Um der Gefahr von weiteren Angriffen gewappnet zu sein, wurde bis zum Morgen der Rest des Zuges nachgeführt und ein Granatwerfer in Stellung gebracht. Der Rest der Nacht verblieb relativ ruhig, nur vereinzeltes Störfeuer aus den Krageswerken flammte auf, dass jedoch mit Einbrechen des Tageslichtes verstummte. Die letzten deutschen Soldaten verließen etwa zu diesem Zeitpunkt die Krageswerke, wo sie ein umfangreiches Waffendepot aus Panzerfäusten und ein in Stellung gebrachtes MG zurückließen.

Etwa um 13.50 Uhr kam es zu einem Angriff auf die Besatzer der Muhlau. Rund 50 deutsche Soldaten waren unter der Führung eines Offiziers angetreten, durch einsetzendes Granatwerferfeuer wurden die Amerikaner jedoch in erhöhte Alarmbereitschaft versetzt und nahmen gleich die ersten deutschen Bewegungen unter Feuer, worauf sich die deutschen Soldaten sofort in nördliche Richtung absetzten. Ein letzter Angriff, der ebenfalls nicht ernst zu nehmen war, setzte um 16.15 Uhr ein und wurde erneut durch das amerikanische Feuer abgewehrt. Durch in Gefangenschaft geratenen Soldaten erfuhr man, dass der kommandierende Offizier keine Lust hatte, noch in letzter Minute zu fallen, geschweige denn weitere Männer jetzt noch zu Opfern. Er führte diese Angriffe auch nur durch, weil sie durch den Divisionskommandeur persönlich befohlen worden waren. Der deutsche Offizier hatte den Soldaten vor den Angriffen freigestellt, den Widerstand einzustellen, die Flucht anzutreten oder sich in Gefangenschaft zu begeben.