Kriegsende in Weitefeld

Jetzt sammele ich nun schon seit so vielen Jahren Kriegstagebücher, Aufzeichnungen und Berichte über die letzten Kriegswochen im Kreis Altenkirchen. Mittlerweile konnte ich zig Tausend Seiten Material zusammengetragen, stoße aber trotzdem immer mal wieder auf etwas Neues oder Ergänzendes – wie aktuell während der Vorbereitung für die am Samstag anstehende Exkursion.

Die 3. US-Panzerdivision war am 25. März 1945 aus dem Brückenkopf von Remagen ausgebrochen und hatte am 27. März die deutschen Linien weit in Richtung Osten durchbrochen, die Division befand sich auf einem bisher kaum dagewesenen, schnellen Durchbruch. Am Abend hatten ihre Panzerspitzen Herborn erreicht und dort die Dill überschritten. Aus dieser Zeit stammt ein Schriftstück, das um 21.35 Uhr am Abend des 27. März 1945 geschrieben wurde.
Mit diesem “Situation Report WG” des Combat Command Howze findet jetzt die erste mehr oder minder detaillierte Schilderung mit einigen bislang mir unbekannten Angaben zu den Kampfhandlungen in der Nähe von Elkenroth und Weitefeld Eingang in meine Archivsammlung. Während ich zuvor die Ereignisse dieses Tages anhand einfacher, leider öfters zusammenhangloser Funksprüche, Meldungen und knapper Notizen nachvollziehen musste, gibt dieses Dokument einen tatsächlichen Einblick in die Kampfhandlungen. Trotzdem muss man anmerken, dass auch dieses Schriftstück immer noch nur einen groben Überblick erteilt, da der Vormarsch der 3. US-Panzerdivision einfach viel zu schnell vonstatten gegangen ist und kaum Zeit war, selbst die Ereignisse Revue passieren zu lassen.
Ausschnitt aus dem Situation Report vom 27. März 1945

Ausschnitt aus dem Situation Report vom 27. März 1945

“…Operationen der Division: 3. Panzerdivision führte den Korps-Angriff fort, wobei die Mitte und der Süden auf meist leichten Widerstand stieß, hauptsächlich Feuer durch Handfeuerwaffen. Die nördlichen Marschkolonnen stießen auf heftigen Widerstand. Zahlreiche SPs (Sturmgeschütze) zentrierten sich in Ortschaften, bei Gebäuden und hinter Höhenrücken, diese waren Ursache der hauptsächlichen Verzögerungen. Versprengte Infanterie wurde über den ganzen Tag angetroffen, diese leistete meist nur schwachen Widerstand. Einige Langstrecken-Artillerie-Granaten gingen im Divisionsbereich nieder. Gegen Ende des Zeitraums hatten vordere Teile bei Herborn die Dill erreicht. 

Die Taskforces KANE und DOAN hatten die Nacht bei Nister verbracht und sicherten die Übergänge über die Große Nister bei Koordinaten Nistermühle und bei Koordinaten Heimborn. Nach einem kurzen Feuergefecht konnten beide Gruppen nach Osten vorstoßen, Kane nahm Norken und Doan besetzte Marienberg, wo ein hoher deutscher Offizier in Gefangenschaft geriet…”        
Der weitere Inhalt des Dokumentes enthält im größeren Umfang die Schilderungen des Combat Command Howze. Bei der Exkursion am Samstag werden wir spannende Details erfahren.
Ralf Anton Schäfer
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