Exkursion 1 – Einbruch in die PaK-Linie bei Hasselbach

Bereits im Frühjahr haben wir uns die Ereignisse des Gefechtes um die PaK-Linie (PaK = Panzerabwehrkanone) bei Hasselbach aus der deutschen Perspektive angeschaut und liefen dabei den Frontverlauf dieser Kampflinie ab. Dahingegen sollte uns diese Exkursion auf den Pfaden der amerikanischen Soldaten den Einbruch in den Ort Hasselbach näherbringen und  zeigen, wie der amerikanische Angriff abgewehrt wurde, wo die Panzer der 3. US Panzerdivision ausgeschaltet wurden und wie sich der anschließende Häuserkampf um das kleine Dorf an der B8 zugetragen hatte.

Unser Treffpunkt am Witthecker Weg war gut gewählt, stand doch etwa an gleicher Stelle der Königstiger, der im März 1945, noch bevor sich der eigentliche Kampf um die PaK-Linie ereignete, von der eigenen Truppe aufgegeben wurde.

Dreizehn Personen sollten dieses Mal zusammen kommen. Während z.B. die einen wissen wollten, warum sich was und wie zugetragen hatte, wollten die anderen die Erzählungen von z.B. der Eltern belegt haben. Besonders hervorheben muss man aber auch, dass schon einiges über die Kampfhandlungen bekannt war, so konnten die beiden Weyerbuscher Walter Marenbach und sein Freund Friedhelm Weller immer wieder bestätigen und aus eigener Erfahrung berichten. Roland Oppermann aus Forstmehren erzählte: „dass man in der Familie früher oft von den schweren Kampfhandlungen gesprochen hat, dass z.B. auch am Ortseingang von Forstmehren ein amerikanischer Panzer abgeschossen worden war.“

Da uns das Wetter während der vergangenen Tage einen „Strich durch die Rechnung“ gemacht hatte, musste ich eine alternative Runde wählen. Das war auch gut so, denn sonst hätten die beiden ältesten Teilnehmer, Walter Marenbach und sein Freund Friedhelm Weller, diese Runde nicht begleiten können, denn die Wege wären trotz Einsatz des Geländewagens, in dem die beiden die Gruppe begleiteten, größtenteils nicht befahrbar gewesen.

Nach der Begrüßung schilderte ich die Ereignisse des 25. und 26. März 1945. Erzählte, wie der erwähnte Königstiger nach Witthecke gekommen war. Er gehörte der schweren Panzerabteilung 506 an und hat entgegen der häufig aufgestellten Behauptung, nicht an den Gefechten um die PaK-Linie teilgenommen.

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Stellung eines amerikanischen Beobachtungsposten am Waldrand oberhalb Hasselbachs.

Während unserer Wanderung entlang der Felder und Waldränder konnte man den Frontverlauf der damaligen PaK-Linie sehr gut deuten und es wurde bewusst, warum diese Linie bei den Amerikanern so hohe Verluste verursachte. Die Linie wurde schließlich nicht nur durch Geschütze am fernen Waldrand verteidigt, besonders in Hasselbach hatten sich Panzergrenadiere eingegraben, die den amerikanischen Angriff erwarteten. Im Bereich der Bergstraße befand sich ein PaK-Geschütz. Weitere Unterstützung leistete schwere Artillerie, die bei Hilkhausen und Marenbach in Stellung waren. Dann waren da noch mehrere Panzer zwischen Werkhausen und Heuberg im Einsatz. Als am Morgen die ersten amerikanischen Panzer aus dem künstlichen Nebel hervortraten, entbrannte der schwere Kampf. Innerhalb weniger Minuten waren die ersten amerikanischen Panzer ausgeschaltet und der Rückzug auf die Ausgangsstellung angetreten. Der deutsche Widerstand musste dann später durch amerikanische Infanterie niedergekämpft werden. Diese setzte sich am Ortsrand von Hasselbach fest. Dies war einer der der Punkte, den wir während der Exkursion aufsuchen sollten.

Am Ortsrand befand sich wenige Tage lang das Grab eines amerikanischen Soldaten. Dort war ich bereits schon einmal zu Mitte der 1990er Jahre. Damals wurde ich vom Sohn des Gefallenen begleitet. Die Schilderungen zu den Todesumständen, den Aussagen des Sohnes und der Kameraden, die mir damals vorlagen und die ich während dieser Exkursion vorbrachte, hatten etwas bewirkt. Heute steht die alte Eiche wie ein Mahnmal am Ort des ehemaligen Grabes.

Filmvortrag und Diskussionsrunde

Am 5. September 2015 eröffneten wir unsere neue Exkursions-Reihe „Auf den Spuren des Zweiten Weltkrieges“ mit einem Filmvortrag in den Räumlichkeiten der Kreisvolkshochschule in Altenkirchen. Es war eine Themenrunde, bei der viele während der anschließenden Gesprächsrunde die Zeit und die Möglichkeit finden sollten, direkte Fragen zu den Ereignissen der schicksalshaften Tage zu stellen.

Es sind kurz nach 14 Uhr und ich erwarte bereits die ersten Besucher, darunter auch Marcel Recke aus Windeck, der bereits angesagt hatte, noch ein paar interessante Leihgaben mitzubringen. Noch ist niemand da. Nur die verantwortliche Dame von der Kreisvolkshochschule, die mich empfängt, den Laptop erklärt und bereits die Stühle im Vortragsraum aufgestellt hat. Meinen besten Dank möchte ich an dieser Stelle dann auch einmal an Frau Wiedenhöfer-Becker aussprechen, denn ohne ihre Hilfe und die Organisation wäre das geleistete nicht möglich gewesen! „Na, da kann doch nichts schief gehen!“

Angemeldet waren lediglich 12 Personen, allerdings sollten später mehr als 30 Leute eintreffen, den Film sehen und einige würden auch noch die Gelegenheit finden, ihre Fragen an mich zu richten, Fragen, die seit mehr als 70 Jahren auf Antworten warteten.

Gut zwei Drittel der Besucher gehörten der Erlebnisgeneration an, sie hatten selbst das Kriegsende erlebt, entweder als kleines Kind, das sich kaum an 1945 erinnern konnte, aber trotzdem durch die Ereignisse im weiteren Leben stark geprägt wurde oder aber bereits als Jugendlicher oder junger Erwachsener, wo die Erinnerungen an das Kriegsende mit allen Schrecken noch recht ungetrübt vorhanden sind. Insgesamt waren mehrere Menschen zusammengekommen, die aus ihren eigenen Erlebnissen zusätzlich zum Film beitragen konnten und einige Jüngere waren da, die wissen und erfahren wollten; genau wie die meisten der älteren Generation, warum zum Kriegsende unsere Heimat in Bomben untergegangen ist und warum sich die damaligen Feinde in aufreibenden Infanteriekämpfen hier vor unserer Haustüre gegenseitig töteten. Durch das zum Teil unbekannte Filmmaterial und die anwesenden Zeitzeugen war es möglich, eine gewisse Art von Nähe zu den Ereignissen der letzten Kriegstage herzustellen, die besonders für die jüngere Nachfolgegeneration einen Blick auf den Untergang und die Kriegsereignisse zuließen.

Nachdem der Filmbeitrag am Ende war, hatte ich viele Fragen zu den Ereignissen während der letzten Kriegswochen im Kreis Altenkirchen zu beantworten. Hierbei war besonders der Kampf um Hasselbach ein wichtiges Thema, gerade auch dadurch, weil sich gleich zwei Zeitzeugen noch recht gut an die Schicksalstage erinnern konnten. Hierbei waren auch die Leihgaben von Marcel Recke ein wichtiges Beleg der damaligen Zeitgeschichte, denn Marcel Recke brachte extra einige Fundstücke mit, so z.B. ein Stahlhelm der damaligen Hitlerjugend in Kindergröße, der durch anbringen einer Tarnfarbe fronttauglich gemacht wurde. Ein Beleg für den Einsatz von Kindern und Jugendlichen, die man „viertel vor Zwölf“ noch verheizt hat. Weiter hatte Recke eine großkalibrige Hülse der Artillerie im Gepäck, 170 mm Artilleriegeschütze, die bei Marenbach und Hilkhausen in Stellung waren, leisteten die Feuerunterstützung während des Kampfes um die Hasselbacher PaK-Linie. Diese Hülse war von russischer Bauart und war zugehörig zu den vielen Beutewaffen, die in der Region eingesetzt wurden. Beides waren Fundstücke, die vor einigen Jahren während des Abrisses einer Scheune in Oberirsen zum Vorschein kamen. Eine weitere Hinterlassenschaft aus den Kämpfen um die Weyerbuscher Gegend stellte eine abgefeuerte 76mm Hülse vom Sherman-Panzer dar. Auch hierbei handelte es sich um einen Scheunenfund, der erst kürzlich in Weyerbusch auftauchte und Marcel Recke leihweise für unseren Vortrag zur Verfügung gestellt wurde. Abgerundet wurden die Ausstellungsstücke durch zwei Stahlhelme, die ich mitgebracht hatte. Zum einen der Helm von Wachtmeister Rheinhold Schmidt, der als Angehöriger des Flak-Sturm-Regiment 4 noch in Nahkämpfe verwickelt wurde. Dann war da noch der Stahlhelm von Joshua Bennet, der als Angehöriger der amerikanischen 104. US Infanteriedivision im März in der Nähe von Heuberg verwundet wurde. Beide Helme wurden mir seinerzeit von den ehemaligen Besitzern geschenkt und werden von mir heute als greifbare Erinnerungsstücke an diese Kriegsereignisse aufbewahrt. Ein gewisses Highlight war auch ein sich erst ganz neu in meiner Archivsammlung befindliche Fotografie. .

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25. März 1945 – bei Horhausen. Das Infanterieregiment 60 der 9. US-Infanteriedivision erobert Horhausen. Ein Verwundeter ist am Bahndamm in Deckung gegangen, zwei Sanitäter kümmern sich derweil um einen weiteren Verwundeten Soldaten. Im Hintergrund kann man schwach ein stehengebliebenes Fahrzeug erkennen und weitere Soldaten, die gerade nach vorne laufen. In unmittelbarer Nähe der Aufnahme ereigneten sich zur gleichen Zeit heftige Gefechte im Ortsbereich, man kann förmlich den Pulverdampf riechen, Gewehrfeuer und Artillerieeinschläge hören. Leider ist das Foto von sehr schlechter Qualität.

Einige derer, die nicht die Gelegenheit hatten, ihre Fragen an mich zu richten, nutzten dafür die Gelegenheit und sprachen direkt mit den anwesenden Zeitzeugen über die Ereignisse. So entstand eine Diskussionsrunde, die zwar nicht alle Fragen beantworten konnte, aber doch einige der Anwesenden mit Antworten heimkehren ließ. Darüber hinaus wollten besonders einige der Jüngeren selbst dazu übergehen, die Geschichte der Vorfahren zu erforschen. Es gab also noch einiges zu erfahren, auch mehr als 70 Jahre später sind noch eine Menge Fragen offen und noch immer eine Menge Antworten zu geben!

Herbst-Exkursionen “Auf den Spuren des Kriegsendes 1945”

Die Herbst-Exkursionen

Die kreisweite Veranstaltungsreihe erinnert an das Kriegsende vor 70 Jahren. Bereits im Frühjahr führten zahlreiche Exkursionen an die Schauplätze des Zweiten Weltkrieges angeboten. Aufgrund der großen Nachfrage werden im Herbst zehn weitere Termine angeboten.

Amerikanische Sherman-Panzer rollen am 26. März 1945 durch Altenkirchen. Foto Signals Corps, USA.

Amerikanische Sherman-Panzer rollen am 26. März 1945 durch Altenkirchen. Foto Signals Corps, USA.

Geschichte ist kein Fall fürs Museum, sie ist ein Schlüssel zur Zukunft. Erinnern bedeutet zugleich die Aneignung der eigenen Vergangenheit als ein Mittel gegen das Verdrängen und Vergessen. Denn wer sich erinnert, hat die Chance, aus der Geschichte zu lernen.  Grund genug für die Volkshochschule Betzdorf sowie die Kreisvolkshochschule und das Kreisarchiv sich dem Thema mit zahlreichen Exkursionen zu Schauplätzen des Krieges hier im Kreisgebiet zu widmen. Nach der Ausstellung „Als der Krieg zu uns in die Heimat kam“ im Frühjahr in den Räumlichkeiten des Kreisarchivs im Frühjahr fanden bereits zehn verschiedene Exkursionen im Landkreis Altenkirchen bis Mitte Juni statt. Aufgrund der großen Nachfrage wird die Kreisvolkshochschule ab September weitere Exkursionen unter der Leitung von Ralf Anton Schäfer aus Betzdorf anbieten, die sich auf die Spuren der letzten Kriegsmonate in der Region begeben. Aufgrund der günstigeren Quellenlage auf alliierter Seite, orientiert sich die Führung am Vorrücken einzelner amerikanischer Truppenkontingente.

Für den Herbst haben wir zum Teil neue Runden geplant, zudem werden noch einmal einige der bereits durchgeführten Exkursionen wiederholt. Beginnen werden wir am 5. September 2015 in der Kreisvolkshochschule Altenkirchen mit einem Filmvortrag und anschließender Themenrunde, zu der ich versuchen werde, alle Fragen rund um die Bodenkämpfe in März und April 1945 zu beantworten. Dies wird der Auftakt für die erneute kreisweite Veranstaltungsreihe, in der wir an das Kriegsende vor 70 Jahren erinnern wollen.

  1. Altenkirchen
    (Film)-Vortrag über die Ereignisse von März & April 1945 mit abschließender Themenrunde „Kriegsende in der Region „Was will ich über das Kriegsende wissen?“

    Kreisvolkshochschule Altenkirchen, Raum 4
    Samstag, 5. September, 14.30 Uhr
  2. Rettersen-Hasselbach
    Vorstoß in die deutsche PaK-Linie bei Hasselbach
    Im Frühjahr haben wir uns die Ereignisse dieses Gefechtes um die deutsche PaK-Linie (PaK = Panzerabwehrkanone) aus der deutschen Perspektive angeschaut und sind dann dem amerikanischen Einbruch nach Weyerbusch gefolgt. Bei dieser stattfindenden Runde werden wir uns die Lage aus den Bereichen der 3. US Panzerdivision ansehen und die Ereignisse
    Samstag, 12. September, 14.30 Uhr
    Treffpunkt am Witthecker Weg in Witthecke
  3. Rott-Flammersfeld
    Kampf und Untergang des Volkssturmbataillons Altenkirchen
    In Rott hatte der Volkssturm des Kreises Altenkirchen seinen letzten größeren Einsatz, nachdem die meist alten Männer aus der Front in der Nähe von Neustadt an der Wied herausgedrückt worden waren. Wir werden wir uns über bislang unbekannte Details aus der Geschichte des Volkssturmes unterhalten.
    Samstag, 19. September, 14.30 Uhr
    Treffpunkt am Wanderparkplatz in Rott (Walter-Bartels-Weg, Richtung Grillhütte)
  4. Altenkirchen-Sörth
    Letztes Aufbäumen der 9. Panzerdivision zwischen Mammelzen und Sörth
    Altenkirchen fällt am 26. März 1945 in amerikanische Hand. Reste der 9. Panzerdivision werden in der Nähe aufgefangen und sollen eine letzte Widerstandlinie beziehen. Bei dem anschließendem  Gefecht werden hierbei die meisten deutschen Panzer ausgeschaltet.
    Samstag, 26. September, 14.30 Uhr
    Treffpunkt Parkplatz am Friedhof, Friedhofsweg in Sörth
  5. Wissen-Sandberg
    Bildung des amerikanischen Brückenkopfes und Gefechte um die Brückhöfe
    Soldaten der 8. US Infanteriedivision gehen von Schönstein kommend bei Wissen über die Sieg und müssen sich den Weg durch das zum Teil noch immer belegte Zwangsarbeiterlager freikämpfen. Zur gleichen Zeit ereignen sich bereits Gefechte um die Stahlhütte am Fuße des Berges.
    Sonntag, 4. Oktober, 14 Uhr
    Treffpunkt Parkplatz am Hotel Frankenthal an der B62
  6. Gebhardshain-Hümmerich
    Amerikanischer Sicherungsposten im Niemandsland
    Die amerikanischen Soldaten sollen mit Patrouillen das Waldgebiet am Hümmerich durchkämmen und eine Stellung errichten. Erst mit dem nächsten Tag zeigt sich, dass sich die Männer verlaufen haben und sich mitten im “Niemandsland” befinden.
    Samstag, 10. Oktober, 14.30 Uhr
    Treffpunkt bei Netto, Wissener Straße in Gebhardshain
  7. Alsdorf-Imhäusertal
    Vorstoß durch Alsdorf auf Betzdorf und nach Herkersdorf-Kirchen
    Nachdem die Gefechte um den Bahnhof beendet waren, durchkämmen amerikanische Soldaten Alsdorf, nach der Überquerung der Heller kommt es zu einigen Schießereien. Mehrere deutsche und amerikanische Soldaten fallen.
    Samstag, 17. Oktober, 14.30 Uhr
    Treffpunkt am Wanderparkplatz im Imhäusertal (in Fahrtrichtung Herkersdorf gleich ach Bahnübergang links ab)
  8. Betzdorf
    Erste Gefechte südlich der Sieg
    Deutsche Soldaten sollen südlich Bruche eine Verteidigungslinie einrichten, dazu stehen ein 2cm-Flak-Geschütz (Flak=Fliegerabwehrkanone) und rund 25 Mann zur Verfügung.
    Samstag, 24. Oktober, 14.30 Uhr
    Treffpunkt an der Grillhütte in Betzdorf-Bruche, Am Scheuerberg
  9. Niederfischbach-Giebelwald
    Gefechte im Bereich des Hellbachskopf im April 1945
    Aus Niederfischbach marschiert ein deutsches Bataillon über den Hellbachskopf auf den Giebelwald, es kommt zu verlustreichen Gefechten, die erst mit dem Fall von Niederfischbach beendet werden.
    Samstag, 31. Oktober, 14 Uhr
    Treffpunkt am Sportplatz (beim Tierpark Niederfischbach)
  10. Forsthaus Rübengarten
    Waldkämpfe im Revier Rübengarten – östlich Morsbach
    Nachdem die Reste der 62. Volksgrenadier Division aus der Siegfront herausgedrückt wurden, haben die schwachen Regimenter eine weiter rückliegende Linie bezogen. Hier und da kommt  es mit den nachstoßenden Soldaten der 78. US Infanteriedivision zu Gefechten. Im Bereich des Revier Rübegarten wird dabei heftiger Widerstand geleistet.
    Samstag, 7. November, 14.30 Uhr
    Treffpunkt Landstraße zwischen Stockshöhe und Stentenbach

Es wird jeweils eine Teilnehmergebühr in Höhe von 5 Euro erhoben.
Anmeldungen nimmt die Kreisvolkshochschule unter Telefon (02681) 81-2212 oder per E-Mail unter kvhs@kreis-ak.de entgegen.

Rote Marker = Veranstaltung steht bevor, Blau = Veranstaltung wurde bereits durchgeführt.

Exkursion 9 – Schüsse im Wald

Am 15. Juni 2015 fand unsere letzte Exkursion der vergangenen Veranstaltungsreihe statt. “Schüsse im Wald” veranlassten am 29. März 1945 die Amerikaner in der Nähe von Molzhain eine Patrouille in die Wälder zu entsenden, die der Ursache dieser Schießereien auf den Grund gehen sollte. Diese Patrouille wurde mit knapp 25 Mann kampfstark aufgestellt und hatte zusätzlich den Auftrag, erkannte Feindkräfte zu bekämpfen. Unsere Exkursion sollte größtenteils den Pfad dieser Patrouille vom 28. US Infanterieregiment folgen und nachempfinden, wie sich die Soldaten während dieser Erkundung vor gut 70 Jahren gefühlt haben müssen.

Da der Wetterbericht für diesen Tag mehrfach Regenschauer und kräftigen Wind vorausgesagt hatte, waren leider auch nur vier Personen erschienen, obgleich sich die doppelte Anzahl angemeldet hatte. Dafür hatte einer der Teilnehmer eine einfache Wegstrecke von mehr als 50 Kilometern auf sich genommen! Diesem Umstand der kleinsten Gruppe kann man es danken, dass wir eine Route liefen, die mit einer größeren Gruppe nicht oder kaum umsetzbar gewesen wäre. Dennoch folgten wir im Groß der geplanten Strecke, machten aber zusätzlich den einen oder anderen Abstecher zu Orten, die im Kriegsgeschehen der letzten Märztage 1945 eine bestimmte Rolle gespielt hatten. Besonders durch die kleine Gruppe wurde diese Runde dann doch ein großer Erfolg, die Teilnehmer waren begeistert und mit das Beste an der Aktion: Petrus hatte entgegen der Wettervorhersage nicht einen Tropfen regnen lassen; im Gegenteil, wir wurden noch mit schönstem Wetter bei gut 20 ° Sonnenschein belohnt.

Im Tagesverlauf des 29. März 1945 stießen zwei Kompanien vom I. Bataillon des 28. US Infanterieregiments über Biesenstück nach Dickendorf vor und eroberten anschließend Molzhain und Kausen. Die einzige Kampfhandlung, die sich ereignete, fand noch vor der Einnahme Dickendorfs statt. In der Nähe vom „Weißer Gaul“ waren zurückgehende Wehrmachtssoldaten von den schnell vorstoßenden Amerikanern überrascht worden, es kam zu einem beinahe zweistündigen Waldgefecht, in dessen Verlauf jeweils ein deutscher und amerikanischer Soldat getötet wurden. Nachdem dieser Widerstand niedergekämpft worden war, wurden die weiteren Ziele ohne auf nennenswerten Widerstand zu stoßen, eingenommen. Im Laufe des Nachmittags wurden Verstärkungen nachgeführt und in Molzhain richtete sich der Gefechtsstand des Bataillons ein. Am frühen Nachmittag zeigten sich mehrere amerikanische LKW, die von Elkenroth kommend Nachschub nach Molzhain bringen sollten. Da diese Fahrzeuge jedoch nicht den Weg über Kausen-Dickendorf genommen hatten, sondern entlang der Betzdorfer Landstraße fuhren, eröffnete etwa um 17.40 Uhr ein deutsches MG aus nordwestlicher Richtung das Feuer auf die Kolonne.

Unser Treffpunkt für diese Exkursion befand sich ziemlich genau zwischen der beschossenen Fahrzeugkolonne und dem deutschen Maschinengewehr. Die amerikanischen Verbände hatten erst damit begonnen, das Gelände von zurückgebliebenen Soldaten zu bereinigen, in die Wälder in Richtung „Alter Bornskopf“ waren zu diesem Zeitpunkt noch keinerlei Patrouillen entsendet worden. Da die Fahrer sofort auf das Feuer reagierten, konnten sie Verluste vermeiden und sich und die Fahrzeuge in Sicherheit bringen. Nun aber stand fest: „Da oben ist Indianerland!“ – Indianerland war im amerikanischen Sinne der Raum, an dem sich noch deutsche Soldaten befanden, die dazu bereit sein würden, noch Widerstand zu leisten. Als später am Tag, gerade nachdem es begann Dunkel zu werden, ein weiteres Mal Schüsse aus den Wäldern zu hören waren, wurde in Kausen eine Patrouille aufgestellt, die unter der Leitung eines Sergeant die Wälder durchkämmen sollte.

Es war mittlerweile nach 20 Uhr, eine Patrouille, die in Steineroth in ein Gefecht verwickelt war, kehrte etwa zu dieser Zeit nach Molzhain zurück, während die Patrouille aus Kausen gerade losmarschierte. Im Moment waren es 50 Mann, die Patrouille und eine Reservegruppe, die im Falle einer Eskalation folgen und den Feuerkampf dann mitaufnehmen sollte.

Es war eine stockfinstere Nacht und man befand sich mitten in Feindesland, der gerade abnehmende Vollmond wurde immer wieder durch Wolken verdeckt, wodurch das wenige Licht weiter gemindert wurde. Auf Höhe des Abzweiges zum „Käuser Steimel“ sollte sich die Gruppe teilen. Während die eine Hälfte in beobachtende Stellung gehen sollte und die Wege in Richtung „Käuser Steimel“ sperren und dadurch der Patrouille den Rücken offen halten würde, wird die restliche Halbgruppe den Ort passieren, an dem nachmittags die Dodge WC63 unter Feuer genommen wurden. Von diesem Punkt an war jegliches Licht verboten, genauso wie Rauchen oder auch nur das gedämpfte Gespräch! Die Patrouille würde für den gesamten Weg, der zwischen 3 und 4,5 Kilometer (je nach Lage sollte auch der „Alte Bornskopf“ erkundet werden) betragen sollte, mehr als 5 Stunden benötigen, geplant waren lediglich 2,5 Stunden.

Auf dieser Exkursion folgten wir dem Weg der Patrouille, zwar waren wir mit rund 70 Jahren Abstand später unterwegs, aber die Eindrücke, die im März 1945 auf die Angehörigen der Patrouille gewirkt haben müssen, ließen sich auf dem Weg zum Teil recht gut erahnen. Wir machten bei unserer Wanderung an den verschiedenen Stationen halt, an denen die Patrouille ihre Entdeckungen machten und an den Stab meldeten. 1945 wurden Ausrüstung, Uniformteile, Stimmen und Motorengeräusche entdeckt, so hieß es in den Funksprüchen, diese fanden wir zwar 70 Jahre später nicht mehr vor, aber wir waren direkt am Ort des Geschehens und die Teilnehmer erahnten, wie Nervenzerreißend die Situation für die amerikanischen Soldaten gewesen sein muss.

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Trotz der Vorhersage von Regen kamen wir unterwegs ganz schön ins Schwitzen. Im Gespräch war zu erfahren, dass die Masse der Ereignisse im Großteil unbekannt waren. Den Auslöser der Kamera drückt gerade Heinz-Werner Sondermann, der als Dauergast kaum eine meiner Exkursionen verpasst hat! Vielen Dank dafür, es hat mich sehr gefreut!

Während ein Funkspruch über Geräusche in der Nacht informiert, lässt ein weiterer erahnen, dass der Krieg noch nicht vorbei ist. Mehrere Schüsse peitschten durch die Nacht. Im ersten Moment war unklar, ob die Schüsse der Patrouille galten oder wem anderen? Fest stand: das Feuer kam aus einer Richtung, wo sich die Soldaten der Patrouille bereits vor gut zwei Stunden zuvor befunden hatten. Dadurch wurde klar, dass sich hinter ihrem Rücken noch immer feindliche Soldaten aufhielten. Die weitere Nachsuche brachte einen stark eingebluteten, zivilen Mantel zum Vorschein, eine Blutspur deutete den weiteren Weg in den Bereich des so genannten „Hümmersteines“, wo man Hinweise darauf entdeckte, dass jemand dem Anschein nach schwer verwundet worden war. Mehrere Verbandspäckchen lagen verstreut auf dem Boden, eine zerfetzte Hose, die dem Opfer von den Beinen heruntergeschnitten sein musste und daneben eine Armbinde, welche das Oper als einen Angehörigen des deutschen Volkssturmes auszeichnete. Die weiteren Ergebnisse der Patrouille blieben ohne Resultate.

Unbekannt  bleibt, ob der angeschossene Mann überlebt hat, ob er vielleicht noch von der eigenen Truppe in ein Lazarett gebracht werden konnte? Warum die Schüsse gefallen sind und wem sie gegolten haben? Diese Ereignisse des 29. März 1945 hinterlassen uns heute ein Rätsel. Vor allen Dingen wird immer unklar bleiben: Wer war das Opfer – was ist ihm geschehen? Eine Frage, die man heute wahrscheinlich nicht mehr beantworten kann. Fest steht nur, dass in der Nacht wahrscheinlich ein Angehöriger des Volkssturmes angeschossen wurde. Ob aus Leichtsinn, aus einem Versehen heraus oder mit voller Absicht, das lässt sich nicht mehr nachvollziehen.

Die vergangenen Exkursionen waren so erfolgreich und teilweise mehr als ausgebucht, dass wir uns dazu entschlossen haben, im zweiten Halbjahr 2015 eine weitere Reihe mit Exkursionen auf die Beine zu stellen. Informationen dazu finden Sie unter diesem Link.

Exkursion 8 von 9 – Gefechte in Steineroth

Unsere vorletzte Frühjahrs-Exkursion sollte die Teilnehmer durch Steineroth führen, wo sich Ende März 1945 noch Gefechte zwischen zwei Patrouillen abspielen sollte. Eine deutsche Patrouille sollte in Erkundungen herausfinden, wo sich die Amerikaner derzeit aufhalten würden, die amerikanische Patrouille sollte ihrerseits einen Vorstoß nach Steineroth wagen. Obwohl nur drei Leute angemeldet waren, wären wir am 30. Mai 2015 dann trotzdem knapp mehr als 10 Personen gewesen. Eine ältere Familie war extra aus Siegen hergekommen, verlor aber leider den Anschluss zur Gruppe. Eine Nachsuche wo diese Personen verblieben waren, blieb leider ohne Erfolg, so mussten wir dann mit einer sehr viel kleineren Gruppe losziehen, als es geplant war.

Während wir auf den letzten Teilnehmer warteten, wir waren zu dem Zeitpunkt seit gut 30 Minuten überfällig, beschlossen wir dann endlich loszugehen, als der letzte Teilnehmer aus Windeck eintraf. Der Treffpunkt war wohl etwas unglücklich gewählt, denn genau wie die Siegener Familie, hatte der Windecker und ein weiterer Teilnehmer den Treffpunkt (Parkplatz am Friedhof Steineroth) suchen müssen bzw. nicht gefunden. Während wir warteten, entschieden wir uns, die Runde komplett zu ändern. Ich schilderte also vom Parkplatz aus die Kampfhandlungen während des amerikanischen Vorstoßes nach Steineroth und wir unterhielten uns über die Vormarsch- und Rückzugswege während der Kampfhandlungen Ende März 1945.

Wir einigten uns also darauf, den Weg der Able-Kompanie zu folgen, die im März 1945 an Steineroth vorbei in Richtung Scheuerfeld vorstoßen würde. Der Weg sollte uns vorbei an einigen Orten führen, an denen sich mal nur kleinere Plänkeleien ereigneten oder aber am Ort, wo sich ein zweistündiges Gefecht, bei dem zwei Amerikaner und ein Deutscher starben, ereignet hatte. Auf dem Rückweg machten wir noch einen Abstecher an den Ort, wo ein Sturmgeschütz der 9. Panzerdivision sich den Amerikanern entgegenstellte. Der Exkursionsteilnehmer Heiz-Werner Sondermann wusste über diese Zusammenkunft vor gut 70 Jahren ebenfalls zu berichten, denn er kennt den Panzerkommandant bereits seit vielen Jahren, “er erzählt oft davon, wie er zwischen Betzdorf und Dauersberg den vorfühlenden Amerikanern seine letzten Granaten entgegenschickte!”

Die Tochter eines Teilnehmers interessierte sich besonders auch für das “Warum” hier noch dermaßen hartnäckig gekämpft wurde und stellte viele interessierte Fragen, zu denen auch die anderen Teilnehmer oft Antworten parat hatten. Sie wollte auch wissen, was das Menschen waren, die noch kurz vor Kriegsende 1945 in der Region gefallen waren oder hier gekämpft hatten. Selten war eine Gruppe so interessiert und Hinterfragte das Geschehen, wie es bei dieser Runde der Fall gewesen ist.

Bis wir nach rund 3 ½ Stunden wieder am Ausgangspunkt angekommen waren, hatten wir mit rund 7,5 Kilometern mehr als das doppelte der geplanten Runde hinter uns gebracht.

Im Hintergrund hinter uns befand sich vor 70 Jahren das Sturmgeschütz des Leutnant Ludwig Bauer, der seine letzte Munition den vorstoßenden Amerikanern entgegenschickte.

Im Hintergrund hinter uns befand sich vor 70 Jahren das Sturmgeschütz von Leutnant Ludwig Bauer, der seine letzte Munition den vorstoßenden Amerikanern entgegenschickte, worauf sich die Amerikaner zurückzogen.

Die Lage in der Region zu Monatsende

Der Ausbruch der 1. US Armee war Ende März 1945 durch nichts mehr aufzuhalten, die Amerikaner hatten bereits damit begonnen, letzte noch südlich der Sieg stehende Truppen zu zerschlagen, hierbei bildeten die deutschen Brückenköpfe südlich des Flusslaufes einen Schwerpunkt, den es für die amerikanische Infanterie auszuschalten galt. Am Abend des 29. März 1945 führte eine dünne deutsche Sicherungslinie etwa von Elkenroth über Steineroth, streifte die Kohlhardt vorbei an Dauersberg und führte über die Angsthardt in Richtung Mittelhof-Köttinger Höhe. In diesem Bereich zur Sieg hin hielt die Wehrmacht noch zwei Brückenköpfe offen, einmal in Wissen und, noch im Aufbau befindlich, den Brückenkopf bei Betzdorf. Zudem war in Herdorf ein Sperrriegel gebildet worden, der gehalten werden musste. Zur dieser Zeit wurde bereits um den Brückenkopf Wissen gekämpft und die Amerikaner drangen in Herdorf ein.

In dieser Lage war man dabei, bei Betzdorf-Steineroth den Brückenkopf einzurichten. Hierzu war das I. Bataillon vom Grenadierregiment 1035 auf den Höhen bei Dauersberg und mit Anlehnung an den Alsberg in Stellung gegangen. Verstärkungen sollten noch während der Nacht nachgeführt werden. Zudem war dem Bataillon befohlen worden, falls Steineroth nur schwach besetzt sein sollte, während der kommenden Nacht den Ort anzugreifen und zu besetzten. Dieses Unternehmen war jedoch nur umsetzbar, wenn man sich über die Lage in Steineroth und der Umgebung im Klaren war. Um sich von der Lage ein Bild zu machen, wurde vom vorgeschobenen Bataillonsgefechtsstand (etwa im Kreuzungsbereich Steinerother Straße – Abzweig Dauersberg) eine Patrouille entsendet. Diese Patrouille führte der Feldwebel Willi Fritz Löser an, er sollte wenig später einer der ersten Gefallenen sein, die es in Steineroth zu beklagen geben würde.

Zu dieser Zeit war Steineroth noch immer feindfrei, jedoch hatten die Amerikaner, die bereits in Molzhain standen, um 17. Uhr mehrere kampfstarke Patrouillen entsendet. Eine dieser Patrouillen sollte Steineroth ebenfalls erkunden und, falls sich der Ort nicht in deutscher Hand befinden würde, Sicherungsposten einrichten. Danach sollte Erkundung betrieben werden, ob die Wälder zur Sieg hin durch die Wehrmacht besetzt sein würden. Im Kriegstagebuch des 28. US Infanterieregiment heißt es um 20.00 Uhr:

28 Mann starke Patrouille der Baker-Kompanie marschierte um 17.00 Uhr aus Molzhain in nördliche Richtung los und erreichte durch den Wald Steineroth, wo sie in beobachtende Stellung ging. Dort konnten sie 2 deutsche Soldaten gefangen nehmen, die den Auftrag hatten, die amerikanische Stärke und Stellungen zu erkunden. Darauf ging die Patrouille weiter über Steineroth entlang der Straße in Richtung Betzdorf vor, als sie plötzlich von der Höhe mit MGs und Panzerfäusten beschossen wurden. Der Feind, etwa 12 Mann stark, kam runter von der Höhe und rief „Kamerad“, als sie dann an der Straße angelangt waren, eröffneten sie erneut das Feuer. Die Patrouille trat den Rückzug an und hatte einen Verwundeten zu beklagen.“

Nach diesem Vorfall würde Steineroth besetzt. Zurück blieben sechs Gefallene, am Morgen des 30. März 1945 wurde der amerikanische Vormarsch erneut aufgenommen. Dabei kam es zu einem heftigen Gefecht um die Dauersberger Höhe. Hier stießen die Amerikaner auf heftigen Widerstand, in dessen Verlauf acht deutsche Soldaten starben. Danach aber war der Weg an die Sieg frei. Der Brückenkopf südlich Betzdorf kam erst gar nicht zur Wirkung, da man viel zu spät mit der Einrichtung begonnen hatte und die Truppen nur “tropfenweise” eintrafen. Die Amerikaner hatten sich mit starken Kräften in Steineroth festgesetzt und gingen zum einen durch das Alsdorfer Tal über Alsdorf gegen Betzdorf vor und marschierten mit der Able-Kompanie über Dauersberg auf Richtung Scheuerfeld.

Exkursion 7 – Gefechte auf der Muhlau

Am 9. Mai 2015 führte uns die siebte Exkursion nach Wallmenroth auf die Muhlau, wo die Amerikaner Anfang April 1945 auf deutschen Volkssturm traf. Während dieser Runde befassten wir besonders auch mit dem Vormarsch der Amerikaner von Dauersberg nach Scheuerfeld den sich dadurch ereigneten Gefechten. Begleitet wurde die Runde durch Georg Keßler von der Siegener Zeitung, die im Anschluss über unsere Exkursion berichten würde.

Mehr als 20 Interessenten kamen zusammen, darunter befanden sich gleich mehrere Zeitzeugen; eine Dame aus Katzwinkel zum Beispiel, die im April 1945 während des Artilleriebeschuss an ihrem Fuß verletzt wurde, Ulrich Theis aus Betzdorf schilderte, wie sein Elternhaus durch deutschen Artilleriebeschuss stark in Mitleidenschaft gezogen wurde oder Leo Rettler, der in Katzwinkel das Kriegsende erlebte, schilderte wie die Amerikaner in den Ort einzogen und erinnerte sich noch gut an die Schrecken des Krieges, wie zum Beispiel die Gefallenen aus der Katzwinkler Umgebung im in der Scheune nahe des Elternhaus gesammelt und aufgebahrt wurden.

Am 30. März 1945 hatte sich die Front bereits weit nach Osten bewegt, die meisten Wehrmachtseinheiten waren hinter die Sieg abgedrängt worden. Während unserer Exkursion wollten wir uns die noch sichtbaren Spuren dieser Ereignisse im Bereich der Muhlau ansehen. Geht man mit offenen Augen durch die Welt, erkennt man noch vieler Orts die ehemaligen Stellungen der deutschen Wehrmacht oder der amerikanischen Soldaten. So auch im Bereich der Eisenbahnbrücke und an der Siegschleife. Stellungen, die durch den so genannten Volkssturm angelegt worden waren. Hitlerjungen im Alter von 16 und 17 Jahren, die plötzlich die Heimat verteidigen sollten.

Keßler hielt in seinem Artikel fest:

Man müsse sich einmal vorstellen, verdeutlichte Schäfer, dass jene Jungen mit Karl-May-Romanen ausgebildet worden seien. „Als abzusehen war, dass die GIs an die Sieg heranrücken würden, wurden die Bücher verteilt, um sich die Guerilla- Taktik der Indianer anzueignen.“ Daneben ist die Tatsache, dass gerade diese Einheit von einem alten Veteran des Ersten Weltkriegs kommandiert wurde, der in preußischer Uniform und Paradesäbel in den Kampf zog, fast nebensächlich. Schäfer versuchte dabei den nicht ganz einfachen Spagat zu meistern zwischen historisch belegbaren Tatsachen und was man so vom Hörensagen aufschnappte bzw. an Vorwürflichem kursierte.

Viele Legenden von „bösen Besiegten oder Siegern“, konnte er entkräften. „Deutsche Offiziere haben hier keine eigenen Leute erschossen, und auch haben die Amerikaner hier keine Gräuel angerichtet“, sagte Schäfer. Vielmehr konnte er belegen, dass sich viele deutsche Soldaten freiwillig den Amerikanern ergaben und das mit Billigung deutscher Offiziere, denen es im Regelfall darauf ankam, möglichst viele Leben zu retten. Schäfer vermittelte einerseits detailliertes historisches Wissen, er beleuchtete aber auch die menschlichen Aspekte der größten Katastrophe des 20 Jahrhunderts. Unzählige Anekdoten komplettierten das Bild in Wallmenroth und Scheuerfeld. Wer drei oder vier Tage nichts gegessen hatte und dann endlich in die Feldküche kam, die Lauchsuppe ausgeben sollte, in Wirklichkeit aber dem Volkssturm nur gesalzenes Wasser anbot, weil der Lauch „vergessen“ worden war, der dürfte einen Sinn für Realismus bekommen haben. Die jungen Menschen hatten vor allem eines: den Willen zu überleben.”

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Blick aus einer deutschen MG-Stellung. An diesem Ort war vor 70 Jahren eine deutsche MG-Stellung eingerichtet worden, die den amerikanischen Vormarsch aufhalten sollte. Entgegen des Befehls gab sich die Bedienung nur zu Bereitwillig in alliierte Gefangenschaft. Foto: Georg Keßler.

Der Vorstoß auf Scheuerfeld

Am 30. März 1945 marschierte das 28. US Infanterieregiment aus Richtung Dauersberg-Steineroth gegen Betzdorf und Scheuerfeld vor. Noch vor Erreichen des südlichen Ortsrandes von Scheuerfeld kam es zu einem beinahe zweistündigem Gefecht in der Nähe der Angsthardt, wo man auf eine deutsche Patrouille gestoßen war. Zur gleichen Zeit eröffnete ein deutsches MG aus Richtung Taubenstock das Feuer. Nachdem der Widerstand niedergekämpft worden war, hatten ein deutscher und zwei amerikanische Soldaten ihr Leben verloren und der Rest der Kompanie war nachgerückt und die Verwundeten konnten versorgt werden. Der Krieg stand damit unmittelbar vor Scheuerfelds Haustüre.

Ab ca. 6.30 Uhr versammelte sich die amerikanische Kompanie südlich des Ortes und eine Patrouille wurde entsendet. Nachdem die Patrouille zurückkehrte, sickerte die Kompanie mit zwei Zügen nach Scheuerfeld ein. Im Bereich des Friedhofes kam es zur ersten Feindberührung, wodurch die deutsche Besatzung in Scheuerfeld alarmiert wurde. Innerhalb weniger Minuten entwickelte sich ein Gefecht, worauf sich die Amerikaner zurück in die Ausgangsstellungen zogen. Die deutschen Soldaten setzten sich darauf im Bereich des Friedhofes an der Bahnlinie fest und mussten in einem erneut angesetzten Gegenangriff bekämpft werden. Während dieses Gefechts wurden mehrere deutsche und amerikanische Soldaten verwundet, zudem starben neun deutsche Soldaten. Im weiteren Tagesverlauf flammte nur hier und da noch vereinzeltes Feuer auf.

Gefechte auf der Muhlau

In den späten Abendstunden des 31. März 1945 wurde der Able-Kompanie befohlen, von Scheuerfeld aus eine Patrouille auf die Muhlau bei Wallmenroth zu entsenden und, wenn die Muhlau feindfrei sein sollte, das Gebiet direkt zu sichern. Gegen 23.00 Uhr ging die Patrouille im Bereich der Siegschleife in Stellung, ein Sicherungsposten wurde eingerichtet und die Männer überquerten die Sieg. Noch vor erreichen des Bereiches des heutigen Schützenhauses erhielten sie deutsches Feuer, das aber gleich nach einer kurzen Salve eingestellt wurde. Das Sicherungskommando des Volkssturmes für die Siegbrücke, drei Mann mit einem MG aus dem Ersten Weltkrieg, hatte die amerikanische Ankunft erwartet und begab sich nur bereitwillig in alliierte Gefangenschaft. Ohne weitere Zwischenfälle erreichte die amerikanische Patrouille das Höhengelände der Muhlau und beobachtete, wie vier deutsche Soldaten sofort die Flucht nach Norden antraten. Im Bereich des Eisenbahntunnels befanden sich mehrere frisch angelegte Stellungen, wo eigentlich der Volkssturm die Verteidigung übernehmen sollte. Ein deutsches Feldtelefon, dessen Leitung nach Wallmenroth führte, war von den fliehenden Soldaten im letzten Moment zerstört worden.

Eine weitere amerikanische Patrouille stieß bis zum westlichen Eingang des Eisenbahntunnels vor, wo sie eine große Menge Munition erbeutete, die sich in Eisenbahnwaggons befand. Auch diese Patrouille stieß auf keinen Widerstand, konnte aber die Volkssturm-Angehörigen in Gefangenschaft nehmen, welche die auf dem Höhenrücken liegenden Stellungen verteidigen sollten. Im Verhör der Gefangenen stellte sich heraus, dass der regionale Volkssturm den Auftrag hatte, die Eisenbahnbrücke in Richtung Durwittgen und die Siegschleife zu verteidigen. Die Angehörigen des Volkssturms waren Hitlerjungen zwischen 16 und 17 Jahre alt und wurden durch einen alten Feldwebel angeführt, einem Teilnehmer des Ersten Weltkrieges, der mit preußischer Uniform, Dienstpistole und Paradesäbel die Einheit befehligte.

Um ca. 1.45 Uhr besetzen erste amerikanische Soldaten den Bereich des Eisenbahntunnels und wurden schon bald darauf aus Richtung der Krageswerke unter Feuer genommen. Etwa um 2.15 Uhr stieß eine deutsche Patrouille von Norden kommend gegen die amerikanischen Stellungen vor, dieser Vorstoß wurde abgewehrt, ein deutscher Soldat getötet und zwei weitere Soldaten gerieten in Gefangenschaft. Um der Gefahr von weiteren Angriffen gewappnet zu sein, wurde bis zum Morgen der Rest des Zuges nachgeführt und ein Granatwerfer in Stellung gebracht. Der Rest der Nacht verblieb relativ ruhig, nur vereinzeltes Störfeuer aus den Krageswerken flammte auf, dass jedoch mit Einbrechen des Tageslichtes verstummte. Die letzten deutschen Soldaten verließen etwa zu diesem Zeitpunkt die Krageswerke, wo sie ein umfangreiches Waffendepot aus Panzerfäusten und ein in Stellung gebrachtes MG zurückließen.

Etwa um 13.50 Uhr kam es zu einem Angriff auf die Besatzer der Muhlau. Rund 50 deutsche Soldaten waren unter der Führung eines Offiziers angetreten, durch einsetzendes Granatwerferfeuer wurden die Amerikaner jedoch in erhöhte Alarmbereitschaft versetzt und nahmen gleich die ersten deutschen Bewegungen unter Feuer, worauf sich die deutschen Soldaten sofort in nördliche Richtung absetzten. Ein letzter Angriff, der ebenfalls nicht ernst zu nehmen war, setzte um 16.15 Uhr ein und wurde erneut durch das amerikanische Feuer abgewehrt. Durch in Gefangenschaft geratenen Soldaten erfuhr man, dass der kommandierende Offizier keine Lust hatte, noch in letzter Minute zu fallen, geschweige denn weitere Männer jetzt noch zu Opfern. Er führte diese Angriffe auch nur durch, weil sie durch den Divisionskommandeur persönlich befohlen worden waren. Der deutsche Offizier hatte den Soldaten vor den Angriffen freigestellt, den Widerstand einzustellen, die Flucht anzutreten oder sich in Gefangenschaft zu begeben.

Der bei Friesenhagen gefallene Hauptmann

Während der Kämpfe um die Linie Gerndorf-Mausbach starb am 7. April 1945 Hauptmann Norbert Hammermann. Hammermann war nicht nur irgendein deutscher Offizier, den es zu Kriegsende in das Wildenburger Land verschlagen hatte. Erst ein Jahr zuvor war er noch Rommels persönlicher Adjutant.

Bereits während des Frankreichfeldzuges hatte sich Norbert Hammermann als Zugführer bewährt.  Schon kurz nach Beginn des Russlandfeldzuges übernahm er nach dem Ausfall seines Kompaniechefs im Juli 1941 zum ersten Mal das Kommando über die führerlos gewordene Kompanie und ein weiteres Mal während der ersten Schlacht um Charkow. Da Hammermann die Kompanie darauf drei Monaten führte, erfolgte die vorzugsweise Beförderung zum Oberleutnant.

Kurz nachdem die Heeresgruppe Süd 1942 die sogenannte Sommeroffensive aufgenommen hatte und der Don bei Woronesh erreicht worden war, wurde Hammermanns Kompanie während eines russischen Gegenangriffs schwer getroffen und ein großer Teil seiner Kompanie aufgerieben. Nur seinem persönlicher Entschluss soll es den übriggebliebenen Soldaten ermöglicht haben, sich von der russischen Übermacht abzusetzen. Während dieses Gefechts wurde Hammermann schwer verwundet, durch eine Granatsplitterverletzung verlor er ein Auge. Nach Genesung Anfang 1943 wurde Hammermann an die Kriegsschule München kommandiert, wo er eine Adjutantenstelle übernahm.

Nachdem der Generalsstab der Heeresgruppe B nach schweren Verlusten im Osteinsatz in die Heimat zur Neuaufstellung verlegt worden war, wurde auch der Arbeitsgruppenstab von Generalfeldmarschall Erwin Rommel nach München verlegt. Angesichts anstehender Neugliederungen und Umgruppierungen für den vorgesehenen Einsatz in Italien, übernahm Norbert Hammermann etwa Mitte Juli 1943 die Adjutantenstelle in Generalfeldmarschall Rommels Arbeitsstab und wurde dessen persönliche Ordonanz. Diese Funktion hatte Oberleutnant Hammermann bis Februar 1944 inne. Ein Vorfall unbekannten Inhalts allerdings beendete die relativ sichere Stellung, die Hammermann bis dahin begleitete. Nachdem das Verhältnis zwischen Hammermann und Rommel zerstört war, wurde er auf Rommels persönlichen Befehl zurück in die kämpfende Truppe befohlen, Rommel bestand darauf, künftig einen Adjutanten zu erhalten, der mindestens den Dienstgrad eines Majors begleiten würde und zudem mit dem Ritterkreuz ausgezeichnet sein müsse. Dennoch erhielt Rommel keinen Majoren, sondern wurde Hammermanns Nachfolger der mit Ritterkreuz ausgezeichnete Hauptmann Helmuth Lang. Hiernach verliert sich jegliche Spur von Norbert Hammermann. Fest steht, dass er am 7. April 1945 in der Nähe von Friesenhagen, mittlerweile zum Hauptmann befördert, im Alter von 25 Jahren sein Leben verlor, als er versuchte auf Befehl des LVIII.Pz.Korps zwischen Friesenhagen und Mausbach eine Widerstandlinie zu organisieren. Als die Amerikaner ihre Angriffe gegen die Linie aufnahmen, starb Norbert Hammermann gemeinsam mit zwei weiteren Soldaten.

Exkursion 6 – Endkämpfe im Wildenburger Land

Am 2. Mai 2015 war es wieder so weit. Unsere sechste Exkursion führte dieses Mal ins Wildenburger Land nach Friesenhagen, wo es im April 1945 zu einigen zum Teil heftigen Gefechten zwischen deutschen und amerikanischen Soldaten gekommen war. Nachdem die Front anschließend über Bahnhof Wildenburg rollte, waren dies die letzten Kämpfe, die sich auf dem Boden des Kreises Altenkirchen ereigneten.

Das Interesse an der Exkursion war größer als erwartet. Obgleich bei der Kreis-Volkshochschule in Altenkirchen vierzehn Anmeldungen eingegangen waren, hatten drei Teilnehmer im Vorfeld abgesagt und ein weiterer erschien leider nicht. Dennoch war diese Runde siebzehn Mann stark, sieben Interessenten waren ohne Anmeldung “einfach so” erschienen, sie hatten von Freunden und Bekannten davon gehört und wollten gerne an der Exkursion teilnehmen. Mittlerweile habe ich auch meine eigene kleine “Fangemeinde”, denn unter den Teilnehmern fanden sich einige Stammgäste, die mich bereits häufiger begleitet hatten. Besonders spannend sollten sich noch Aussagen über einem gefallenen Hauptmann durch Familie Schack aus Friesenhagen entwickeln, hierzu komme ich aber noch später. Speziellen Dank möchte ich auch an Herrn Hermann-Josef Schuh aus Morsbach richten. Er hat als Buchautor und Kenner der Friesenhagener Ortsgeschichte die Runde begleitet und konnte einige interessante Informationen zur Geschichte beisteuern. Am Ende der Runde erklärte Hermann-Josef Schuh: “Ihre Ausführungen über den Durchzug der Amerikaner im April 1945 haben einige neue Erkenntnisse gebracht.”

Zudem bestätigten Schuh und weitere Zeitzeugen die dramatischen Ereignisse aus den Apriltagen des Schicksalsjahrs 1945. Herrn Schuh ist auch die Fotografie von der Kriegsgräberstätte Crottorf zu danken, die diesen Beitrag beigefügt ist.

Nachdem ich mich vorgestellt hatte und erklärte, wie und warum  Friesenhagen zum direkten Frontgebiet wurde, ließ ich unter den Teilnehmern der Exkursion einen alten, verrosteten Stahlhelm herumreichen. Das besondere an dem Helm war der Umstand, dass es sich um einen Helm in Kindergröße handelte. Der Stahlhelm wurde bereits vor vielen Jahren im damaligen Frontverlauf südlich Friesenhagens gefunden, er fand sich laut dem Finder in einer der damals noch zahlreich auffindbaren Schützenmulden. Schützenmulden sind Stellungslöcher, in denen sich die Soldaten vor Granatsplitter und Beschuss sicher wägen und aus denen sie den Kampf führen sollten. In wenigstens einer dieser Schützenmulden südlich Friesenhagens hatte im April 1945 also auch eines der Kinder gesessen, die durch das Nazi-Regime noch in buchstäblich letzter Minute in den Volkssturm befohlen wurden.

Dieser Stahlhelm vom Typ M42, in Kindergröße, wurde vor Jahren in einer Schützenmulde bei Friesenhagen gefunden. Er ist ein Zeugnis der Kämpfe bei Friesenhagen.

Dieser Stahlhelm vom Typ M42, in Kindergröße, wurde bereits vor Jahren in einer Schützenmulde bei Friesenhagen gefunden. Er ist ein Zeugnis der Kämpfe im April 1945 bei Friesenhagen und wurde dem Autor dieser Seiten vom Finder geschenkt.

Unsere Runde sollte während dieser Exkursion zu Teilen den Wegen einer amerikanischen Kompanie folgen, die sich nach de Eroberung Friesenhagens noch in Gefechte im Bereich des ehem. Tierparks verwickeln sollte. Der Weg führte uns von der amerikanischen Ausgangsstellung zur Bereitstellung und zum Sammelplatz der Kompanie. Gleich zu Beginn jedoch machten wir einen Abstecher auf die Höhe bei der Sankt Anna Kapelle, von wo man die Ausgangslage und den amerikanischen Vormarsch deutlich schildern und nachvollziehen konnte.

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Angelangt im Wald gegenüber Wiesental. In diesem Bereich lokalisierten die Soldaten des 310. US Infanterieregiments eine deutsche Granatwerfer-Einheit, die in der Nähe von Wiesental in Stellung gegangen waren. Foto: Hermann-Josef Schuh.

Die Ausgangslage und der amerikanische Vormarsch

Am 8. April 1945 konnte die 78. US Infanteriedivision ihre Angriffe nördlich der Sieg ausweiten und erreichte etwa gegen 16.00 Uhr die Linie östlich Waldbröl – südl. Friesenhagen – Südrand Freudenberg – Klafeld. Die amerikanischen Vorstöße in Richtung Friesenhagen wurden von Obersolbach und aus Richtung Freudenberg-Mausbach vorgetragen, wo zwei amerikanische Kompanien westlich Mausbach untereinander Kontakt herstellen konnten und dadurch die Linie schlossen. Der Kontakt zwischen den amerikanischen Kompanien wurde durch Patrouillen aufrechterhalten und mehrere Straßensperren eingerichtet. Ab 18.02 Uhr wurde eine weitere Kompanie von Richtung Freudenberg her gegen Hohenhain angesetzt, um von hieraus die Straßenverbindungen zu sichern. Hierdurch wurden sich zurückziehenden deutsche Truppen (Teile der 59. Infanteriedivision) in Richtung Friesenhagen und Bahnhof Wildenburg abgedrängt, hinzu kamen Soldaten der 62. Volksgrenadier Division, die sich aus Richtung Morsbach-Steeg zurückzogen.

Etwa um 18.30 Uhr meldete eine US-Kompanie, dass sie mit einer Patrouille in Mühlenseifen eingedrungen sei und das sich eine weitere Patrouille südlich Gerndorf in Beobachtungsstellung befinde. Der darauf einsetzende Angriff gegen Hohenhain dauerte bis um 19.17 Uhr, dass ohne auf größeren Widerstand zu stoßen, erobert werden konnte. Nach 20.00 Uhr richteten sich die rings um Friesenhagen heranmarschierten Kompanien zur Verteidigung ein und eine weitere Kompanie wurde als Eingreifreserve nachgeführt, weil besonders während der Abendstunden verstärkt Motorengeräusche, darunter auch Panzermotoren, zu hören waren. Um vor eventuellen Panzerangriffen gewappnet zu sein, wurde in der Nähe von Niedersolbach ein Minenfeld¹ angelegt und der Kreuzungsbereich um Obersolbach mit einer 57mm PaK (Panzerabwehrkanone) gesichert.

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Kartenskizze aus der Geschichte des 310. US Infanterieregiments.

Die deutsche Lage

Angesichts dieser Lage konnte sich die Wehrmacht nur auf eine Stützpunktverteidigung konzentrieren, die mit Artillerie den infanteristischen Kampf in den vorderen Linien unterstützen würde. Die verfügbaren deutschen Kräfte setzten sich zusammen aus Angehörigen der 62. Volksgrenadier- und 59. Infanteriedivision, hinzu kamen noch schwache Volkssturmeinheiten, die völlig unausgebildet waren und meist nur durch eine harte Führung in die Kämpfe gepresst wurden. Die Reste der beiden Divisionen waren extrem geschwächt und hatten wochenlang ohne Unterbrechung an den Kämpfen um die Siegfront teilgenommen, von wo sie sich unter dem amerikanischen Druck seit dem 6. April 1945 kämpfend zurückzogen. Bis zum Abend des 8. Aprils 1945 gingen die deutschen Verbände etwa bis zur Linie Hammerhöhe – Friesenhagen – Hatzfeldscher Wildpark – Schloss Crottorf zurück. Deutsche Artillerie stand bei Weidenbruch, Schlade und in der Nähe von Bahnhof Wildenburg, jeweils ein Granatwerfer befanden sich bei Wiesental und Ziegenschlade. Letzte deutsche Sicherungen zogen sich unter amerikanischem Gewehrfeuer aus Staade und Mühlenseifen zurück, in der Nähe von Gerndorf kam es immer wieder zur Schießereien, die bis zum nächsten Morgen immer wieder aufflammten. Während der Kämpfe um die Linie Gerndorf-Mausbach starb der Hauptmann Norbert Hammermann, gemeinsam mit ihm fielen zwei weitere Soldaten.

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Die Tagesmeldung der Heeresgruppe B spricht von harten Kämpfen. Bild: National Archives, Washington, USA.

Der Angriff beginnt

Am Morgen des 9. April 1945 nahm das 310. US Infanterieregiment um 6 Uhr den Angriff auf und griff Friesenhagen an, wo sich im Ort nach Überschreiten des Bauchlaufes  ein Gefecht entwickelte, dass verbissen geführt wurde. Unter dem Einsatz von Handgranaten stürmten die amerikanischen Soldaten in einige der verteidigten Häuser, die zum Teil von den deutschen Soldaten im Gegenstoß wieder eingenommen wurden. Ein deutsches MG, das im Bereich oberhalb der St. Sebastianus-Kirche in Stellung war, machte die Amerikanern, wie es mir einst der amerikanische Veteran Bill Barnes sagte “das Leben schwer und das Sterben leicht!”

Der deutsche Widerstand erlosch erst um 12.08 Uhr und der Angriff konnte in Richtung Crottorf ausgeweitet werden, wo es zu letzten Gefechten zwischen Crottorf und Weierseifen kam. Im Tagesverlauf starben 13 deutsche Soldaten in der näheren Umgebung, nach den Kampfhandlungen wurden 20 Gefallene auf dem Ehrenfriedhof zu Crottorf zur letzten Ruhe gebettet. Die Verluste des 310. US Infanterieregiment betrugen 23 Gefallene.



Angelangt an der Kriegsgräberstätte am Schnabelberg finden wir Zeit um ausführlich über die Schicksale der Gefallenen zu berichten.

Angelangt an der Kriegsgräberstätte am Schnabelberg finden wir Zeit um ausführlich über die Schicksale der Gefallenen zu berichten. Foto: Heinz-Werner Sondermann.

Soldatenfriedhof

Der Ehrenfriedhof, wie er ursprünglich einmal aussah. Im Bild vorne Links das Kreuz für die beiden Gefallenen Bach und Kolzk, die in Bettorf gefallen sind. Rechts das Grab für den in Grendel gefallenen Oberfeldwebel Walter. Foto: Hermann-Josef Schuh.

 


1: Das Minenfeld bestand aus diversen Panzerabwehr- und Anti-Personenminen. Noch im Sommer 1948 wurde das Sprengkommando Forneberg aus Betzdorf heranbefohlen, um in der Gegend aufgefundene Minen unschädlich zu machen. Ob es sich hierbei um Hinterlassenschaften dieses Minenfeldes handelt ist allerdings unklar.


Quellen

  1. After Action Reports, 310th US Infantry Regiment, National Archives, Washington, USA
  2. G2-Unit Journal, 310th US Infantry Regiment, National Archives, Washington, USA
  3. Tagesberichte der Deutschen Wehrmachtsführung, erbeutetes Schriftgut, National Archives, Washington, USA

Exkursion 5 – Der Giebelwald als Frontgebiet im April 1945

Ende März 1945 stießen die Amerikaner an die Sieg vor und überschritten an verschiedenen Punkten den Fluss und bildeten Brückenköpfe. Von Kirchen zielte der amerikanische Vormarsch über Grindel-Brühlhof nach Freusburg. Nachdem Freusburg eingenommen war, verstrickten sich die Amerikaner auf dem Giebelwald in heftige Waldgefechte, die bis zum 6/7. April 1945 andauerten. Unsere Exkursion führte durch das damalige Frontgebiet und machte den Teilnehmern deutlich, wie sich die schicksalshaften Tage auf dem Giebelwald ereigneten.

In der Nacht zum 1. April wurde Kirchen von Herkersdorf-Offhausen gegen geringen Widerstand erobert, im restlichen Tagesverlauf wurde Kirchen gesichert und Patrouillen bis an die Sieg geschickt. Im Schutz der Dunkelheit richteten sich amerikanische Posten bei der Freusburger Mühle ein, wo während der nächsten Tage jede Bewegung nur noch unter größter Lebensgefahr möglich war. Am 2. April wurde der Vorstoß nach Freusburg vorangetrieben, das jedoch erst am 3. April restlos erobert war. Nach dem Fall Freusburgs wurde der tiefe Einbruch auf den Giebelwald unternommen. Die Kriegstagebücher des 28. US Infanterieregiment geben ein Bild von den Ereignissen etwa wie folgt:

“…Die Kompanien standen seit Beginn der Kämpfe fast ununterbrochen im Dauereinsatz. Nachdem sie in den Giebelwald vordrangen waren und gleich zu Beginn erste Verluste hatten, gingen sie nur noch sehr vorsichtig vor, besonders auch deshalb, weil praktisch hinter jedem Baum ein deutscher Heckenschütze lauern konnte. Angst war von nun an ein ständiger Begleiter der Soldaten. In den Nachtstunden zum 3. April 1945 erhielten die Kompanien des I. Bataillons den Befehl zum Vorstoß auf die beherrschenden Höhen des Giebelwaldes. Hierzu sollte die Able-Kompanie von Freusburg aus auf den Hellbachskopf vorstoßen und von dort aus den Giebelberg einnehmen. Um 2.25 Uhr marschierte die Kompanie los und erhielt bereits im Raum Freusburg heftiges Feuer durch Artillerie- und Granatwerferbeschuss, wobei die Kompanie erste Verluste hinnehmen musste. Nachdem die Verwundeten versorgt und zurückgeholt worden waren, wurde der Vormarsch wieder aufgenommen. Zu diesem Zeitpunkt verlor die Kompanie allerdings die Orientierung und irrte durch die Wälder, zusätzlich war die Funkverbindung zum Bataillon abgerissen. Der Bataillonskommandeur erkundigte sich um 3.45 Uhr bei den Kompanien Baker und Charly und erhielt die Rückmeldung, dass alles ruhig sei und auch aus der Richtung, in der sich die Able-Kompanie befinden müsste, keine Geräusche eines Feuerkampfes zu hören seien. Erst um 5.23 Uhr konnte die Kompanie die Verbindung zum Bataillon wieder herstellen und gab die Meldung durch, dass man nirgends auf nennenswerten Widerstand gestoßen und auf dem Weg zum Hellbachskopf unterwegs sei. Zu dieser Zeit führte die Charly-Kompanie bereits ihre Säuberungsaktion in Freusburg durch und hatte mittlerweile rund 40 Gefangene eingebracht. Um 7.30 Uhr hatte die Able-Kompanie noch immer nicht ihr Ziel erreicht und lag bereits weit hinter dem Zeitplan…”

Giebelwald

Der Giebelwald als Frontgebiet im April 1945 – Skizze wurde durch Generalleutnant Hans-Kurt Höcker, dem damaligen deutschen Divisionskommandeur, in alliierter Kriegsgefangenschaft angefertigt.

Erst als am 3. April der Rest von Freusburg erobert war, konnte der Vogelsang, das gesetzte Ziel des Vortages, nach zum Teil recht heftigen Gefechten erreicht werden. Unsere Exkursion führte am 25. April 2015 von Freusburg aus über den Vogelsang bis zur Wasenecke. Begleitet wurde die Runde von Verena Hallermann für die Rhein-Zeitung und durch Rainer Schmitt für die Siegener-Zeitung, die beide in der folgenden Woche über diesen Ausflug in die Geschichte berichten sollten. Geplant war eine Strecke von ca. 5,5 Kilometer, da wir aber immer mal wieder die Wege verließen, kamen wir letztendlich auf gut 8 Kilometer Wegstrecke. Mit dabei waren gleich mehrere Personen, die sich  noch genauestens an das Kriegsende vor 70 Jahren erinnern konnten und denen die Wanderung, die immer mal wieder “querfeldein” führte, nicht zu anstrengend war. Einstimmig wurde mir später von den Zeitzeugen bestätigt, dass man nur zum Teil über die Kämpfe bescheid wusste und durch die Exkursion viele unbekannte Details erfahren habe. Älteste in der Runde war Frau Renate Thiel, die 1945 in der Nähe von Freusburger Mühle wohnte und mit vielen interessanten Details beigetragen hat.

Der Weg führte erst mal ziemlich steil raus aus der Ortschaft vorbei an kaum noch erkennbaren Resten von deutschen Schützenmulden und an einer Stelle, an welcher deutsche Granatwerfer den Feuerkampf der Infanterie unterstützten. Als wir endlich den Aufstieg zum Vogelsang hinter uns gebracht hatten, stießen wir auf die Spuren eines Sondengängers, der ein großes Loch abseits des Weges hinterlassen hatte. Über das, was dort über Jahrzehnte im Verborgenen gelegen hatte, können wir nur noch spekulieren. Auf der Höhe hatten sich 1945 die deutschen Soldaten eingegraben und mussten von den Amerikanern in verlustreichen Gefechten bekämpft werden. Nach der Eroberung des Vogelsangs, wo sich auch ein vorgeschobener Gefechtsstand befunden hatte, entdeckte niemand der amerikanischen Soldaten den noch immer funktionsfähigen Feld-Fernsprecher mit Leitung nach Niederfischbach. Hätte man dort die Meldungen und Befehle abgefangen, wären sicherlich die Gefechte anders, vielleicht weniger blutig zu Ende gegangen.

Leutnant Klaus Morré 1925-1945

Leutnant Klaus Morré
1925-1945

Weiter ging es zum Teil entlang der Route, welche 1945 die Able-Kompanie genommen hatte, wir aber liefen nicht nach Hellbachskopf. Etwa im Bereich von der so genannten Totenbuche schilderte ich die Ereignisse, die zum Tod des jungen Leutnant Klaus Morré am 4. April 1945 führten. Morré war von Niederfischbach aus als Führer eines Spähtrupps in Richtung Freusburg losgeschickt worden. Hier sollte er mit zwei Soldaten die amerikanischen Stellungen im Bereich von Vogelsang und Freusburg erkunden. Noch vor erreichen des Zielgebietes stießen sie auf eine amerikanische Patrouille, die man passieren ließ, um den Auftrag fortzuführen. Wenig später aber erhielt die kleine Gruppe heftiges Feuer vom Vogelsang, der sich zu diesem Zeitpunkt bereits in amerikanischer Hand befunden hatte. Hierbei wurde Morré schwer verwundet. Im Bereich von Wasenecke wollten die beiden Soldaten dem Leutnant erste Hilfe leisten, was jedoch durch erneut aufflammendes Feuer verhindert wurde. Morré verstarb im Alter von 19 Jahren. An seinen Tod erinnert heute noch ein Holzkreuz am Wegesrand. Noch während ich diese Ereignisse schilderte, fand einer der Teilnehmer, Karl Stark aus Kirchen, eine abgefeuerte Patronenhülse, die sich als amerikanische Kaliber .45-Hülse identifizieren ließ. Bei dieser Munition handelt es sich um das Standard-Kaliber der amerikanischen Maschinenpistole und Faustfeuerwaffe. Ob man diese Hülse den Schüssen zuordnen kann, welche Klaus Morré und seinen Begleitern galten, dürfte fraglich sein.

Heute erinnert das Holzkreuz an das Schicksal des jungen Leutnant Klaus Morré. Zur letzten Ruhe wurde Klaus Morre auf der Kriegsgräberstätte in Freudenberg beigesetzt.

Heute erinnert das Holzkreuz an das Schicksal des jungen Leutnant Klaus Morré. Zur letzten Ruhe wurde Klaus Morre auf der Kriegsgräberstätte in Freudenberg beigesetzt. Foto Gerd Braas, Niederfischbach.

Der weitere Weg führte zum Gedenkkreuz für den gefallenen Morré, im Anschluss ging es bis zur Höhe Wasenecke, wo sich 1945 noch ein amerikanischer Beobachtungsposten befunden hatte. Unser Rückweg führte etwas östlich zum Hinweg vorbei an dem Todesort eines gefallenen aber unbekannten amerikanischen Soldaten. Gräberkommandos der amerikanischen Streitkräfte hatten den durch Artilleriegranate zerfetzten Körper im Sommer 1945 entdeckt. Alle Bemühungen, den Gefallenen zu identifizieren schlugen fehl, da die Erkennungsmarke nicht gefunden wurde. Dieser Gefallene ruht heute als Unbekannter Soldat auf dem Soldatenfriedhof Margraten in den Niederlanden, wo die Masse der in unserer Region gefallenen Soldaten beigesetzt wurden.

Die folgenden Fotografien stammen alle von Frau Verena Hallermann.

Exkursion Giebelwald (1)_Größenveränderung

Auf dem Vogelsang bei Freusburg – eine aus keltischer Zeit stammende Erz-Schürfstelle war im April 1945 als Unterstand eines deutschen Gefechtsstandes verwendet worden. Nach dem die Amerikaner diese Stellung erobert hatten, blieb der vorhandene Feld-Fern-Sprecher unentdeckt.

In der Nähe der so genannten Totenbuche spielten sich mehrere Gefechte zwischen deutschen und amerikanischen Truppen ab.

In der Nähe der so genannten Totenbuche spielten sich mehrere Gefechte zwischen deutschen und amerikanischen Truppen ab. Dritter von Links: Herbert Dietershagen aus Niederfischbach konnte über Funde von Kampfmitteln und Ausrüstung aus den letzten Jahrzehnten berichten.

Die von Karl Stark gefundene, abgefeuerte Patronenhülse im Kaliber .45

Die von Karl Stark gefundene, abgefeuerte Patronenhülse im Kaliber .45

Ich fand diesen Zufallsfund kaum fassbar, die Freude war anschließend natürlich um ein vielfaches größer, als Karl Stark mir die Hülse zum Geschenk machte.

Ich fand den Zufallsfund kaum fassbar, die Freude war anschließend natürlich sehr viel größer, als Karl Stark mir die Hülse zum Geschenk machte.

Am Todesort des Leutnant Morrés angelangt. Die tödliche Verletzung war durch einen Durchschuss im Bereich der rechten Niere hervorgerufen worden. Morré war Kraftlos in sich zusammengesackt. Seine Begleiter, die Soldaten Fischer und Fißmer, versuchten noch erste Hilfe zu leisten, jedoch kam diese zu Spät.

Am Todesort des Leutnant Morrés angelangt. Die tödliche Verletzung war durch einen Durchschuss im Bereich der rechten Niere hervorgerufen worden. Morré war Kraftlos in sich zusammengesackt. Seine Begleiter, die Soldaten Fischer und Fißmer, versuchten noch erste Hilfe zu leisten, jedoch kam diese zu Spät.

Quellen:

Unit Journal, April 1945, 28th Infantry Regiment, 8th Infantry Division

G2-Reports, April 1945, 28th Infantry Regiment, 8th Infantry Division

Bataillons Report, April 1945, 310th Infantry Regiment, 78th Infantry Division

Interviews mit verschiedenen deutschen und amerikanischen Veteranen.

Exkursion 4 – Kampf um den Brückenkopf Betzdorf

Mit einiger Verspätung werde  ich während dieser und in den nächsten Wochen nun endlich auch die noch fehlenden Berichte zu den gelaufenen Exkursionen in der Region einsetzen.

Unsere vierte Exkursion fand am 18, April in Betzdorf statt und führte vom Treffpunkt, Parkplatz am Flippolino, auf den Molzberg. Die Molzbergspitze ragt mit rund 340 Metern über NHN (Normalhöhennull) über Betzdorf und die Sieg, sperrt das Hinterland und sollte aufgrund dieser strategischen Lage zum Frontgebiet im März und April 1945 werden.

Am Sammelplatz in der Nähe des Molzberg-Schwimmbades wurde bereits um 14.30 Uhr klar: “Das Interesse ist groß!” Schon eine halbe Stunde vor ausgemachter Uhrzeit waren erste Interessenten von mehr als 20 Teilnehmern erschienen. Zwei der Teilnehmer hatten zudem eine einfache Fahrstrecke von knapp über 50 Kilometern auf sich genommen. Von besonders großer Freude war die erneute Anwesenheit von zwei Zeitzeugen, die, obwohl damals noch im Kindesalter, sich noch gut an die Ereignisse von März und April 1945 erinnern konnten.

Nach kurzem Empfang und Begrüßung konnte es gegen 15.15 Uhr dann endlich auf den Spuren der Geschichte losgehen. Betzdorf wurde durch die 59. Infanteriedivision verteidigt. Bei Betzdorf war das Grenadierregiment 1034 im Einsatz. Das Regiment war gerade erst zum Monatsende aus der Rheinfront nach Betzdorf verlegt worden und hatte mit Teilen des I. Bataillons einen Brückenkopf südlich der Sieg gebildet, die restlichen Truppen richteten sich nördlich der Sieg, so auch in und um Betzdorf, zur Verteidigung ein. Reserven wurden, so gut es ging, aus den Kampftruppen herausgelöst. Eine dieser Reservekompanie, es war eine etwa 30 Mann zählend Alarmkompanie, die sich aus Volkssturmangehörigen rekrutierte, lag ziemlich exakt im Bereich unseres Treff- und Startpunktes und wurde von dort aus in die Gefechte in der Nähe der “Hetzbach” verwickelt, gegen die amerikanische Soldaten aus dem Bereich der Gontermannstraße vorgingen.

Landkarte, basierend auf das Jahr 1943. Topographische Karte aus den Beständen der 1. US Army. Eintragungen wurden anhand Angaben im Kriegstagebuch des 28. US Infanterieregiments vorgenommen.

Landkarte, basierend auf das Jahr 1943. Topographische Karte aus den Beständen der 1. US Army. Eintragungen wurden anhand Angaben im Kriegstagebuch des 28. US Infanterieregiments vorgenommen.

Wie aber kam es überhaupt zur Bildung des Betzdorfer Brückenkopfes? Nachdem die Amerikaner südlich der Sieg weit nach Osten vorgestoßen waren, hatten sie damit begonnen, restliche deutsche Truppen, die noch südlich des Flusslaufes standen, zu bekämpfen. Ab dem Monatsende war die 8. US Infanteriedivision südlich der Sieg in Stellung gegangen. Das 28. amerikanische Infanterieregiment begann während der Abendstunden vom 31. März zum 1. April 1945 mit ersten Angriffen über die Sieg, um Brückenköpfe zu bilden. So versuchten sie bei Wallmenroth den Fluss zu überqueren, wo sie jedoch auf deutschen Widerstand stießen. Unter heftigem MG-Feuer mussten sich die amerikanischen Soldaten wieder bis in die Ausgangsstellung zurückziehen. Nur unter großer Mühe war es ihnen möglich die Verwundeten mitzunehmen. Nachdem die Gruppe am Bahndamm angelangt war, waren zwei ihrer Kameraden durch das deutsche MG-Feuer getötet worden. Mit diesem Rückzug war die einzige Chance vertan, von Wallmenroth aus nach Betzdorf anzugreifen und die deutsche Verteidigungslinie von rückwärts her aufzurollen.

Um 4.31 Uhr meldete Major Russel Manzolillo dem Bataillon, dass man wegen des Widerstands weiter Östlich einen Übergang versuchen müsse. „Weiter Östlich“ war in diesem Sinne Betzdorf und Bruche und die Umgebung des „Rainchens“, wo bereits zwei Kompanien in Stellung waren und seit vier Uhr Patrouillen in Richtung Sieg entsendeten. Einer dieser Patrouillen meldete um 4.45 Uhr, dass sie eine intakte Fußgängerbrücke entdeckt hatte. Kurz nach 5 Uhr erhielten sämtliche Patrouillen den Befehl, ohne Verzögerung die Sieg zu überqueren und zu sichern. Die erste Patrouille überquerte innerhalb der nächsten Minuten die Sieg und tastete sich bis an den Bereich der Patt- und Dilthey-Werke heran, wo ein schlafender Wachposten überrascht werden konnte. Nach einem kurzem Feuergefecht waren zwei deutsche Soldaten getötet und ein dritter in Gefangenschaft geraten. Innerhalb der nächsten Zeit setzten drei verstärkte Züge über die Sieg und sicherten gegen nur geringen Widerstand den Bereich bis zum Verlauf der Wilhelmstraße. Bis zu diesem Zeitpunkt leistete lediglich ein deutsches MG, das im Bereich der Gregor-Wolf-Straße in Stellung war, ernstzunehmenden Widerstand und forderte die ersten Verluste in den amerikanischen Reihen.

Mit Einbruch des Tageslichts änderte sich die Lage gravierend: Deutsche Verstärkungen waren aus der Nähe von Kirchen-Wehbach und von Dasberg herangekommen und sickerten in Betzdorf ein, Wehrmachtssoldaten, die noch immer bei Struthhof in Stellung waren, nahmen jede Bewegung im Bereich der Gontermannstraße und der “Hetzbach” unter Feuer. Schweres Artilleriefeuer ging auf dem Bereitstellungsraum (Güterbahnhof) der Amerikaner nieder. Überall in Betzdorf entwickelten sich heftige Kämpfe, die den ganzen Tag überdauerten. Im höher gelegenen Ortsbereich (alte Obstplantage) konnten die Amerikaner eine schwere PaK (Panzerabwehrkanonen) ausschalten. Während der Abendstunden setzte ein aggressiv vorgetragener, deutscher Gegenangriff ein, der mit Teilen bis kurz vor den amerikanischen Bataillonsgefechtsstand vordringen konnte. Erst danach ließ der deutsche Widerstand nach, trotzdem kehrte jedoch keine Ruhe ein, denn überall in Betzdorf flackerte immer wieder Feuer auf.

Wehrmachtsangehörige, die sich von der Pracht aus vor den aus Alsdorf vorstoßenden Amerikanern zurückzogen, durchwateten die Sieg im Bereich der “Hetzbach”, schlossen sich der eigenen Truppe an und nahmen an den weiteren Kämpfen  um Betzdorf teil. Zwischen dem 31. März (Angriffsbeginn) und dem 2. April (erreichen der Molzbergspitze) waren auf amerikanischer Seite mindestens 7 Soldaten gefallen, 31 wurden verwundet und 65 Mann in deutsche Gefangenschaft geraten.

<p align="justify">Auszug aus einem amerikanischen Gefechtsbericht mit detaillierten Angaben zum Kampf um Betzdorf. Mit "Hill 313" wurde der Molzberg bezeichnet; die "313" gibt hierbei keine Höhenangabe oder ähnliches wieder, sondern handelt es sich dabei um eine in der 8. US Infanteriedivision intern verwendete Nummerierung der vorgegebenen Ziele. Den Angaben zufolge konnten die Kommandeure die Gefechte im nordöstlichen Bereich von Betzdorf beobachten und sahen, als deutsche Soldaten erneut in Häuser eindrangen, die man zuvor bereinigt schon vom Feind hatte.</p><p align="justify">Die im Bereich Gregor-Wold liegende Kilo-Kompanie verwickelte sich in heftige Gefechte, nachdem Teile der Kompanie damit begonnen hatten, ihren Angriff in Richtung Molzbergspitze auszuweiten. Nördlich von der Kompanie wurde das Gelände durch deutsches MG-Feuer gesperrt. Die Kompanie wurde letztendlich festgenagelt und rannte sich in diesem Angriff fest.</p>

Auszug aus einem amerikanischen Gefechtsbericht mit detaillierten Angaben zum Kampf um Betzdorf. Mit “Hill 313” wurde der Molzberg bezeichnet; die “313” gibt hierbei keine Höhenangabe oder ähnliches wieder, sondern handelt es sich dabei um eine in der 8. US Infanteriedivision intern verwendete Nummerierung der vorgegebenen Ziele. Den Angaben zufolge konnten die Kommandeure die Gefechte im nordöstlichen Bereich von Betzdorf beobachten und sahen, als deutsche Soldaten erneut in Häuser eindrangen, die man zuvor bereinigt schon vom Feind hatte.

Die im Bereich Gregor-Wold liegende Kilo-Kompanie verwickelte sich in heftige Gefechte, nachdem Teile der Kompanie damit begonnen hatten, ihren Angriff in Richtung Molzbergspitze auszuweiten. Nördlich von der Kompanie wurde das Gelände durch deutsches MG-Feuer gesperrt. Die Kompanie wurde letztendlich festgenagelt und rannte sich in diesem Angriff fest.

 

 

Wir haben uns während unserer ca. 3,5 Kilometer führenden Exkursion die Orte des damaligen Kampffeldes angeschaut und über Ereignisse unterhalten, wodurch sich klar erkennen ließ, warum und wie sich die Kämpfe in Betzdorf abspielten und wie sich der eigentliche amerikanische Vorstoß auf die Molzbergspitze zugetragen hat. Auch konnten verschiedene Unklarheiten beseitigt und  viele Fragen beantwortet werden.

Von größerer Bedeutung war es auch näher auf Schicksale verschiedener Soldaten einzugehen, die noch kurz vor Kriegsende auf dem Molzberg gestorben sind. So musste auch die Rolle des damaligen Chefs vom Tankholz-Kommandos 48 näher erläutert werden. Hauptmann Karl Busse war als Kommandeur eines Tankholz-Kommandos bereits seit Mitte März 1945 in Wehbach einquartiert. Tankholz-Kommandos waren vom Grundprinzip her und vereinfacht dargestellt “Sägewerke”, die Brennholz beschafften, womit Holz als Treibstoff für auf Holzvergaser umgerüsteten Fahrzeuge verwendet werden konnte. In Wehbach hielt sich viele Jahre ein Gerücht, welches nach beinahe 70 Jahren nun endlich aus der Welt geschafft werden muss: Demnach sei Hauptmann Busse als ein “Kriegsverlängerer” aufgetreten und habe noch in letzter Minute den “Endsieg” herbeigesehnt. Busse wurde als jüngerer Offizier beschrieben, der “kurz vor Ende noch sein Ritterkreuz verdienen wollte”. Als die Amerikaner dann in Betzdorf über die Sieg gegangen waren, hätte er ausrufen lassen “Wehbach wird bis zum letzten Mann und zur letzten Patrone verteidigt!”, anschließend hätte der Hauptmann eine Kompanie, die in “Rußloch” stationiert war (dort war die Tankholz-Abteilung untergebracht), in das Gefecht befohlen. Auf Anfrage, woher diese Angaben stammen, wurde geantwortet: “Das hätte man sich in Wehbach über die Jahre so erzählt.” Mit Fakten belegt war also nichts, dafür aber eine Behauptung aufgestellt worden, die sich über 7 Jahrzehnte halten konnte.

Um nun jedoch einige Fakten in den Raum zu stellen: Hauptmann Busse war kein jüngerer Offizier, er hätte im Sommer 1945 seinen 50ten Geburtstag begangen. An Orden und Ehrenzeichen dürfte es ihm wohl kaum mehr gelegen haben, Busse war 1943 als Soldat der Reserve zum aktiven Dienst eingezogen worden, von Beruf war er Prokurist in einer Bank in Berlin, der “seinen Beruf liebte”. Aus Feldpostbriefen von der Front an die Familie bzw. den Sohn, der zur gleichen Zeit an der Ostfront im Einsatz war, war zu erfahren, “das er sich nichts sehnlicher wünsche, als dass der Schlamassel endlich zu Ende wäre um dann wieder Heimzukehren”. In zwei Operationen wurden ihm in den Jahren 1939 und 1942 Wucherungen am Rücken entfernt, wobei eine bis an die Wirbelsäule gewirkt hatte. Nach dieser letzten Operation soll Karl Busse kaum noch dazu in der Lage gewesen sein zu marschieren, schwere Lasten zu tragen geschweige denn über einen längeren Zeitraum zu stehen. Eine infanteristische Ausbildung hatte Hauptmann Busse ebenfalls nicht erhalten, bereits im Ersten Weltkrieg diente er von 1916 bis 1917 in einer Nachschubkompanie, eine Granatsplitterverletzung beendete seinen Kriegseinsatz bis zum Jahre 1943. Nach dem er als Reservist 1943 wieder eingezogen worden war, war er erneut als Prokurist für die Verwaltung einer Nachschub-Einheit in Frankreich eingesetzt worden.

Von einem aus der Gefangenschaft heimgekehrten Kameraden erfuhr Familie Busse im Sommer 1945 die näheren Todesumstände. Diesen Informationen zufolge erhielt Hauptmann Busse am 1. April 1945 in Wehbach den Befehl, mit seinen Soldaten und einigen Volkssturmangehörigen von “Rußloch” aus gegen den Amerikaner loszumarschieren und Betzdorf im Angriff zu entlasten. Hauptmann Busse soll hierauf noch geantwortet haben, dass der Befehl absoluter Wahnsinn sei, zumal seine “Kompanie” weder über Waffen verfügte noch irgendjemand dabei war, der Ahnung gehabt vom infanteristischem Kampf habe. Beantwortet sei wohl nur die Waffenfrage, wonach es geheißen habe “In Betzdorf wird bereits gekämpft, dort, wo gekämpft wird, wird auch gestorben, also könne sich die Kompanie auch bei den Gefallenen bewaffnen!” Befehl war Befehl, so marschierte dann das Tankholz-Kommando auf den Molzberg, im Bereich des heutigen Sendeturms gab Busse noch letzte Befehle aus. Nur wenige Augenblicke später starb Hauptmann Busse im amerikanischen Feuer dicht bei dem Wasserbehälter im Bereich oberhalb des heutigen “Tilsiter Weges”. Gemeinsam mit ihm starb sein Melder, der 18jährige Gefreite Werner Arndt, der wenige Meter weiter tot aufgefunden wurde. Arndt hatte eine Blutspur hinter sich hergezogen und wohl noch vergeblich versucht, sich selbst zu verbinden.

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Oberhalb dem Molzberg-Freizeitbad erfährt die Gruppe von den Ereignissen, die sich im April 1945 zwischen hier, der eigentlichen Molzbergspitze und Betzdorf zugetragen haben.

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Eine der Verteidigungsstellungen auf dem Molzberg. Zu erst waren hier deutsche Soldaten, nach dem 1. April 1945 hatte die Kilo-Kompanie dann den Molzberg und damit die Höhenstellung erobert. Links von der Schützenmulde: Mein Hund Shiro, der neutrale Beobachter. 🙂

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Auch für spezielle Fragen der Teilnehmer ist immer genügend Zeit vorhanden. Beinahe für jede Frage hatte ich die passende Antwort parat.

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Abschlussbesprechung – nach rund 3,5 Stunden sind wir zurück am Ausgangspunkt dieser Exkursion. Einhellige Aussage der Teilnehmer: “Höchst Interessant nach 70 Jahren zu erfahren, was sich bei uns vor der Haustüre ereignet hat!”

 

Gefallen in Hahnhof – Eine Spurensuche

70 Jahre liegt das Ende des Zweiten Weltkrieges nun zurück und doch sind seine Narben lange nicht verheilt. Immer noch gibt es auf Seiten der Angehörigen viele quälende Fragen, zu denen es oft keine oder kaum Antworten gibt. Eines dieser Schicksale betrifft auch Rolf-Dieter Huckfeldt aus Arpsdorf im Kreis Rendsburg-Eckernförde, dessen Onkel Johann Huckfeldt im April 1945 als Unteroffizier in Hahnhof gefallen ist.

Rolf-Dieter Huckfeldt befasste sich während der vergangenen Jahre bereits mehrfach mit dem Schicksal seines Onkels, den er zuletzt im Alter von vier Jahren gesehen hatte. „Im Herbst 1944 war mein Onkel letztmalig auf Heimaturlaub, er war bei uns zu Hause in der Landwirtschaft damit beschäftigt, die Felder zu bestellen!“, erinnert sich der 75-jährige Rentner.

Gedenkstein von Johann Huckfeldt (wird eigentlich mit “dt” geschrieben) auf der Kriegsgräberstätte in Wissen. Foto (c) Gerd Braas.

Im Internet stieß Rolf-Dieter Huckfeldt schnell auf erste Informationen zu den Kriegsereignissen in der Niederfischbacher Gegend, darunter auch auf die Seite www.niederfischbach.de. Nach einer ersten Kontaktaufnahme zu Gerd Braas brachte Rolf-Dieter Huckfeldt einen Stein ins Rollen, der endlich, nach mehr als 70 Jahren etwas Licht ins Dunkel bringen sollte. Gerd Braas, dem ich bereits vor längerer Zeit schon einmal behilflich war mit Angaben zu den Todesumständen des auf dem Giebelwald gefallenen Leutnant Klaus Morré, fackelte nicht lange und suchte Kontakt zu mir. Schnell kam ich zu dem Ergebnis: Hier kann man weiter helfen, vielleicht nicht alle Fragen beantworten, aber doch sicher das Schicksal des gefallenen Onkels etwas näher beleuchten. Nach einigen Telefonaten und Emails wurden dann „Nägel mit Köpfen gemacht“ und Rolf-Dieter Huckfeldt reiste am 12. Juni 2015 gemeinsam mit der Tochter an.

Gerd Braas stellte Freitags den beiden Huckfeldts die Gemeinde vor. Den nächsten Morgen erwartete Rolf-Dieter Huckfeldt bereits mit großer Spannung. In Hahnhof kam es am Samstagmorgen dann zur lang ersehnten Zusammenkunft. Empfangen wurde Familie Huckfeldt in der Nähe von Hahnhof durch den Ortsbürgermeister Matthias Otterbach, welcher die beiden freundlich begrüßte und Willkommensgeschenke überreichte. Danach stellte sich Herbert Dietershagen aus Niederfischbach als exzellenter Kenner und Wanderführer des Giebelwaldes vor. Gerd Braas, der durch seine kleine Tochter begleitet wurde, hatte einen Geländewagen organisiert, mit dem die Gruppe im Tagesverlauf noch das Schlachtfeld auf dem Giebelwald erkunden würde. Nachdem sich alle bekannt machen konnten, stellte ich mich ebenfalls Herrn Huckfeldt vor und versprach ihm, dass er im Laufe des Tages Antworten zu einigen Fragen erhalten würde. „Sicherlich, das ist klar, werden nicht alle Fragen zu beantworten sein, aber auf jeden Fall werden Sie einiges aus der Geschichte der letzten Lebenstage ihres Onkels erfahren! Ich zeige Ihnen auch den genauen Ort, an dem sich die Grablage befand, bevor die Gefallenen in den 1950er Jahren nach Wissen auf die Kriegsgräberstätte umgebettet wurden.“

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Zwischen Wüstseifen und Hahnhof: v.L.: Sandra Huckfeldt, Ralf Anton Schäfer, Herbert Dietershagen, Rolf-Dieter Huckfeldt, Gerd Braas, Ortsbürgermeister Matthias Otterbach. Vorne links, darf natürlich in der Aufzählung nicht fehlen, Hund Shiro, der uns auf der Spurensuche begleitet hat.

 Rolf-Dieter Huckfeldt zeigte sich sichtlich gerührt von der Gastfreundschaft und dem Bemühen aller Anwesenden, die Umstände des Todes seines Onkels nach so langer Zeit, so weit wie es noch möglich ist, aufzuklären und er  erklärte:

 „Es war mir ein innerer Drang, hier nach Niederfischbach zu kommen, um mir den Ort anzuschauen, wo das Leben meines Onkels ein viel zu frühes Ende fand“, so Huckfeldt. Und weiter: „Dieser Herzenswunsch wurde in den letzten Jahren immer stärker. Das Ehrengrab meines Onkels in Wissen habe ich zwar als junger Mann, damals mit meiner Mutter, besucht, aber viel wichtiger ist es mir, hier heute an diesem Ort und dieser wirklich wunderschönen Landschaft zu sein – wenn auch mein Onkel sicher für diese schönen Ausblicke in seiner aussichtslosen Lage kein Auge gehabt haben wird“.

 In der Tat hatte der Onkel 1945 sicherlich kein Auge für die Schönheit des Asdorftals, denn es war die Zeit, als sich der Zweite Weltkrieg seinem Ende zuneigte, es war die Zeit, als der Giebelwald zum Frontgebiet wurde, es war die Zeit, als das Hundertfache Sterben im Kanonendonner und Kugelhagel begann.

Ich klärte kurz gefasst über die Zusammenhänge von März und April 1945 auf, darüber, wie die 1. US Armee am 7. März bei Remagen den Rhein überschritt und einen Brückenkopf bilden konnte, aus dem die Amerikaner am 25. März 1945 ausbrachen. Durch den nach Osten gerichteten Vorstoß der amerikanischen Verbände wurden große Teile der 15. Armee zerschlagen, Kräfte die sich dem Angriff der Amerikaner entziehen konnten, wurden vor den Stoßkeilen hergetrieben oder konnten sich hinter die Sieg zurückziehen. Am 29. März 1945 erhielt die Sieg im Oberkommando der Wehrmacht den Namen „Siegfront“. Diese Frontlinie sollte unter allen Umständen mit allen verfügbaren Kräften gehalten werden. So kam es, dass das Siegerland zum Frontgebiet wurde. Bunt zusammengezogene Haufen wurden an die Front geworfen und in letzter Stunde in einem sinnlosen Opfergang verheizt.

Von Herkersdorf-Offhausen kommend, marschierten die Amerikaner während der Nacht zum 1. April 1945 in Kirchen ein, dass gegen geringen Widerstand erobert werden konnte. Im Anschluss bereiteten sich die Amerikaner darauf vor, die Sieg bei Brühlhof zu überschreiten, um von dort aus über Freusburg auf den Giebelwald zu stoßen, von dem Bekannt war, dass sich dort größere Wehrmachtsverbände aufhielten. In Mitten des Strudels dieser Kämpfe war auch der Unteroffizier Johann Huckfeldt gefangen. Für ihn und viele seiner Kameraden gab es keinen Ausweg mehr. Zwischen dem 1. und 6. April 1945 wurde die waldreiche Gegend zum Schauplatz von verlustreichen Kämpfen. Nachdem am 3. April Freusburg gefallen war und die amerikanischen Angriffe den heftig umkämpften Vogelsang endlich erobern konnten, nahm die Heftigkeit besonders um die waldreichen Höhen nördlich der Sieg zu.

Die amerikanischen Angriffe führten aus drei Richtungen auf den Giebelwald zu: Von Freusburg, von Mudersbach und von Niederschelden her. Ab dem 6. April 1945 auch noch aus Richtung Wehbach, das am Morgen in amerikanische Hand gefallen war.

Deutsche Soldaten, die zuvor im Bereich Wüstseifen gesammelt wurden, sollten den amerikanischen Vormarsch aufhalten.  Angehörige einer Flak-Einheit, die von Wehbach kommend in Richtung Niederfischbach zurückging, wurden durch einen deutschen Offizier aufgefangen und gemeinsam mit dem bei Wüstseifen zusammengezogenen Haufen in die Verteidigung Hahnhofs einbezogen. Es ist mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass der 27-jährige Unteroffizier Johann Huckfeldt dieser Truppe angehörte. Im Laufe des Tages gingen die Amerikaner mit Panzerunterstützung von Altenthal aus gegen Hahnhof vor.

Rolf-Dieter Huckfeldt war bekannt, dass sein Onkel den Erzählungen nach an einem Waldrand mit Wiesen bewachsenem Berghang gefallen sein muss.„Mein Onkel wollte einem verletzten und um Hilfe rufenden Kameraden zu Hilfe eilen und wurde hierbei selbst tödlich verwundet! Ein Kamerad, der ebenfalls in Arpsdorf gelebt hat und mit meinem Onkel zusammen war, hatte meiner Mutter über den Tod von Johann berichtet.“

Das passt auch zu den Ereignissen der Apriltage von 1945. Die zurückgehende Wehrmacht hatte eine hastig errichtete Verteidigung organisiert. Am Ortsrand war ein MG in Stellung gebracht worden, ein Granatwerfer unterstützte aus dem Bereich des heutigen Geländes der Tennissportanlagen. Wenige Soldaten befanden sich in Hahnhof, am Waldrand zum Wäschebachskopf hin sollte sich die Hauptkampflinie befinden, jedoch fehlten die Soldaten zur organisierten Verteidigung. Als die Amerikaner darauf in den Ort eindrangen kam es zu einem kurzen Feuerkampf. Zu diesem Gefecht ist in Hahnhof bekannt „…dass die Amerikaner mit einem Panzer, der am Gleisende in der Nähe von Wüstseifen stand, in den Ort reinfeuerten!“ Wüstseifen war gerade kampflos eingenommen worden und mehrere deutsche Soldaten, die sich zusammen mit Einwohnern im Bergwerkstollen vor den Kugel in Sicherheit gebracht hatten, waren in Gefangenschaft geraten.

In einer breitgefächerten Formation sickerte die amerikanische Infanterie in den Ort Hahnhof, wurden aber sofort von den deutschen Soldaten mit schwerem Feuer belegt. Hiernach folgte der „Sherman-Panzer und nahm den Hang und die Böschung um das Haus unter Feuer“, erinnerte sich Werner Stähler in Hahnhof, der auf Herbert Dietershagens Anfrage sofort bereit war, mit seinem Erinnerungen als Zeitzeuge der Familie Huckfeldt weiterzuhelfen.

Nachdem der Panzer in Hahnhof eingefahren war und die Infanterie Hahnhof besetzte, flammte hier und da nur noch vereinzeltes Feuer auf, das jedoch wenig später eingestellt wurde. Letzte Soldaten starben nur wenige hundert Meter entfernt von Werner Stählers Elternhaus. Es ist bekannt, dass in diesem Bereich mehrere Angehörige einer Flak-Einheit eingesetzt waren. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich darunter auch der Unteroffizier Johann Huckfeldt befunden hat, dürfte sehr hoch sein.

 In und um Hahnhof befanden sich bis zum 10. April eine ganze Reihe Feldgräber, man hatte die Gefallenen erst einmal notdürftig an Ort und Stelle begraben. Am 10. April wurden 13 gefallene Soldaten zentral in Hahnhof bestattet. Dieses Grab wurde am 15. April durch Pfarrer Engel unter großer Teilnahme der Bevölkerung eingesegnet. Anfang bis Mitte der 1950er Jahre erfolgten überall im Gebiet des Kreises Altenkirchen groß angelegte Umbettungsarbeiten, um die vielen einzelnen, verstreuten Feld- und Soldatengräber zentral an einem Ort zusammenzufassen. Bei diesen Umbettungen wurden auch die Gräber der in Hahnhof gefallenen Soldaten nach Wissen umgebettet, wo sich nun insgesamt 317 Gräber finden. Wissen ist damit die größte Kriegsgräberstätte im Kreis Altenkirchen.

Besuch des Ehrenfriedhofs in Wissen/Sieg. Foto (c) Gerd Bäumer

Rolf-Dieter Huckfeldt und seine Tochter Sandra besuchen die Grabstätte des Onkels auf dem Ehrenfriedhof in Wissen/Sieg. Foto (c) Gerd Bäumer

In der Gefallenendatenbank beim Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge wird als Todesdatum des Johann Huckfeldt der 3. April 1945 angegeben. Rolf-Dieter Huckfeldt war bislang der 4. April 1945 als Schicksalsdatum bekannt, genauer gehen jedoch die Unterlagen des katholischen Pfarramtes, wonach die Gefallenen des 5. und 6. Aprils 1945 am 10. April 1945 durch den Pfarrer Konrad Engel beerdigt worden sind. Hahnhof wurde jedoch am 7. April 1945 durch die Amerikaner eingenommen, so lässt sich nun mit ziemlicher Sicherheit das Todesdatum auf den 7. April festlegen.

Am 7. April 1945 ging für Hahnhof, den Giebelwald und Niederfischbach der Zweite Weltkrieg zu Ende,  nach gut einer Woche Kämpfe um die Sieg und das tiefreichende Waldgebiet blieben mehr als 150 Gefallene zurück. Mindestens 150 Schicksale, Söhne, Väter, Brüder – und Onkels!

Nachdem wir uns bei Familie Stähler verabschiedet hatten, musste ich mich ebenfalls von der Gruppe trennen. Gerne hätte ich die Gruppe um Gerd Braas und Familie Huckfeldt noch mit auf den Giebelwald begleitet, jedoch musste ich am Nachmittag noch eine Exkursion auf den Spuren des Kriegsendes 1945 durch den Kausener Wald in der Nähe von Steineroth führen. Ich verabschiedete mich von Rolf-Dieter Huckfeldt und dessen Tochter Sandra und wünschte ihnen eine gute Heimreise. Rolf-Dieter Huckfeldt und seine Tochter bedankten sich außerordentlich bei mir, für sie war damit der Ausflug in die Geschichte jedoch noch nicht zu Ende. Unter der Führung von Herbert Dietershagen fuhr die Gruppe um Gerd Braas anschließend noch die verschiedenen Kampffelder auf dem Giebelwald an, so besuchten sie zum Beispiel den Vogelsang nördlich Freusburg, um den die Amerikaner bitter fochten, die Wasenecke, wo der junge Leutnant Klaus Morré am 4. April 1945 nach schwerer Verwundung verblutete und den Hellbachskopf, um den sich bittere Kämpfe abspielten. Am Ort eines ehemaligen Soldatengrabes erinnern heute Basaltsäulen an die Gefallenen des Giebelwaldes und die schicksalhaften Tage von April 1945.

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Mahnstätte auf dem Hellbachskopf in der Nähe von Niederfischbach. Hier befand sich eines von mehreren Feldgräbern in der Gemarkung des Giebelwaldes.

Zusammenstoß zweier Patrouillen

Ende März 1945 kam es in Steineroth zu einem Zusammenstoß zwischen einer deutschen und einer amerikanischen Patrouille. Hierbei mussten Soldaten beider Seiten noch kurz vor Kriegsende ihr Leben lassen.

Liebe Freunde des Gebhardshainer Landes und der Heimatgeschichte!

Ich darf euch heute, wenn auch recht kurzfristig,  darauf hinweisen, dass am kommenden Samstag, den 30. Mai 2015, die vorletzte Exkursion zum Thema „70 Jahre Kriegsende“ im Kreis Altenkirchen stattfinden wird.

Dieses Mal wird es keine „kilometerfressende“ Wanderung  sein, wie es öfters bei den sieben Veranstaltungen zuvor der Fall gewesen war. Die Runde am nächsten Samstag beginnt um 15 Uhr am Friedhof in Steineroth (also zwischen Betzdorf-Steineroth) und führt kurz in Richtung Dauersberg, wo die Amerikaner durch deutsche Soldaten angegriffen wurden. Einige deutsche Grenadiere hatten so getan, als wenn sie sich ergeben würden, zogen aber in direkter Nähe vor den amerikanischen Soldaten ihre Waffen und eröffneten das Feuer. Der Krieg dauerte von diesem Tag an noch gut einen Monat, es sollten noch viele Tausende Soldaten, Alliierte und Deutsche, unmittelbar vor Kriegsende sterben. Der Krieg hatte am 29. März 1945 in Steineroth Einzug erhalten und forderte unbarmherzig seinen Tribut. Von diesem Ort des Gefechtes folgen wir im Anschluss durch Steineroth auf den Pfaden zweier Patrouillen, einer amerikanischen und einer deutschen, den Weg der Geschichte von März 1945 zu folgen.

Wer darüber hinaus noch Interesse hat, wird bei der übernächsten Exkursion, am 13. Juni um 15 Uhr bestens bedient sein. Von einem Waldrand in der Nähe von Kausen eröffnet Ende März 1945 ein deutsches MG das Feuer. Danach herrscht den Rest des Tages relative Ruhe. Erst am Abend fallen erneut Schüsse aus der gleichen Richtung, eine Patrouille des I. Bataillons vom 28. US Infanterieregiment wird darauf in die Wälder geschickt, um nach dem Ursprung zu suchen. Wir folgen am 13. Juni den exakten Weg der Patrouille und erfahren von den Erkundungsergebnissen. Wenn es die Teilnehmer wünschen, wird auch ein kleiner „Umweg“ in Kauf genommen. Wir verlassen hierbei den eigentlichen Weg der Patrouille und laufen zu einem „Strongpoint“; einem amerikanischen Stützpunkt in der Nähe. Der Umweg ist zu verkraften und führt nach rund 750 Metern zurück auf die Route unserer Patrouille.

Über rege Teilnahme würde ich mich freuen, aber muss auch hier wieder Sagen: „Wer sich nicht bei der Kreisvolkshochschule in Altenkirchen anmeldet, wird unter Umständen leer ausgehen.  Zurückgelassen haben wir zwar noch Niemanden, aber einen Ausdruck mit den meisten Informationen zur Exkursion erhalten, solange der Vorrat reicht, vorrangig nur die angemeldeten Teilnehmer.

Viele Grüße

Ralf Anton Schäfer

Einen Direkt-Link zur Kreisvolkshochschule in Altenkirchen finden Sie hier:

Kreisvolkshochschule Altenkirchen

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Exkursion 3 – Kampf um den Brückenkopf Wissen

Am 11. April 2015 fand unsere dritte Exkursion statt. Die Hinweise in der Rhein-Zeitung ließ die Anzahl der Teilnehmer auf 21 Personen ansteigen. Darunter waren auch einige Personen, die aus eigenem Erinnern meine Beiträge bestätigten oder sogar auch ergänzen konnten. Die Exkursion führte dieses Mal die interessierten Teilnehmer in den Bereich des amerikanischen Brückenkopf nördlich der Sieg bei Wissen-Brückhöfe.

Um 20.00 Uhr am Abend des 29. März 1945 erhielt das 28. US Infanterieregiment der 8. US ID den Befehl zum Vorstoß auf Wissen. Dazu marschierte eine Kompanie aus dem Raum Altenbrendebach in nordwestlicher Richtung nach Schönstein vor, dass sie ohne größere Gegenwehr einnehmen konnte. Um Schönstein zu sichern, wurde ein Zug Infanterie zurückgelassen, der Rest der Kompanie drängte nun über die Wiesengrundstraße und den Brixiusweg gegen Wissen vor und konnte bis kurz vor die Steinbusch-Anlagen vorstoßen, wo erstmalig ernstzunehmender Widerstand geleistet wurde. Durch das jetzt aufflammende Infanteriefeuer alarmiert, setzte schweres Granatwerfer- und Artilleriefeuer ein, wodurch der Vormarsch der Amerikaner sehr stark verlangsamt wurde. Ein deutscher Gegenangriff aus Richtung Kreuztal-Bergstraße brachte den amerikanischen Vormarsch vollends zum Stillstand und drängte die amerikanische Infanterie zurück, so dass die Front in der Nacht etwa über Köttingen-Dörnerstraße-Schönstein verlief. Während der restlichen Nachtstunden kam es noch zu vereinzelten Schießereien im südlichen Ortsbereich, der im Verlauf des 30. März dann nach einigen Gefechten restlos erobert wurde. Bis zum nächsten Tag wurde der Frontbereich gesichert und die Infanteristen des 28. US Infanterieregiment drangen auf voller Breite bis an die Sieg vor. Im Raum Wissen sah die Lage etwa wie folgt aus: Zwischen Schönstein und Kleehahn hatte Infanterie die wichtigsten Vorposten besetzt, in Wissen war eine verstärkte Kompanie eingesetzt und sicherte von Schönstein über Bahnhof Wissen entlang der Gleise bis zum kath. Friedhof. In Richtung Etzbach wurde durch verstärkte, mobile Patrouillen die Linie gesichert.

Die Lage in Wissen am 31. März vor dem Angriff über die Sieg.

Die Lage in Wissen am 31. März 1945 vor dem amerikanischen Angriff über die Sieg.

In dieser Lage erteilte die Division am frühen Abend des 31. März 1945 den Befehl, bei Wissen die Sieg zu überqueren und einen Brückenkopf zu bilden. Kurz nach 22 Uhr wurden die Befehle an die Kompanien erteilt und um 23.00 Uhr gingen die GIs in ihre Ausgangsstellungen bei Schloss Schönstein. Mit Hilfe der Fußgängerbrücke sollte ab Mitternacht bei Frankenthal die Sieg überquert und auf den Kucksberg vorgestoßen werden. Es dauerte bis 4.35 Uhr, bis die Kompanien den Fluss überquert hatten und besonders das Gelände der Walzwerke, den Bereich um das Gefangenenlager und den Sandberg von deutschen Kräften bereinigt hatten. Am Morgen des 1. Aprils stand das II. Bataillon des 28. US Infanterieregiments um 7.20 Uhr mit ersten Soldaten in der Brückhöfe und hatte den Kucksberg gesichert. Erst jetzt konnte der Angriff auf Richtung Öttgesborn und mit eindringen in die Brückhöfe ausgeweitet werden.

Während dieser knapp mehr als 5 Kilometer langen Exkursion haben wir uns die damaligen Fronträume angeschaut und ich berichtete darüber, wie sich die Kämpfe besonders um Bereich des Sandberges und im unterhalb liegenden Industriegebiet währen des Tages ereigneten. Unser Weg folgte im Groß der Route einer amerikanischen Kompanie. Unbekannt war, dass sich bereits im Bereich des ehemaligen Zwangsarbeiterlagers die ersten Waldkämpfe zwischen dem deutschen Grenadierregiment 957 und dem amerikanischen 28. Infanterieregiment ereigneten, dass es also bereits unmittelbar nach dem Sieg-Übergang zu ersten Gefechten gekommen ist.

Unser Weg auf den Kucksberg führte an einer deutschen Granatwerfer-Stellung vorbei, deutlich kann man auch heute noch den Zugang in die Stellung erkennen. Als wir auf der Höhe des Kucksberg angekommen waren, erläuterte ich, dass die Amerikaner auf Grund des deutschen Widerstands für eine Wegstrecke von gerade mal 2 Kilometern knapp 7,5 Stunden gebraucht hatten und das zur gleichen Zeit im Bereich des Sandberges und in den alten Walzwerken noch immer verbissen gekämpft wurde. Erst nachdem die amerikanischen Soldaten den Sandberg umgingen und die deutsche Linie von hinten angingen, brach der schwere dort Widerstand langsam zusammen. Erst jetzt stand der Weg in die Brückhöfe offen, der aber noch immer gegen fanatischen Widerstand erkämpft werden musste.

Besonders eindrucksvoll war vermutlich für die meisten Teilnehmer der Blick aus den ehemaligen Frontstellungen des Dünnwalder Volkssturms auf die Stadt Wissen.

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Captain (Hauptmann) Clyde Trivette kommandierte die “Easy”-Kompanie, die sich in der Brückhöfe festgesetzt hatte und ist während der schweren Kämpfe des 5. April 1945 gefallen.

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Der in der Brückhöfe gefallene Oberleutnant Otto Weimer. Er kommandierte die 2. Kompanie des Grenadierregiments 957.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Reste vom Zwangsarbeiter-Lager  am Weg auf den Kucksberg.

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Beschussschäden an den Pfeilern der Wissertalbahn über die Sieg in Wissen. Der Text der angebrachten Tafel gibt als Datum der Zerstörung den 5. April 1945 an. Dieses Datum ist allerdings nicht korrekt, da sämtliche Brücken in Wissen am 28. und 29. März 1945 durch Sprengung zerstört wurden.

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Blick von der Siegbrücke auf den Sandberg. Vom Sandberg aus beobachtete Generalfeldmarschall Walter Model die Kämpfe in Wissen.

 

Exkursion 2 – Durchbruch der 3. US Panzerdivision

105mm leichte Feldhaubitze, wie sie auch bei Ingelbach im Einsatz waren. Bundesarchiv Bild 101I-031-2415-16, Russland, Soldaten an leichter Haubitze

105mm leichte Feldhaubitze, wie sie auch bei Ingelbach im Einsatz waren.
Bundesarchiv Bild 101I-031-2415-16, Russland, Soldaten an leichter Haubitze

Am 4. April 2015, natürlich rechtzeitig zu Ostern, hatten wir die zweite Exkursion durchgeführt. Wegen des Feiertages entsprechend in kleinem Rahmen. Angemeldet hatten sich sieben Personen, erschienen waren allerdings trotz des Osterfeiertages neun Interessierte um 15.00 Uhr am Treffpunkt in Bahnhof Ingelbach.

Als kleines Highlight hatte ich für jeden Teilnehmer ein alliiertes Luftbild aus dem Jahr 1945 dabei. Auf dieser Aufnahme kann man eine Flak-Stellung recht deutlich erkennen. Diese Flak war im März 1945 mit ein Grund dafür, warum die Panzer der 3. US Panzerdivision runter von der Straße (Verlauf der B414 von Altenkirchen nach Hachenburg) mussten und über Niederingelbach weiter vorstießen. Darüber hinaus erhielt jeder Teilnehmer eine Skizze aus der Feder von General Fritz Bayerlein, der als deutscher Kommandeur den amerikanischen Ausbruch stoppen sollte. Wie und warum diese deutschen Unternehmungen fehlschlugen, erfuhren die Teilnehmer während unserer rund 4 Kilometer weit führenden Exkursion.

Thema der Exkursion waren die Kämpfe und Ereignisse vom 25. und 26. März 1945, nachdem die Amerikaner aus dem Brückenkopf von Remagen ausbrachen. Tagesziel der 3. US Panzerdivision war am 25. März die Kreisstadt Altenkirchen, das erst im Verlauf des nächsten Tages erreicht und erobert werden konnte. Nachdem die amerikanischen Einheiten in Altenkirchen eingedrungen waren, stießen Verstärkungen der 104. US Infanteriedivision nach und sicherten die Umgebung. Widerstand wurde in Altenkirchen so gut wie keiner mehr geleistet. Erst mit Wiederaufnahme der Angriffe am späten Nachmittag schlug den amerikanischen Panzern erneut Feuer entgegen.

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Skizze zum Kampf des LIII. Armeekorps im Raum Altenkirchen. Gezeichnet von Generalleutnant Fritz Bayerlein 1946 in alliierter Gefangenschaft.

Deutsche Panzer und eine 8,8cm Flak hatten sich in der Nähe von Sörth, Mammelzen und Reuffelbach in Lauerstellung begeben und erwarteten die Amerikaner. Zwei im Wald bei Giesenhausen befindliche schwere Artilleriegeschütze des Volksartilleriekorps 388 mussten vor den Amerikanern in Sicherheit gebracht werden, um dies zu ermöglichen wurde Infanterie und ein schwerer Panzer eingesetzt. Die Artilleriegeschütze konnten buchstäblich in letzter Minute unter amerikanischen Infanteriebeschuss abgefahren werden und verlegten über Limbach-Elkenroth-Eiserfeld in den neuen Einsatzraum nördlich der Sieg. Bei diesem Gefecht starben zwei deutsche Soldaten, die man in Ingelbach zur letzten Ruhe bettete.

Unser Weg führte vorbei an Feuerstellungen der 10,5cm le.FH 18 (leichte Feldhaubitze 18) und dem Erschießungsort eines jungen deutschen Soldaten, der durch einen vorgesetzten Offizier in den letzten Märztagen 1945 hingerichtet wurde. Die Teilnehmer konnten sich eine Infanteriestellung anschauen, von wo erster Widerstand gegen den aus Niederingelbach vorstoßenden Amerikaner geleistet wurde.

Bevor wir den Rückweg antraten, besichtigten wir den Ort, an dem die 3. US Panzerdivision einen M7-Artilleriepanzer verlor, unweit dieser Stelle richtete der amerikanische General Maurice Rose für den Rest des Tages seinen Divisionsgefechtsstand ein. In dieser Gegen gerieten 30 Volkssturmangehörige in Gefangenschaft, in der Masse waren es Angehörige der Hitlerjugend, die mit weißer Fahne voran und im Stechschritt den Amerikanern entgegenmarschierten. Zum Abschluss der Runde besichtigten wir eine Feuerstellung der 9. Panzerdivision. Ein Geschütz vom Typ Hummel hatte dort mindestens zwei Tage lang in Stellung gelegen und den artilleristischen Feuerkampf auf den Raum Altenkirchen gelegt.

Exkursion 1 – Die Pak-Linie bei Hasselbach

Am 28. März 2015 wurde von uns die erste Exkursion durchgeführt. Sie führte zu Teilen durch den ehemaligen Frontbereich der 3. Panzergrenadierdivision in der Nähe von Hasselbach. Diese Linie war im März 1945 bestückt mit mehreren PaK- (Panzerabwehr), und Flak (Fliegerabwehr)- Geschützen, die tief gestaffelt hinter der deutschen Infanterie in Stellung gebracht worden war, dazu kamen ein Tigerpanzer, ein Panzer IV und zwei Sturmgeschütze, über den Einsatz dieser beiden Sturmgeschütze liegen auch heute nur sehr vage Angaben vor. Der neu gebildete Abschnitt unterstand dem Befehl des LIII. Armeekorps und erhielt den Namen “PaK-Linie Hasselbach”.

Am 25.3.1945 brachen die Verbände der 1. US Armee aus dem Brückenkopf von Remagen aus. Im nördlichen Bereich der Ausbruchskämpfe konnte keines der geforderten Tagesziele erreicht werden, zu diesen Zielen zählte auch Altenkirchen. Die Panzerspitzen der 3. US Panzerdivision stießen vor bis nach Rettersen – Mehren – Ahlbach und Flammersfeld, dazwischen und dahinter folgten Verbände der 104. US Infanteriedivision, die sich während des Tages den Weg nach Mehren freikämpften. Die Verluste waren auf beiden Seiten enorm hoch.

Die Masse der deutschen Verbände wurde durch die Wucht des amerikanischen Angriffs schwer getroffen und ein Großteil der Truppen zerschlagen. Vieler Orts wurde die deutsche Front einfach überrollt und es setzte eine Flucht in nordöstliche Richtung ein. Wer nicht in Gefangenschaft geraten oder gefallen war, zog sich orientierungslos zurück oder versuchte, aufgefangen durch Offiziere, noch einmal Widerstand zu leisten.

Um dieser vollkommen chaotischen Lage Herr zu werden, befahl Generalfeldmarschall Model persönlich eine Auffanglinie. Damit wollte man es der Masse der Wehrmachtsverbände ermöglichen, sich nach jenseits der Sieg abzusetzen und nicht in letzter Minute noch in verlustreiche Verfolgungskämpfen verwickelt zu werden. Um aber diese Absetzbewegung ins Laufen zu bringen, mussten die amerikanischen Angriffe wenigstens für eine Zeit lang aufgehalten werden. Dazu hatte der Generalfeldmarschall Model die Errichtung einer Frontlinie von Werkhausen über Forstmehren bis einschließlich südöstlich Orfgen gefordert.

Die Umsetzung des Planes war jedoch infolge extremen Mangels an Soldaten, schweren Waffen und Material absolut unmöglich geworden. Dennoch hatte der Befehl Models Gültigkeit und musste auf alle Fälle umgesetzt werden. Infolge der Knappheit an Waffen und Gerät führte die Linie schließlich nur von Werkhausen bis nach Heuberg. Hinter den Infanteriestellungen war man in aller Eile damit beschäftigt, Flak-,PaK und Artilleriegeschütze aufzufahren; insgesamt etwas mehr als 20 Geschütze im Kaliber von 20mm bis hin zu 170mm Artillerie. Noch während man sich auf amerikanischer Seite darauf vorbereitete, den Durchbruch nach Altenkirchen zu vollenden, liefen auf deutscher Seite die Bemühungen auf Hochtouren, den unmittelbar bevorstehenden erneuten Angriff zum Stehen zu bringen.

Mit dem Umsetzen des Befehls war der Chef des LIII. Armeekorps, Generalleutnant Fritz Bayerlein, beauftragt worden. Er sollte für die Errichtung und das Halten der Linie mit seiner Person haften. Trotz der Aussichtslosigkeit des Unternehmens war Bayerlein dazu in der Lage, aus den sich orientierungslos zurückziehenden Truppen, eine Kampfgruppe im Raum Weyerbusch zu versammeln. Größten teils waren dies zurückflutende Soldaten der zersprengten 3. Panzergrenadierdivision und Angehörige vom Grenadierregiment 957. der 363. Volksgrenadierdivision.

Über die entstandenen Kämpfe am 26.3.1945 in der Umgebung von Hasselbach berichtete ich während der Exkursion entlang der damaligen PaK-Linie von Weyerbusch aus bis etwa oberhalb von Forstmehren. Da es ganz einfach viel zu viel zu erzählen gab und einige Fragen detaillierte Antworten forderten, musste die Runde eingekürzt werden, weil doch schon nach knapp der Hälfte des Weges die Zeit knapp wurde. Trotzdem reichten die Reaktionen vom ins staunen geraten, über schockiert sein bis hin zu völlig Neues zu erfahren. Worte eines Teilnehmers und Zeitzeugen der Kämpfe bei Forstmehren: “Sie wussten viel mehr Details als mir bekannt war!” Das ist doch ein Urteil, über das man sich freut!

Die Exkursion begann am Sportplatz in Weyerbusch, in diesem Bereich erfolgte die Aufstellung der deutschen Infanteristen, bevor sie tropfenweise, so wie sie eintrafen, in die vor ihnen liegende Frontabschnitte eingewiesen wurde.

Im Bereich der heutigen Parkstraße ging es vorbei an nicht mehr sichtbare Stellungen für deutsche Granatwerfer. Wir verließen die Parkstraße und betraten den Wald in westliche Richtung, hier erörterte ich, warum es überhaupt zur Bildung der so genannten PaK-Linie gekommen ist.

Darauf führte uns der Weg an den Waldrand, von wo aus man detailliert die Begebenheiten in und um Hasselbach schildern, deuten und erahnen konnte, was sich im März 1945 in dem kleinen Ort zugetragen hatte. Mehrere Zeitzeugen schilderten, wie sie in Hasselbach den ganzen Tag über das Trommelfeuer der deutschen und amerikanischen Artillerie er- und überlebten, ein weiterer Zeitzeuge berichtete, dass sich rund 20 Mann in einem Keller in Forstmehren vor dem Artilleriehagel in Sicherheit brachten und am Abend sich bereitwillig in alliierte Gefangenschaft begeben hatten.

Viele Spuren sind heute nicht mehr klar erkennbar, die allermeisten Bombentrichter sind bereits zugeschüttet worden, genau wie es mit den meisten Verteidigungsstellungen der Fall ist. Einige wenige sieht man noch sehr genau im Gelände, die meisten aber muss man erraten.

Mein Dank geht an die Teilnehmer dieser ersten Exkursion, denn trotz des schlechten Wetters waren wir rund 25 bis 30 Personen, darunter befanden sich gleich mehrere Zeitzeugen der Geschehnisse, denen man besonders dafür danken muss, dass sie einen Einblick in ihre eigenen, zum Teil doch sehr persönlichen Erfahrungen ermöglichten. Einige Teilnehmer hatten Fragen, alle bekamen Antworten. Mit einigen Leuten werde ich noch telefonieren, andere haben sicherlich noch weitere Fragen. Bester Dank geht auch an Bernd Kohnen, welcher als Leiter der Volkshochschule Altenkirchen den organisatorischen Bereich erledigte. Ohne dessen Vorarbeit hätte es sicherlich nicht so eine große Gruppe gegeben.

Die nächste Exkursion führt am Samstag, den 4. April, nach Ingelbach, dort werden die Zusammenhänge geschildert, die den amerikanischen Durchbruch über Altenkirchen hinweg zum Thema haben. In der Nähe gibt es unter anderem noch eine Hummelstellung der 9. Panzerdivision zu besichtigen, die bis heute erhalten und ein Zeuge dessen ist, was sich 1945 vor unseren Haustüren abspielte.

Alle Punkte in der Karte lassen sich anwählen und enthalten teilweise noch Informationen.

Ausstellung im Kreisarchiv Altenkirchen

Am 21. März 2015 war es endlich so weit!

Nach monatelangen Vorbereitungen und etwas stressigen Tagen in der Endphase, wurde am 21. März endlich unsere Ausstellung zum 70. Jahrestag des Kriegsendes im Kreis Altenkirchen eröffnet.

Gleich am ersten Tag kamen mehr als 100 interessierte Besucher in das Kreisarchiv in der Hochstraße 13 in Altenkirchen, um die Ausstellung zu sehen. Darunter waren Gäste, die sich als Zeitzeugen bestens an die Ereignisse der Schreckenstage aus März und April 1945 erinnern konnten, sie kamen zum Teil extra aus Kassel, Heidelberg und sogar Braunschweig angereist. Auch zwei Schulklassen mit jungen Leuten kamen in der letzten Woche die Ausstellung besuchen, die auch reges Interesse für die Geschichte der Region gezeigt haben. Frau John, Rektorin der Realschule plus in Altenkirchen, drückte besonders ihren Dank für das Engagement aus.

Wir waren wirklich erfreut über die durchweg positive Resonanz, denn gerade wegen der sehr begrenzten Ausstellungsfläche war es eine große Herausforderung, möglichst viele Informationen über die letzten Kriegstage im Kreis Altenkirchen zu vermitteln. So erwarten den Besucher zunächst einmal einen Film und eine Animation, die einleitend auf großen Leinwänden gezeigt werden und einen allgemeinen Überblick über die Geschehnisse am südlichen Rand des Ruhrkessels geben sollen. Hierzu wurden von uns verschiedene Bild, Ton und Videodokumente aus den letzten Kriegstagen zusammen geschnitten und durch eigene Anmerkungen ergänzt. Besonders der Film hatte es den Besuchern angetan; “in die Zeit zurückversetzt” waren Kommentare, die man zu hören bekam. Nach dieser visuellen Einführung geht es dann, begleitet von Karten und Dokumenten, weiter in den eigentlichen Ausstellungsbereich, wo wir versucht haben möglichst viele Exponate amerikanischer und deutscher Herkunft gegenüber zustellen.

Außerdem war uns besonders wichtig die Rolle des deutschen Volkssturms in der Endphase des Krieges zu verdeutlichen, um noch einmal explizit den Blick des Besuchers auf das verbrecherische Vorgehen Nazi-Deutschlands gegenüber seines eigenen Volks zu richten. Zu jedem dieser Exponate gibt es eine Geschichte zu erzählen, die die historischen Vorgänge auf interessante Weise begreifbar machen.

Für uns war der erste Ausstellungstag ein voller Erfolg!

Austellung

Wir freuten uns alte Bekannte wieder zusehen, viele erstmals persönlich zu begrüßen und ganz neue, geschichtsinteressierte Menschen kennen gelernt zu haben.

Ganz besonders danken wir dem Kreisarchivar Jacek Swiderski für seinen unermüdlichen Eifer und so manchen professionellen Rat.
Ohne Ihn wäre die Ausstellung sicher nicht so wie sie nun ist!

Außerdem danken wir für die vielen Leihgaben die wir für die Ausstellung erhalten haben.

Ganz besonders dem Rene Karassek der uns einige Exponate zum Thema Luftkrieg zur Verfügung gestellt hat.

Die Ausstellung ist noch bis Anfang Mai während der Öffnungszeiten der Kreisarchivs Altenkirchen zu besichtigen:

Kreisarchiv Altenkirchen
Hochstraße 13
57610 Altenkirchen

Telefon:  02681/ 81-2253/54

Öffnungszeiten
Dienstag: 08.30 Uhr – 12.00 Uhr
 / 14.00 Uhr – 16.00 Uhr
Donnerstag: 08.30 Uhr – 12.00 Uhr / 
14.00 Uhr – 16.00 Uhr
sowie nach Vereinbarung

Wir freuen uns wenn noch weitere Besucher kommen können.

Erinnern und Lernen

Kreisweite Veranstaltungsreihe erinnert an das Kriegsende vor 70 Jahren

Geschichte ist kein Fall fürs Museum, sie ist ein Schlüssel zur Zukunft. Erinnern bedeutet zugleich die Aneignung der eigenen Vergangenheit als ein Mittel gegen das Verdrängen und Vergessen: denn wer sich erinnert, hat die Chance, aus der Geschichte zu lernen. Grund genug für die Volkshochschule Betzdorf sowie die Kreisvolkshochschule und das Kreisarchiv sich dem Thema mit zahlreichen Exkursionen zu Schauplätzen des Krieges im Kreisgebiet zu widmen.

Begleitend zur Ausstellung „Als der Krieg zu uns in die Heimat kam“ im Kreisarchiv finden seit dem 28. März 2015 im Landkreis Altenkirchen verschiedene Exkursionen statt, die sich auf die Spuren der letzten Kriegwochen in der Region begeben. Aufgrund der günstigeren Quellenlage auf alliierter Seite, orientieren sich die meisten der Führungen an den Vormarschwegen der amerikanischen Einheiten.

Die bereits vergangenen Exkursionen führten in den Raum der stark umkämpften PaK-Linie des LII. Armeekorps nach Weyerbusch, wo der Ausbruch der 3. US Panzerdivision aus dem Brückenkopf von Remagen zum Stillstand gekommen ist. Die zweite Exkursion hatte den Durchbruch durch die kaum mehr existierende Frontlinie im Raum Altenkirchen zum Thema und führte uns in den Bereich rund um Ingelbach. In Wissen und Betzdorf folgten die nächsten beiden Exkursionen, sie hatten die Bildung der ersten Brückenköpfe am Nordufer der Sieg zum Inhalt.

Die Dauer der Exkursionen beträgt in der Regel knapp 3 Stunden. Es wird jeweils eine Teilnehmergebühr in Höhe von 5 Euro erhoben. Anmeldungen nimmt die Kreisvolkshochschule Altenkirchen unter Telefon 0 26 81-81- 22 12 oder per E-Mail unter kvhs@kreis-ak.de entgegen.

12. März 1945 – Luftangriff auf Betzdorf

Zitat eines Veteranen: “Nur wer sich daran (an das Kriegsende 1945) erinnert, der kann Mahnen und nur wer Mahnt kann versuchen zu verhindern!” Erinnern und Mahnen wollen wir auch in der Ausstellung “Als der Krieg in die Heimat kam” am 21. März 2015 im Kreisarchiv in Altenkirchen.

Heute vor 70 Jahren versank Betzdorf in einem Bombenhagel. Der Angriff vom 12. März 1945 war der schwerste, den die Stadt an der Sieg erleiden musste. Innerhalb 11 Minuten warfen 116 Bomber zusammen 261 Tonnen Bomben ab. Nach den Detonationen der Sprengbomben verwüsteten mehrere Tausend Stabbrandbomben in einem Großbrand viele Häuser im Ortsbereich besonders nördlich der Sieg. Das evangelische Pfarrhaus wurde total zerstört und die evangelische Kirche durch Spreng- und Brandbomben sehr schwer beschädigt. Die Infrastruktur brach vollkommen zusammen; Gas, Wasser und Strom waren für lange Zeit nicht mehr verfügbar. Rund 500 Bomben trafen das Bahnhofsgelände und das Stellwerk der Reichsbahn, das Empfangsgebäude wurde komplett zerstört. Der Zugverkehr, besonders Nachschubzüge für den Remagener Brückenkopf, wurde für mehrere Tage komplett ausgeschaltet. Verschiedenen Hinweisen zufolge soll ab dem 19. März 1945 ein improvisierter Bahnverkehr für Truppenverschiebungen der Wehrmacht wieder stattgefunden haben, so wäre von einem Zug aus in den anderen umgeladen bzw. umgestiegen worden.

Da sich eine dichte Wolkendecke und Nebel über dem Ziel befinden, wird der Abwurf durch Radar gesteuert.

Da sich eine dichte Wolkendecke und Nebel über dem Ziel befinden, wird der Abwurf durch Radar gesteuert.

Innerhalb von nur elf Minuten fallen etwa

1.500 Sprengbomben von 50 bis 250 Kilogramm

250 Brandbomben bis 250 Kilogramm

mehrere Tausend Stabbrandbomben zu jeweils 4 Kilogramm,
hunderte dieser Stabbrandbomben sind zusätzlich mit einem Sprengsatz versehen, um die Löscharbeiten zu behindern.

Der Angriff forderte 63 Menschenleben, 67 % der Wohnhäuser wurden schwer beschädigt und 20 % total zerstört. Dies bedeutete, dass rund 950 Häuser Opfer der Flammen und Bomben wurden.

Das angefügte alliierte Luftbild zeigt die Schäden und die Trichterfelder der Bombenteppiche des Angriffes vom 12. März 1945.

Das angefügte alliierte Luftbild zeigt die Schäden und die Trichterfelder der Bombenteppiche des Angriffes vom 12. März 1945.

Mit den Luftangriffen war aber für die Stadt der Krieg noch lange nicht vorbei. Ab Ende März rollte die Front über Betzdorf und bringt weiter Tod und Leid. Am 29. März drangen von Alsdorf kommend amerikanische Soldaten in Betzdorf ein und überquerten die Sieg, bildeten am Molzberg einen Brückenkopf, aus dem sie am 6. April 1945 ausbrachen. Letzter Beschuss ging in Betzdorf am 7. April 1945 nieder. Artillerie der deutschen Wehrmacht beschoss hierbei die amerikanischen Nachschubwege mit einigen Salven Artilleriefeuer. Die Granaten gingen insbesondere im südlich der Sieg gelegenen Ortsteil und in Bruche nieder. Glücklicherweise kam es hierbei nur zu Sachschäden.

Blick über den zerstörten Betzdorfer Bahnhof. Hier wurde eine amerikanische Infanterieeinheit in schwerem, deutschem Artilleriefeuer getroffen.

Blick über den zerstörten Betzdorfer Bahnhof. Etwa in diesem Bereich wurde auch eine amerikanische Infanteriekompanie durch MG-Feuer aufgehalten.

Dennoch war der Krieg für Betzdorf noch immer nicht vorbei. Er sollte noch Wochen und Monate dauern und mit seinen Nachwirkungen viele Jahre später weiter an die Ereignisse erinnern. Gefallenenmeldungen von überall in der Welt brachten die traurige Sicherheit, dass der Vater, Ehemann, Bruder oder das Kind Gefallen sind oder vermisst werden. Der beste Fall war, wenn sie in Gefangenschaft geraten waren.

Auch nach Ende der Kampfhandlungen wurden noch immer viele Menschen verletzt. Oft waren es die Kinder, die Munition gefunden hatten und die Gefahren nicht als solche erkannten. Überall ereigneten sich Unglücke, in der Klingelsbach z.B. schoss sich ein Junge das Auge blind mit aufgefundener MG-Munition. In der gegenüberliegenden Hetzbach wurden mehrere Jugendliche verletzte, nachdem sie das Treibladungspulver aus mehreren Gewehrpatronen zur Zündung brachten.

Artikel in der Rheinzeitung

Obwohl es jetzt nur noch knapp 14 Tage bis zur Ausstellung sind, ist alles noch immer am “wachsen und gedeihen”. Wer also noch Materialien, egal was und gleichgültig in welchem Zustand, beisteuern möchte, darf sich gerne bei uns melden!

Während der letzten Tage haben wir bereits einige interessante Dinge erhalten, darunter befindet sich ein großformatiges Bild eines RAD-Angehörigen, der wahrscheinlich in der Region gefallen ist. Weitere Recherchen zu diesem Schicksal laufen derzeit. Weiter haben wir das Soldbuch eines in Niederfischbach gefallenen Angehörigen des Werferregiments 55 als Leihgabe bekommen. Das Soldbuch und ein zugehöriges Dokumentenkonvolut gehörte einem eben mal 18 jährigen Artilleriesoldaten und wird sicherlich ein trauriges Highlight sein.

Diverse amerikanische Flugblätter und eine Landkarte sind noch mit der Post unterwegs zu uns und gerade heute Abend erst habe ich ein patriotisches Kistchen erhalten, welches von einem früher aus Mudersbach stammenden Soldaten hergestellt wurde. Eventuell hat der Erbauer der Kiste einen Granatboden einer großkalibrigen Artilleriegranate als Grundlage verwendet. Der Deckel dieser kleinen Truhe zeigt eine Geschützbedienung, die dabei ist eine Panzerabwehrkanone zu laden.

Frau Claudia Geimer, von der Lokalredaktion der Rhein-Zeitung, hat einen interessanten Beitrag zur geplanten Ausstellung verfasst, der am 27. Februar 2015 erschienen ist.

Beitrag vom 27. Februar 2015 in der Rhein-Zeitung.

Beitrag vom 27. Februar 2015 in der Rhein-Zeitung.

Und das ganze als PDF-Dokument

Altenkirchen im März 1945

Altenkirchen – nichts weiter als eine Trümmerwüste

Was wie eine Straße aussieht, ist der Verlauf der Bahnstrecke durch Altenkirchen. Die Kreisstadt wurde im März 1945 wiederholt bombardiert, durch Tiefflieger angegriffen und mit fernreichender Artillerie beschossen, der letzte Luftangriff auf Altenkirchen erfolgte am 25. März 1945, einen Tag vor der Eroberung durch die 3. US Panzerdivision in Folge der schweren Kämpfe um die PaK-Linie bei Weyerbusch-Hasselbach. Der letzte Luftangriff sollte deutschen Nachschub bzw. Rückzug von oder an die Front unmöglich machen, wie man im Foto vom 26. März 1945 erkennen kann, war dies auch gelungen. Der Krieg hatte der Stadt so heftig zugesetzt, das nach der Eroberung Ende März 1945 kaum mehr eine Straße passierbar war.

Die Trümmerwüste der Kreisstadt Altenkirchen am 26. März 1945. Foto Signal Corps, US Army.

Die Trümmerwüste der Kreisstadt Altenkirchen am 26. März 1945. Foto Signal Corps, US Army.

Während Altenkirchens letzte Bombardierung stattfand, wurde besonders heftig um die PaK-Linie bei Weyerbusch-Hasselbach gekämpft. Dort war es Verbänden der 3. Panzergrenadier Division gelungen, den Vormarsch der 3. US Panzerdivision zu Stillstand zu bringen. Die Panzergrenadiere wurden durch jeweils einen Tiger und Königstiger der 11. Panzerdivision unterstützt, artilleristische Feuerunterstützung wurde von dem 388. Volksartillerie Korps geleistet. Die 3. US Panzerdivision verlor gleich zu Beginn des Kampfes fünf Sherman-Panzer und zog sich nach Rettersen und Fiersbach zurück. Noch während der Nachtstunden arbeitete sich amerikanische Infanterie an die deutsche Verteidigung heran und bekämpfte diese. Im verlauf der anbrechenden Morgens zogen sich die letzten deutschen Soldaten aus der Hauptkampffeld zurück.

Nachdem der Widerstand eingestellt wurde, stießen die 3. US Panzerdivision und die 104. US Infanteriedivision durch Altenkirchen bis in den Raum von Hachenburg vor.  Die gezeigte Bildsequenz entstammt einer Videoaufnahme eines amerikanischen Kriegsberichterstatters der 1. US Armee vom 26. März 1945. Zu sehen sind Infanterie und Panzer der 3. US Panzerdivision während des Durchmarsches durch die Kreisstadt Altenkirchen. Am rechten Bildrand kann man amerikanische Offiziere erkennen, die sich im Gespräch mit deutschen Krankenschwestern befinden.

Nachdem der Widerstand eingestellt worden war, stießen die 3. US Panzerdivision und die 104. US Infanteriedivision durch Altenkirchen bis nach Hachenburg vor.
Die gezeigte Bildsequenz entstammt einer Videoaufnahme eines amerikanischen Kriegsberichterstatters der 1. US Armee vom 26. März 1945. Zu sehen sind Infanterie und Panzer der 3. US Panzerdivision während des Durchmarsches durch die Kreisstadt Altenkirchen. Am rechten Bildrand kann man amerikanische Offiziere erkennen, die sich im Gespräch mit deutschen Krankenschwestern befinden.

Durch die Niederschrift eines amerikanischen Offiziers der 1. US Infanteriedivision erfahren wir:

…In einiger Entfernung kündigten sich schon durch aufsteigende Rauchsäulen die Trümmer eines zusammengeschossenen deutschen Konvois an – viele der Fahrzeuge standen noch immer in Flammen, vor allen Dingen im Bereich zwischen Rettersen und Weyerbuch säumten zum Teil verstümmelte Körper gefallener deutscher Soldaten die Wegesränder. Während Gräberkommandos der amerikanischen Division die eigenen Gefallenen einsammelten, blieben die meisten der feindlichen Soldaten einfach unbeerdigt liegen. In Hasselbach bezeugten fünf eigene Sherman-Panzer die Härte des Kampfes, zwei dieser Panzer wurden gerade repariert, während die drei anderen einen Totalverlust für die 3. Panzerdivision bedeuteten… In Weyerbusch waren Pioniere dabei, Wege frei zumachen und Minenfelder zu beseitigen.

Quellenangaben:
Kriegstagebücher der 3. US Panzerdivision und 1. US Infanteriedivision, Nationarchiv, Washington USA,
Kriegstagebuch III. Bataillon, 26. US Infanterieregiment und Veteranenaussagen, Nationarchiv, Washington USA,
 G-2 Selected Intelligence Report, 25. März 1945, 1st US Infantry Division, Nationarchiv, Washington USA.