Stabbrandbomben – Abwurfmunition des 2. Weltkrieges – Teil I

Stabbrandbomben – Teil 1

Amerikanische Stabbrandbombe, 4 LBS,

Amerikanische Stabbrandbombe, 4 LBS,

Während Sprengbomben in mehr oder minder kleinen Teppichen abgeworfen wurden, wurden Brandbomben während des Zweiten Weltkriegs in größten Mengen über ganz Deutschland im flächendeckenden Einsatz abgeworfen. Nach einem Luftangriff waren Ortschaften verwüstet und Blindgänger von Stabbrandbomben fanden sich in großen Mengen. Sie hatten die Dächer durchschlagen, blieben auf Dachstühlen liegen, in Höfen, Gärten, Wegen und Wäldern. So stößt man dementsprechend auch heute noch häufig auf diese Hinterlassenschaft. Ein aktueller Fund bei Altenkirchen gibt Anlass zu diesem Bericht.

Was sind Stabbrandbomben?

Der Unterschied zwischen Spreng- und Brandbomben findet sich im wesentlichen darin, dass der von einer Spreng- oder Splitterbombe verursachte Schaden nach der Detonation klar begrenzt ist, während die Wirkung der Brandbombe jedoch erst zur vollen Wirkung gelangt, wenn das entstandene Feuer über den Brandherd hinaus übergreift und andere Gebäude, Häuser oder ganze Wohnblöcke bedroht. Einzelne Stabbrandbomben der ersten Baureihe konnten noch innerhalb der ersten Zünd- und Brandphase mit der Hand oder einer Schaufel gefasst und nach drausen befördert werden.

Um jedoch das Personal des Luftschutzes hieran zu behindern, wurden Stabbrandbomben bereits ab der Baureihe INC 4 LB MKII mit einem Sprengsatz versehen, der nach wenigen Minuten zur Detonation gelangen sollte. Da die Splitterwirkung nur gering ausfiel und ein bedingter Schutz bereits durch etwa 10mm Holz zu schaffen war, wurden die Nachfolgemodelle mit einem sprengbaren Stahlkörper versehen, der einen Splitterradius von knapp 20 bis 30 Meter besaß. Während des Zweiten Weltkrieges wurden mehr als 100 Mio Stück hergestellt und mehr als 80 Millionen wurden über deutschen Städten abgeworfen.

Woraus bestehen sie und wie sehen Stabbrandbomben aus?

Stabbrandbomben bestehen aus einer Elektron-Hülle, in der sich eine Thermit-Ladung befindet. Sie sind mit Leitwerk etwa 57cm lang und messen ca. 4,2 cm im Durchmesser. Stabbrandbomben sind sechseckig und verfügen über ein Stahlgewicht am vorderen Ende. Im Bereich des Leichtmetall-Leitwerks ist der Aufschlagzünder eingesetz. Sie sind hellgrau in der Farbe und haben oft ein rotes Stahlgewicht. Das Leitwerk ist in aller Regel in dunklem Grün gehalten.

Wie kamen die Brandbomben zum Einsatz?

Sie wurden durch die alliierte Luftwaffe aus Fliegern abgeworfen, meistens durch die Britische Luftwaffe im Bomber vom Typ Lancaster. Die Brandbomben waren in sogenannten SBC´s (Small Bomb Container) untergebracht, jeder dieser Container beinhaltete 236 Stabbrandbomben. Ein Lancaster-Bomber konnte mit maximal vierzehn der Container beladen werden, was bedeutet, dass sich bis max. 3304 Stabbrandbomben in einem Flugzeug befunden haben können.

In der Regel sah die Bombenbeladung vor, dass entweder drei Sprengbomben vom Tyb SB 1000 (750 Kilo Luftminen) zusammen mit einer HC 4000 (1,8 Tonnen Luftmine) und sechs SBC´s oder aber eine 1800 Kilo Luftmine und 12 SBC´s getragen wurden.

Nach dem Ausklinken der Bombenlast, dadurch auch der SBC, wurde nach kurzem freien Fall der Bombenbehälter in eine Rotation versetzt, worauf sich die Containerhälften anschließend öffnete und die Brandbomben freigab. Durch die Flughöhe wurden die Abwurfgebiete flächig mit der Bombenlast getroffen.

Beladungsschema für einen Lancaster-Bomber im Flächenbombardement.  Obere Reihe: BDF = Blast, Demolition and Fire > zu Deutsch: Sprengung, Zerstörung, Feuer Untere Reihe: Blast, max Incendiary > zu Deutsch: Sprengung, maximales Feuer.

Beladungsschema für einen Lancaster-Bomber im Flächenbombardement.
Obere Reihe: BDF = Blast, Demolition and Fire > zu Deutsch: Sprengung, Zerstörung, Feuer
Untere Reihe: BMI = Blast, max Incendiary > zu Deutsch: Sprengung, maximales Feuer.

 

 Teil II wird enthalten:

Abarten der Bombenköpfe

Zündung und Abbrand der Stabbrandbombe

Ralf Anton Schäfer

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ich bin als Gründer für diese Seiten verantwortlich.
In den Jahren meiner Recherchen habe ich umfangreich Materialien zusammengetragen zu den Infanteriekämpfen der Endphase im Zweiten Weltkrieg. Der Archivbestand umfasst viele Tausend Seiten und deckt im Groß den Westen für die Zeit von der Landung der Alliierten in der Normandie bis zu den letzten Kämpfen um den Ruhrkessel.
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