Marinesoldaten im Erdkampf

Marinesoldaten im Erdkampf

Warum kämpfen deutsche Marinesoldaten im Brückenopf von Remagen?

1945 waren viele der im Erdkampf eingesetzte Soldaten Angehörige der Luftwaffe oder auch Marine. Darauf haben wir in unserem Buchtitel „Das Kriegsende in der Heimat“ hingewiesen und auch die Kämpfe der Kampfgruppe Dänemark geschildert, in deren Reihen sehr viele Marinesoldaten gemeinsam mit Luftwaffe und Volksstürmern neben regulären Infanteristen kämpften.

Oft wurden wir gefragt, warum das so war. Die Antwort hierauf ist eigentlich ganz einfach: für Luftwaffenangehörige waren keine Flieger mehr vorhanden, die Marine musste auch kaum noch Schlachten auf dem offenen Meer schlagen, viele Schiffe waren bereits versenkt. Die meisten Kämpfe spielten sich mittlerweile auf dem Boden ab, hier war es während der letzten Monate zu erschreckend hohen Verlusten gekommen, die durch regulären Ersatz nicht mehr auszugleichen waren. So wurden immer häufiger Soldaten aller Waffengattungen innerhalb der Heerestruppen eingesetzt. Als Beispiel schauen wir uns einmal Marineverbände an, die im Brückenkopf von Remagen eingesetzt worden waren.

Bereits seit 1940 gab es diverse Marineanlagen entlang des Rheins, der Donau und den anderen größeren Flüssen. Am Rhein befanden sich z.B. in Mannheim-Sandhofen, Köln, Friedrichshafen/Bodensee usw. Marinestützpunkte innerhalb des Festlandes, die jedoch alle dem Oberbefehlshaber der Marine unterstanden. Das gesamte Personal wurde ebenfalls von der Marine gestellt. Diese Marinesoldaten sollten Seeflugzeuge, die im Süd- und im Südostraum im Einsatz waren und verlegt wurden, tanken, reparieren, warten etc. Der Rhein war, genau wie die meisten anderen großen Flüsse, sehr stark frequentierte Routen für diese Seeflugzeuge der Luftwaffe. In Folge des Zusammenbruchs der Fronten wurden überall besonders ab 1945 die Verbände, die nun nicht mehr benötigt wurden, aufgelöst und ihre Soldaten immer häufiger in frontnahen Einheiten verwendet. (1)

Nachdem am 7. März 1945 die 1. US-Armee bei Remagen über den Rhein gesetzt hatte, wurde alles und jeder der kämpfenden Truppe zugeführt. Besonders im Personalstamm der Kampfgruppe Dänemark waren ein paar Hundert Mann eingesetzte, die allesamt der Marine angehörten. Sie aber kamen nicht vom Rhein, oder der Donau sondern waren bereits in Dänemark der 160. Reservedivision zugeführt worden. Es handelte sich hierbei um mehrere Marine-Ausbildungseinheiten, die ebenfalls in Dänemark stationiert waren, deren Existenz sich aber mittlerweile erübrigt hatte und die man nun in die Infanterie überführte. Die 160. Reservedivision war die Stammeinheit, von welcher die Kampfgruppe Dänemark ausgegliedert und vom Truppenübungsplatz Oksböl aus an die Brückenkopffront verschoben wurde. Gerade die Kampfgruppe Dänemark hatte während der Verteidigung der Brückenkopffront den zahlenmäßig höchsten, durchgehenden Mannschaftsbestand an Marinesoldaten, das unterstellte Marine.Sich.Btl.1216. Insgesamt war die zahlenmäßige Kampfkraft, wenigstens bis zum Eintreffen in dem Brückenkopf, als recht hoch anzusehen, die reale Kampfkraft jedoch war über allen Maßen gering, da die Soldaten den infanteristischen Einsatzt in keiner Weise gewohnt waren. Einzig und Allein waren einige wenige Marine- und natürlich Luftwaffen-Flakabteilungen, die besonders mit 8,8cm Flak in den Erdkampf eingriffen, als kampfkräftig und kampffähig anzusehen. Ihnen waren meist auch die Eindrücke bekannt, die der scharfe Schuss auf die eigene Stellung hinterließ. Hierzu gehörte auch das Marine-Sicherungs-Bataillon 1216, das bei der Ankunft am Brückenkopf über acht 8,8cm Flakgeschütze und vier 4cm Flak-28 verfügte.(2)

Genauso wurde mit den Angehörigen der Luftwaffe verfahren. Ganze Ausbildungseinheiten, die für den Luftwaffeneinsatz nicht mehr verwendbar waren, fanden fortan ihre Verwendung innerhalb der bodenständigen Heeresverbände, in der Regel als Infanteristen.

Quellen:

(1)  National Archives, USA, G-2 Journal, 1st US Army, März 1945

(2) National Archives, USA, G-2 Journal & File, 1st US Infantry Division, 19. März 1945

       Tessin, Verbände und Truppen der deutschen Wehrmacht und Waffen-SS im Zweiten Weltkrieg 1939-1945 , Band 07

       Wolf Keilig, Das deutsche Heer, Band II.

Ralf Anton Schäfer

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ich bin als Gründer für diese Seiten verantwortlich.
In den Jahren meiner Recherchen habe ich umfangreich Materialien zusammengetragen zu den Infanteriekämpfen der Endphase im Zweiten Weltkrieg. Der Archivbestand umfasst viele Tausend Seiten und deckt im Groß den Westen für die Zeit von der Landung der Alliierten in der Normandie bis zu den letzten Kämpfen um den Ruhrkessel.
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