Oberst Jüttner

Oberst Arthur Jüttner

* 18.08.1908 + 01.12.2003

Arthur Jüttner im Jahr 1942 als Major im Raum Ramuschewo / Lowat.
Als Oberst, vor Beginn der Ardennenoffensive 1944.

Arthur Jüttner im Jahr 1942 als Major im Raum Ramuschewo / Lowat.

Als Oberst, hier noch mit Eichenlaub zum Ritterkreuz im Jahr 1944.

Arthur Jüttner wurde am 18. August 1908 om oberschlesischem Kattowitz als Sohn eines Zollbeamten geboren und besuchte die Mittelschule in Kattowitz und Beuthen. In Oppeln legte Arthur Jüttner nach dreijähriger Lehrzeit die Kaufmannsgehilfenprüfung ab. In Neisse trat er dann als Freiwilliger am 13. April 1926 in die 3. Kompanie des 7. Infanterieregiments ein und bestand im 1930 die Unteroffiziersprüfung. Fünf Jahre später leitete er als Feldwebel die praktische Ausbildung der Fahnenjunker der 8. Division. 1938 versah Arthur Jüttner seinen Dienst als Hauptfeldwebel in der Stabskompanie des I. Bataillons in Neiße. Am 1. April 1938 wurde er zum Oberleutnant befordert und nach bereits 12 Jahren Dienstzeit in das aktive Offizierskorps übernommen. Mit seiner Beförderung zum Hauptmann erwarb Jüttner am 1.Oktober 1938 das Kommando über die 1. Kompanie im Infanterieregiment 38. Er führte diese Kompanie beim Einmarsch in das Sudetenland, die Tschechoslowakei und 1939 während des Polenfeldzug – wo er sich bereits beide Stufen des Eisernen Kreuzes erwarb – und als stellvertretender Bataillonsführer I/IR.38 am Westfeldzug teil. Im Sommer 1941 begann auch für Hauptmann Jüttner der Russland-Feldzug und er wurde Anfang Juli 1941 zum Kommandeur des III/IR.38. Im September 1941 verteidigte Hauptmann Jüttner mit seinem Bataillon bei Pnewo die HKL um eine Rückeroberung von Smolensk durch die Sowjets zu verhindern. Gefangene von 3 sowjetischen Divisionen wurden eingebracht und ein sowjetisches Kavallerieregiment beim Durchstoß durch eine Lücke in der HKL durch persönliches Eingreifen aus der Flanke heraus vernichtet. Für diesen Einsatz erhielt Arthur Jüttner am 14. Dezember 1941 das Ritterkreuz.

Am 1. Januar 1942 erfolgte die Beförderung zum Major. Im März 1942 wurde die 8. leichte Division in den Nordabschnitt der Ostfront verlegt, um hier zusammen mit der 5. leichten Division aus dem Raum Staraja Russa zum Entsatz des im Kessel von Demjansk eingeschlossenen II. Armeekorps anzutreten. Nachdem der Angriff von Erfolg gekrönt war, verblieb die Division bis zur vollständigen Räumung des Frontbogens um Demjansk in diesem neuen Einsatzraum und wurde am 30. Juni 1942 in 8. Jägerdivision umbenannt. In den nachfolgenden Abwehrschlachten erwarb er sich am 27. Februar 1943 das Deutsche Kreuz in Gold.

Vom 15. Juni bis 30.  August 1943 führte er das Grenadierregiment 232 der 102 Infanteriedivision und wurde mit Wirkung des 1. September 1943 zum Oberstleutnant befördert und übernahm als Kommandeur das Gren.Regt. 532 der 383. Infanteriedivision im Raum südlich Orel. Dieses führte er im Herbst 1943 in das Pripjetgebiet zwischen Dnjepr und Beresina südlich von Bobruisk Am 1. März 1944 erfolgte seine Beförderung zum Oberst. Mit Beginn der großen Sommeroffensive 1944 wurde auch die 383. Infanteriedivision zersprengt. Die Russen hatten bereits die strategisch wichtige Hauptbrücke über die Beresina bei Bobruisk in Besitz genommen. Durch den Angriff des Regimentes Jüttners war es jedoch möglich eine südlich gelegene Eisenbahnbrücke für drei Tage lang offen zu halten und so das Absetzten der Masse des Korps zu ermöglichen. Im weiteren Verlauf bildete sein Regiment die Nachhut und verteidigte einen ganzen Tag lang den Nordrand von Bobruisk. Durch die zahlenmäßige Überlegenheit des Feindes wurde das Regiment Jüttners überrannt und vom Groß der deutschen Wehrmacht abgeschnitten. Über Minsk und Baranowitschi erreichte er schließlich nach 44 Tagen und 700km Marschleistung bei Augustowo die sowjetische HKL, die Jüttner zusammen mit 3 Offizieren und 8 Mann während der Nacht durchbrach und die deutschen Linien erreichte. Dafür erhielt Oberst Jüttner am 18. Oktober 1944 das 622 Eichenlaub zum Ritterkreuz.

Im November 1944 übernahm Jüttner in Neuhammer / Schlesien das Grenadierregiment 164 der 62. Volksgrenadierdivision und nimmt von Dezember 1944 an der Ardennenoffensive teil. Jüttners Regiment drang als einzige Infanterieeinheit in gleicher Zeit wie die Panzerverbände am weitesten nach Westen vor und erreichte den Raum Trois Ponts bei Malmedy. Als der Feind zum Gegenangriff überging und mit überlegenen Kräften die deutschen Truppen zurückdrängte, behauptete Oberst Jüttner mit seinem Regiment die Stellung westlich Vielsalm aus eigenem Entschluss bis in die Nacht hinein, obwohl er bereits seit dem Nachmittag umgangen war und bereits im Rücken angegriffen wurde. Trotz Eis und Schnee und starker feindlicher Überlegenheit, zerschlug Jüttner mit seinem Regiment mehrere feindliche Angriffe. Er ermöglichte es so der deutschen Truppe den Rückzug über die einzige noch vorhandene Brücke in Vielsalm und ein vorbereiten einer neuen Verteidigungslinie. Auch in den weiteren schweren Kämpfen zeichnete er sich durch Entschlusskraft und überlegene Führungskunst wiederholt aus und fügte dem Gegner erhebliche Verluste bei. Dafür wurde ihm am 5. April 1945 das 141. Eichenlaub mit Schwertern zum Ritterkreuz durch Generaloberst Josef Harpe verliehen.

Wenig bekannt ist, dass das Jüttners Grenadierregiment 164 unter der Führung von Oberst Gustav Karow den Zugang zu Bonn am Hardt-Berg als letzte Truppe offen gehalten hat und damit ein Absetzen großer Teile der deutschen Verbände über den Rhein und aus Bonn weg ermöglichte. Jüttner sollte Kampfkommandant von Bonn werden. Da jedoch dessen Gattin während der Flucht aus Oberschlesien erkrankte und verstarb, erhielt Oberst Jüttner ein Telegramm mit der traurigen Nachricht, worauf er am 23. Februar 1945 Sonderurlaub zur Beisetzung seiner verstorbenen Frau nach Halle an der Saale erhielt.

Oberst Jüttner notiert in seinen Memoiren: „Am 10.3.1945 meldete ich mich beim Armeekorps in Jüngsfeld zu­rück und werde sogleich mit der Führung der 62. Volksgrenadier Division beauftragt. Damals gab es viele Generäle, allerdings ohne Truppenteile. Dennoch wurde ich auf Befehl von Generalfeldmarschall Model mit der Führung der 62. VGD beauftragt. General Püchler erklärte mir dazu, dass es für mich als Oberst eine hohe Ehre sei mit der Führung einer Division beauftragt worden zu sein. Was ich sonst auf dem Ge­fechtsstand des Armeekorps hörte war für meine Aufgabe wenig ermutigend. Eigentlich sollte ich am 1. März 1945 Kommandant der „Festung“ Bonn werden. Auf Anweisung des Führerhaupt­quartiers sollte es mindestens ein Oberst und Träger des Ritter­kreuzes mit Eichenlaub sein. An meiner Stelle, ich war wegen des Todesfalles auf Sonderurlaub, wurde General v. Bothmer eingesetzt, der die nach den Umständen von vornherein aussichts­lose Aufgabe nicht durch­führen konnte. Truppenteile hatte er nicht zur Verfügung, erkannte die Unerfüllbarkeit seines Auftrages, setzte mit einem kleinen Boot auf das rechtsrheinische Ufer über und meldete diese Erkenntnis. Beim Korps beurteilte man die Lage ganz anders, stellte den General vor ein Kriegsgericht, das ihn degradierte und zu 5 Jahren Zuchthaus verurteilte. Nach diesem Urteil erschoss sich General v. Bothmer.“

Seit dem 11. März 1945 war Oberst Jüttner mit der Führung der 62. Volksgrenadierdivision beauftragt worden, mit der er im März 1945 im Siebengebirge kämpfte. Hier führte Jüttner zusammen mit dem IIa, Major i.G. Hübner und dem Schweizer Generalkonsul Dr. von Weiss, Verhandlungen mit den gegenüberliegenden Amerikanern, um so die sich im Frontbereich befindlichen Lazarette vor Kampfhandlungen zu schützen. Auch zu Beginn des Monats April 1945 ermöglichte Jüttner der Bevölkerung einen leichteren Neuanfang durch seine Eigenart der Kriegsführung. So hatte er es der Artillerie untersagt, Ortschaften zu beschießen bzw. durfte die Infanterie nur Orte verteidigen, die sich an Regimentsgrenzen befanden. Auf diesem Wege hatte er die Kampfführung bis zur Kapitulation im Ruhrkessel bei Wuppertal bestritten. Nach seiner Flucht aus amerikanischer Gefangenschaft war er in der Trümmerbeseitigung und in der Landwirtschaft tätig, ehe er als selbstständiger Kaufmann in seinen Beruf zurückkehrte. Nach mehreren Wehrübungen in der Bundeswehr wurde er als Oberst der Reserve noch zum stellvertretenden Brigadekommandeur.

Seit 1982 stand er der “Arbeitgemeinschaft Traditionsverbände Schlesischer Truppen” vor und war Mitautor des Buches “Soldatische Tradition in Schlesien 1241-1945”

Arthur Jüttner verstarb am 01. Dezember 2003 in Bramstedt.

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1960 als Oberst der Reserve und stellvertretender Kommandeur der Panzergrenadierbrigade 32. Arthur Jüttner aus seinem 75. Geburtstag im Jahr 1983