Kriegsende für Neitersen im März 1945

Am 26. März 1945 stand bei Neitersen eine Kampfgruppe der 9. Panzerdivision. Sie war drei Tage zuvor von Kircheib über Fiersbach, Ersfeld nach Walterschen gekommen, wo sie im Wald südlich davon die Fahrzeuge instand setzte. Unter amerikanischen Druck verlegte die Gruppe weiter nach Schürdt. Ihr Führer war Leutnant Ludwg Bauer, der die nachfolgenden Ereignisse festgehalten hatte:

Wir waren am Obernauer Kopf am Morgen des 26. März 1945 in Stellung gegangen, die Kampfgruppe verfügte noch über ein Sturmgeschütz und fünf Schützenpanzer. Der amerikanische Großangriff zielte eindeutig nach Osten. Über Einhundert Panzer stießen von Flammersfeld vor, sie teilten sich auf der Höhe in zwei Gruppen. Während die eine Gruppe nach Giershausen vorstieß, rollte die andere Hälfte über Reifferscheid-Stockhausen in Richtung Neitersen. Die ersten Panzer wurden vor 10.00 Uhr bei Schürdt gesichtet und unter Feuer genommen, was nicht unbeantwortet blieb. Ich befahl darauf den Rückzug nach Neitersen – was den Amerikanern nicht unverborgen blieb. So erhöhten Sie ab ca. 13.00 Uhr das bislang nur ver­einzelt aufgetretene Artillerie- und Granatwerferfeuer an Intensität und folgten exakt den Wegen meiner Kampfgruppe von Obernau nach Kohlhardt-Neitersen und Neiterschen. Als nach 13.30 Uhr zusätzlicher Beschuss durch schwere 15cm Artillerie einsetzte, befahl ich ein sofortiges ausweichen in die Wälder hinter Niederölfen. Auf der Höhe angekommen, zeigte sich mir folgende Lage:

Von der Höhe konnte man das gesamte Tal überblicken und bis Altenkirchen sehen. Auf der Höhe südlich Neitersen und Schöneberg rollten schier unüberschaubare Mengen von Panzern, Artillerie, SPW und sonstigen Fahrzeugen. Ich fuhr darauf in eine einigerma­ßen gedeckte Stellung am Waldrand, schickte die eigenen SPW in den Wald und jagte Schuss auf Schuss mit Spreng­granaten auf ca. 2400 m Entfernung heraus. Panzer konnte ich auf diese Entfernung ja doch nicht abschießen. Die Amis nebelten sich darauf ein und es entstanden mächtige Rauchwolken. Dann ging es auch gleich los mit der feindlichen Artillerie. Ich war ganz erstaunt, wie schnell die Amerikaner dieses Mal reagierten. Es war wie ein Erdbeben mit Blitz und Donner, um nicht noch Verluste zu erleiden oder eingeschlossen zu werden, gab ich Befehl zum absetzen!

Nachdem sich die letzten deutschen Soldaten aus Neitersen und Schöneberg abgesetzt hatten, stand den Amerikanern der Weg nach Altenkirchen offen, doch noch vor Erreichen von Leuzbach kam es zu einem kurzen Feuergefecht:

Einige Volkssturm-Soldaten hatten den Auftrag eine bereits vorbereitete Straßensperre zwischen Leuzbach und Neitersen zu beziehen und zu verteidigen. Während in Schöneberg bereits Soldaten der 104. US Infanteriedivision aus Richtung Breibach – Stürzelbach her vorstießen, marschierte eine Kolonne der 3. US Panzerdivision durch Neitersen durch. In dieser Lage versuchten sechs deutschen Soldaten, die von einem Feldwebel angeführt wurden, noch buchstäblich in letzter Minute die Panzersperre zu erreichen. Die Volkssturmsoldaten waren erst seit dem 25. März in Schöneberg in Quartier, der Feldwebel, ein Pionier, hatte die Brücke über die Wied bereits zur Sprengung vorbereitet. Als die Schießereien am Vormittag losgingen, versuchten sie dem Befehl zu Folge, die Sperre im Wald zu besetzten. Auf dem Weg in den Wald wurden sie von den aus Neitersen kommenden Panzern entdeckt und unter Feuer genommen. Keiner der deutschen Soldaten konnte sein Leben retten. Sie starben zwischen 11.30 und 11.50 Uhr am 26. März 1945. Bis 1951 wurden die Gräber der Gefallenen auf dem Schöneberger Friedhof von Ortsanwohnern gepflegt, um dann nach Horhausen auf den Ehrenfriedhof umgebettet zu werden.

Nachdem der Widerstand eingestellt wurde, stießen die 3. US Panzerdivision und die 104. US Infanteriedivision durch Altenkirchen bis in den Raum von Hachenburg vor.  Die gezeigte Bildsequenz entstammt einer Videoaufnahme eines amerikanischen Kriegsberichterstatters der 1. US Armee vom 26. März 1945. Zu sehen sind Infanterie und Panzer der 3. US Panzerdivision während des Durchmarsches durch die Kreisstadt Altenkirchen. Am rechten Bildrand kann man amerikanische Offiziere erkennen, die sich im Gespräch mit deutschen Krankenschwestern befinden.

Nachdem der Widerstand eingestellt wurde, stießen die 3. US Panzerdivision und die 104. US Infanteriedivision durch Altenkirchen bis in den Raum von Hachenburg vor.
Die gezeigte Bildsequenz entstammt einer Videoaufnahme eines amerikanischen Kriegsberichterstatters der 1. US Armee vom 26. März 1945. Zu sehen sind Infanterie und Panzer der 3. US Panzerdivision während des Durchmarsches durch die Kreisstadt Altenkirchen. Am rechten Bildrand kann man amerikanische Offiziere erkennen, die sich im Gespräch mit deutschen Krankenschwestern befinden.

 

 

 

Ralf Anton Schäfer

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ich bin als Gründer für diese Seiten verantwortlich.
In den Jahren meiner Recherchen habe ich umfangreich Materialien zusammengetragen zu den Infanteriekämpfen der Endphase im Zweiten Weltkrieg. Der Archivbestand umfasst viele Tausend Seiten und deckt im Groß den Westen für die Zeit von der Landung der Alliierten in der Normandie bis zu den letzten Kämpfen um den Ruhrkessel.
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