Exkursion 3 – Kampf um den Brückenkopf Wissen

Am 11. April 2015 fand unsere dritte Exkursion statt. Die Hinweise in der Rhein-Zeitung ließ die Anzahl der Teilnehmer auf 21 Personen ansteigen. Darunter waren auch einige Personen, die aus eigenem Erinnern meine Beiträge bestätigten oder sogar auch ergänzen konnten. Die Exkursion führte dieses Mal die interessierten Teilnehmer in den Bereich des amerikanischen Brückenkopf nördlich der Sieg bei Wissen-Brückhöfe.

Um 20.00 Uhr am Abend des 29. März 1945 erhielt das 28. US Infanterieregiment der 8. US ID den Befehl zum Vorstoß auf Wissen. Dazu marschierte eine Kompanie aus dem Raum Altenbrendebach in nordwestlicher Richtung nach Schönstein vor, dass sie ohne größere Gegenwehr einnehmen konnte. Um Schönstein zu sichern, wurde ein Zug Infanterie zurückgelassen, der Rest der Kompanie drängte nun über die Wiesengrundstraße und den Brixiusweg gegen Wissen vor und konnte bis kurz vor die Steinbusch-Anlagen vorstoßen, wo erstmalig ernstzunehmender Widerstand geleistet wurde. Durch das jetzt aufflammende Infanteriefeuer alarmiert, setzte schweres Granatwerfer- und Artilleriefeuer ein, wodurch der Vormarsch der Amerikaner sehr stark verlangsamt wurde. Ein deutscher Gegenangriff aus Richtung Kreuztal-Bergstraße brachte den amerikanischen Vormarsch vollends zum Stillstand und drängte die amerikanische Infanterie zurück, so dass die Front in der Nacht etwa über Köttingen-Dörnerstraße-Schönstein verlief. Während der restlichen Nachtstunden kam es noch zu vereinzelten Schießereien im südlichen Ortsbereich, der im Verlauf des 30. März dann nach einigen Gefechten restlos erobert wurde. Bis zum nächsten Tag wurde der Frontbereich gesichert und die Infanteristen des 28. US Infanterieregiment drangen auf voller Breite bis an die Sieg vor. Im Raum Wissen sah die Lage etwa wie folgt aus: Zwischen Schönstein und Kleehahn hatte Infanterie die wichtigsten Vorposten besetzt, in Wissen war eine verstärkte Kompanie eingesetzt und sicherte von Schönstein über Bahnhof Wissen entlang der Gleise bis zum kath. Friedhof. In Richtung Etzbach wurde durch verstärkte, mobile Patrouillen die Linie gesichert.

Die Lage in Wissen am 31. März vor dem Angriff über die Sieg.

Die Lage in Wissen am 31. März 1945 vor dem amerikanischen Angriff über die Sieg.

In dieser Lage erteilte die Division am frühen Abend des 31. März 1945 den Befehl, bei Wissen die Sieg zu überqueren und einen Brückenkopf zu bilden. Kurz nach 22 Uhr wurden die Befehle an die Kompanien erteilt und um 23.00 Uhr gingen die GIs in ihre Ausgangsstellungen bei Schloss Schönstein. Mit Hilfe der Fußgängerbrücke sollte ab Mitternacht bei Frankenthal die Sieg überquert und auf den Kucksberg vorgestoßen werden. Es dauerte bis 4.35 Uhr, bis die Kompanien den Fluss überquert hatten und besonders das Gelände der Walzwerke, den Bereich um das Gefangenenlager und den Sandberg von deutschen Kräften bereinigt hatten. Am Morgen des 1. Aprils stand das II. Bataillon des 28. US Infanterieregiments um 7.20 Uhr mit ersten Soldaten in der Brückhöfe und hatte den Kucksberg gesichert. Erst jetzt konnte der Angriff auf Richtung Öttgesborn und mit eindringen in die Brückhöfe ausgeweitet werden.

Während dieser knapp mehr als 5 Kilometer langen Exkursion haben wir uns die damaligen Fronträume angeschaut und ich berichtete darüber, wie sich die Kämpfe besonders um Bereich des Sandberges und im unterhalb liegenden Industriegebiet währen des Tages ereigneten. Unser Weg folgte im Groß der Route einer amerikanischen Kompanie. Unbekannt war, dass sich bereits im Bereich des ehemaligen Zwangsarbeiterlagers die ersten Waldkämpfe zwischen dem deutschen Grenadierregiment 957 und dem amerikanischen 28. Infanterieregiment ereigneten, dass es also bereits unmittelbar nach dem Sieg-Übergang zu ersten Gefechten gekommen ist.

Unser Weg auf den Kucksberg führte an einer deutschen Granatwerfer-Stellung vorbei, deutlich kann man auch heute noch den Zugang in die Stellung erkennen. Als wir auf der Höhe des Kucksberg angekommen waren, erläuterte ich, dass die Amerikaner auf Grund des deutschen Widerstands für eine Wegstrecke von gerade mal 2 Kilometern knapp 7,5 Stunden gebraucht hatten und das zur gleichen Zeit im Bereich des Sandberges und in den alten Walzwerken noch immer verbissen gekämpft wurde. Erst nachdem die amerikanischen Soldaten den Sandberg umgingen und die deutsche Linie von hinten angingen, brach der schwere dort Widerstand langsam zusammen. Erst jetzt stand der Weg in die Brückhöfe offen, der aber noch immer gegen fanatischen Widerstand erkämpft werden musste.

Besonders eindrucksvoll war vermutlich für die meisten Teilnehmer der Blick aus den ehemaligen Frontstellungen des Dünnwalder Volkssturms auf die Stadt Wissen.

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Captain (Hauptmann) Clyde Trivette kommandierte die „Easy“-Kompanie, die sich in der Brückhöfe festgesetzt hatte und ist während der schweren Kämpfe des 5. April 1945 gefallen.

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Der in der Brückhöfe gefallene Oberleutnant Otto Weimer. Er kommandierte die 2. Kompanie des Grenadierregiments 957.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Reste vom Zwangsarbeiter-Lager  am Weg auf den Kucksberg.

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Beschussschäden an den Pfeilern der Wissertalbahn über die Sieg in Wissen. Der Text der angebrachten Tafel gibt als Datum der Zerstörung den 5. April 1945 an. Dieses Datum ist allerdings nicht korrekt, da sämtliche Brücken in Wissen am 28. und 29. März 1945 durch Sprengung zerstört wurden.

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Blick von der Siegbrücke auf den Sandberg. Vom Sandberg aus beobachtete Generalfeldmarschall Walter Model die Kämpfe in Wissen.

 

Ralf Anton Schäfer

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ich bin als Gründer für diese Seiten verantwortlich.
In den Jahren meiner Recherchen habe ich umfangreich Materialien zusammengetragen zu den Infanteriekämpfen der Endphase im Zweiten Weltkrieg. Der Archivbestand umfasst viele Tausend Seiten und deckt im Groß den Westen für die Zeit von der Landung der Alliierten in der Normandie bis zu den letzten Kämpfen um den Ruhrkessel.
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